• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:
Mel´s Mikrokosmos

A miracle is on it’s way

Kennt ihr dieses glückselige, positive, liebliche Gefühl, wenn ihr genau wisst, dass es nicht mehr lange dauert, bis etwas ganz großartiges passiert? Nicht? Ich auch nicht. Ernsthaft jetzt, aber im Moment habe ich nur die allmorgendliche Ahnung, dass ich am Ende des Tages wahrscheinlich wieder total k.o. im Bett liege und erst dann realisiere, dass ich den ganzen Tag eigentlich wieder wie ein Lemming mit all den anderen Lemmingen da draußen um die Wette gelaufen bin. Was ich den lieben langen Tag so alles gemacht habe, weiß ich abends im Bett oftmals nicht mehr und warum ich es gemacht habe, frage ich mich ohnehin schon lange nicht mehr, denn Fragen nach dem Warum enden meist mit völlig wirren Gedanken, wie zum Beispiel: „Kann durch die richtige Beleuchtung die hässlichste Person hübsch sein?“ oder „Kann man Gewicht verlieren, wenn man seinen Bauch reibt?“. Oder der Klassiker: „Wo hat das Weltall seinen Anfang und wo das Ende?“ Grübeleien über jene Frage sollten daher tunlichst vermieden werden, wenn man am nächsten Tag wieder Lemming spielen muss, denn es raubt einem nicht nur die Nerven, sondern auch den Schlaf.

Aber wenn wir trotzdem tief in uns hineinhorchen, können wir es derzeit ganz subtil fühlen: Positive Schwingungen, die uns erahnen lassen, dass irgendwas in der Luft liegt. Dass etwas in absehbarer Zeit geschieht. Etwas Gutes. Und ich spreche nicht von einer 90% Rabatt-Aktion bei Zalando oder einer wundersamen Schlank-im-Schlaf-Transformation über Nacht. Nein, es sind diese Gefühle, die man nur hat, wenn man weiß, dass man in der Vergangenheit einiges geschafft oder geleistet hat, was uns für einen Neubeginn nahezu prädestiniert. Oftmals hat man diese positiven Vibes nämlich genau dann, wenn man gerade realisiert hat, dass man ein womöglich sehr dunkles und unliebsames Kapitel beendet hat und dabei ist, eine neue Seite im Buch des Lebens aufzuschlagen. Ich appelliere an dieser Stelle übrigens auch an diejenigen, die nach ekelhaften und bösen Lebensabschnitten versucht sind, das Buch einfach zuzuschlagen. Das wäre dann doch etwas gnadenlos, vor allem sich selbst gegenüber. Lieber eine neue, unverbrauchte Seite aufschlagen, denn das hat etwas von Reinheit, Echtheit und Makellosigkeit. In der Schulzeit haben wir uns schließlich auch wesentlich mehr Mühe mit Schönschrift gegeben, wenn wir ein neues Schulheft aufgeschlagen haben, als bei einem zerknitterten, hutzeligen Heft, das schon total vollgekritzelt war. Wir schlagen also diese neue Seite auf und wissen zeitgleich: Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und wir sind bereit, dem Zauber des Neuen einen Chance zu geben. Es ist ein wahrlich befreiendes Gefühl, zu wissen, dass man gewissen Menschen oder Gegebenheiten nicht mehr nachtrauern oder sich über sie ärgern muss, oder?

In diesen Phasen des Lebens glaube ich auch fest daran, dass man besonders motiviert und aufgeschlossen allem Neuen gegenüber sein sollte. Wenn man nämlich wunderbaren Zeiten entgegensehen möchte, muss man selbst wunderbar sein. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass man sich gerade in dieser Zeit eine neue Frisur zulegt, die lang geplante Reise endlich in die Tat umsetzt oder sich für den Yoga-Kurs anmeldet, den man schon so lange machen wollte. Alles schreit nach Veränderung.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Im Grunde nicht schwierig, so lange man jetzt nicht in kompletter Freude über diese positiven Entwicklungen nackt auf den Tisch des Chefs springt und ihm in einem Indianertanz demonstriert, dass man sich von den starren gesellschaftlichen Fesseln endlich gelöst hat und ab jetzt auf jegliche Konventionen pfeift. Aber genau Jetzt und Hier stelle ich mir die Frage: Wenn man beide Hände frei haben möchte und loslässt: Stürzen wir dann ab? Und: Wenn wir uns lösen von dem, was uns runterzieht: Können wir dann fliegen?

Sicherheitshalber sollten wir uns prophylaktisch schon mal Knie- und Armschoner anlegen und gegebenenfalls einen Helm, denn eventuelle Abstürze oder gar Höhenflüge könnten so einige Verletzungen nach sich ziehen. Außerdem hat uns die Vergangenheit gelehrt, dass ein gebrochener Arm genauso schmerzt, wie ein gebrochenes Herz. Und genau deshalb fangen wir oft an zu zweifeln und der anfängliche Tatendrang verwandelt sich auf einmal in Skepsis und Unsicherheit. Wir sind nun mal kopflastige, kauzige Freaks. Irgendwas ist immer. Und irgendwie hämmern wir uns liebend gerne genau jetzt ein Brett vor den Kopf, das uns plötzlich in unserer Freiheit und unserem Eifer einschränkt.

Es ist aber so: Wenn wir spüren, dass die Zeit für einen Neuanfang gekommen ist, sollten wir ihn nicht dadurch zerstören, in dem wir plötzlich an diverse Miseren der Vergangenheit denken. Man lernt nur schwimmen, wenn man zuvor eine ganze Menge Wasser geschluckt hat. Und mit einem Brett vorm Kopf, sieht schwimmen darüber hinaus auch ziemlich scheiße aus. Man kann ein Wunder nur zur Türe reinlassen, wenn man diese auch aufmacht. Andernfalls zwängt sich das Wunder vielleicht durchs gekippte Fenster, und dann bleibt es womöglich stecken. In meiner Fantasie sieht ein Wunder übrigens aus wie eine dicke rosa Wolke mit einem noch dickeren und lachenden Gesicht. Durch ein Kippfenster kommt das Ding also definitiv nicht. Und wenn wir doch schon dieses unbändige Bauchgefühl haben, dass demnächst etwas Gutes passiert, dann sollten wir unsere Zeit gefälligst nicht damit verschwenden, an die Zeit davor zu denken, sondern endlich daran glauben, dass diesmal alles gut werden kann.

Ohne Wunden keine Wunder

Wenn wir an der Schwelle eines neuen Lebensabschnitts stehen, fangen wir nur deshalb an, zu zweifeln, weil wir nicht wissen, was uns erwartet und was auf uns zukommt. In diesen Zeiten ist es wichtig, dass wir uns daran erinnern, wie wir uns als Kinder allem Neuen gegenüber verhalten haben. Wir waren aufgeschlossener, neugieriger, forscher. Wenn wir Skateboard fahren wollten, haben wir uns einfach aufs Brett gestellt und sind losgedüst. Wenn wir uns mit dem Ding die Knie aufschlugen, tat es weh, aber wir machten danach trotzdem weiter. Wir haben uns bei neuen Bekanntschaften und Freundschaften keine Gedanken darüber gemacht, was man über uns denken könnte oder ob man uns etwas Gutes oder Böses will. So etwas wäre uns nie in den Sinn gekommen, weil es für uns Zeitverschwendung gewesen wäre. Alles, was wir wollten, war Spaß und unser Leben genießen. Wir dachten nicht an die Zukunft, wir waren einfach im Hier und Jetzt und das war es, was wirklich zählte.

Am Ende ist es doch so: Vielleicht haben wir heutzutage Angst, die Kontrolle zu verlieren, sobald wir frei und unbeschwert durch die Welt marschieren. Vielleicht sind wir auch einfach nur vorsichtig und ängstlich und verpassen so die Wunder, die sich längst ankündigen und bereits mit dem Zaunpfahl winken. Also Helm aufsetzt und Knieschützer angelegt und los geht’s. Wir werden alle nicht jünger und genauso wenig kann uns jemand sagen, ob Wunder mit Wunden einhergehen. Aber genau das sollten wir dem Kind in uns überlassen. Dem Kind in uns, das sich so aufgeschlossen, neugierig und forsch an Neues wagt, wie einst auf dem Skateboard. Ohne Angst und Sorge vor dem, was kommt. Ohne Grübeleien, was passieren könnte und was nicht.

Vielleicht müssen wir uns im Leben erst diverse Wunden zuziehen, damit wir das Wunder erkennen, wenn es irgendwann lachend und rosa vor uns steht.

Previous ArticleNext Article