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Titelstory

Ab in den Garten

Urlaub vor der Haustür? Wer unbedingt am Straßenrand in Lärm und Dreck vorbeifahrender Autos sitzen will, kann das gerne tun. Wir aber verlassen das Haus durch die Hintertür, denn hier warten grüne Wunderwelten! Anhand von vier Beispielen zeigen wir, was 2018 so alles geht in Saarbrücker Gärten.

Actionstar Liam Hemsworth („Die Tribute von Panem“) bekannte schon vor knapp zwei Jahren“: „Ich bin unter die Gärtner gegangen: Letzte Woche habe ich meine ersten Gemüsebeete angepflanzt.“ Damit ist er nicht alleine. Nach einer aktuellen Untersuchung der Krankenkassen ist Gärtnern, nur geschlagen vom süßen Nichtstun auf dem heimischen Sofa, die zweitliebste Freizeitbeschäftigung der Deutschen. Allerdings hat sich in unseren Gärten auch jede Menge getan. Die sind längst Orte ganz aktiver Freizeitgestaltung oder echte Kinderparadiese geworden und statt üppiger Blumenpracht sprießt jetzt allerorten Nützliches wie Salat und Tomaten aus den Beeten.

 

Aktuell besitzen rund 35 Millionen Bundesbürger, also praktisch jeder zweite Privathaushalt einen eigenen Garten. Darunter sind übrigens eine Million Schrebergärten von durchschnittlich 370 qm Größe, die uns Deutsche zu europäischen Spitzenreitern machen. Diese Form von Opas „Gated Commnity“ war lange Inbegriff der Spießigkeit, aber wir haben auch hier ein Beispiel gefunden, dass die richtig aufgemischt werden. Und genau damit beginnen wir unsere Besuche in Saarbrücker Gärten

 

Wildscheine im Smoker

Keine Angst, im Saarbrücker Almet gibt es auch jede Menge quicklebendiger Wildschweine. Im Garten von Sascha Stroschke sind sie allerdings öfter auf einem seiner Schwenker oder im Smoker anzutreffen. Tatsächlich war die kulinarische Seite des Gärtnerns der Hauptbeweggrund für den Junggärtner und bekannten Techno-DJ sich um eine Parzelle zu bemühen. Seit drei Jahren sind nun 450 qm voller verschiedenster Gemüse und Kräuter sein ganzer Stolz.

 

In welchem Zustand war dein Schrebergarten, als du ihn übernommen hast?:

„Der war komplett leer, da war gar nix drin außer dem Holzhäuschen. Da musste ich erstmal ordentlich mit der Sense ran. Der Vorbesitzer war verstorben und hier war alles zugewuchert. Die größte Baustelle ist immer noch das Häuschen, das oben und unten zu faulen beginnt. Abriss und Neubau wäre der einfachste Weg, aber dann dürfte es nach dem „neuen Recht“ hier nur noch ein Bruchteil der Fläche haben wie jetzt. Da ich es aber in der Größe erhalten will, muss ich es Stück für Stück instand setzen.“

 

Hattest Du irgendeine gärtnerische Erfahrung oder Vorbildung?

„Ich bin da reingewachsen. Am Anfang hatte ich gar keine Ahnung und hab‘ mir zum Start auf dem Flohmarkt ein Gartenbuch gekauft. Dann hab ich im ersten Jahr hier gesessen und mal geguckt, wie die Sonne wandert, um dann zu entscheiden, wo was hinkommt wegen Schatten und Halbschatte und so. Das war für mich als Stadtkind aber alles komplettes Neuland.“

 

Mittlerweile sieht es hier mit überbordenden Beeten, Hochbeeten und einem Gewächshaus aber beeindruckend organisiert aus?:

„So ein Stück weit ist das für mich ein erster Schritt zur Selbstversorgung. Hier kann ich in kleinem Maßstab alles Mögliche ausprobieren und mir aneignen und Techniken erlernen und glücklicherweise hat bis jetzt auch alles geklappt. Mein Ziel ist, in ein paar Jahren mit einem größeren Grundstück, wirklich ganz autark zu werden.“

 

Dass bei Dir Lebensmittel und das Thema Essen eine besondere Bedeutung haben, erkennt man auch an der Vielzahl der Grills und Schwenkern und einem Smoker?

„Grundsätzlich! Das ist eigentlich der Grund, warum ich den Garten habe. Alles Gemüse zum Essen selber machen und smoken, grillen, schwenken. In letzter Konsequenz bin ich hier zum Kochen, wann immer es möglich ist. November bis Februar geht nix, aber ab dann volles Programm. Sobald das Wetter es zulässt und erst recht im Sommer bin ich praktisch jeden Tag hier.

 

Und aus der Zahl der Sitzgelegenheiten lässt sich schließen, dass du die Ergebnisse deiner Gärtnerei gerne auch mit anderen teilst oder?

„Gerne, sehr gerne und jederzeit. Oft ist es so, dass ich Bilder poste, wie ich etwas in den Smoker mache, und ein paar Stunden später kommen die Leute ganz von alleine hier vorbei und genießen mit mir. Und viele meiner Freunde fangen auch in irgendeinem Rahmen mit Gärtnern an und teilen die Freude an Selbstgepflanztem und Eigengewächsen.“

 

 

Kinder an die Macht

Deutlich anders ist da die Motivationslage von Uli Hauck und seiner Familie. Ihr Garten liegt allerdings auch gleich hinterm Haus am Saarbrücker Stadtrand und bietet ebenfalls reichlich Essbares, von Äpfeln, Pfirsiche, Mirabellen über Paprika, Tomaten und Chillis bis hin zu Trauben und Beeren. Doch schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass es hier in erster Linie um den Spaß der jüngsten Mitbewohner geht. Baumhaus, Trampolin, Sandkasten, Planschbecken und mehrere Rutschen sind eindeutige Indizien für die hauptsächliche Nutzung.

 

Du hast ja gewissermaßen in den Garten eingeheiratet. Hattest Du vorher eigene Erfahrungen?

„In meinen eigenen Wohnungen eher nicht, aber bei meinen Eltern hatte ich natürlich irgendwann mal einen Garten.“

 

Jetzt ist euer Garten ja vorrangig auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet, aber was würdest Du noch gerne für Dich realisieren wollen?

„Was ich noch gerne machen würde, wäre so eine Lounge Ecke, vielleicht aus Paletten gebaut, wo man noch gemütlicher sitzen könnte. Außerdem finde ich so ein Gartenhaus nicht schlecht, in dem man sowohl seine Sachen ein bisschen unterbringen könnte als es auch im Winter nutzen könnte. Und was ich noch cool fände, aber was unrealistisch ist, wäre so ein Hotpot, wie ihn ein Bekannter von mir hat Ein großer Holzzuber, den man anschüren und sich dann wie in einem Whirlpool setzen kann.“

 

Aber auch den Garten wie er jetzt ist nutzt Du doch gerne?

„Auf jeden Fall. Gartenpflege ist zwar nicht so mein Fall. Blumen und so mach‘ ich gar nicht, wenn dann höchstens Rasen mähen. Aber ansonsten den Garten nutzen, grillen, mit den Kindern spielen – täglich. Das gilt zum Beispiel auch für alle möglichen Tätigkeiten wie Fahrrad-Reparaturen. Anstatt im Keller rumzuschrauben erledige ich das im Garten.“

 

 

HighTech meets Style

Vom Chaos spielender Kinder ist bei Walter Ries, einem der umtriebigsten Saarbrücker Jungunternehmer, keine Spur. Der Garten seines Hauses in einem Saarbrücker Vorort zeigt sofort drei Dinge: der Mann ist erfolgreich, er hat Geschmack – aber Gärtner wird er wohl nie. Rudyard Kipling hat zwar einmal gesagt „Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt“. Walter Ries lebt den Gegenbeweis!

 

Wie viel hatte Deine Entscheidung hier einzuziehen mit dem Garten zu tun?

„Überhaupt nichts. Ich wollte immer eine Wohnung haben, nie ein Haus mit Garten. Dann hat sich aber hier die Doppelhaushälfte angeboten – und der Garten ist ja relativ klein. Das sind vielleicht 100 qm, das reicht mir aber auch. Den hab‘ ich mir dann dieses Jahr schön machen lassen mit einer zweiten Terrasse auf der Wiese, wo man mit Freunden schön sitzen kann. Für mich einfach die richtige Größe, auch weil ich ein bisschen faul bin, nicht umsonst habe ich für die paar Quadratmeter einen Rasenmäher-Roboter. Für Grillen und Whirlpool ist es aber perfekt. Und ich hab‘ auch schon eine Party für hundert Mann hier gemacht – geht auch!“

 

Für Dich geht es also offensichtlich nicht ums Gärtnern sondern eher um Geselligkeit?

„Genau. Jetzt, wo ich ihn hab‘, finde ich es auch schön einen Garten zu haben. Genauso geht’s mir mit dem Keller. Ich hab‘ nie einen gebraucht, aber jetzt ist er eben ganz praktisch. Also eigentlich Mittel zum Zweck, aber jetzt genieße ich es doch, weil es schon schön ruhig ist hier und schön grün.“

 

Ob der übersichtlichen Größe und des technischen Helferleins hält sich der Aufwand wahrscheinlich auch in Grenzen?

„Einmal im Jahr muss der Gärtner kommen, um die Buchenhecke zu schneiden, das kann ich auch gar nicht. Den Rest macht der Mähroboter, manchmal besser, manchmal schlechter, aber mittlerweile läuft es hier und ich hab‘ alles im Griff.“

 

Wieviel Zeit verbringst Du bei entsprechendem Wetter unterm Strich im Garten?

„Ich bin leider super hitzeempfindlich und es wird mir sehr schnell zu heiß. Ich hab‘ ja sogar auf der Terrasse einen Ventilator stehen, der zur Kühlung auch Sprühnebel schießt. Ich bin also alles andere als der Sonnen- und Hitzemensch. Zusätzlich hab‘ ich jetzt das Problem, dass dieses Jahr abends ab acht, neun Uhr massiv die Stechmücken kommen und ich das alles hier nur so halb genießen kann.“

 

Trotzdem würdest Du wohl inzwischen auf einen Garten nicht verzichten wollen?

„Nee, auf keinen Fall. Immer wieder mit Garten. Ich begrille halt auch gerne Leute und habe hier dann praktisch jeden Tag den Grill an. Ansonsten ist Whirlpool, Shisha rauchen und zwischendurch bisschen was essen einfach eine ideale Kombi.“

 

 

Die Nauwies ist grün

Zum guten Schluss geht’s ins Nauwieser Viertel, wo Gärten absoluten Seltenheitswert haben. Aber es gibt hier und da auch versteckte Oasen, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Ein herrliches Beispiel hierfür ist der grüne Hof hinter dem Salon von Friseurmeisterin Agnes Kafka in der Försterstraße. Kundinnen der Haarwerkstatt ist dieses Kleinod seit 2002 wohl bekannt, denn wenn das Wetter es zulässt, kommen Kamm und Schere hier unter freiem Himmel zum Einsatz. Die ansehnlichen Hochbeete machen auch hier deutlich, dass der Anbau von Obst, Kräutern und Gemüse gerade auch im städtischen Raum immer mehr und mehr Freunde findet. Die Frisurkünstlerin selbst scheint davon allerdings unbeeindruckt.

 

Du erfreust Dich im Wesentlichen an den Hochbeeten und Pflanzen Deiner Nachbarn und nutzt die grüne Oase zum Arbeiten und Entspannen oder wächst da auch was von Dir?

„Natürlich hab‘ ich auch ein paar Pflänzchen rausgestellt, der Bambus zum Beispiel ist von mir.“

 

Hat das Kleinod im Hinterhof damals bei der Entscheidung für dieses Ladenlokal eine Rolle gespielt?

„Doch, auf jeden Fall. Ich wollte doch schon immer draußen Haare schneiden, auch wegen des Lichts. Und für die Kunden ist es auch ein besonders schönes Ambiente.“

 

Was neben dem beeindrucken Pflanzenwuchs auffällt sind die Kunstwerke im Salon aber auch unübersehbar im Garten, die dem Ganzen eine sehr urbane Note verleihen. Was ist das für eine Ausstellung?

„Im Augenblick von Alex Karle. Aber die Ausstellungen wechseln so etwa alle halben Jahr. Bei Alex hat sich halt der Garten wegen des Sprühens angeboten und außerdem war das auch noch Teil einer Filmaktion. Aber erst das Entgegenkommen meiner Vermieterin hat diesen besonderen Garten möglich gemacht.“

 

 

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