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QueerGedacht  

Homosexualität: Wo steht unsere Gesellschaft?

Ist Homosexualität in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen – endlich nach jahrzehntelangen Kämpfen um Gleichberechtigung? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten!

Einerseits erfolgt gerade die kritische Auseinandersetzung und Aufbereitung der Bundeswehr zur Historie des eigenen Umgangs mit Homosexualität – zweifelsfrei mit dem klar erkennbaren Ziel jene von institutioneller Diskriminierung Betroffene zu rehabilitieren. Dabei ist auch das authentische Ansinnen deutlich erkennbar, den Umgang mit Homosexualität im eigenen Hause zu reformieren und zu modernisieren. Andererseits ist es in unserer Gesellschaft offenkundig noch legitim, die persönliche Antihaltung zur „Ehe für Alle“ durch eine Gleichstellung von Homosexualität mit zurecht strafrechtlich verfolgten Handlungen (Inzest) und Polygamie zu argumentieren.

Gleichzeitig ist das Signal wiederum begrüßenswert,die LSU (Lesben und Schwulen in der Union) als eigenständige CDU/CSU-Parteiorganisation innerhalb der Unionsfamilie anzuerkennen. Denn diese Entscheidung suggeriert ganz klar die längst überfällige Besinnung auf die christlichen Werte.
Hin zur vollständigen Volkspartei, durch klare Abkehr blinder Gefolgschaft der Wertevorgaben einer kirchlichen Institution mit mittelalterlichen Dogmen und unreflektierten Glaubensriten. In diesem Kontext wird glücklicherweise auch die parteiübergreifende Diskussion und ernsthafte Forderung lauter, die Diskriminierung schwuler Männer durch das Blutspendeverbot abzuschaffen – endlich!

Denn aktuell dürfen schwule Männer kein Blut spenden, es sei denn sie leben nachweislich mindestens zwölf Monate enthaltsam. Hiermit wird unterstellt, homosexuelle Männer seien Krankheitsüberträger. Eine demütigende Ausgrenzung, die angesichts fehlender Blutkonserven nicht nachvollziehbar ist. Solche „Diskriminierungen“ nähren folglich auch den Boden für fanatische Religionsanhänger, die meinen, dass queere Menschen für die Ausbreitung des COVID 19-Virus verantwortlich seien.

Derartiger Unfug hat die polnische Regierung gleichwohl dazu bewogen, landesweit insgesamt 103 Gemeinden, Landkreise und so genannte Woiwodschaften zu „LGBT-freie Zonen“ zu erklären. Dieser Haltung schließen sich die eindeutig homophoben Positionierungen der amtierenden Präsidenten der mitunter größten Weltmächte USA und Russland nahtlos an.

Diese Beispiele und angedeuteten Wirkungsketten offenbaren: auch heutzutage sind wir in unserer Gesellschaft noch weit entfernt von einem gelebten Selbstverständnis von LGBTQ in allen Lebensbereichen. Dem widersprechen schlichtweg die erlebten Fakten. Auch im 21. Jahrhundert scheint es zur echten Gleichberechtigung von LGBTQ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell/Transgender und Intersexuell) leider noch ein weiter Weg.

Ein Weg den es sich weiter zu gehen lohnt – nach jahrzehntelangen Kämpfen um Gleichberechtigung.
In Zeiten der Strafbarkeit war es insbesondere die Leistung vieler sehr mutiger, schriller Paradiesvögel, die sich gegen die damalige Strafbarkeit und Willkür gegen Homosexuelle zur Wehr setzten. Sie legten damit die Grundlage für unsere bereits erreichte Gleichberechtigung und Freiheit der heutigen Zeit, auch wenn damit viele schmerzvolle Opfer einhergingen.

Ganz klar…lange Zeit war es notwendig mit schrillen ausgelassenen Paraden zu zeigen „Wir sind da! Uns gibt es und ihr könnt unsere Existenz nicht leugnen! Wir feiern, dass wir anders sind. Wir stehen dazu und lassen uns nicht unterkriegen!“ In Zeiten des §175 StGB und offener Denunzierung war das alleinige Stattfinden einer Parade bereits wichtige Botschaft an sich.

Aber nimmt heute noch jemand diesen Hintergrund bzw. politischen Inhalte während der CSD-Demonstration wahr? Oder steht hier mittlerweile ausschließlich das ausgelassene Faschingstreiben im Vordergrund, das ausschließlich die Klischees befeuert, Schwule seien ausschließlich schrille tuntige Paradiesvögel, die gut feiern können und unisono Promiskuität zelebrieren?

Das wäre ebenso schade wie auch falsch! Ganz klar das gibt es. Das ist jedoch keinesfalls ein allgemeingültiges und stereotypes Verhaltensmuster oder Wesen eines schwulen Mannes. Genau so, wie auch nicht jede lesbische Frau LKW-Fahrerin ist. Bedauerlicherweise wird dieses falsche Bild von Homosexuellen auch noch durch die eigene „Szene“ oft befeuert, die Klischees demonstrativ – offenbar als Trotzreaktion oder Schutzschild gegen Ablehnung – überzeichnet zelebriert.

Oftmals ereknnt „die Szene“ nicht, dass sie sich mit diesem Verhalten selbst im Weg steht. Zum Beispiel bei dem eigenen Wunsch nach einer monogamen Liebesbeziehung in Form einer gelebten Partnerschaft, die offen ausgelebt wird.

Das ist heute möglich! Und genau diese Freiheit und Selbstverständlichkeit ist die Errungenschaft unserer Gesellschaft und aller Vorreiter, die eine solche Option zur Selbstverständlichkeit erkämpft haben. Bei aller Vielfalt gilt es, genau diese Selbstverständlichkeit jetzt einzufordern und sichtbar zu leben – ohne sich selbst oftmals diskreditierender Klischees unbewusst zu unterwerfen.

Der Grundstein dafür ist gelegt; heute genießt das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare in Form der „Ehe für alle“ die Akzeptanz und den Schutz des Staates – eine gesellschaftliche Errungenschaft, die in den mutigen Pionieren des Christopher Street Days ihren Anfang fand.

Also lasst uns für diese Werte der Selbstverständlichkeit, Freiheit und Gleichberechtigung einstehen und diese zelebrieren:

Bis ein Profifußballer auch während seiner Karriere selbstverständlich zu seinem Mann steht, und damit nicht mehr bis zur Beendigung seiner Laufbahn wartet – weil es noch immer der gesellschaftliche Druck von ihm fordert.

Bis nicht mehr ausschließlich Klischees befeuernde Hupfdohlenformate wie Prince Charming als Errungenschaft der Gleichberechtigung im deutschen Fernsehehen gelten, sondern einfach der nächste James Bond selbstverständlich schwul sein darf.

Bis homosexuelle Rapper selbstverständlich und öffentlich über ihre schwule bzw. lesbische Beziehung rappen, ohne Mobbing und Ausgrenzung aus dem Business zu befürchten.

Bis ein homosexuelles Paar selbstverständlich gemeinsam bei einem offiziellen Staatsempfang erscheint – ohne dass der gleichgeschlechtliche Partner die Öffentlichkeit meidet, weil es die Gesellschaft vermeintlich nicht akzeptiert.

Deshalb: Werdet nicht zum unbewussten Argumentationslieferanten für Spalter und Volksverhetzer, die Homosexualität noch immer kriminalisieren oder pathologisieren. Sondern macht euch selbst zum Anwalt und Kämpfer für die Selbstverständlichkeit von Homosexualität in allen Lebensbereichen unserer Gesellschaft! Lasst uns gemeinsam einstehen für integrative Selbstverständlichkeit, für Respekt und Wertschätzung von Vielfalt. Das sind die wahren Werte und Errungenschaften für neue Generationen!

Boris Becker – Hochbunker – Photographien von Architekturen und Artefakten

Das Saarlandmuseum, Moderne Galerie zeigt aktuell in zwei Teilen die Ausstellung „Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artefakten.“ Boris Becker (* 1961, Köln) ist ein deutscher Fotograf, Filmemacher und ehemaliger Verleger. Motive seiner Arbeiten sind meist Konstruktionen und Details aus Architekturen und Landschaften. Von 1984 bis 1990 schuf Boris Becker die Reihe „Hochbunker“. Für diese Ausstellung hat der Künstler sein umfangreiches Archiv der Bunker-Aufnahmen ausführlich gesichtet und aus gegenwärtiger Perspektive reflektiert. Er lotet die höchst unterschiedlichen Bauformen mittels Schwarz-Weiß-Fotografie sowie auch in Farbe aus, betrachtet sie in ihrem zumeist städtebaulichen Umfeld und bildet Oberflächenstrukturen und vorgefundene Details ab. Entstanden ist ein fundamentales Archiv der in Westdeutschland ab 1940 gebauten Hochbunker, das in großen Teilen in der Ausstellung präsentiert wird und dabei mit jüngeren, großformatigen Farbfotografien des Künstlers kombiniert wird. Auch bei diesen neueren Arbeiten liegt der Fokus auf Architekturen oder Artefakten. Sie lassen vielfältige formalästhetische und inhaltliche Bezüge zu den historischen Großbauten zu, sodass insgesamt Beckers grundlegende fotografische Fragestellungen und Motivwelten zum Tragen kommen.

Boris Becker – Hochbunker. Photographien von Architekturen und Artefakten – Teil I: noch bis zum 18. Oktober 2020, Teil II: vom 27. Oktober 2020 bis zum 31. Januar 2021 im Saarlandmuseum, Moderne Galerie, in Saarbrücken

Mein Lieblingsding: Das 8-Kanal System

Zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Klangkünstler Roman Conrad als DJ Roman C in den Techno-Clubs der frühen Neunziger. Seit er 16 Jahre alt war hatte er immer was mit Musik und Sound zu tun, sei es als Tontechniker in einer Band, als Veranstalter, Collector, Producer und Klangforscher oder eben als DJ. Mit 40 begann der gebürtige Saarlouiser jetzt ein Studium an der HBK Saar, eine der wirklich raren Fakultäten in Deutschland an der man Klangkunst/Soundart studieren kann. Da wundert es auch nicht, dass sein aktuelles Lieblingsding auch Klang erzeugt, allerdings auf ganz besondere Art und Weise. „Mir macht es schon immer ein Spaß, Schallwellen zu erzeugen und sie sehr speziell in den Raum zu senden. Im Studium entwickelte sich dann meine Freude an Mehrkanal-Situationen. Das bedeutet mehrere Lautsprecher spielen zeitgleich ein Stück ab, aber die Informationen/Sounds kommen aufgeteilt aus einzelnen Lautsprechern. Man hört beispielweise vorne links eine Gitarre und Stimme hinten rechts. Man kennt sowas aus digitalen Kinobeschallungsanlagen mit den neuesten Dolby-Systemen. Mein System ist allerdings analog und basiert auf alten Bandmaschinen, die gewisse Stimmungen und Gefühle erzeugen, die ein Mp3 Player niemals herstellen kann. Angetriggert hat mich zu der Arbeit ein Lautsprecher in einem solchen System, der „Voice of God“ heisst und genau über dem Auditorium platziert ist.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rabatte, Geschenke und viele Vorteile

Im Rahmen der diesjährigen GLAMOUR Shopping-Week in der EUROPA-Galerie Saarbrücken kooperieren erstmals das Fashion- und Lifestyle-Magazin GLAMOUR mit dem Shopping-Center Betreiber ECE. Die Kunden haben mit der GLAMOUR Shopping-Card die Chance, Gutscheine und Rabatte der Aktion in der EUROPA-Galerie einzulösen. Bei 176 teilnehmenden Partnermarken können sich die GLAMOUR-Leserinnen und Leser auf das Beste aus Fashion, Beauty, Food, Sport, Travel und Living freuen. Die zahlreichen Rabatte, Geschenke und Vorteile bieten den Kunden ein ganz besonderes Shopping-Erlebnis ganz in ihrer Nähe, in der EUROPA-Galerie Saarbrücken. Die Besucher erwartet außerdem ein deutschlandweites Instagram-Gewinnspiel mit einem Hauptgewinn von 12.000 Euro, sowie zusätzliche Geschenke, Rabatte und Center-Gutscheine. Die Besucherinnen und Besucher müssen bei Ihrem Einkauf die GLAMOUR Shopping-Card oder die GLAMOUR Shopping-App vorzeigen und das Einkaufserlebnis der Extraklasse beginnt.

Die Einhaltung aller Hygienemaßnahmen und die Sicherheit der Besucher, Kunden und Mitarbeiter in den Centern wird durch das umfassendes Hygiene- und Präventivkonzept der ECE gewährleistet, welches von einem unabhängigen Hygieneinstitut zertifiziert wurde.

 

Grosse Klasse auf kleinem Feld

Saarländer können alles – und manches sogar besonders gut. Etliche Deutsche- und Weltmeister-Titel sprechen eine klare Sprache: das Saarland ist eine echte Macht im  Tischfußball!

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal in einer Kneipe eine Runde Tischfußball gespielt, dabei ordentlich Spaß gehabt und mehr oder weniger viel Ehrgeiz entwickelt. Und selbst bei Niederlagen bringt die Ansiedlung in Kneipen auch noch den unschätzbaren Vorteil mit sich, dass man sich mit etwas Glück daran nicht mehr erinnern kann. An der Saar gab es schon einen richtig organisierten Liga-Spielbetrieb als der Kickersport in anderen Bundesländern noch kaum verbreitet war. Entsprechend war bei der Gründung des Saarländischen Tischfußballverband (STFV) 1967, also bereits zwei Jahre vor dem Deutschen Tischfußball-Bundes (DTFB), das Saarland die absolute Hochburg dieses Sports. Neben zahllosen Hobby- und Zufalls-Kickern in ungezählten Gaststätten oder Hobbyräumen, sind aktuell nach Angaben des DTFB gut 8.000 Spieler bundesweit regelmäßig in organisierten Strukturen im Einsatz. Das Saarland ist da zahlenmäßig mit 2.100 Mitgliedern ganz vorne dabei und ist vor Hamburg mit nur 1.300 Mitglieder der stärkste Landesverband. Entsprechend spielt unser schönstes Bundesland der Welt traditionell eine starke Rolle im DTFB und stellt aktuell mit Klaus Gottesleben und Nicole Gabriel dessen Präsidenten und die Geschäftsführerin.

Daran, dass Tischfußball richtiger Sport ist, kann spätestens nach der 2012 vom Bundesfinanzministerium beschlossenen Änderung der Abgabenordnung kein Zweifel mehr herrschen. Das bedeutete den Durchbruch in einem lange geführten Kampf um offizielle Anerkennung und seitdem haben jeder Tischfußballverband und jeder Tischfußballverein die Möglichkeit zur Bestätigung  ihrer Gemeinnützigkeit. Für den saarländischen Tischfußball ein großer Schritt in eine bessere Zukunft, in der durch steigende öffentliche Anerkennung, vermehrte Kontakte und bessere finanzielle Ausstattung die Ziele, insbesondere im Bereich Jugendförderung, leichter erreicht werden können.

 

„Wir sind das Bayern München des Tischfußballs!“

Tischfußball erfordert ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit, Konzentration und Flexibilität in der taktischen Vorgehensweise. Körperliche Fitness ist zwar notwendig, um die erforderliche Ausdauer während der Wettkämpfe zu gewährleisten, allerdings sorgt der vergleichsweise geringe nötige Kraftaufwand dafür, dass sowohl Jugendliche wie Senioren als auch Frauen wie Männer sich Vereinen anschließen und auch bundesweit und international um die begehrten Titel kämpfen.

„Im Saarland gibt es aktuell 56 Vereine mit 77 Teams im Spielbetrieb Classic und 9 Vereine mit 14 Teams im Spielbetrieb Pro“ weiß Toni Coppola, der 2. Vorsitzende des STFV. Der mit Abstand erfolgreichste Verein darunter ist der sechsfache deutsche Meister TFC Braddock Burbach, von dem sein 1. Vorsitzender Mehmet Kosar selbstbewusst sagt: „Wir sind das Bayern München des Tischfußballs in Deutschland“. Was aber hat es nun mit den verschiedenen Spielklassen und Ligen auf sich? Auch hier hat Mehmet Kosar den Durchblick: „Im Saarland starten wir Kreis,- Bezirks-, Verbands- und Landesliga, daneben wird  der Saarlandpokal ausgetragen. On top gibt es noch den Spielbetrieb Pro, die Leistungsliga, in der nur die Tische zur Vorbereitung auf die Bundesliga gespielt werden, und den Classic Cup, der für die Mannschaften eingerichtet wurde, die nicht über Bundesligatische verfügen, und in dem eher der Spaß im Vordergrund steht.“

Die Tische sind also wenig überraschend das A und O beim Kickern und die verschiedenen Spielklassen definieren sich durch die verwendeten Tische – und die Unterschiede sind größer als man denkt. Zwar sind alle Modelle etwa gleich groß und haben fünf Stangen, die nicht immer die gleichen Abstände haben, aber da gibt es schon mal „Torwartstangen“ auf denen gleich drei „Puppen“ installiert sind. Die größten Abweichungen gibt es allerdings beim Material von Spielfläche und Ball und die reichen von ultraschnellen, polierten Glasböden bis zu Linoleum, worauf sich der Ball auch einklemmen lässt, und von verschieden harten Kunststoffbällen bis hin zu solchen aus Kork mit einem massiven Stahlkern. Und längst nicht alle Tische haben Teleskopstangen, sondern in der Mehrheit kommen Puppenträger zum Einsatz, die auf der gegnerischen Seite aus dem Tisch herausstechen können und ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordern

 

Zeig mir deinen Tisch und ich sage dir, was du spielst

 

In der saarländischen Classic Liga wird die lokale Tradition hochgehalten und auf dem Hansberg gespielt, einem echten Traditionalisten unter den Kickertischen. Im Saarland ist er heute noch heißgeliebt, viel gespielt und überall anzutreffen. Leider gehört dieser Klassiker zurzeit nicht mehr zu den in der Bundesliga gespielten Kickern, denn dort wird ausschließlich auf fünf vom Weltverband ITSF anerkannten Tischen gespielt.

Der von saarländischen Teams bevorzugte „Bonzini“ aus Frankreich sieht dem Hansberg ähnlich, kommt aber nicht ganz so monströs daher. Daher gilt er bei vielen Spielern als optisch schönster Tisch in der Kicker-Welt gilt. Der einzige Tischkicker aus Deutschland ist der Leonhart von der gleichnamigen Traditionsfirma aus dem niederbayrischen Pilsting. Ihn zeichnen ein kratzfestes Spielfeld, ein hohes transparentes Tor betonierte Füße und eine sehr weite Verbreitung in der gesamtdeutschen Kneipen-Szene aus. Aus Italien kommt der Garlando, ein Tischkicker, der mit seiner sandgestrahlten Glas-Spielfläche alle Techniken ermöglicht. An diesem Tisch geht nichts kaputt, auch nicht die leider recht billig aussehenden Spielfiguren. Ebenfalls aus Italien stammt der Roberto Sport mit Glasspielfeld, sowie aufgesetzten Ecken- und Bandenanhebungen. Extra für die ITSF entwickelt ist dieser Tisch, als der preiswerteste in diesem Quartett, auch für Gelegenheitsspieler eine interessante Alternative. Mit vollkommen ebener Spielfläche – auch in den Ecken – kommt der Tornado aus den USA daher. Deswegen hat er auch zwei zusätzliche Spieler auf der Torwartstange und zeichnet sich ansonsten durch ein exaktes Spielverhalten, enorme Standhaftigkeit und durch rutschfeste achteckige Griffe aus.

Mehmet Kosar aus Burbach, der im Übrigen auch schon als Nationalspieler glänzte, hat natürlich seine eigenen Erfahrungen mit vielen Tischen gemacht: „Zur Zeit wird in jedem Bundesland ein anderer Tisch gespielt. Das bedeutet andere Stangen, andere Böden, Puppen und Bälle. Hier im Saarland wird traditionell der Hansberg Tisch gespielt. Den kennt jeder, der stand in jeder Kneipe und kommt eben in den saarländischen Ligen zum Einsatz. Aber sobald man aus dem Saarland rauskommt, sieht man den Tisch nicht mehr. Früher war das mal so, dass jedes Team zu den Bundesligabegegnungen seinen Heimtisch mitgebracht hat, an dem wurde dann ein Satz gespielt und der zweite Satz am „auswärtigen“ Tisch. Weil wir aber bereits in der Vorbereitung auf den fremden Tischen trainiert hatten, war es für uns einfacher, uns auf die verschiedenen Modelle einzustellen. Und aktuell wird ja in der Bundesliga überall nur auf den gleichen fünf ITSF Tischen gespielt.“

 

Erfolg hat einen Namen: Braddock Burbach

Zurzeit ist der TFC Braddock Burbach der einzige saarländische Verein in der 1. Bundesliga. Mehmet Kosar hat die Erfolge von Anfang an miterlebt: „Als wir den Verein 1986 gründeten, war das in der Gaststätte „Braddock“, daher der Name. Abends in die Kneipe, trinken, rauchen, kickern – das war halt immer ein Kräftemessen unter Männern und hier ganz normal. Damals stand auch in jeder Kneipe ein Kicker. Da hat man dann 50 Pfennig eingeschmissen oder angelegt und „gefordert“ zum Spiel um ein Bier und ab ging’s. So sind dann in den Kneipen die Vereine entstanden. Wir haben von Beginn an erfolgreich am Spielbetrieb teilgenommen und ich war von Anfang an als Aktiver dabei – und bin es immer noch. Die Erfolge mein Jahrgänge, also 69 bis 74, sind kaum noch zu toppen, denn spätestens seit 1995 gehörten Spieler aus Burbach zu dem Besten was Tischi zu bieten hat. Wir haben bei der WM 2006 in Hamburg drei der insgesamt zwölf deutschen Nationalspieler gestellt, die es dann bis ins Finale gegen Österreich geschafft haben und Vizeweltmeister geworden sind. Mich persönlich macht es auch besonders stolz, dass es mir mit meinem Doppel-Partner Klaus Gottesleben, als erstem Deutschen überhaupt gelungen ist, die belgische Legende, Rekordweltmeister und wohl bestem Spieler aller Zeiten Frederic Collignon zu besiegen.“

Aber die Zeit ist nicht stehen geblieben und der Sport hat sich seitdem entwickelt. „Die Qualität ist auf jeden Fall gestiegen, allein aufgrund dessen, dass wir die internationalen Begegnungen spielen. Die Regeln wurden inzwischen auch verschärft. Früher durfte man den Ball bis zu 40 Sekunden auf einer Stange halten, jetzt nur noch zwanzig. Und so was wie Time-Outs gab’s früher auch nicht. Dem Sport an sich haben diese Veränderungen wirklich gut getan. Das Spiel mit der Fünfer-Reihe hat so an Bedeutung gewonnen und ist technisch ausgereifter geworden, während zuvor mehr Gewicht auf die Dreier- und Zweier Reihe gelegt wurde.

Wie nicht anders zu erwarten hat die Corona-Pandemie auch den Tischfußball getroffen. Die nötigen Maßnahmen treffen nicht auf ungeteilte Zustimmung. Mehmet Kosar erläutert: „Braddock Burbach boykottiert im Moment den Saarländischen Tischfußball Verband, weil die Saison nach nur 5 von 22 Spieltagen wegen Corona abgebrochen wurde, obwohl genau zu der Zeit die Corona-Maßnahmen bereits Woche für Woche gelockert wurden. Zum Zeitpunkt des Abbruchs standen wir mit allen drei Mannschaften überall an der Spitze.

 

Nachspielzeit

Toni Coppola vom saarländischen Verband sieht das natürlich etwas anders: „Wir haben im Saarland die Classic Liga abgesagt, weil die Mannschaften überwiegend in den Vereinslokalen spielen und da gab es halt Problem mit einzelnen Ordnungsämtern, bzw. mit den Platzangebot zur Einhaltung von Mindestabstände hinsichtlich der Aufrechterhaltung eines regelmäßigen Spielbetriebs. Der Pro-Spielbetrieb konnten wir jetzt schon wieder starten, weil wir den im Trainingszentrum in Ottweiler stattfinden lassen können. Dort gibt es die räumlichen Möglichkeiten und wir haben in etwas entzerrt in dem wir an zwei Tagen spielen, statt normal an einem. Wir hoffen, dann im Februar wieder mit der Classic Liga beginnen zu können.“

Doch der 1. Vorsitzende von Braddock Burbach macht auch nach der Pandemie Herausforderungen aus, die auf seinen Verein zukommen: „Mittlerweile muss man die Gaststätten mit Tischkickern fast schon suchen. Ich bin seit 34 Jahren dabei und glaube sagen zu können, dass ich mich in der Szene ganz gut auskenne. Früher stand noch in jeder Kneipe ein Tischi, aber jetzt gibt es zum Beispiel hier im Umfeld bis Molschd vielleicht noch zehn Kneipen, wo ein Tischi drin steht. Traurig aber ist so.

Genau darin sieht unter anderem auch der Präsident des Deutschen Tischfußball-Bundes Klaus Gottesleben allerdings eine Chance. Denn mit dem Aussterben der Kicker in den Kneipen sinkt naturgemäß auch die oftmals geringschätzende Wahrnehmung als „Kneipensport“. Auf diesem Hintergrund und im Zusammenspiel mit der fortschreitenden Anerkennung als „richtiger“ Sport besteht für den Tischfußball nämlich die Möglichkeit zur gesteigerten medialen Aufmerksamkeit und somit eine echte Gelegenheit sich neu in den Köpfen der Leute zu positionieren. Wenn man sich die in den letzten zwei, drei Jahren rasant steigenden Mitgliederzahlen selbst in bislang eher unterrepräsentierten Landstrichen, mit Steigerungen bis fast an 100%, anschaut, dann ist es um den Tischfußball alles andere als schlecht bestellt – nicht nur im Saarland!

Einfach mal die Klappe halten

Hallo Mikrokosmonauten: Können wir auch noch etwas anderes, als immer nur reden, reden, reden?

Es war einmal im alten Griechenland: Der weise Mann Sokrates bekam Besuch. Vor seiner Tür stand ein Mann, der in Athens Straßen als „Schwätzer“ bekannt war. Er war gekommen, um sich von Sokrates im Fach Rhetorik ausbilden zu lassen. Der Philosoph verlangte daraufhin ein doppelt so hohes Honorar wie sonst üblich. Natürlich wollte der Schwätzer den Grund für diesen ungewöhnlichen Aufschlag erfahren, und Sokrates gab zur Antwort: „Weil ich dir sowohl das Sprechen als auch das Schweigen beibringen muss!“. Rhetorik: So wird die Redekunst bezeichnet. Sie soll uns lehren, wie man mit Worten statt mit Taten überzeugt. Wer jedoch andauernd redet oder gar unentwegt plappert, wird andere eher nerven als überzeugen. Wichtiger noch schien für Sokrates aber etwas ganz anderes zu sein: Wer ohne Punkt und Komma schwätzt, lässt erkennen, dass er sich keine Zeit nimmt, vorab gründlich nachzudenken. Solche Menschen reden viel, haben aber kaum etwas zu sagen. Getreu einem alten japanischen Sprichwort: „Die Wissenden reden nicht, die Redenden wissen nicht“. Daher wollte Sokrates dem Schwätzer erst einmal eine Art Funkstille auferlegen, damit er diese als Denkpause nutzen konnte.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diese Denkpausen hin und wieder bitter nötig hätte. Meine Zunge eilt meinem Verstand nämlich öfter mal voraus. Manchmal kommt es mir so vor, als rede ich mich um Kopf und Kragen. Dabei ist doch erwiesen, dass man Menschen nach spätestens zwei Minuten ihres Monologes nicht mehr richtig zuhört. Vielleich auch nicht mehr zuhören kann, weil das Gehirn einfach abschaltet. Ich merke das manchmal daran, dass meine Mitmenschen mitten in meiner Rede anfangen, auf ihr Handy oder in den PC-Bildschirm zu starren, oder – auf die ganz harte Tour – sich mit einer entschuldigenden Geste und mit den Worten „Du, ich muss los!“ einfach vom Acker machen. Versteh‘ ich gar nicht. Ich hab‘ echt interessante Themen auf Lager. Okay, über das Orang-Utan-Sterben wegen Nutella während der Frühstückspause zu sinnieren, ist vielleicht nicht gerade das Beste, aber letztendlich müssen doch gewisse Dinge einfach mal angesprochen werden, oder nicht? Ich habe oft das Gefühl, wenn ich andere in gewisse Dinge nicht einweihe, bleiben diese womöglich unwissend und diese Tatsache verursacht in mir eine unerträgliche Unruhe. Dass ich finde, dass der Besucher von neulich mit seinem eckigen Kopf aussieht wie ein wandelndes TV-Gerät und dass ein jeder ihn mit einer angebrachten Antenne auf dem Kopf problemlos als solches enttarnen könne, mussten meine Kolleginnen am Empfang einfach erfahren. Dabei wäre ein gelegentliches Schweigen viel angenehmer, geheimnisvoller und am Ende vielleicht auch klüger? Wer Schweigen kann und bewusst mit Worten geizt, macht nämlich jedes einzelne davon nur wertvoller und bringt die Leute dazu, lange darüber nachzudenken, was wohl noch zwischen den Zeilen stecken könnte. Ich sollte also unbedingt an mir arbeiten. Aber wie? Denn wenn ich eines nur sehr schwer ertragen kann, dann ist es ein für mich unerträgliches Schweigen während eines Gesprächs. Füllen muss man es doch! Mit lebendigen Worten! Okay, ich muss gestehen, dass ich jenes Schweigen eher nervös mit allen möglichen Kommentaren fülle und so mitunter meine eigenen Schwächen enttarne bis hin zum gänzlichen Entzaubern meiner Selbst. Schweigen, so bin ich der Meinung, ist definitiv nicht Gold und zuweilen echt langweilig. Ich frage mich immer:

Wieso den Mund halten, wenn man auch angeregt plaudern kann?

Kommunikationsfähigkeit ist heute eine wesentliche Stärke im Beruf und ein wichtiger Karrierefaktor. Tagtäglich müssen wir formulieren, präsentieren, kritisieren, diskutieren. Wir reden viel, vergessen dabei aber gelegentlich, dass man sich auch um den Verstand reden kann. Man findet, meint, denkt, glaubt, nimmt an, behauptet, schlägt vor, vermutet oder sagt mal so. Allem voran stellt man das Ich, wirbelt einen Schwall an Worten durch die Luft und verwandelt so jedes Gespräch in Geschnatter. Im Job ist Kommunikation zwar wichtig, doch würde es so manchem Kollegen echt mal ganz gut tun, zu schweigen. Im stressigen Arbeitsalltag ist erholsame Stille nämlich eine willkommene Abwechslung und Auszeit zur Reizüberflutung. Ständig klingelnde Telefone, klappernde Absätze, knallende Türen, knarzende Kopierer setzen auf Dauer nämlich zu. Kommen noch Dauerunterhaltungen und pausenloses Gerede hinzu, nimmt der Wert des Schweigens plötzlich enorm zu. Und so kam es neulich, wie es kommen musste. Ich war auf einmal so erschöpft, dass ich mich einfach zurückzog und meine Klappe hielt. Umso verständnisloser reagierte ich, als eine andere Kollegin meinen Part unverzüglich zu übernehmen versuchte und einfach drauflos plapperte. Ich war nicht nur genervt sondern auch gestresst. Irgendwann kapituliere ich halt auch mal.

Schweigen lernen. Schweigen können.

Ach, hätte ich doch geschwiegen! Wer beim ersten Date ausplaudert, dass er Benjamin Blümchen als Einschlafbegleitung hört, dem ist dieser Satz durchaus geläufig. Manchmal frage ich mich, wieso manche Worte überhaupt so leicht über meine Lippen kommen?! Es gab Situationen in meinem Leben, in denen der Begriff „Laberflash“ ganz neue Dimensionen erreichte. Gerade bei Dates, wo ein peinliches Schweigen genauso unerträglich ist wie Mundgeruch. Und meine Devise lautete immer: „Lieber das Falsche sagen, als gar nichts sagen!“. Ein Grund, weshalb ich jahrelang in Sachen Dates eher miserable Performances ablieferte. Was jedoch nicht heißt, dass ich nicht unterhaltsam war. Bei „First Dates – Ein Tisch für Zwei“ hätte ich wahrscheinlich für einige Lacher bei den Zuschauern gesorgt, denn im Geschichten erzählen bin ich ja ganz groß. Im wirklichen Leben haben die meisten meiner Dating-Partner aber wahrscheinlich die gewisse Portion Ernsthaftigkeit und Glaubwürdigkeit an mir vermisst. Die wenigsten, die ernsthaft auf der Suche sind, entscheiden sich für eine Quasselstrippe wie mich, die in den ersten zehn Minuten des Dates erzählt, dass sie Kinderhörspiele liebt, Angst vor Eulen und gotischen Bauwerken hat und gerne den Föhn unter der Bettdecke laufen lässt, wenn sie friert. Was jetzt also folgt, ist eine weitere Lobes-Hymne auf meinen aktuellen Partner, der sich trotzdem nicht davon abhalten ließ, mit mir eine Beziehung einzugehen. Manchmal höre ich ihn allerdings des Nachts leise schluchzen. Apropos Partner: Er war damals nach langer Zeit einer derjenigen, bei dem es mir nicht peinlich war, gerade mal kein Gesprächsthema zu haben. Eine Wohltat!

Und deshalb ist es doch so: Wenn man mit jemandem schweigen kann, egal, ob Partner, Freund oder Arbeitskollege, ohne, dass es einem unangenehm ist, kann jenes Schweigen extrem heilsam und wohltuend sein. In allen anderen Fällen lässt es sich durchaus erlernen. Wichtig dabei ist, das Schweigen zu fokussieren. Sich während dieser Zeit immer wieder zu fragen: „Wie geht es mir mit der längeren Pause?“. Denn es ist ja häufig so, dass pausenloses Reden lediglich dazu dient, einen gefürchteten Kontaktabbruch zu vermeiden oder womöglich als langweilig wahrgenommen zu werden. Und Gott bewahre – Langweilig ist ein Prädikat, mit dem ich wirklich nichts zu tun haben möchte. Letztendlich sollte ich jedoch wissen, dass ich alles andere als das bin. Und das bisschen Schweigen sollte mich nun wirklich nicht zum drögen Mädchen degradieren. Aber zukünftig sollte ich mir zumindest auf die Zunge beißen, wenn ich nichts Konstruktives beizutragen habe oder eine Diskussion ins Schwachsinnige abdriftet. Lieber kurz durchatmen und Klappe halten.

Zahlen bitte

Wer 2 und 2 zusammenzählen kann, weiß, dass der Alltag heutzutage ohne Zahlen 0 Bedeutung hätte. Das merkt man un2felhaft an 1000 Dingen: Im Job soll man stets 8 geben und versuchen 1. aber nicht 3st zu sein. Dazu kriecht man vor dem Chef am besten auf allen 4ren und vermeidet es, einen 3er mit der 9 Kollegin auf dem Rücksitz ihres 4t zu haben. Vor allem im Winter, wenn man sich dabei an den Füßen 15 abfriert und die 10e im Mund klappern. Das wäre nicht 1mal für einen 4beiner wie einen 100räglich. Zwar ist 1mal beim 6 k1mal, aber wenn 1 klar ist, dann, dass einem nicht mehr zu h11en ist, wenn es am Ende eine Ab3bung braucht. Das ist in 2brücken wie in M1 am Rhein…

Wenn es um Kontoguthaben, Urlaubstage und Penislängen geht, können Zahlen für die meisten gar nicht groß genug sein, während sie bei Körpergewicht, Überstunden und der Größe von Spinnen dagegen möglichst klein bleiben sollten. Bei Schuhen, Unterhosen oder Verwandtschaftsbesuchen gehen die Meinungen meist weit auseinander, wie groß ihre Zahl sein soll, muss oder darf. Vor allem zwischen Mann und Frau. Ohne Zahlen wäre im Leben das erste Mal wie jedes Mal und im Bett einfach keine flotte Nummer möglich. Man könnte nirgends auf Nummer sicher gehen oder erwarten, dass sich die eigenen Mühen einmal auszahlen…

Ob nun der Mathematikunterricht des Sohnemanns oder der Bordellbesuch seines Papis, alles hat mit Zahlen zu tun. Wenn auch mit dem Unterschied, dass nach einer Stunde Arbeit einer der beiden traurig und der andere glücklich nach Hause zu Mutti kommt, wenn das Ergebnis 6 war. Dabei hätte ein befriedigend beiden schon genügt. Irgendwann haben wir bei vielen Alltagsdingen Zahlen den Vorrang gegenüber Buchstaben gegeben. Außer bei Tütensuppen. Aber was soll es mir nun sagen, wenn die Körperwaage Ziffern wie 1 – 0 – 0 anzeigt? Wäre es da nicht hilfreicher, auf dem Display würden Buchstaben wie F – E – T – T erscheinen? Aber lassen wir 4 jetzt einfach einmal gerade sein…

Beim Einkaufen von Obst hat es sich z.B. als recht nützlich herausgestellt, Mengen mit Stück- oder Grammzahlen statt mit ungenauen Angaben wie „eine Hand voll“ zu bemessen, da diese durchaus zu relevanten Unterschieden führen, je nachdem ob man Äpfel oder Melonen möchte. Jeder weiß aus Kontaktanzeigen bei Singlebörsen, dass „eine Hand voll“ manchmal Unmengen, manchmal aber auch fast nichts bedeutet. Letzteres vor allem, wenn die Schale erst einmal entfernt ist und trockene Rosinen statt saftiger Früchte zum Vorschein kommen. Dass der Inhalt nicht halten kann, was die Hochglanzverpackung verspricht, trifft eben nicht nur auf Überraschungseier zu…

Zahl ist jedoch nicht gleich Zahl. Manche Zahlen sind böse wie die 666, andere unanständig wie die 69 oder knapp in der Zeit wie die 5 vor 12. Es gibt welche, die stehen für Unglück wie die 13, für Glück wie die 00 oder für Dummheit wie die 88. Manche Zahlen spielen Fußball wie die 11, riechen gut wie die 4711 oder kennen den Sinn des Lebens wie die 42. Wiederum andere gehören zu feinem Sand wie die 7 oder zu den Füßen wie die 10. Es gibt aber auch Zahlen, die sind nichts Besonderes wie die 0815 oder einfach nichts wert wie die 0, während wiederum andere die Lizenz zum Töten haben, wie die 007. Und dass 6 über 18 Spaß macht und 6 unter 16 Gefängnis bedeutet, weiß wohl auch jeder…

Es gab jedoch Zeiten, da kamen wir mit weit weniger Zahlen aus als heutzutage. Mit zwei um genau zu sein. Noah genügten zwei Tiere jeder Art, um seine Arche zu füllen, und uns Deutschen zwei Weltkriege, um den halben Kontinent zu verwüsten. Auch die Evolution entschied sich, dass zwei Geschlechter ausreichen, selbst wenn beim Menschen nur eines von beiden die Fähigkeit erhielt, Kinder zu gebären, das andere dafür jedoch Autofahren kann. Die Informatik kommt bis heute mit nur Einsen und Nullen aus. Zwei Möglichkeiten genügen, um bei etwas die Wahl, jedoch nicht die Qual zu haben. Weniger heißt nicht wählen zu können, mehr dagegen, dass Wählen zum Stress wird. …

Leider bevorzugen viele von uns statt eines klaren Jas oder Neins lieber ein Eventuell, das noch die Option zur Umentscheidung lässt. Jeder möchte bei allem wählen und wechseln können. Das ist beim Stromtarif nicht anders als beim Partner. Selbst Geruch und Farbe des Toilettensteins gilt es zu individualisieren. Dies erfordert ein größtmögliches Wahlangebot, egal ob es um Kleidung, Autos oder Brühwürfel geht. Wahrscheinlich würde selbst Noah heute von jedem Tier drei oder vier in verschiedenen Farben und Größen mit auf die Arche nehmen, um nach Lust und Laune wechseln zu können. Vielleicht gäbe es Zebras dann auch in einem schönen Blau-Grün oder Gelb-Rot…?

Früher war jeder beim Fernsehen mit Schwarz und Weiß und beim Kochen mit Salz und Pfeffer zufrieden. Heute wollen alle Millionen scharfe Farben und ebenso viele scharfe Gewürze. Lampen waren einst entweder an- oder ausgeschaltet und brauchten nicht stufenlos dimmbar zu sein. Wein wählte man nach rot oder weiß und manchmal einfach auch nach dem Geschmack aus und nicht nach einer von Hunderten Rebsorten und Anbaugebieten. Und wenn bei Omas Geburtstag jemand wissen wollte, woher der Kaffee stammt, wollte er nicht Brasilien, Kolumbien, Mexiko oder Indien als Antwort hören, sondern einfach Tchibo oder Eduscho…

Heutzutage geht aber einfach nichts mehr ohne möglichst viele Variationen. Mineralwasser gibt es nicht mehr nur mit oder ohne Kohlensäure, sondern in unzähligen Sprudelstärken und Mineralienzusammensetzungen. Was früher Rosa war, ist heute Malve, Flieder, Fuchsie oder Inkarnat. Selbst Parken ist nicht mehr einfach nur erlaubt oder verboten. Es gilt, sich uhrzeit- und tagesabhängig zwischen eingeschränktem und absolutem Halteverbot, Kurz- und Dauerparken, Frauen-, Mit-Kind-, Lieferanten- und Anwohnerstellplätzen zu entscheiden. Selbst Ampeln sind nicht mehr eindeutig rot oder grün, seitdem es den grünen Pfeil für Rechtsabbieger gibt…

Früher gab es auch nur zwei Arten von Kopfschmerzen; beide nach einer durchzechten Nacht: Eine wegen zu viel Bier in der Kneipe, die andere wegen dem Nudelholz zuhause. Heute muss man sich zwischen zwei Dutzend Kopfschmerzen entscheiden, gegen die es ebenso viele Tablettensorten gibt. Beeindruckend ist, wie viele Milchsorten mittlerweile angeboten werden, wenn man bedenkt, dass diese alle aus ein und demselben Euter stammen. Einkaufen ist schwieriger geworden als Scrabble ohne Vokale. Warum bloß so viel von allem? Man hat mit zweimal meist doch schon einmal Ersatz. Das ist mit Schlüpfern wie mit Lungenflügeln. Im Zweifelsfall kommt man mit nur einem aus…

War in meiner Kindheit Kleidung schmutzig, nahm Oma mehr oder weniger von dem immer gleichen weißen Universalpulver aus der Pappkiste und wusch so lange und heiß, bis das blaue Hemd sauber oder zumindest weiß war oder dem kleinen Bruder passte. Heutzutage soll und kann jeder zwischen unzähligen verschiedenfarbigen, unterschiedlich stoff- und temperaturgeeigneten Flüssig-, Gel- und Pulverwaschmitteln, Weich- und Hygienespülern wählen, die Kleidung, Haut und Waschmaschine gleichzeitig pflegen und ab und an sogar Flecken lösen, und hat ebenso viele Waschprogramme zu Verfügung. Als wenn es Socken interessieren würde, in welche Richtung sich die Trommel dreht…

Klar macht Weichspüler Sinn, um Handtücher nicht mit Schmirgelpapier zu verwechseln, aber muss man denn wirklich vor die Wahl zwischen April-, Sommer-, Blüten-, Meeres- und Halloweenfrische gestellt werden? Zahncreme muss farblich doch nicht zu den Fliesen passen? Das einzige, worauf ich farblich achte, ist Gemüse. Das mag ich grün. – Zahlen bitte… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S.  Früher gab es auch beim Sex lediglich zwei Arten: Er oben oder sie unten.

 

„Darf es ein Wildlederpflegespray dazu sein?“

Gestern ist es mir wieder passiert. Ich stand im Schuhgeschäft an der Kasse und merkte, dass ich nur darauf warte, bis die Frage kommt: „Darf es ein Wildlederpflegspray dazu sein?“. Natürlich sage ich aus Reflex „nein“. Dabei habe ich nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, ob ich den Spray vielleicht doch brauchen könnte.

Sind Sie auch genervt von Zusatzangeboten, die scheinbar so gar nicht zu dem passen, was sie wollen? An der Tankstelle nach dem Tanken „heute gibt es drei Croissants für drei Euro…“ – „Nein“.  Im Bäckerladen „Fünf Brötchen sind heute im Angebot…“ – „Nein“. Ich merke, dass ich auf derartige Hinweise äußerst genervt reagiere, weil ich glaube, dass mir hier nur etwas verkauft werden soll, das ich überhaupt nicht benötige.

Wer mit Wildlederschuhen schon mal in einen Platzregen geraten ist, weiß, dass der Schuhspray nicht nur seine Daseinsberechtigung hat, sondern quasi ein „Must-Have“ ist. Und was ist dagegen einzuwenden, wenn ich in der Tankstelle auf ein besonderes Essensangebot hingewiesen werde? Schließlich hat man während einer längeren Autofahrt doch quasi immer Hunger auf ein Brötchen.

Viele Zusatzangebote, die wir erhalten, machen also durchaus Sinn. Oft liegt es an dem Überangebot, dass dazu führt, dass wir es einfach nicht mehr hören können. Die berühmte Apfeltasche, die mir im Schnellrestaurant angeboten wird, lehne ich prinzipiell ab, obwohl ich nach einem Burger häufig Lust auf was Süßes habe.

Woran liegt das eigentlich? Liegt es an mir? Hatte ich zu viele Zusatzangebote? Liegt es an der Art, wie mir die Ware angeboten wird? Liegt es daran, dass mir nicht erklärt wird, dass ich meine neuen Schuhe im Regen ruiniere, wenn ich sie nicht vorher imprägniert habe? Final kann ich es nicht beantworten. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus Trotz und Ärger über vermeintlich unangebrachte Zusatzangebote.

Lieber Verkäufer, wir wollen kaufen. Und zwar das, was für uns Sinn macht und manchmal sogar ein paar Dinge, die keinen Sinn machen. Erzählen Sie uns, warum die Wildlederpumps im Regen kaputt gehen, bringen Sie uns zum Schmunzeln oder überraschen Sie uns, dann hören wir Ihnen viel lieber zu und kaufen wahrscheinlich sogar die Apfeltasche im Fastfood-Restaurant.

Mein Held des Tages war der Tankstellenmitarbeiter, der mich gestern mit den Worten „Sie sehen hungrig aus, da kann ich helfen…“ begrüßt hat. Der Mann hatte offenbar begriffen, dass gerade jetzt die Devise „Jeder Kunde ist wichtig!“ mehr denn je zählt. In der Krise haben viele Kunden den Online-Handel für sich entdeckt oder die Nutzung ausgeweitet. Entsprechend langsam füllen sich die Läden in den Innenstädten. Für die Geschäftsinhaber stellt sich daher die Frage: „Was können wir tun, damit sich die Läden und die Kassen wieder füllen?“

Werden Sie zum Held Ihrer Kunden! Die Summacom Akademie unterstützt Sie bei dieser Heldentat. Das Ziel der Summacom Akademie ist es, mit Ihnen gemeinsam Anreize zu schaffen, damit Sie Ihre Kunden wieder sagen hören: „Ja, wir wollen kaufen und das vor Ort und live.“

Aus diesem Grund hat sich die Summacom Akademie dazu entschlossen, gerade auch in dieser besonderen Zeit die beliebten Seminare weiter anzubieten, um Ihnen dabei behilflich zu sein, gut durch die Krise zu kommen. Alle Seminare finden natürlich unter strengster Einhaltung der Abstands- und  Hygienevorschriften statt. Kontaktieren Sie die Summacom Akdademie und lassen Sie sich begeistern.

Weiter Infos und Kontakt unter Summacom.de/Akadamie

Mein Lieblingsding: Die Fridor

Silke Weiland ist gelernte Damenschneiderin und seit 28 Jahren Kostüm- und Fundusverwalterin am Saarländischen Staatstheater. Für sie bedeutet Beruf auch Berufung und so wundert es nicht, dass auch ihr aktuelles Lieblingsding aus diesem Metier stammt: eine Fridor. „Die ist eine ganz besondere Koffernähmaschine und schon ein bisschen kurios“ sagt Silke und die muss es wissen, denn immerhin verfügt sie über eine ansehnliche Sammlung von elf Maschinen. „Meine Fridor hat gut 70 Jahre auf dem Buckel und wurde in den Niederlanden gefertigt. Das Besondere an der Fridor ist, dass sie kein übliches „Gaspedale“ hat, sondern über einem Kniehebel gesteuert wird. Heute ist sie eine Rarität, tatsächlich aber war dieses Modell in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts durchaus verbreitet und das trotz des sehr hohen Preises. Der Erstbesitzer erwarb sie damals in Köln für stattliche 495 DM (rund 250 Euro), wie sich heute noch aus den erhaltenen Papieren der Maschine ablesen lässt. Silke hat sie vor acht Jahren deutlich günstiger auf dem Flohmarkt in Saarbrücken ergattert.

Wir steigen wieder ein!

Rechtzeitig zum Beginn des neuen Schuljahres haben Anke Rehlinger, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr des Saarlandes, Elke Schmidt, Geschäftsführerin Saarländische Nahverkehrs-Service GmbH, und Peter Edlinger, Geschäftsführer der Saarbahn, gemeinsam im Zuge der Informationskampagne „Wir steigen wieder ein“ aufgezeigt, dass man mit Bussen und Bahnen sicher ans Ziel kommt. Das ist von besonderer Bedeutung, da sich mit Schulbeginn Mitte August 2020 die Situation im saarländischen ÖPNV weiter normalisiert. Entscheidend dabei ist, dass die Fahrgäste aktiv mitmachen. Ob Schule, Arbeitsplatz oder ein Treffen mit Freunden: In den Verkehrsmitteln des ÖPNV ist man genauso geschützt wie am jeweiligen Zielort, wenn alle Fahrgäste weiterhin ihre Mund-Nasen-Bedeckung tragen und die Abstands- und Hygienevorgaben einhalten. Diese Maßnahmen sind und bleiben in Corona-Zeiten wichtig – zum eigenen Wohl und zum Schutz anderer. Das Auto muss also keine zwingende Alternative sein, um die Kinder in die Schule zu bringen oder um morgens zur Arbeit zu fahren. Busse und Bahnen bieten hier die bessere Mobilität – umweltfreundlich, ressourcenschonend und verkehrsentlastend. Alle Infos auf saarVV.de