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Titelstory

BE.HERE.NOW. – Die vielen Seiten der Fotografin Julia Valentini

Die Bilder der gebürtigen Merzigerin mit dem zauberhaften italienischen Namen zeichnen sich durch das Spannungsfeld zwischen einerseits düsterer, inszenierter Fotografie und andererseits den lebendigen, dynamischen Bilder mit Blumen und hellen Farben aus. Diese Ambivalenz bringt Spannung und entspricht auch dem privaten, vielseitigen Naturell der 27ährigen mit wechselnden Frisuren und Hobbys. Ihr Kunststück ist es, ihr Spektrum stets zu erweitern und sich dabei selbst treu zu bleiben. Sie fotografiert alles! Portraits jeder Art, von dezent bis extravagant, Babys, Babybauch, Familien, Hochzeiten, Kommunion, Business, Gruppenbilder, Akt und Dessous und vieles mehr! Dabei ist sie auch immer in Bewegung und fotografiert draußen wie drinnen.

Nach dem Abitur hatte sie eine Ausbildung zur Fotografin absolviert und studiert seit 2013 an der HBK Saar Media Art and Design mit den Schwerpunkten Fotografie und Videografie. Daneben bietet sie als Fotografin vor allem Portraitarbeiten und inszenierte Fotografie an. Der Weg in das professionelle Arbeiten mit der Kamera schien ihr vorgezeichnet: „Ich habe schon immer leidenschaftlich fotografiert. Auf Klassenfahrten hatte ich schon damals nicht nur Schnappschüsse gemacht, sondern mir bewusst Motive gesucht. Da wurden schnell mal bis zu 7 Filme für eine Fahrt nach Andalusien in der 9. Klasse voll. Die digitale Fotografie faszinierte mich schnell und ich fing an, Fotoshooting mit Freundinnen zu planen. Dabei habe ich mit den Mitteln, die mir zur Verfügung standen, Make-up, Kostüm und Hintergrund selbst gestaltet. Heute geht das natürlich alles professionell mit anderen Equipment, aber es ist schon lustig, wenn ich diese Fotos heute anschaue, weil man schon da die Richtung erkennt, die ich bis dato eingeschlagen habe. Heute mache ich am liebsten aufwendige Fotoshootings, bei denen ich viel Planung vorher habe. Da werden Models mit Mehl beworfen oder und Szenen wie aus einem Kinofilm gebaut, nur für ein Foto. Ich scheue weder Kosten noch Mühe, um das perfekte Bild zu erschaffen. Manchmal kaufe ich extra Accessoires nur für ein Fotoshooting, die ich danach nicht mehr brauche.“

Dabei lässt sie sich oft und gerne von Filmen oder den großen Meistern inspirieren. Entsprechend typisch sind für ihren Bildlook inszenierte Portraits, die eben an Filmszenen erinnern oder Kunstwerke aus der klassischen Malerei: „Ich bin ein Fan von harten Kontrasten und dem Spiel mit Licht und Schatten. Ich mag es nicht, wenn man ein Bild einfach hell ausleuchtet, sondern mit dem Licht ein Bild malt, was ja die wörtliche Übersetzung von „Fotografie“ ist. Es gibt einige Fotos, die in eine recht düstere Richtung gehen, die aus einem Horrorfilm entsprungen sein könnten. Im Gegensatz dazu mag ich aber auch helle, freundliche Bilder, die Lebensfreude vermitteln. Ich liebe es in der Natur zu fotografieren und habe mich in den letzten zwei Jahren stark in dieser Richtung weiterentwickelt. Am liebsten fotografiere ich im Frühling oder Sommer. Bei einem Shooting habe ich auch mal farbige Rauchbomben benutzt, was einen tollen Farbakzent ergab. „Hippie“ und „Flower Power“, inspiriert durch die Musik von Lana del Rey oder Florence and the Machine, sind Themen, die ich gerne fotografiere.“

Dabei gibt sie sich nicht mit dem einfachen Ergebnis wie es aus der Kamera kommt zufrieden: „Die Bearbeitung spielt eine wichtige Rolle dabei. Ich habe beim Fotografieren schon eine gewisse Richtung im Kopf, wie das Bild später aussehen soll. Daher ist die Bearbeitung ein tolles Mittel, um die Farben und Kontraste so zu verändern, wie ich es mir vorstelle. Wie ein Maler mit seinen Farben ein Bild komponiert. Mir ist dabei wichtig, dass gerade bei der Hautretusche die Menschen nicht aussehen wie eine Plastikpuppe. Es sei denn, es geht um ein Special Make-up für Halloween.“

Bei aller Kreativität und technischem Know-How verliert sie aber nie aus den Augen, was ihr bei der Fotografie immer wichtig ist: „Gerade wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, brauch man als Fotografin nicht nur Kreativität und das technische Know-How, sondern auch Empathie und Geduld. Gerade bei Babyfotos läuft nicht immer alles nach Plan. Bei Familienfotos muss man Fotograf und Animateur in einem sein und dann auch noch kreative Ideen haben für Posen. Gerade bei Familienbildern oder Paaraufnahmen ist mir wichtig, dass die Fotos authentisch und lebendig wirken und nicht gestellt und lieblos. Bei einem Newbornshooting bin ich immer besonders aufgeregt, da man nie weiß, in welcher Stimmung das Baby ist. Ich mache mir vorher Gedanken über die Motive und habe auch schon vorher ein riesiges Vogelnest selbst gebaut. Im Bereich Hochzeit muss für mich der besondere Funken zwischen zwei Menschen zu sehen sein. Ich mag es, wenn das Paar miteinander agiert, statt nur starr in die Kamera zu lächeln.“

Auch außerhalb der Fotografie ist sie kaum zu bremsen, im Theaterverein, an ihrer Geige und als Sängerin der Band „The Unknown“. Sie steht selbst als Model vor der Kamera, läuft auf Modenschauen und arbeitet als Dozentin für Malkurse mit Kindern und Jugendlichen – und das ist nur ein Teil ihrer mannigfaltigen Aktivitäten. Ganz aktuell hat sie den Dokumentarfilm „Unter die Haut“ mit der Saarbrücker Tattoo-Künstlerin Maria Dyer gearbeitet, der gerade im Rahmen des jährlichen Rundgangs der HBK Saar im Kino 8 1/2 zu sehen. Und nicht zuletzt arbeitet sie im Moment an ihrer Bachelorarbeit, wieder einer Doku, bei der sie besondere Menschen mit Handicap mit der Kamera begleitet. Mehr Kreativität geht nicht!

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