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Bühne & Co

Im Saloon mit BossHoss

Ein richtiger Cowboy braucht seinen Saloon. Kein Wunder also, dass The BossHoss ihren auf die Promotour fürs neue Album einfach mitgenommen haben. Und damit war auch schon klar, wo beim Zwischenstopp auf dem Saarbrücker Halberg, der kleine aber feine Acoustic-Showcase gespielt wird.  Yeehaw!

Eine Woche vor der Veröffentlichung des neuen Albums „Black is beautiful“ spielten BossHoss ein Unplugged-Konzert auf dem Parkplatz des Funkhaus Halberg in Saarbrücken. Als Bühne diente der zur Westernkneipe umgebaute Auflieger des BossHoss-Trucks. Das Publikum bestand aus gerade mal zwanzig Leuten, die ebenfalls in der Westernkneipe des Boss-Hoss-Trucks Platz fanden. Schon der Titeltrack „Black is beautiful“ als Opener gab die Richtung des achten Albums vor. Schwarz als Farbe der Nacht, der Gefahr, des Unbekannten, des Rock’n’Roll und als Markenzeichen von musikalischen Rebellen und Outlaws. Dazu gehören auch The BossHoss, die bei ihrem Gig mit nur fünf Mann auftraten – mehr passten nicht auf die Bühne in dem Anhänger – und das Publikum schon nach den ersten Klängen zum Ausrasten brachten. Nach den neuen Songs und lautstark geforderten Zugaben gab´s jede Menge Selfies, Autogramme und die Stars zum Anfassen. Unser Konzert-Chef Jörn Mundanjohl nutzte die Gelegenheit und verschwand flugs mit den Country-Rockern Alec „Boss Burns“ Völkel Burns und Sascha „Hoss Power“ Vollmer in der Fahrerkabine. Das geführte Interview gibt´s hier….

 

L!VE: Wie kommt man auf die Idee, ein Konzert auf einem fahrbarenTruck zu spielen?

Alec: Da steckten viele Ideen dahinter …

Sascha: Der Truck ist ja schon eine alte Idee. Das hatten wir ja schon öfter gemacht. 2015, zu „Dos- Bros“ waren wir auch auf Truck-Tour. Das war aber ein bisschen anders, denn da haben wir auf dem LKW-Aufleger gespielt, die Plane hoch gemacht und möglichst viele Leute erreicht, die da Guerilla-mäßig über  ́nen Radiosender aufgerufen wurden, zur Stunde X zu kommen. Da waren teilweise 10.000 Leute plötzlich auf dem Marktplatz, was heute nicht mehr so leicht umsetzbar ist. Trotzdem wollten wir auf diese Truck-Tour nicht verzichten und haben uns dann überlegt, wie man dieses Konzept noch umsetzen kann. So kamen wir darauf, dass wir die Truck-Tour dieses Mal eben klein, exklusiv und so richtig muggelig machen. So kam die Idee, den Hänger zum Saloon auszubauen.

 

L!VE: Die Wände eures Anhängers sind mit Fotografien von legendären Western-Helden, Cowboy-Boots und Musik-Instrumenten dekoriert. Woher stammen die Sachen?

Alec: Da sind ein paar geile Sachen dabei! Also die ganzen Deko-Sachen sind alle aus unserem Studio. Die haben wir über all die Jahre gesammelt. Das sind entweder Dinge, die uns Fans geschenkt haben oder da hängen auch die ersten Cowboy-Stiefel aus dem Jahr 2006 von unserem Gitarristen Dean, einem Engländer, der jetzt in Amerika lebt. Die Waschbretter, die da hängen, sind auf den Tourneen auch wirklich gespielt worden.

 

L!VE: Wenn wir über außergewöhnliche Musik-Instrumente sprechen, müssen wir auch über Seasick Steve, den Mann mit den selbstgebauten Cigarbox-Gitarren, reden, der auf eurem neuen Album bei einem Song mitspielt.

Sascha: Genau! Die Three String-Guitar. Das ist eine sehr schöne Geschichte, die uns auch sehr ehrt. Seasick Steve ist viel auf Tour und er hatte einen deutschen Busfahrer, der mal zu ihm gesagt hatte, dass er sich mal diese Band BossHoss anhören müsse. Dann hat er ihm was vorgespielt, ihm ein paar Links gezeigt oder Youtube-Videos vorgespielt. Steve war dann so fasziniert, dass er sich während seiner Tour in der Bay im Nightliner eingeschlossen hat und diesen Song geschrieben hat. Den hat er uns dann geschickt und so kam dann der Kontakt zustande. Er sagte, „Hey Guys, check it out!“. Der Song heißt bei ihm „Can you cook?“, genau wie sein aktuelles Album. Und dann haben wir natürlich gesagt, „Steve, wir fühlen uns geehrt! Komm doch rum ins Studio, wir nehmen den Song zusammen nochmal neu auf!“ worauf er mit seiner tiefen Stimme antworte „Yeah, sure guys!“. Dann war er bei uns in Berlin und wir haben den Song noch ein bisschen verändert, ein paar Strophen dazu getextet und etwas neu interpretiert, sodass wir den Song dann „Cook it up!“ genannt haben.

 

L!VE: Wann habt ihr mit der Arbeit an den neuen Songs begonnen?

Sascha: So ein Prozess beginnt eigentlich fast schon mit der Abgabe des vorherigen Albums. Denn dann fängt man eigentlich direkt wieder an, neue Song-Ideen zu sammeln, aufs Handy zu singen, einzutippen, in den Computer reinzuhacken oder auf dem Block festzuhalten. Wenn es dann am Tag X losgeht, holt man die ganzen Song-Ideen und Notizen wieder raus und schaut, was man sich so gedacht hat. Alles, an das man sich dann immer noch erinnern kann, hat grundsätzlich Potential für einen Song.

 

L!VE: Und wann habt ihr die ersten Demos aufgenommen.

Sascha: Mit dem Aufnehmen der Demos haben wir im Januar 2018 angefangen.

 

L!VE: Wie viele Songs hattet Ihr bis dahin bereits fertig ausgearbeitet?

Sascha: Songs kann man zu diesem Zeitpunkt dazu noch nicht sagen. Das sind erst Skizzen, aus denen mal ein Song entstehen kann. Ein paar DIN A4 Seiten voller Ideen sind es auf jeden Fall gewesen. Da ist aber auch viel Text dabei. Eben all das, was einem so einfällt, wenn man überlegt, über was man schreiben könnte. Da sind auch einige Links zu Songs dabei, die man geil findet. Bei denen man denkt: hey, vielleicht könnte man mal in die Richtung irgendetwas machen!

 

L!VE: Wie entsteht dann ein richtiger Song?

Sascha: Ideen zu Demos entstehen erst, wenn man den Prozess einmal anfängt. Wenn man die Song-Skizzen aufgreift, um dann erstmal einen Teil eines Songs daraus zu machen. Zum Beispiel eine Strophe. Oder einen Refrain. Einfach um erstmal zu sehen, ob es sich lohnt.

Alec: Irgendwann treffen wir uns und Sascha sagt dann „schau mal, hier habe ich ein paar Sachen im Köcher“, und dann hören wir uns die gemeinsam an, sprechen über die Idee dahinter, wohin die Reise hin gehen soll und dann entscheiden wir sukzessive, peu à peu, was man angeht. Dann fängt man mit dem einen mal an, dann mit diesem, dann bleibt einer erstmal liegen und dann kommt der wieder dran. Das ist dann eben so ein Prozess. Aber irgendwann ist dann die Reiseroute klar und auf diese dreizehn Kandidaten, die auch jetzt auf dem neuen Album drauf sind, auf die wird sich dann auch konzentriert.

 

L!VE: Warum heißt das Album „Black is beautiful“?

Sascha: Das kam durch den Titel-Track „Black is beautiful“! Der hatte zuerst den Arbeits-Titel „I like the night“. Da dachten wir, dass es geil wäre, thematisch über die Nacht, über das Nachtleben, in dem wir auch viel tätig sind, zu schreiben. Nachts sind Konzerte. Wir reisen auch oft nachts im Nightliner zum nächsten Auftrittsort. Nachts sitzen wir an der Bar. Nachts sitzen wir im Studio. Diese Bedeutung „I like the night“ ist für uns die kreative und auch die wichtige Zeit in unserer Karriere. Dann wird der Text verfeinert und immer mehr fällt einem zu diesem Thema ein. Dann stolpert man über diese Zeile „Black is beautiful“, die sich in den 60ern gegen Rassismus und die damit verbundene Diskriminierung von Schwarzen richtete. Diese Zeile hat sich in den ursprünglichen Song reingeschummelt und war schließlich stärker als „I like the night“. Dann fragt man sich irgendwann, wie wird denn das Album heißen und beginnt zuerst die Namen der fertigen Titel durchzugehen und da war dann „Black is

 

L!VE: Alle Songs auf dem Album gehen echt nach vorne…

Alec: Ja. Ja! Das Album geht richtig gut ab! Bei dem Titel-Track gibt es erstmal direkt eins aufs Ohr! Insgesamt ist es zwar wesentlich facettenreicher als vorherige Alben, weil wir musikalisch noch mehr zugelassen und probiert haben. Trotzdem ist hier die Sound-Klammer BossHoss da, aber es rockt auch an der ein oder anderen Stelle tatsächlich wieder mehr.

 

L!VE: Bei dem Album gibt es neben Rock, auch HipHop Elemente und viele pop-lastige Songs. Ist das überhaupt noch Country?

Alec: Nein, das ist BossHoss!

Sascha: Es ist ja so: diese Schubladen sind ja immer nur schwer zu bedienen und sie schränken einen ja auch ein. BossHoss waren von Anfang an nicht klar definierbar. Bei BossHoss war eigentlich musikalisch immer mehr drin, als nur Cowboys und Country! Und wir versuchen uns dann natürlich auch immer wieder davon freizuschwimmen, aus diesen Schubladen heraus, um das zu machen, wozu wir Bock haben. Es spricht ja nichts gegen einen geilen Pop-Song, der nach BossHoss klingt, wenn wir Spaß daran haben. Das ist ja dann gleichzeitig auch wieder ein Brett, das nach vorne rockt!

 

L!VE: Ab März geht Ihr mit dem neuen Album auf Tour. Was erwartet eure Fans?

Alec: Ehrlich? Wir nehmen Seasick Steve mit auf die Tour! Jetzt gerade, wo wir darüber geredet haben, habe ich mir überlegt, dass wir dann doch auch diesen Song gemeinsam mit ihm zusammen live auf der Bühne machen müssen!

Sascha: Ja, auf jeden Fall!

 

Text: Jörn Mundanohl

Fotos: Kasimir Ehmke

 

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