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Mel´s Mikrokosmos

Der traurige Gorilla

Hallo Mikrokosmonauten: Ich spüre das Tier in mir: Es ist ein Faultier.

Als mich neulich eine Dame ziemlich unwirsch zurechtwies, weil ich mich in einer Warteschlange gedankenverloren versehentlich vordrängelte, wurde mir wieder eines klar: Ich ziehe Tiere den Menschen einfach vor. Das war schon immer so. Als Kind „rettete“ ich regelmäßig Bauernhofkatzen, weil ich der Meinung war, dass sie besser vor den heimischen Kamin passen, als in eine verwahrloste Scheune. Ich kommunizierte mit diesem unglücklichen Gorilla im Zoo, der mir alleine durch seinen Blick verdeutlichte, wie trist sein Leben hinter Glasfassaden ist. Und schlussendlich schwang ich mich wagemutig regelmäßig auf den Rücken eines völlig fremden Pferdes auf einer noch fremderen Koppel und trabte mit ihm ohne Sattel und Zaumzeug davon. Da vertraute ich Hottehü bedenkenlos. Ich wirke auf Tiere offensichtlich ziemlich anziehend, zumindest verfolgen sie mich, wo immer ich auf sie treffe. Wenngleich es mir beim Joggen zuweilen unangenehm ist, wenn sich freudig hechelnde Rüden von den Leinen ihrer Besitzer reißen und mit mir mitlaufen möchten. Na ja, schlimmer wäre es, wenn die Besitzer hecheln würden. Ich bin mir sicher, dass ich in irgendeiner Art mit Noah verwandt bin. Zwar habe ich keine Arche in petto, aber ein geräumiges Auto, in dem zumindest meine Katzen gerne mitfahren.

Ein Herz für Tiere zu haben ist jedoch nicht immer leicht. Ich empfange natürlich meistens positive Gefühle, aber Leid und Schmerz solcher Geschöpfe fühle ich intensiver, als mir manchmal lieb ist. Mein Empathie-Level steigt ins Unermessliche, wenn ich sehe, wie wir mit diesen Lebewesen umgehen. Nicht zuletzt zerriss es mir fast das Herz bei dieser Olympia mit diesem panischen Pferd – als „Sportgerät“ benutzt – und dieser Reiterin und diesen befremdlichen Szenen, ihr wisst schon.

Überdies zog eine weitere Geschichte die Aufmerksamkeit auf mich. Der saarländische Gnadenhof „Haus der Hoffnung e.V.“ nahm vor kurzem Nala bei sich auf. Nala ist eine französische Bulldogge, die über Facebook verschenkt werden sollte wie Restposten bei Ebay. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, stellte sich heraus, dass Nala todkrank ist, weil sie aus einer Qualzucht kommt. Nala ist ein Paradebeispiel für Inzucht und verantwortungslose Vermehrerei einer sowieso schon fragwürdigen Rasse. Aber solange eine Nachfrage besteht, wird so etwas nicht aufhören. Inzwischen geht es Nala zwar besser, aber Tausende andere ihrer Art überleben die ersten Wochen ihres Lebens nicht. Und das alles nur, weil es so viele Menschen da draußen gibt, die für möglichst wenig Kohle einen Rassehund abstecken wollen. Zum Fremdschämen!

Viele Tierschützer mögen mich nicht

Ich möchte mich dennoch nicht zwangsläufig mit Menschen anfreunden, die sich für Tiere engagieren. Ich würde sogar behaupten, dass ich mit einigen dieser selbst ernannten Tierschützer massiv aneinander rasseln würde. Oder sie mit mir. Nicht alle Tierliebhaber ticken gleich. Besonders nicht, wenn sie ihre Katzen und Hunde vegan ernähren, weil sie selbst vegan leben. Oder diejenigen, die von dir erwarten, dass du, bloß weil du dich vegetarisch ernährst und auf Tierschutz-Demos gehst, auch politisch mit ihnen konform gehst. Ohnehin ein ganz schwieriges Thema. Ich bin Vegetarier und liebe Tier, aber deshalb bin ich noch lange nicht grün, Herrgott nochmal! Regel Nummer Eins war für mich immer: „Wenn du auf eine Veranstaltung zugunsten von Tieren gehst, solltest du nie erwähnen, dass dein Shirt nicht nachhaltig ist, du einen Benziner fährst und Käse und Eier konsumierst. Es könnte dein gesellschaftlicher Ruin in diesen Kreisen sein.“ Eine schlaue Frau hat mal zu mir gesagt, dass Menschen, die sich den Tieren verschreiben keine sonderlich großen Menschenfreunde sein können, sonst wären sie ja nicht in die Welt der Tiere gewechselt. Seit ich vor Jahren mit einer Mitarbeiterin des Tierheims Saarbrücken im Katzenhaus in lautstarken Streit geraten war, weil wir unterschiedlicher Ansicht über eine vermeintlich hochgefährliche Katze waren, kann ich das nur bestätigen. Ich war damals in Tränen ausgebrochen, weil ich die Katze liebgewonnen hatte und nicht verstehen konnte, dass man sie nicht in ihrem Zimmer besuchen und streicheln durfte und die Mitarbeiterin mir das herrisch und ohne Feingefühl vermittelte. Von Social Skills war sie zwar weit entfernt, dafür ging sie jedoch umso liebevoller mit den Katzen um. Ein Phänomen, das ich häufig beobachte.

Murron, My, Bee und Pepe

Vor kurzem geschah dann das Unmögliche: Ich besuchte „Murrons Sommerfest“. Benannt nach einer ganz entzückenden querschnittgelähmten Katzen-Dame. Initiiert wurde das Ganze von „Katzenstimme grenzenlos“, einem Verein, der sich um behinderte, gequälte und vernachlässigte Straßenkatzen und -hunde in ganz Europa kümmert. Ein Gartenfest mit 40 Personen, die mir gänzlich unbekannt waren. Komischerweise waren mir diese Leute aber ganz sympathisch, ich fühlte mich auch nicht unsicher oder fehl am Platz. Im Mittelpunkt standen ohnehin die Tiere und das vegane Buffet, das übrigens phänomenal war. Es beeindruckte mich in diesem Moment zutiefst, dass die Veranstalterin Lara mit drei querschnittsgelähmten Katzen, einem querschnittsgelähmten Hund und zwei weiteren älteren Hunden zusammenlebt und so viel Herzblut in dieses Projekt steckt. Normalerweise hätte ich diese Menschen niemals kennengelernt, aber an diesem Tag hatten wir alle die gleiche Vision: Ein Fest zugunsten der Tiere veranstalten und ihnen helfen, das Leben lebens- und liebenswert zu machen. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit Lara in die Pflege und Fürsorge dieser Tiere steckt, fühle ich mich ziemlich klein und unbedeutend. Aber bevor ich mir an diesem Nachmittag den Kopf zerbrechen konnte, bekam ich schon wieder am laufenden Band Besuch. Von Rolling Pepe, dem kleinen schwarzen Mischling in seiner Laufhilfe oder Felinchen, einer alten, blinden Spitz-Dame. Oder eben von diversen Hunden, die zu Gast waren und sich zu meinen Füßen legten, weil das Tiere eben gerne bei mir machen.

Ich dachte nach: Wenn ich all meine Bedenken gegenüber vermeintlich militanten Veganern, Nachhaltigkeits-Fans und Tierschützern ad acta legen würde, wäre es doch ganz einfach, oder? Im Grunde schauen wir doch alle in die gleiche Richtung und haben, wenngleich wir anderweitig völlig unterschiedlich sind, doch das gleiche Ziel, oder?

So war es auch Bestimmung, als ich an einem kalten Tag im November 2018 das Katzenhaus Oberwürzbach besuchte und eigentlich nur gucken wollte. Am Ende des Tages gab es in meinem Leben plötzlich Mick und Malo, zwei Katzenbrüder.

Am Ende ist es doch so: Ob Nala, My, Murron, Mick,  Malo, Bee oder Pepe – hinter all diesen Tieren stehen Menschen, die – wie ich – schon früh erkannten, dass ihr Herz für Tiere schlägt. Vielleicht standen sie sogar – wie ich – damals vor der Glasfassade und kommunizierten mit dem traurigen Gorilla im Zoo. Weil sie auch diese Gabe haben. Und machen wir uns nichts vor: Die Welt braucht Menschen, die für Eichhörnchen bremsen, Igel über die Straße helfen, Vögel eine Tränke im Garten schaffen, sich um die Nachbarskatze kümmern, wenn die Besitzer im Urlaub sind, kranke Tiere pflegen oder ihnen einen schönen Lebensabend bieten und so weiter.

Wer unterstützen will:

Katzenstimme grenzenlos (Facebook),

www.haus-der-hoffnung.org,

www.katzenfreunde-wadgassen.de

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