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Titelstory

Der Vater des Leoniden

Die Leoniden sind die Band der Stunde. Im Radio laufen sie zu Recht rauf und runter und spätestens seit dem Gewinn des NMA Awards kennt jeder die Kieler Band – deren Frontmann Saarbrücker ist!

Ausverkaufte Tourdates, gefeierte Festival-Gigs, Circus HalliGalli und der Release des ersten Longplayers – 2017 schickte sich sowieso schon an das perfekte Jahr für die Leoniden zu werden. Da gab es als Sahnehäubchen noch den New Music Award obendrauf, für den die Band vom Saarbrücker Sender UnserDing nominiert worden war. Äh, Moment, Saarbrücken? Kommen die nicht aus Kiel. Im Prinzip schon, nur eben Sänger Jakob Amr nicht, der zwar in Hamburg aufgewachsen ist, aber eben 1990 in Saarbrücken geboren. Seit der Nominierung wurde er nicht müde auf diesen für viele überraschenden Umstand genauso hinzuweisen, wie auf seinen hier lebenden Vater, den er bei solchen Gelegenheiten auch schon mal als den schönsten, intelligentesten und schlauesten Menschen überhaupt preist.

Damit aber nicht genug der Überraschung, den jener Leoniden-Papa ist vor allem für „ältere“ Saarbrücker Semester wahrlich kein Unbekannter. Sein Job an der Theke, des einstmals megaangesagten Clubs „Canossa“ auf dem Unicampus machte Anwar Amr in den Achtzigern zu einer der bis heute bekanntesten und beliebtesten Gestalten des Saarbrücker Nachtlebens, auch wenn aus ihm längst ein ganz seriöser Unternehmer in der Kfz-Branche geworden ist. Und nur am Rande erwähnt, gibt es da auch noch einen zumindest im Nauwieser Viertel nicht minder bekannten Onkel des Leoniden Frontmanns. Denn Anwar Amrs Bruder Marwan war ebenfalls im Canossa am Start und betreibt seit gefühlten Ewigkeiten den „Bleistift“ in der Nauwieserstraße. Und nicht zuletzt als Mitveranstalter des Viertelfests gehört er zu den vertrautesten Gesichtern des Nauwieser Kiez‘.

Wenn nun aber schon mal ein bekannter Saarbrücker plötzlich zum Vater eines Popstars wird, dann hören wir vom L!VE natürlich als Erste bei ihm nach, wie sich das denn so anfühlt …

Wie viel Saarbrücker steckt denn nun wirklich in deinem Jakob?
Er ist 1990 hier geboren und hat die ersten vier Jahre auch hier gelebt. Dann ist er mit seiner Mutter nach Hamburg gezogen. Anschließend ist er immer hin und her geflogen und ich bin mir sicher, dass es niemand anders gab, der da so oft im Flieger gesessen hat wie er!

Hat denn schon so früh irgendetwas auf seine musikalische Begabung hingedeutet?
Nein, null. Das war erst so mit zwölf, dreizehn, aber dann kam er auch gleich an und sagte, Papa, Mama, Klavierunterricht bitte – und den hat er dann auch bekommen. Als er fünfzehn war interessierte er sich auch noch für Gitarre spielen. Ich hab’ ihm dann auch eine geschenkt, nur beim Unterricht müsse er sich entscheiden, ob Klavier oder Gitarre. Er hat dann aber lieber Klavier weitergemacht und sich selber Gitarre beigebracht, komplett. Hat von morgens bis abends am Computer gesessen und sich die Tabs angeschaut, geübt – und jetzt ist er echt richtig gut.

Was war dann der nächste Schritt?
Etwa zur gleichen Zeit, hat er mich dann mal angerufen und hatte eine total, heisere, tiefe und rauhe Stimme, die alles andere als gesund klang. Ich war echt ein wenig erschrocken und hab’ gefragt was denn los wäre. Dann stellt sich heraus, dass er mit seiner Schülerband immer so lange und laut schreit, äh, singt, bis seine Stimme hinüber ist. Sein Lehrer hat dann seiner Mutter dringend geraten, dass er Gesangsunterricht nehmen soll, damit er sich nicht seine Stimme vollständig ruiniert. Ich hab’ dann halt ein paar Jahre auch noch einen Gesangslehrer bezahlt.

Kannst Du denn wenigstens behaupten, dass er sein musisches Talent von Dir hat?
Nein, überhaupt nicht, garantiert nicht. Ich kann nicht ein einziges Instrument auch nur ansatzweise spielen. Wenn, dann hat ihm seine Mutter da was mitgegeben, die wenigstens ein bisschen Gitarre spielen kann.

Mittlerweile bist du natürlich stolz auf das, was er als Musiker erreicht hat, aber zwischendurch hast Du Dir doch bestimmt Sorgen gemacht, ob das alles so seine Zukunft hat?
Ja klar, natürlich. Und geärgert habe ich mich als er sein Studium hingeschmissen hat. Aber andererseits hatte ich ja auch mal mein Studium aufgegeben, war also nicht wirklich der Geeignetste, um ihm da ins Gewissen zu reden. Trotzdem hab’ ich versucht, ihn davon zu überzeugen wenigstens noch anderthalb Jahre bis zum Bachelor zu machen, aber für ihn war klar, dass es die Musik ist und nichts Anderes.

Und wenn Du ihn jetzt in den großen Hallen spielen siehst, sind alle Zweifel vergessen und Du feierst richtig mit?
Nicht nur ich. Als sie jetzt in der Arena in Trier gespielt haben, habe ich sogar einen Reisebus für Freunde und Bekannte organisiert und wir sind mit mehr als 30 Leuten hingefahren – und waren mindestens so laut, wie der Rest der Halle zusammen. Wenn sie das nächste Mal hier in der Gegend irgendwo spielen, dann mache ich das natürlich wieder.

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