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Mel´s Mikrokosmos

Detox your life

Ein müder Teint, gut zwei Kilo über dem Wohlfühlgewicht und insgesamt nicht so fit, wie wir es gern wären. Das alles sind deutliche Zeichen dafür, dass unser Körper nach Entlastung ruft. Detox lautet da die Zauberformel. Und alleine in meinem Umfeld gibt es genug Leute, die zu Beginn eines neuen Jahres regelmäßig auf Entgiftung setzen, sei es durch Ayurveda-Kuren, Heilfasten oder diverse Diäten. Jede Methode dient dabei der Regeneration des Körpers. Quasi ein kompletter Neustart. Physisch wie psychisch.

System fährt herunter

Entscheiden wir uns dafür, zu Detoxen, sollten wir dabei nicht außer Acht lassen, dass wir konsequent bleiben müssen. Mindestens 14 Tage sollte eine solche Kur durchgezogen werden, um effiziente Ergebnisse zu erzielen. Die Entgiftungsorgane Leber, Galle, Niere, Darm, Haut, Lymphsystem und Lunge werden dabei gereinigt, gepflegt und entlastet. Detox bedeutet Hausputz für den Körper, der Stoffwechsel kommt wieder in Schwung, und gleichzeitig sinken Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker. Wir werden um einige Pfunde erleichtert, das Bindegewebe und die Konturen sehen straffer, die Haut sieht frischer aus. Basis dieser Entgiftungskur ist das Vermeiden von sauren und stark verarbeiteten Lebensmitteln, weil die unser ausgeklügeltes Entgiftungssystem ganz besonders belasten. Etwa Kaffee, Alkohol, gesüßte Getränke und die meisten tierischen Produkte wie Joghurt, Milch, Fleisch und Wurst. Sie bilden Säuren im Körper, die durch Basen (die vor allem in Obst und Gemüse stecken) neutralisiert werden. Körpereigene Puffersysteme schützen den Organismus normalerweise vor Übersäuerung. Einseitige Ernährung, mangelnde Bewegung, Stress, Schlafdefizit und emotionale Belastungen können die natürliche Balance des Säure-Basen-Haushalts stören.

Probieren geht über Studieren

Da ich von Natur aus neugierig bin und mir über die Feiertage ein paar unliebsame Kilo angefuttert habe, entscheide ich mich also für das Detox-Programm. Im Internet steht, dass ich den idealen Zeitpunkt gewählt habe: Der Anfang eines neuen Jahres. Zeitpunkt, an dem die Motivation am höchsten ist. Sei es, sich im Fitness-Studio anzumelden oder ein paar überflüssige Pfunde loszuwerden. Darüber hinaus bin ich weder extrem belastet – abgesehen vom hinzugewonnenen Hüftgold – noch bin ich irgendwie eingespannt, im Stress oder innerlich aufgebracht. Denn auch die Lebensweise beeinflusst den Stoffwechsel. Nicht umsonst sagt man: „Ich bin sauer.“ Also gehe ich das Detoxen locker und entspannt an, denn positive Gedanken und selbst das Hochziehen der Mundwinkel entsäuern angeblich bereits. Ich starte mit zwei Saft- und Suppentagen. Da gehen die Mundwinkel allerdings schnell wieder runter. Nach Wochen der Völlerei eine echte Vollbremsung und ab Tag 2 halluziniere ich bereits, träume von fliegenden Vanillekipferln und in Trüffelsauce schwimmenden Penne-Nudeln mit kleinen Pilz-Hüten auf dem Kopf. Aber Detox verbietet nun mal jegliche Art von Getreide und demnach auch Nudeln, Brot und alles andere, was ich normalerweise geradezu inhaliere. Auf meinem Speiseplan stehen in den nächsten 5 Tagen vorzugsweise basische Lebensmittel wie jegliche Art von Obst und Gemüse und Salate. Diese Sachen kann ich mir reinpfeifen, wie ich lustig bin. Aber will ich das tatsächlich?

Top Five der Detox-Lebensmittel:

Rote Bete: Enthält reichlich Antioxidantien und stärkt den Körper, weil die Zellatmung verbessert wird.
Orange: Die vitaminreiche Frucht aktiviert die Entgiftungsenzyme des Körpers.
Fenchel: Absorbiert Giftstoffe aus dem Darm und unterstützt die Nieren bei ihrer Filter- und Ausleitungsarbeit.
Apfel: Stärkt mit rund 300 Biostoffen die Leber und neutralisiert durch seinen hohen Pektingehalt Schadstoffe.
Möhre: Viel Betacarotin! Das Provitamin schützt, weil es freie Radikale abfängt

Und das lieber nicht: Finger weg von Süßem und Frittiertem! Das fällt schwer, denn viele verbotene Lebensmittel erscheinen auf einmal besonders lecker, wenn man gerade eine Detox-Diät gestartet hat. Doch für erfolgreiches Entgiften heißt es jetzt hart bleiben und auf Genussmittel und Fast Food zu verzichten. Nur so kann der Körper überschüssige Schadstoffe abbauen und ausscheiden, ohne dass ständig neue Giftstoffe nachgeliefert werden. Detox-Feind Nummer Eins ist und bleibt demnach der Zucker! Versteckt in vielen Lebensmitteln wie Fertiggerichten, Erfrischungsgetränken oder Fast-Food vergiftet es all unsere schönen Vorstellungen vom gesunden Lebensstil.

Runter vom Sofa, raus an die Luft!

Nach etwa einer Woche fange ich an, mich langsam an die Gegebenheiten anzupassen. Leichter macht es mir das Leben trotzdem nicht. Ich liebe es, mit meinem Freund abends auf dem Sofa bei Pizza und Wein über das Leben zu philosophieren. An den Wochenenden verlagern wir das in unsere Lieblings-Lokale. Damit ist jetzt aber erst mal Schluss. Statt Pizza und Wein schnüre ich abends also meine Laufschuhe und jogge um den Block. Die Luft tut mir aber gut und ich fange nach langer Zeit wieder an, optimistische Pläne über einen nächsten Halbmarathon zu schmieden. Mit ein bisschen Training muss das doch zu schaffen sein, oder?

Wenn schon, denn schon: Digital Detox

Kommt man erst mal in die Phase des „Jetzt erst recht!“, setzen einige von uns noch eine Schippe drauf. Detox für den Körper schön und gut, aber für die Seele darf es etwas mehr sein. Unter „Digital Detox“ versteht man eine Bewegung, die für einen bewussteren Umgang mit dem Smartphone und anderen mit dem Internet verbundenen Geräten steht. „Digital Detox” steht für die Vermittlung von mehr Lebensqualität. Denn: Alle elf Minuten werden wir im Schnitt während unserer Arbeitszeit abgelenkt. 20 Minuten wären laut Wissenschaftler aber vonnöten, um wieder in den Konzentrationsmodus zu gelangen. Die Folge: Wir reagieren nur auf Ereignisse, können aber die Dinge nicht mehr aufnehmen, da das Interesse fehlt, sich länger mit Dingen zu beschäftigen. Die Konzentrationsfähigkeit lässt nach, wir haben kaum noch Zeit, längere Texte zu Ende zu lesen und für Hobbys haben wir ohnehin immer weniger Ansporn. Damit sich die Spirale nicht weiter nach unten dreht, sollten wir schleunigst aufhören, uns mit Handy und Co das Leben zu versauen. Vielmehr sollten wir darauf verzichten, nach 19 Uhr noch Emails zu beantworten oder vor 10 Uhr morgens sämtliche Neuigkeiten auf Facebook zu checken, denn das bewirkt, dass wir nie so ganz runterkommen und uns psychisch immer in Lauerstellung befinden. Quasi immer „bereit“ sind für die Aufnahme neuer Informationen, die uns am Abschalten hindern.

Am Ende ist es doch so: Wir alle sollten unser System zuweilen herunterfahren, Ballast abwerfen, uns von unseren Handys und Laptops befreien und auf unsere ganz persönliche Art und Weise entgiften. Für mich war es die Detox-Diät, die mir übrigens nach zwei Wochen tatsächlich auf der Waage Entlastung anzeigte, aber manchmal genügt es auch schon, sich einfach nur von Dingen fernzuhalten, die einem nicht gut tun. Wie sagte so schön der deutsche Philosoph Manfred Hinrich: „Niemand kann dich befreien, wenn du dich nicht befreist.“ Euch allen ein befreiender Start ins neue Jahr!

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