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Mel´s Mikrokosmos

Die dreizehnte Fee

Hallo Mikrokosmonauten: Ich wurde verstoßen!

Man behauptet, das Alter mache uns weniger aufbrausend und viel abgeklärter. Man sagt aber auch, im Alter wird einem bewusst, was im Leben wirklich zählt. Ob Freundschaften, Partner oder Familie. Man weiß einfach, was man will, wohin man will und mit wem man dorthin will. Umso schlimmer, wenn man dann vor den Kopf gestoßen wird, weil gewisse Menschen im näheren Umfeld mit dir eben nicht diesen Weg gehen wollen. Und dann kommen Gefühle hoch, die ganz altersunabhängig in jedem von uns hochkochen. Gefühle, die man schon im Teenager-Alter hatte. Wut, Enttäuschung, Frust und all die negativen Vibes, die man mittlerweile eigentlich nicht mehr haben dürfte, weil sie unschicklich sind und nicht mehr passend. Ab einem gewissen Alter muss man schließlich gesittet sein. Gefasst. Sich nicht mehr verhalten wie im Kindergarten. Ganz ehrlich, Leute, so was bekomme ich noch nicht mal hin, wenn ich zuvor eine Ladung Valium eingeworfen habe. Hitzköpfig wie ich bin, flippe ich gerne mal aus, schlage um mich und halte mich mit meinen Emotionen nicht zurück. Leider ist es wohl auch genau deshalb mein Schicksal, dass die Rolle der dreizehnten Fee im Dornröschen-Märchen perfekt auf mich zugeschnitten ist. Ich war leider nie angepasst, gesittet und abgeklärt. Ich war immer ein Paradiesvogel und deshalb entweder der Knaller auf jeder Party oder der Staatsfeind Nummer Eins.

Ein denkwürdiger Denkzettel

Bedauerlicherweise hätte ich mir nie vorstellen können, dass einer meiner ältesten Freunde mir eine solche Lehre erteilen würde. Vielleicht eine Retourkutsche dafür, dass ich Freundschaften nicht so pflege, wie es andere Leute tun. Vielleicht aber auch, weil ich eher eine Grace Jones statt eine Grace Kelly bin. Wer weiß das schon. Jedenfalls musste ich mit Entsetzen über Facebook erfahren, dass er geheiratet hatte und ich nicht eingeladen war. Ich. Ein Mensch, der ihn fast zwanzig Jahre kannte und von dem ich geglaubt hatte, ihm vertrauen zu können. Na ja, Vertrauen kann gottseidank leihweise verschenkt werden und ich holte es mir spätestens nach dieser Aktion wieder zurück. Auch wenn es mir ganz schön schwer fiel. Ich fragte mich, wie man als langjähriger Freund eine ganze Hochzeit vor mir verheimlichen kann? Ein heimliches Tattoo wäre gewiss einfacher zu vertuschen gewesen. Dummerweise war es nicht die einzige Hochzeit gewesen, von der man mich gänzlich verschonen wollte, denn vor einigen Jahren ereignete sich bereits ein ähnlicher Vorfall. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, poppten in meinem Gedächtnis unzählige Erinnerungen auf, die mein Weltbild mit einem Mal ins Wanken brachten. Schlimme Erlebnisse über angeschossene Freundschaften in ihren letzten Zügen. Verrat. Heimtücke. Und ich mittendrin. Als ausgestoßene dreizehnte Fee, die sich nie zu schade war, nachzutreten, Rache zu üben und schlussendlich im Stillen zu leiden und ihre Wunden zu lecken. Und ich fragte mich nicht zum ersten Mal:

„Sind noch Pflaster da?“

Nein, ich möchte nicht jammern. Wozu auch? Ich weiß, dass ich ein echtes Miststück sein kann. Freundschaften waren für mich oft genug nur Zweckbündnisse, aus denen ich ausnahmslos meine Vorteile zog. Wurden sie zu schwierig oder zu zeitraubend, konnte ich von heute auf morgen Schluss machen. Aber es gab auch diese gewissen Menschen, die mir ans Herz wuchsen und für die ich mein Einzelgänger-Dasein gänzlich aufzugeben bereit war. Mein alter Hochzeits-Freund war so einer. Zwar stand man sich bei Weitem nicht mehr so nahe, wie es mal war,  aber zumindest war da ein dauerhafter Draht zwischen ihm und mir und inzwischen unterschiedlichen Bundesländern. Ein gelegentliches Diskutieren über Politik und Weltgeschehen. Ein Fragen nach dem Befinden des anderen. Treffen. Geburtstage. Vertrauen. Offenbar jedoch zu oberflächlich, um als Gast zu seiner Hochzeit geladen zu werden. Ein Faustschlag ins Gesicht.

Die dreizehnte Fee hatte ja auch Gefühle

In besagtem Dornröschen-Märchen kommt diese vermeintlich böse Fee nicht gut weg. Jedes Kind kennt sie nur als diejenige, die das arme Kind in einen 100jährigen Schlaf verfluchte. Aber keiner hat auch nur einen Hauch Verständnis für ihr Benehmen. Schließlich wurden alle Feen auf die Taufe eingeladen, außer ihr. Und das nur, weil das Geschirr nicht reichte! Entschuldigt bitte, aber ich wäre da auch ausgeflippt. Ich glaube ja, das fehlende Geschirr war nur ein Vorwand. In Wirklichkeit wollte man sie nicht, weil sie eben anders war, als die restlichen Zwölf. Sie war sicherlich trinkfester als alle anderen und ihr Humor war viel zu derb. Sie konnte bestimmt fluchen wie ein Seemann und rülpsen wie ein Bauarbeiter. Man wusste bei ihr nie, ob man sie jetzt toll oder abstoßend finden sollte und außerdem war sie stets undurchsichtig, da sie für die einen Kumpel war und für die anderen ein Sex-Objekt. Die anderen zwölf waren wahrscheinlich nur  neidisch, was sie selbst wohl am allerwenigsten verstehen konnte, weil sie eigentlich immer nur ihr Ding machen wollte und sonst nichts. Und als man sie dann auslud, war ihr Herz gebrochen. Sie war gekränkt und sauer und wütend und alles zugleich. Sie hatte einfach Gefühle und diese waren verletzt!

Wie dem auch sei: In der Filmwelt wurde dann irgendwann „Maleficent“ geschaffen und ihre Geschichte als dreizehnte Fee bekam mehr Gefühl und Tiefe. Ich glaube, an dieser Stelle nahm der Mythos des bösartigen unerwünschten Gastes eine unerwartete Wendung, denn man entwickelte urplötzlich so etwas wie Verständnis für ihr unbändiges Verhalten. Aber am Ende ist es doch so: Wir sind nicht im Märchen sondern in der knallharten Realität. Maleficent ist ein echter Mensch, keine Fee und ich glaube kaum, dass ich den wirklich wahren Grund jemals erfahren werde, warum man mich auslud. Ein fehlendes Gedeck scheint als Grund aber nicht in Frage zu kommen, da ich in der Regel nur ein Champagner-Glas brauche. Nun ja, immerhin werde ich durch diese Geschichte nicht sterben. Das wäre ja noch schöner! Nein, ich werde aufstehen, mich kurz schütteln, meine Narrenkappe richten und weitermachen. Das kann ich auch am besten. Ach ja, und denjenigen danken, die weiterhin mit mir gehen, mit mir lachen, weinen, trinken und meinen Hitzkopf bei Bedarf in die Gefriertruhe stecken. Sie können sicher gehen, dass ich sie niemals mit einem meiner Flüche belegen werde!

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