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Die Geschichten hinter den Bildern

Schwer und schön: Drei Bildbände führen in das Wesen der Fotografie. Zwei versammeln Werke großer Fotografen, der dritte geht einem filmischen Klassiker nach, der die Fotografie zu einem seiner zentralen Themen macht.

Der 1928 geborene Frank Horvat gilt seit den 50er Jahren als einer der kreativsten und innovativsten Fotografen, er arbeitete für fast alle wichtigen, großen Mode- und Fotomagazine, für Vogue, Glamour, Harper’s Bazaar, Twen, Stern und viele andere. Seine Bilder setzen mal auf Romantik und Sensitivität, dann wieder – und da ist er am Besten – auf visuellen Witz und Freude am Spiel. Auch Fotos, die wie Schnappschüsse wirken, sind oft genug stilvoll inszeniert. In Zeiten, in denen das Gros der Modefotografie noch im standardisierten Ablichten von Mannequins bestand, suchte Horvat wie seine besten Kollegen bereits nach neuen Ausdrucksformen, Spielideen, originellen Zutaten, übergeordneten Themen oder Elementen von fotografischen Kurzgeschichten (tatsächlich wollte er Schriftsteller werden, bis er die Fotografie für sich entdeckte). Technik kann niemals Kreativität ersetzen, aber man sollte auch nicht unterschätzen, wie sehr Technik die Kreativität unterstützen kann. Horvat hatte häufig einen exzellenten Verbündeten dabei, eine fantastische Kamera, die von selbst den Fotos Tiefe gab und bereits in einer Zeit, in der die Einstellungen noch per Hand und nach zum Teil komplizierten Faustregeln vorgenommen werden mussten, schnelles Fotografieren auf höchstem Niveau ermöglichte: die Leica 35mm. Ihre Bilder faszinieren noch heute und im Verbund mit dem Einfallsreichtum und der Erfahrung eines professionellen Künstlers entfaltete sie ihr ganzes Potential. Insbesondere in seinem Spätwerk nimmt ein regelrechtes Malen mit Licht zu, werden Flächen und Farben Gemälden angenähert, als direkte Zitate bekannter Werke und Künstler, aber auch als eigene Stilentscheidung. »Please don’t smile« ist ein gelungener Streifzug durch Horvats Werk in feinstem Druck auf bestem Papier.

Robert Lebeck, ein Jahr später geboren als Horvat, gilt wie dieser als einer der großen Fotografen seiner Zeit, der neue Bildband Face the Camera, Titel»Face the Camera« versammelt Bilder, die bewusst nach dem Prinzip eines Schnappschuss-Porträts gestaltet sind: ein Fotograf in direkter Zugewandtheit zu den Menschen, die er porträtiert, ein frontales Zusammenspiel, eingefangen in aller Herren Länder, in der ganzen Bandbreite möglicher Milieus und quer durch sämtliche Lebensalter. Die auf diese Weise entstandenen Fotografien sind teils witzig, poetisch, grotesk, reportagehaft protokollierend oder berührend, und sie sind in jedem Fall Einladungen, hinter die Oberfläche der Bilder zu blicken. Gelegentlich begegnen uns prominente Zeitgenossen, Elvis, Woody Allen oder Andy Warhol zum Beispiel. Die Fotografie steht auch im Mittelpunkt eines Filmklassikers, der 1967 in Cannes die Goldene Palme gewann und anschließend einen breiten Siegeszug durch die Kinos der Welt antrat. In »Blow Up« von Regisseur Michelangelo Antonioni kommt der Starfotograf Thomas einem möglichen Mord auf die Spur, doch sein Versuch, aus immer neuen Ausschnittvergrößerungen in einem Park spontan aufgenommener Bilder einen Beweis der Tat herzustellen, führt zu keinem klaren Ergebnis. Die Suche nach der Geschichte hinter der Oberfläche der Bilder, sie wurde mit diesem Film Antonionis Grundcredo. Der enorme kommerzielle Erfolg von »Blow Up« verdankte sich einer gelungenen Mischung aus (unaufgelöst bleibender) Krimihandlung, Porträt des hoch in Mode befindlichen, attraktiven Swinging London, einem brillanten Soundtrack von Herbie Hancock, einem tüchtigen Schuss Erotik und einer prächtigen Filmausstattung. Dabei ist das Werk kolossal anspruchsvoll, eine brillante und noch heute gültige Reflektion über modernes Bewusstsein und Medien, über Selbstvergewisserungszwang und Wahrnehmungen der Irrealität. Der großformatige Bildband »Blow Up« geht allen fotografisch-ästhetischen Aspekten des Films nach, liefert Stills, Impressionen von den Dreharbeiten, Hintergründe zur Londoner Fotografenszene der Zeit (Pate standen dem Film u. a. David Bailey und Don McCullin), präsentiert Mode und Kunst, die Antonioni inspirierten, und erinnert an den Zeitgeist in jener Stadt, die damals eindeutig das kreative Zentrum der Welt war. Und zu haben gibt es das alles jetzt obendrein in einer Sonderausgabe zu einem echten Schnäppchenpreis.
Text: Michael Klein

 

Please don't smile, Illustration 1

 

 

 

 

 

 

Please Don’t Smile
Frank Horvat
Hatje Cantz, 256 Seiten
48 €

 

Face the Camera, Illustration

 

 

 

 

 

 

 

 

Face the Camera
Robert Lebeck
Steidl Verlag, 206 Seiten
28 €

 

Blow Up, Illustration

 

 

 

 

 

 

 

Blow Up – Antonionis Filmklassiker und die Fotografie
Walter Moser u. a. (Hrsg.)
Hatje Cantz, 278 Seiten
9,95 €

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