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Titelstory

Die Rocker unter den Rappern

Ehrensache, dass die Heimspiele von Rapper Lucy und Multi-Instrumentalist / Producer Deon in Saarbrücken sofort ausverkauft waren und ein Zusatzkonzert her musste: Dienstag in der ausverkauften Camerazwo ein Unplugged-Konzert, Mittwoch vor rasender Menge im Kleinen Klub, Donnerstag ein kurzer Abstecher zum Gig nach Münster und Freitag wieder sold out in der Garage – that’s rock’n roll! Hamburg, Berlin, Hannover, Leipzig, Köln, Stuttgart, Wien, Frankfurt, Zürich, München, keine Frage sowas schlaucht: 270 Euro hat Sänger Lucy allein in Apotheken gelassen um sich mit Medis auf dieser Tour einigermaßen fit zu halten.

Das stressige Tourleben macht sich auch bei Twens bereits bemerkbar: „Im Moment bin ich gerade mies aufm Zahnfleisch“, meint Lucy, „ich bin mit ´ner Mandelentzündung in die Tour gestartet, hab dann erst mal Antibiotikum geballert, den ganzen Tag nicht gesprochen, abends gespielt, immer mit ein paar Schlückchen Schnaps, weil’s aufmacht und ich besser singen kann, aber am nächsten Morgen bist du dann nochmal destroyed und musst dir den Tag erkämpfen. Das machst Du dann drei Wochen und bist irgendwann schon im Eimer, aber je näher das Konzert rückt, kommt auch die Vorfreude und Energie zurück, nichtsdestotrotz freuen wir uns drauf, das ganze abgeschlossen zu haben und uns weiter unserem Album widmen zu können, ihm den letzten Feinschliff zu verpassen und die Songs, die ja bereits stehen noch auszuproduzieren, denn am 8. Januar müssen wir abgeben.

Diesen Monat erscheint ihr zweites Album mit dem Titel „Raock“, ein Wortkreation für den Musikstil zwischen Rap und Rock, mit dem Tiavo seit Jahren für Furore sorgen. Auf dem neuen Werk werden sich gleich 20 Tracks versammeln, ein hochgereckter Mittelfinger für die ungeschriebene Streaming-Regel, wonach weniger mehr ist. Aber es ist einfach logische Konsequenz eines rekordverdächtigen kreativen Outputs, der derzeit seinesgleichen sucht im Musikbusiness. Bereits fünf Singles haben Tiavo aus „Raock“ ausgekoppelt und veröffentlicht: My Love, Himmel, Tom Sawyer, Oh Lord, Es wird spät.

Der neue Style lässt sich darin schon gut erkennen: Mal hart, mal ganz zart: Musikalische Gesetze sind für die beiden Saarbrücker wohl eh nur zum Brechen da: „Auf dem neuen Album trauen wir uns nochmal etwas mehr, wir haben uns freier gemacht ohne Genregrenzen, mal ohne Rap, mal nur Rap ohne Gitarre, eben noch vielseitiger“ meint Sänger Lucy. Apropos Lucy: Wie kommen die beiden zu diesen Künstlernamen? „Als wir gerade den Song „Oh Lucy“ gemacht und uns dazu entschieden hatten, das Album so zu nennen, kam der Vorschlag von Kappa von Genetikk mich doch Lucy zu nennen. Das war für mich im ersten Moment total befremdlich, weil ich einige Lucys kannte, aber irgendwann hab ich mich immer mehr damit angefreundet und fand auch, dass mir der Name super steht und wollte das dann auch hundertausendprozentig. Ich bin sehr glücklich damit, ich fühle Lucy sehr. Lucy und Deon das klingt sehr gut.“ Und wie kam Deon zu seinem Namen? „Deon ist der Mädchenname meiner italienischen Oma, die Vorfahren in Frankreich hat, weil es ja eigentlich ein französischer Nachname ist, Deon stellt zu Lucy genau die Gegenseite dar, deswegen hat’s so super gepasst.“

 

Wie fühlt Ihr Euch jetzt so in der Allianz mit Genetikk?

Super, als Genetikk von „Selfmade“ weg sind, und sich entschieden haben, ein eigenes Label zu gründen, da waren wir auch mitverantwortlich, dass die das gemacht haben, denn es hätte auch sein können, dass sie sonst woanders gedealt hätten. Wir sind sehr, sehr glücklich dort, es ist ein schönes Team und es ist auch toll, dass wir das alles hier zuhause haben.

 

Apropos Zuhause: Ihr hattet schon beim letzten Interview vehement gesagt, dass ihr nicht aus Saarbrücken rauswollt, dass Euch Berlin nicht wirklich reizt, ist das so geblieben?

Ich beneide die Berliner nicht für ihr Berlin, wir sind da gerne mal zwei Tage und dann will ich wieder nach Hause. Wir mögen das hier, das ist unsere Stadt, wir fühlen uns hier sehr wohl, die hat die Größe, die uns gefällt und hier wollen wir bleiben und uns was hier aufbauen. In Berlin hast Du natürlich mehr Angebote, aber hier hast Du mehr die Möglichkeit, fokussiert an Deiner Musik zu arbeiten und Dich nicht ablenken zu lassen, und das ist uns dann doch lieber.

 

Es gab im Sommer eine Spiegel-TV-Reportage, die Saarbrücken von einer ziemlich üblen Seite gezeigt hat, wie habt Ihr das empfunden?

Bis zu diesem Tag haben wir noch nie jemanden auf unserer Instagram-Seite beleidigt, aber an dem Tag hab ich deftige Ansagen gegen Spiegel gemacht. Ich war richtig sauer. Das ist eine sehr einseitige, politisch behaftete, ekelhafte Berichterstattung, die einfach null klar geht. Das kannst Du von jeder Stadt machen, Du kannst jede Stadt so in die Scheiße ziehen. Geh nach Frankfurt durch die Taunusstraße, dann gehste einmal Konstabler Wache hinten lang, und zeig mal nur das. Das kannst du echt mit jeder Stadt machen, sogar  mit der schönsten und saubersten Stadt, sogar Zürich kannst Du mit der Masche als die größte Ghettostadt der Welt darstellen. Jede Stadt hat ihre Brennpunkte und ihre Probleme, aber wir tun ja hier auch was für die Menschen. Es ist ja nicht so, dass man einfach wegguckt, und es geht jeder Stadt auf der ganzen Welt so. Es ist ne Riesen-Frechtheit, wir werden auf jeden Fall weiterhin unser Bestes geben, und kämpfen weiter für nen guten Blick.

 

Wie könnte dieser gute Blick aussehen? Wir kann man für ein besseres Image für Saarbrücken kämpfen?

Bestes Beispiel: Gestern kamen zu unserer Unplugged-Show im Kino ein Drittel der Menschen über 100 Kilometer weit gefahren, es sind sogar Leute aus Düsseldorf und Hamburg da gewesen, die sind jetzt hier in Saarbrücken mit 50, 60 Mann, haben hier AirBnB-Wohnungen und Hotels und bleiben vier, fünf Tage, gönnen sich die Stadt und kommen sich alle unsere drei Shows ankucken, das sind echte Fans. Die essen und shoppen hier, machen Sightseeing, dadurch ist die Stadt auch ein kleines bisschen von unserer Seite gefördert, und das freut uns. Und diese Leute haben alle ein sehr positives Bild von unserer Stadt. Yun Mufasa, Rapper aus Hamburg, war hier oder Sero aus Berlin. Er ist ein gestandener Künstler bei Fourmusic und ein guter Freund von uns. Mit ihm haben wir jetzt auch den Song „Himmel“ gemacht und waren mit ihm im Thonnet frühstücken. Sero war total geflasht, er überlegt sich ernsthaft, ne Zweitwohnung in Saarbrücken zu nehmen, weil er es so geil findet, wie schön man hier arbeiten kann, und wie schön es hier ist, wieviel Natur man hier mitbekommt, wie nett die Leute sind.

 

Wie wichtig ist Euch der Kontakt zu den Fans?

Wir sind super nah. Nach der Show gehen wir raus und reden mit jedem, nehmen uns viel Zeit, dafür sind die Leute uns auch sehr dankbar und so bekommst Du auch die Gefühle der Menschen am besten mit. Ich mein, wenn wir uns nach dem Auftritt in den Backstageraum verpissen, uns dann einen reinsaufen, nicht zu den Leuten gehen und den coolen Rockstar spielen, dann würden wir z.B. nicht die ganzen Tätowierungen sehen, die sich die Leute von unseren Texten machen. Dann würde uns das entgehen, wie traurig wär das? Das sind mit die schönsten Momente, wenn  Du in ner Stadt bist und da sind junge Leute und die tätowieren sich Deine Worte. Da muss man’s schon sehr fühlen, um sowas zu machen. Und teilweise ist das dann das erste Tattoo von Leuten, z.B. ein Mädchen in Köln, das sich den roten Tiavo-Schriftzug total schön hat tätowieren lassen, das war ihr erstes Tattoo, die muss es schon richtig fühlen und das bereitet Dir dann ne sehr, sehr große Freude, wenn du siehst, wie sehr die Menschen Dich und Deine Musik lieben.

 

Ihr habt jetzt aber auch seit letztem Mal ne Menge Tattoos dazu gekriegt, was waren die ersten?

Das stimmt. Die Oh-Lucy-Snake auf der linken Brust war das erste dann kam der Achilles und seitdem kam einiges dazu. Wir haben mit Jan Rosenlöcher einen Haustätowierer, der ist die ganze Tour auch mit dabei gewesen.

 

Was sind so Eure aktuellen musikalischen Vorlieben, was hört Ihr im Tourbus?

Wir werden immer offener, es wird immer mehr und immer breiter. Wir suchen immer nach besonderer Musik und es ist scheißegal welche Richtung, kann auch Blues sein, wenn er geil ist. Es muss einfach flashen. Ich hab auch über die Zeit neue Bands für mich entdeckt, wie z.B. Highly Suspect und The Neighborhood. Was bei uns im Tourbus vorne passiert ist ganz wild,  da ist wirklich von Vicky Leandros über Haftbefehl bis Slipknot alles dabei.

 

Alles auf Instagram

Die Band @tiavo66

Das Label @outtath1sworld

Die Förderer @genetikk

Die Promoter @chimperator_live

Der Tourtätowierer @jan.tattooer

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