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Mel´s Mikrokosmos

Donnerwetter

Hallo Mikrokosmonauten: Irgendwann kracht es doch immer!

Neulich hatte ich Stress mit einer Arbeitskollegin. Eine gute Arbeitskollegin. Vielleicht schon fast so etwas wie eine Freundin. Jahrelange Zusammenarbeit. Höhen und Tiefen und so. Weil im Moment alles in der Welt aus den Fugen gerät, die Arbeit in den letzten beiden Jahren so einiges von uns abverlangte und man den Spagat zwischen Job, Familie und wenigstens ein bisschen Me-Time hinkriegen muss, liegen die Nerven ohnehin blank und sie hat sich in einer nächtlichen SMS an mich so richtig über alles ausgelassen und ging dabei obendrein auch so gar nicht zimperlich mit meinen Gefühlen um. Und mit den Gefühlen ist das derzeit so eine Sache. Hochsensibel sind wir gerade alle. Neulich flog ein Bundeswehr-Hubschrauber übers Haus und ich bekam es regelrecht mit der Angst zu tun, weil es mich sofort an Krieg und das Ende der Welt erinnerte. Blaulicht und Sirenen sind mir ebenfalls ein Gräuel und verursachen bei mir Herzrasen. Gewisse Dinge gehen gerade gar nicht! Jegliche Art von Zwist noch weniger.

Es kam wie es kommen musste. Dem Angriff folgte ein Gegenangriff und dann knallte und schepperte es. Das Problem bei Streitigkeiten in Textform ist, dass es unheimlich schnell zu Diskrepanzen kommen kann. Und dass Dinge extrem hochkochen, wo man in einem persönlichen Gespräch vielleicht noch die Kurve gekriegt hätte. Gestik und Mimik fehlen nun mal. Die Tonlage und wie man etwas sagt fallen auch weg. Außerdem ist die Hemmschwelle niedriger, böse Sachen zu schreiben als sie einem ins Gesicht zu sagen! Zumindest ein Telefonat, so sage ich mir heute, wäre anders gelaufen. Aber na ja, es war nun mal so.

Man sagt, ein Gewitter reinigt die Luft. Ich finde aber auch, nach dem Gewitter, das sich schon über längere Zeit zusammengebraut hat mit seinen dunklen Wolken und dem Donnergrollen heranzieht, braucht es eine Weile, bis es sich wieder aufklart.

So weit lassen wir es nicht kommen

Gewisse Dinge müssen zuweilen einfach auf den Tisch, jedoch ist Streiten eigentlich nie schön. Liegt wohl daran, dass die meisten Menschen keine Kriegstreiber sind. Nur etwa ein Prozent der Erdbevölkerung gelten als Querulanten im psychiatrischen Sinne. Die Mehrheit will eigentlich in Frieden und Harmonie leben. Umso überraschter ist man, wenn es plötzlich rumst!  Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne und wo Menschen tagtäglich zusammenkommen und miteinander leben oder arbeiten, knallt es nun mal ab und an.

Der Streit, das Schreckgespenst

Konflikte: Sie sind Teil des menschlichen Zusammenlebens. Und wo immer es Beziehungen gibt – ganz gleich welcher Art – gibt es auch Differenzen. Jedes Gespräch kann zu Missverständnissen führen. Liegt an den unterschiedlichen Perspektiven und Werten. Und natürlich auch daran, wie wir aufgewachsen sind. Jede Biografie ist anders und deshalb bleiben wir Individuen mit Ecken und Kanten. Doof nur, dass Streit unweigerlich zu Stress führt und dieser wiederum den Cortisol-Spiegel in exorbitante Höhen treibt. Dies führt zu unschönen Nebenwirkungen wie beispielsweise Bluthochdruck. Wenn in einem Streitgespräch also der Gegenspieler rot anläuft ist äußerste Vorsicht geboten. Es könnte sein, dass er gleich platzt oder einen Schlaganfall erleidet, was in beiden Fällen sehr ungünstig wäre. Wir wollen ja nicht, dass unser Streithahn gleich stirbt!

Zwei Emotionen, die ich in meinem privaten Umfeld in Streitereien ganz klar verspüre sind Angst und Wut. Jedes Mal! Zuerst kommt immer die Angst, die sich so ganz unterwürfig einschleicht und mir zuflüstert: “Bitte bleib sachlich, geh nicht so hart ins Gericht, sonst ist alles verloren!”. Und ich bekomme dann wirklich immer Angst. Angst, dass mein Freund mit mir Schluss machen könnte, weil ich in seinen Augen einfach wieder mega anstrengend bin. Angst, dass ich enterbt werde, weil ich wieder mit dreckigen Schuhen ins Haus gekommen bin. Aber dann drängt sich ein anderes Gefühl nach und nach in den Vordergrund. Die Wut! Unbändig und hitzig. Sie poltert und tobt: “Was kannst du denn dafür, dass andere glauben, du wärst zu anstrengend, nachlässig, faul oder schlecht? Wehr dich! Bewirf sie mit Tomaten! Geh mit Mistgabeln auf sie los! Lass dich nicht unterbuttern!”. Tja, was soll ich sagen? Ich habe meine Mitmenschen noch nie mit irgendwelchen Lebensmitteln geschweige denn mit Werkzeugen angegriffen, aber die Wut hat noch immer über meine Angst gesiegt. Vielleicht, um mich zu schützen, wer weiß?! Psychologen drücken es jedenfalls so aus, dass die Wut die Angst schützt. Sie will verhindern, dass wir verletzlich sind. Und dann geht man in den Angriffsmodus über. Einfach, um sich vor einem Verlust zu bewahren. Was dann folgt, ist meist der Tunnelblick. Wir verheddern uns in Worte, schlagen sprichwörtlich um uns und der Streit fokussiert sich auf die Ursache der Empörung. Das Ende vom Lied: Es eskaliert! Dann frage ich  mich, wie konnte es nur so weit kommen?

Streitanlässe im nahen Umfeld gibt es zuhauf. Kinder räumen ihr Zimmer nicht auf, kümmern sich nicht um ihre Hausaufgaben. Eltern streiten darüber, wer den Kindern, wann wie viel Betreuung zukommen lässt und wie kindliche Frechheiten geahndet werden sollten. Paare streiten über Schwiegereltern, Alkohol- und Internetkonsum, übertriebene Arbeitszeiten, zu viel oder zu wenig Sex, Untreue, Geld, Haushalt. Es gibt ein Thema, was sozusagen das Ganze triggert. Im Grunde geht es nämlich gar nicht unbedingt darum, warum man die Spülmaschine wieder falsch eingeräumt hat, sondern um eine viel tiefer liegende Frage: “Denkst du mit? Entlastest du mich? Fühle ich mich unterstützt?“.

Wie sieht guter Streit aus?

Machen wir uns nichts vor: Streit ist wie Krieg nur ohne Panzer und Tote. Zum Glück. Schwere Geschütze werden zwar auch aufgefahren, allerdings feuern die nur verbal, also überleben wir! Auch Glück. Damit der Krieg aber nicht ewig so weitergeht, muss man verhandeln. Ich finde, ich bin eine gute Verhandlerin. Meine Arbeitskollegin ist das auch. Zumindest haben wir das beide in der Vergangenheit des Öfteren bei dem ein oder anderen Projekt gemeinsam erkannt. Bloß hatten wir da noch im gleichen Regiment gekämpft. Aber wie dem auch sei, Verhandlungen sind alles. Nicht nur in beruflichen Auseinandersetzungen, sondern auch im Privaten. Und egal, wie konträr man eigentlich ist, man sollte immer wissen: “Hey, wir mögen uns und wir müssen einfach nur sehen, dass jeder zu seinem Recht kommt.”.

Am Ende ist es doch so: Wie das Gewitter die Luft reinigt, so kann das ein Streit ebenso. Das allerwichtigste ist immer nur, dass beide tatsächlich die besten Absichten haben, zwar mit den eigenen Wünschen nicht 100 % durchkommen, aber neue Türen öffnen.

Gewitter ist auch nur Wetter, halt etwas erregt. -Manfred Hinrich-

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