• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:
Grüne Tomaten schlafen wütend

Ein Herz für Tiere

Bild von Fotolia / Adobe Stock: Datei: # 177259529

Echte Freundschaft existiert nur zwischen Mensch und Tier. Anders als zweibeinigen Freunden nimmt man es vierbeinigen dabei nicht übel, wenn sie beim erstbesten Weibchen, das ihnen über den Weg läuft, mit ihrem Schwanz wedeln und den, mit dem sie eigentlich unterwegs sind, links liegen lassen. Tiere haben keine Migräne, wenn es um Streicheln geht, und keine Probleme, wenn jemand an einen Baum pinkelt oder den ganzen Tag auf dem Sofa fläzt. Hunde verstehen uns Männer besonders gut, da sie wissen, wie es ist, von Frauchen an der kurzen Leine gehalten zu werden. Eine Bitch auf vier Pfoten ist im Gegensatz zu einer auf zwei Absätzen zudem nicht eifersüchtig, wenn man einmal die Muschi der Nachbarin streichelt. Hunde wissen schließlich, dass nichts über Frischfleisch geht…

Mensch und Tier bilden seit jeher unschlagbare Duos, die zusammengehören wie Salz und Pfeffer, Ernie und Bert oder H und M. Egal ob als Ross und Reiter, Hund und Herrchen oder Feinschmecker und Feinkost. Dabei stellt sich stets die Frage, wo Zuneigung enden und wo Zubereitung beginnen sollte. Mit Ausnahme von Kannibalen haben sich Menschen im Laufe der Zeit untereinander geeinigt, dass das Zusammenleben weitaus einfacher ist, wenn man nicht befürchten muss, vom Gegenüber verspeist zu werden. Zwischen Mensch und Tier ist es keineswegs immer so eindeutig, wie weit man sich zum Fressen gern haben darf und ob die Hand, die einen heute füttert, morgen nicht schon vielleicht futtert…

Vor allem Nutztiere laufen Gefahr, irgendwann vom Jungtier, das ein Teil der Familie ist, zum Alttier zu werden, das ein Teil der Familie isst. Aus jedem Fohlen wird einmal eine alte Stute, die bockt, sobald sie bestiegen wird. Das ist bei uns Menschen ja auch so. Was gestern noch ein süßes Küken war und heute ein stattliches Huhn ist, das sich liebevoll um die Eier kümmert, kann morgen bereits eine fette Glucke sein, die nur noch im Nest liegt und gackert. Hängt das Euter erst einmal bis zum Boden, wird es Zeit, sich nach neuem Milchvieh umzusehen. Das ist bei vierbeinigen Kühen nicht anders als bei zweibeinigen. Allerdings mit dem Unterschied, dass ein Gnadenschuss bei den einen wochenlang saftigen Braten und bei den anderen lebenslang trockenes Brot zur Folge hat…

Tiere an unserer Seite haben einen hohen Stellenwert. Dennoch sind ihre Rechte bescheiden. Kein Schäferhund fühlt sich pudelwohl. Rindern will man ans Leder, dass es auf keine Kuhhaut geht. Schafe werden zu Mäharbeiten gezwungen und das Leben von Schweinen ist die reinste Sauerei! Während Frauen mittlerweile wählen dürfen, müssen Tiere noch immer wahllos akzeptieren, was ihr Halter tut. In einer Zeit, in der jeder Produkte bevorzugt, die von glücklichen Tieren stammen, ist es wichtig, dass ein Schnitzel auch vor seiner Zeit in der Kühltheke artgerecht gehalten wird, so lange es noch Rüssel und Ringelschwanz hat! Kaum jemand will noch mit dem Gewissen vereinbaren, ein Tier auf dem Teller zu haben, das nicht freien Willens ein Steak geworden ist…

Tierschutz ist richtig und wichtig. Letztens hatte ich den Flyer eines Vereins für Nutztierrechte in der Post, der nicht nur inhaltlich, sondern auch hinsichtlich seiner Wortwahl interessant war, um die sich darin „bemuht“ wurde. Von „Ku(h)ltur“ war die Rede, von „kuhlen“ Ideen und „vie(h)lversprechender“ Zukunft für Nutztiere im Rentenalter. Etwas vermisste ich, dass das Schlachten ausgemusterten Milchviehs nicht als „Euternasie“ bezeichnet wurde. Aber das wäre wohl zu „vie(h)l“ des „Kuhten“ gewesen. Auf dem Flyer waren zwei Kühe abgebildet, von denen die zweibeinige ihr vierbeiniges Pendant auf die Schnauze küsste, was diesem sichtlich unangenehm war. Das Küssen einer alten Kuh fand ich schon als Kind auf dem 90. Geburtstag von Tante Walburga unpassend…

Früher hieß es, dass man mit Essen nicht spielen solle. Der Flyer fordert ganz im Gegensatz dazu auf, man solle ein „neues Verhältnis zu Kühen entdecken“, die es „genießen, am ganzen Körper gestreichelt und massiert zu werden“. Tiere würde einem so viel Liebe zurückschenken, getreu dem Motto „Wie-ich-Dir, So-do-mie“. Weiter war zu lesen, dass Kühe viel zu früh und zu oft befruchtet werden, ihnen der Nachwuchs nach der Geburt entzogen wird und sie Leberprobleme haben. Dieses Schicksal teilen sie wohl mit den meisten Realschülerinnen, mit einzigem Unterschied, dass diese nach ihrer zigten Entbindung mit knapp zwanzig nicht einmal mehr zum Frikadellenmachen taugen…

Mal ehrlich: Was ist schlimm daran, ein Tier aus dem Verkehr zu ziehen, nachdem es Tausende Liter Milch gegeben hat? Das geht männlichen Pornodarstellern doch nicht anders! Nur in den 1940ern gab es nach solchen Leistungen das Mutterkreuz. Tierschutz ist zweifelslos wichtig – schließlich sollte keiner schlecht zu Vögeln sein – aber so lange Rentner bei Kaffeefahrten im Bus durch die Republik gekarrt werden, sind auch Massentiertransporte mit Gammelfleisch nicht verwerflich. Nutztiere sollten aber stets gut gelaunt zum Schlachter gebracht werden und sich auf den Bolzen freuen, den ihnen ein rumänischer Akkordarbeiter ins Hirn jagt. Rentner sind bei Besichtigungsfahrten zu Krematorien ja auch immer bester Laune und guter Hoffnung, abends wieder ganz nach Hause zu kommen…

Dass Tiere uns Menschen in vielem überlegen sind, weiß jeder, der schon einmal einen Hund dabei beobachtet hat, wie er sich seine Genitalien leckt. Ein als Blindenhund ausgebildeter deutscher Schäferhund dürfte einem deutschen Azubi in so ziemlich allen Lebenslagen überlegen sein. Mit Ausnahme vom Selfies-machen vielleicht. Wir sollten daher fair zu Tieren sein. Schon Onkel Ede wusste nach seiner Kriegsgefangenschaft um die Nachteile der Käfighaltung und nach seiner beidseitigen Beinamputation, dass Eier aus Bodenhaltung nicht das Wahre sind. Jeder von uns, der zuhause backt, sollte sich übrigens bewusst sein, dass er mit verantwortlich für traumatisierte Legehennen ist, die ihre Küken nie gemeinsam sehen werden, da er Eier trennt…

Tiere haben ein Selbstbestimmungsrecht! Wild z.B. sollte frei entscheiden dürfen, ob es bei der Jagd erschossen oder nachts von einem Auto überfahren werden möchte. Weg mit den Wildzäunen an Landstraßen, die Bambi das Recht nehmen, frei bestimmen zu können, ob es nun auf einem Gasgrill oder auf einem Kühlergrill landet! Ein Herz für Tiere… gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

 

P.S. Rüdesheim ist keine Tierauffangstation für männliche Hunde.

Previous ArticleNext Article