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Grüsse an SpiegelTV: Saarbrooklyn Rocks!

Manu Tourette und Phily Vinilly kennt in Saarbrücken fast jeder. Seit gut zwei Jahren sorgt der Rapper und Künstler mit seinen legendären Instagram-Storys für reichlich Heiterkeit und Tumult in den sozialen Medien. Jetzt erscheint auf dem eigenen Label „Schuss Hase Hoppelt“ ihr zweites Album „Bon Voyage“.

Angefangen hat für Manu Tourette (33) alles auf der Straße – mit Graffiti. Schon mit 14 Jahren ging es für ihn nachts nur darum, seinen Namen im Saarland bekannt zu machen. In dieser Teildisziplin der Hiphopkultur fand er seine persönliche Ausdrucksform. Phily Vanilly (34) hatte zwar auch mal die Sprühdosen in der Hand, wollte aber lieber DJ sein, Beats bauen und rappen. So blicken beide heute auf reichlich Erfahrung im Musikmachen und der Hiphop-Kultur zurück, die sie maßgeblich geprägt hat. Musikrichtungen und Genres sind für die Musiker weniger wichtig. Hiphop ist für beide viel mehr das Gefühl von Verbundenheit, Respekt und Toleranz. Trotzdem bedienen sie sich den klassischen Klischees der Rap-Kultur, die zu dieser Musikform gehören, wie das Licht zum Tag: Straßen-Attitude, Gangster-Klischees und harte Sprache. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern ist der Background von Manu Tourette und Phily Vanilly keine frei ersponnene Geschichte, sondern echt.

Phily Vanilly „Wir kennen uns seit mindestens 15 Jahren und sind uns damals beim Sprayen über den Weg gelaufen – und dabei auch gleich fast erwischt wurden. Dann haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt, auf der Straße, in Clubs, beim Auflegen und wir haben festgestellt, dass wir uns gegenseitig gar nicht so verkehrt fanden. Und irgendwann kam Manu dann um die Ecke und meinte: komm, lass uns Musik machen. Er wusste halt, dass ich durchs auflegen und auch von der Familie her einen musikalischen Background habe – und so hat unsere Reise begonnen.“

So haben diverse Eskapaden beim Erwachsenwerden Manu ein Jahr hinter schwedischen Gardinen eingebracht. Dieser Umstand, sowie die schonungslose Ehrlichkeit in Sachen Selbstreflexion und Lebensplanung, haben dazu geführt, dass Manu fortan Rap als gewaltfreies Medium wählte, seine Botschaften zu platzieren.

Manu Tourette „Eigentlich wollte ich schon immer Musik machen, aber es hat immer an irgendwas gehangen. Da hat da einer keine Zeit, da klappt dieses nicht, irgendwas war immer. Es gibt für mich nix Schlimmeres als immer wieder von irgendeinem Scheißdreck ausgebremst zu werden, wenn man endlich vorankommen will. Da war Phily genau der Richtige Und ich wusste halt dass er mit seinem Vater ein Studio hat und dann ging es los.“

Mit dem unnachgiebigen Willen eines Menschens, der nie aufgibt, motivierte der gelernte Dachdecker und mittlerweile selbstständige Baumpfleger seinen Partner Phily, Beats für seinen Traum zu bauen: das erste eigenen Hiphop-Album „Tourette de Mar“. Am Heiligmorgen 2017 wurde das Werk in Eigenvertrieb auf CD auf dem Sankt Johanner Markt persönlich an den Mann und die Frau gebracht. Gleichzeitig war es verfügbar auf allen digitalen Streaming-Plattformen. Das brachte Reichweite, Klicks und Gigs. Persönlich größter Erfolg des Klarenthaler-Bubs Manu ist es jedoch, eine Show auf den Brettern gespielt zu haben, auf denen die legendären Beatles 1960 ihr aller erstes Deutschland-Konzert gaben – dem Indra Club in Hamburg.

Manu Tourette „Es war schon echt krass, dass da direkt einer angekommen ist und gemeint hat „Hey cool, Manu Tourette“. Da sieht man halt dass der ganze Social Media Zirkus wirklich übergreifend ist ist. Und wenn sie mich in ganz Deutschland feiern, dann feiere ich selbst das natürlich umso mehr. Nur würde ich mich dafür nie verbiegen. Das geht schon damit los, dass ich keine Rücksicht nehme, wie ich so braddele. Ich bin halt ich. Wenn mich einer aus Berlin oder Hamburg jetzt nicht versteht, dann hat der Pech gehabt. Ich fang jetzt nicht an nur noch hochdeutsch zu schwätzen, nur dass die da oben mich verstehen.“

Seit Beginn der Zusammenarbeit gab es zwischen dem Rapper und seinem Producer das Ehrenwort, mehrere Werke zu erstellen. Album Nummer Eins sollte nur der erste Wurf sein. Der Beweis dafür, dass fast alles möglich ist, wenn man nur fest genug daran glaubt und hart arbeitet. Als Sammelbecken für ihre musikalischen Kollaborationen wählten sie den Labelnamen „Schuss Hase Hoppelt“, denn ab sofort hoppelte der Hase nicht mehr nur in dem manchmal maskierten Kopf von Manu Tourette, sondern auch auf Bühnen, Instagram, Youtube und Spotify.

Manu Tourette „Schuss Hase Hoppelt ist eigentlich aus einer Zeile eines alten Tracks entliehen. Hase bzw. Haze steht ja bekanntermaßen für Marihuana, und wenn Du Dir einen Schuss Hase intravenös gibst, dann hoppelt’s halt. Ich fand halt, dass sich das als Labelname echt gut anhört.“

Phily Vanilly „Ich hatte ursprünglich was völlig anderes im Kopf, etwas völlig werblich konstruiertes aus der Marketing Welt. Vor allem wäre ich nie auf die Idee gekommen, einfach drei Wörter aneinander zu reihen – und schon gar nicht Schuss und Hase. Aber so banal und doof es klingt, es hat uns einfach richtig viel Spaß gebracht.“

Die Arbeiten am zweiten Manu Tourette Album „Bon Voyage“ begannen dann Anfang 2018. Musikalisch gefestigt liefert er in seinem neustem Werk zahlreiche musikalische Bomben, Realtalk und Kollaborationen mit etablierten Rappern und Beatbauern. Mit Abstechern nach St. Ingbert, Klarthental, die Folschder, Molschd, die Virage Est und St. Arnual, sind Menschen auf dem Werk vertreten, die bereits auf anderen Labels und Bühnen gezeigt haben, dass man sich an der Saar nicht verstecken muss. Auf seinem Youtube-Kanal ist bereits die erste Single-Auskopplung aus „Bon Voyage“ zu hören. Auf „Standard“ feat. Dreist und TerFAK, aus dem Zweizimmergefüge, folgte im Juli der Solo-Track „Steine“ mit einem delikaten Video, das bei Edeka Lonsdorfer im Quartier Mainzer Straße gedreht wurde. Dass spätestens 2020 dann das nächste, dritte Manu Tourette Album angegangen wird, ist so klar, wie die Brühe seiner Ananas- und Champignon-Konserven, die er gerne mal beim Frischemarkt aus der Dose frühstückt.

Manu Tourette „Aller guten Dinge sind drei. Triologie hört sich auch immer ganz gut an. Das Maskending feier‘ ich und so sieht ja auch men Logo aus und ich werde das ich auf jeden Fall weiter tragen. Aber ich hab‘ ja beim ersten Album eine andere Maske gehabt, als beim zweiten und beim dritten habe ich dann vielleicht wieder ein andere oder zerschneide die ersten Beiden. Aber ich hab noch keine Ahnung was ich beim dritten fabriziere. Obwohl den ersten Track fürs dritte Album habe ich jetzt schon auf der Rückfahrt vom Urlaub geschrieben. Natürlich denke ich weiter, aber damit kann man natürlich auch ganz schön auf die Schnauze fallen.“

Ende des Jahres erscheint dann erstmal ein anderes fulminantes Werk auf „Schuss Hase Hoppelt“, auf das ganz Tinder-Deutschland schon sehnsüchtig wartet: „Sex sells“. Eine brachiale Abrechnung mit dem Shishabar-Sound in Spotify Hiphop-Playlists, produziert und berappt von den Schusshasen Phily Vanilly und Dreist, die ihre Sicht in Sachen „Sexualität“ auf überfetten Beats präzisen Flows liefern. Dazu gibt es Hooklines, die Natedogg nicht hätte besser singen können. Ein Soundkonzept namens „Illsonz“, das mit seinen Rap-Passagen und dem unverkennbaren Sound der 90s im aktuellem Gewand nach Live-Performances schreit. Phily und Dreist (29) kennen sich seit fast 20 Jahren, aus Jugendtagen im schönen Malstatt. Aufgewachsen in der Idylle zwischen Sportplatz, Tankstelle und Saarbahn-Haltestelle Cottbusser Platz, fanden sie den Weg zu Rap und zueinander. Dass aus dieser alten Verbindung einmal ein Sound entstehen würde, von dem sie als Teenager niemals gewagt hätten zu träumen, ihn selbst zu machen, ist Bordsteinromantik. Als Zweiergespann verkörpern beide die kranken Kinder unserer Generation – zwischen Instagram, Tinder und Blowjob.

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