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Mel´s Mikrokosmos

Hallo Mikrokosmonauten: Auch Zukunftsangst?

Aus uns ist nichts geworden

Wir schreiben das Jahr 2018. Und unsere Generation – die Generation Y – wie sie gerne genannt wird, gibt nach wie vor alles. Und verliert doch immer wieder den Überblick. Wir Millennials sind zwischen 1980 und 1990 geboren. Wir feiern uns für unser durchschnittliches Studium, und dass wir irgendwann mal sechs Monate durch Australien getourt sind oder ein Praktikum in den USA gemacht haben. Wer gegen uns ist, ist ignorant und die Generation vor uns sind eh alles Langweiler, Spießer und Systemangepasste. Wir haben irgendwie die Ansicht gepachtet, dass nur wir selbst wissen, wie die Welt funktioniert. Oder?

Zugegeben, das war etwas überspitzt. Und trotzdem hat man es mit uns nicht leicht. Ich erinnere mich noch daran, wie Mitte der 2000er der Hype um die Generation Y aufkam. Auf einmal musste jedes Büro kostenlose Getränke, Kickertische und Bio-Obst anbieten. Glücklich waren wir damit zwar immer noch nicht, aber das würde schon irgendwann kommen. Perfektioniert wurde alles aber erst durch den Hype um die Start-up-Szene. Und: Wer heutzutage noch länger als zwei Jahre bei einem Arbeitgeber bleibt, ist entweder unfähig oder dumm. Bloß keine Bindung eingehen – immer schön flexibel bleiben. Privat übrigens auch. Der Begriff „Mingle“ – halb Beziehungsmensch, halb Single wurde irgendwann geprägt. Egoistische Arschlöcher bekamen ab da quasi eine offizielle Erlaubnis zum potenziellen Rumvögeln. Und setzten damit ein eindeutiges Zeichen, wer wir offensichtlich sind: Gewissenlose Senkrechtstarter auf dem Weg in unsere eigens geschaffene Hölle aus Isolation und vermeintlicher Unabhängigkeit! Ist das tatsächlich so?

Das Prinzip Klagen und Meckern
Gehen wir zurück in unsere Kindheit. Unsere Eltern, die uns sicherlich über alles lieben, haben alles für uns gemacht. Leider ging diese Liebe etwas zu weit. Denken wir zum Beispiel an die Zeit, als wir von der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln sollten. Auf einmal waren unsere Eltern total aktiv. Sie haben mit unseren Lehrern gesprochen, wenn wir in einem Fach schlechter waren. Dass wir im Grunde eigentlich nur nicht gelernt hatten, war egal – unsere Eltern regelten das. Und erinnern wir uns eigentlich noch an den Übergang vom Abi zum Studium oder zur Ausbildung? Ach, den Übergang gab es gar nicht? Stimmt, viele von uns haben ja erst einmal Work and Travel gemacht. Manche von uns in außergewöhnliche Länder wie Kambodscha oder Island. Damit wir später damit angemessen prahlen können. Und was haben wir in all den Jahren gelernt? Dass Mut, Fleiß und Arbeit sich lohnen? Wohl kaum. Wir haben offensichtlich gelernt, dass wir nur genug schreien, klagen und fordern müssen.

Dann klappt das schon.
In der realen Arbeitswelt angekommen, merken wir, dass Meckern und Klagen kein Erfolg hat. In Beziehungen übrigens auch nicht. Deshalb machen wir dann meistens etwas, was wir besonders gut können: Wir schmeißen hin. Werfen das Handtuch. Danken ab. Wenn Chefs oder Partner auf einmal mehr erwarten, als wir dachten, gehen uns auf einmal die Augen auf! Dann wird plötzlich die Beziehung zu kompliziert, der Chef zu anstrengend oder die Freundschaften zu verbindlich. Aber mal ehrlich: Dachten wir etwa, dass es so weiterlaufen würde wie in der Schule oder im Studium? Oder in der sicheren Obhut unserer Eltern? Nö.

Das Problem mit dem Glück
Das Leben ist so eine Art Marathon. Manchmal einer, den wir mit gebrochenen Beinen laufen müssen, aber es bleibt eben ein Marathon. Es geht nicht darum, dass wir nur einen kleinen Sieg errungen haben, wie zum Beispiel die richtigen Antworten geben beim Vorstellungsgespräch. Nein, es geht um die großen Siege und die gleichen nun mal einem Marathon. Glück ist ein Marathon. Oder Erfolg im Job. Und erfüllende Liebe. Aber Netflix, Tinder und WhatsApp suggerieren uns, dass wir nur weiterwischen müssen. Dann wird schon etwas dabei sein, was uns vermeintlich glücklich macht.

Die Niederlagen sind der Wind in unseren Segeln
Aus uns ist dann doch nicht das geworden, was wir uns vielleicht erträumt haben. Komisch, ne? Denn unsere Eltern haben uns doch immer gesagt, dass wir alles werden können, und dass wir alles schaffen können. Und unsere Apps sprechen doch auch dafür. Eine lästige Handbewegung und wir können alles ändern. Wisch und Musik an! Wisch und Ex blockiert! Wisch und Sex! Aber hier und da zwickt es trotzdem und das liegt nicht an unserer x-ten gescheiterten Diät sondern daran, dass eben nicht alles in unserem Leben so perfekt geworden ist. Glück und Erfolg hat man nicht, weil man lactosefreie Milch im Chai-Latte trinkt oder Yoga macht. Glück und Erfolg kommen nur, wenn man kämpft. Dranbleiben heißt die Devise. Und auch mal Niederlagen wegstecken, denn die sind der vegane Parmesan auf der Attila-Hildmann-Bolo. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir diesen dreckigen Marathon nun mal laufen, ob wir wollen oder nicht! Vom ersten Schritt über die hässlichen Blasen bis zur Erschöpfung nach den ersten Kilometern. Irgendwie passt uns das nicht, weil es eben Mühe und Rückschläge erfordert. Das Tinder-Wegwisch-Spielchen ist aber scheiße und Bewerbungen schreiben auch, wenn wir nach nur wenigen Monaten im Job wieder auf den Boden der Tatsachen geholt werden. Und keine Freunde zu haben, mit denen man in regelmäßiger Laune die Kneipen unsicher macht, ergibt auch keinen Sinn.

Wir sind die Zukunft
Ich mache mir echt Sorgen um unsere Zukunft! Nicht, weil wir zu dumm sind. Die meisten von uns sind tatsächlich klug und liebenswert. Und das sogar, ohne alles bei Wikipedia nachzuschlagen oder das Wort „liebenswert“ zu googeln. Ich mache mir bloß Sorgen, weil wir das Kämpfen offensichtlich nie richtig gelernt haben. Der Weg des geringsten Widerstandes ist aber auch so bequem und kuschelig und gepflastert mit leckeren Cupcakes, die aussehen wie das Krümelmonster. Und dann tun wir noch etwas, was echt doof ist: Wir belächeln diejenigen, von denen wir lernen könnten: Die ältere Generation. Lieber belächeln wird sie für deren Karrierewillen und Lebensansichten und verschenken somit eine großartige Chance. Denn das Grundprinzip von Glück, Erfolg und Erfüllung hat sich nicht groß geändert. Der Schlüssel hierfür sind nach wie vor Mut, Kampf und Geduld.

Aber im Grunde kämpfen wir ja. Wir kämpfen nämlich gegen das Ideal des fleißigen Arbeiters, der sich von früh bis spät im Büro für die Firma aufopfert. Aber nicht, weil wir faul sind, sondern weil es uns zu wenig menschelt. Wir haben keinen Bock, unser komplettes Leben einer Firma zu opfern. Wir wollen Zeit für uns und die Familie, schließlich fanden wir es als Kinder ja auch gut, behütet aufzuwachsen. Und die, die dieses Glück nicht hatten, wünschen es sich umso mehr. Viele von uns hat es im Job durchgeschüttelt. Wirtschaftskrise, viele Firmen im Umbruch, befristete Jobs. Man verlangt von uns, flexibel zu sein. Ist es da nicht ganz normal, dass wir das im Gegenzug auch fordern? Ist es da nicht ganz normal, dass wir uns im Job ein respektvolles, faires Umfeld wünschen und wollen, dass der Chef uns mag? Ich denke, gerade ältere Generationen haben spätestens jetzt verstanden, worum es uns eigentlich geht. Uns, der angeblich so anspruchsvollen Generation Y. Wir wollen nur eins: Sicherheit garniert mit ein bisschen Liebe, Erfolg und Glück. Am besten in Form dieser tollen Krümelmonster-Cupcakes!

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