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Mel´s Mikrokosmos

Hallo Mikrokosmonauten. Bleibt stark!

Wo auch immer wir sind, müssen wir kämpfen. Sei es im Job, in der Beziehung, mit der Schwiegermutter oder in der o2-Hotline. Fast täglich stehen wir nahezu in der Pflicht, dass wir uns in Kampfstellung begeben, sobald wir nur schon zur Haustüre raus sind. Warum? Weil wir sonst gnadenlos platt gemacht werden von Wichtigtuern, Provokateuren und Fallenstellern. Diejenigen unter uns, die eine pazifistische Lebensphilosophie pflegen, werden jetzt zwar milde lächeln und sagen: „Was für’n Quatsch!“. Aber ich erinnere diese Menschlein daran, dass sie sich gewiss auch schon in Situationen wiedergefunden haben, in denen sie es mit der unerbittlichen Härte kriegstreibender Querulanten zu tun bekommen haben und nur mit offenem Mund dastehen konnten. Ich meine, es kann ja wohl kein Zufall sein, dass irgendwie immer genau dort Beef ist, wo Mensch auf Mensch trifft, oder? Und schlimmer noch: Ich höre das unweigerliche Zeitbomben-Ticken, das von ihnen ausgeht. Bis es irgendwann „Boom“ macht! Und dann stelle ich mir mal wieder die Frage:

„Warum bekriegen wir uns eigentlich immer wieder?“ So viel sei im Vorfeld schon gesagt: Schwierige Menschen machen uns das Leben schwer, weil sie es gerne haben, wenn sie sich groß und andere klein fühlen. Aber nur weil manche Menschen unverblümt ihre Meinung sagen, sind sie noch lange nicht problematisch. Allerdings gibt es Männer und Frauen, die extreme Persönlichkeitszüge besitzen. Sie wirken arrogant und wissen, wie sie ihr Gegenüber kleinmachen können. Und schlimmer noch: Sie streben dieses Gefühl des Kleinseins bei anderen an, wo sie nur können. Neid, Antipathie oder mangelnde Selbstsicherheit sind hier nur ein paar Gründe für solcherlei streitsüchtiges Verhalten. Es gab da diese Empfangsdame in einem saarländischen Tierheim, deren Rottweiler-Taktik phänomenal war. Sie saß stets mit mürrischem Blick und bissiger Attitüde an der Rezeption inmitten von Hundeleinen und Futterspenden und keifte jeden unvermittelt im breitesten saarländischen Dialekt an, der einfach nur eine harmlose Frage hatte. „Kann ich mir einen Hund zum Gassi gehen aussuchen?“ – „Nää, ich brauch erschd de Personalausweis!“. „Spaziergang mit Luke?“. – „Nää, der war schon drauße!“. „Kann ich mit Spike ein paar Minuten länger Gassi gehen? Da freut er sich bestimmt!“ – „Nää, nur e halb Stunn!“. Und passierte es tatsächlich, dass man die heilige halbe Stunde überschritten hatte, weil der Hund unbedingt noch draußen toben wollte, stutzte sie einen zurecht, sobald man den Fuß in der Tür hatte: „Ihne fehlt wohl de Üwwablick!!!“. Ja, ja, Frau Rottweiler war eine Koriphäe auf dem Gebiet der Kriegstreiberei. Sie hatte das Talent, dass man sich in ihrer Gegenwart stets fühlte, als wäre man ein Eindringling und Feind. Als wäre das Gassigehen mit einem Tierheim-Hund eine Straftat. Und hatte man selbst einen schlechten Tag und war auf Krawall gebürstet, war es ein leichtes, mit ihr in den Ring zu steigen. Bloß fühlte man sich hinterher wie ein geprügelter Hund und deshalb kam es meistens nicht dazu. Innerlich zitterten die Menschen vor Frau Rottweiler und ich hatte den Eindruck, dass selbst der agilste und temperamentvollste Tierheim-Hund augenblicklich zum zarten Lämmchen wurde, sobald der knallharte Blick des Rottweilers ihn traf. In gewisser Weise faszinierte mich ihr Verhalten, aber letztendlich machte es mich einfach nur fertig und ich frage mich seither nicht umsonst:

„Was kränkt uns eigentlich besonders?“
Und welche Waffen setzen Menschen gezielt ein, damit wir uns wie ein Idiot fühlen? Manipulation vielleicht. Menschen, die ihren eigenen Willen gegenüber anderen durchsetzen wollen, verwenden gern das Mittel der Manipulation. Sie möchten ihre Umwelt zu einem Verhalten zwingen, das sie sich von ihr erwarten. Eine beliebte Strategie ist es zum Beispiel, den Eindruck zu erwecken, als sei das Verhalten, das sich der andere wünscht, ohne Zweifel richtig. „Alle anderen ernähren sich aber auch gesund, deshalb will ich, dass du darauf achtest“ oder „Ich kenne niemanden außer dir, der sich nicht gesund ernährt.“ Auch das Erzeugen eines Dilemmas gehört zu den Machtspielchen, bei denen es darum geht, dass einer die Kontrolle über den anderen behält. „Entweder du machst das, was ich dir sage, oder wir gehen getrennte Wege.“ Vielleicht sind es aber auch die Verallgemeinerungen, die uns fertig machen sollen. Generalisierungen führen dazu, dass die ganze Person negativ beurteilt wird. „Du kümmerst dich nie um etwas – das ist verantwortungslos.“ Dabei hat der Partner zum Beispiel nur vergessen, die Milch zu besorgen. Auch Charakterisierungen des andern wie „Du bist faul/langweilig/dumm“ führen dazu, dass sich das Gegenüber als Person insgesamt abgewertet fühlt.

Oder im Falle von Frau Rottweiler die berühmt-berüchtigte „Projektion“. Menschen, die jemanden verbal attackieren, projizierten oft ihre eigenen negativen Gefühle auf den anderen, sagen Psychoanalytiker. Das heißt, sie geben dem Gegenüber die Verantwortung für die eigenen destruktiven Gefühle. Im Grunde hatten die Leute nichts gegen die rabiate Empfangsdame. Aber diese setzte alles daran, dass die Leute sie hassen, dabei war es in Wahrheit genau umgekehrt. Denn sie hasste die Menschen und die bekamen es tagtäglich zu spüren.

Und natürlich der Klassiker: Andere abzuwerten, um sich selbst aufzuwerten, scheint ein beliebtes Verhaltensmuster bestimmter Persönlichkeiten zu sein. Laut dem US-Psychologen Marshall Rosenberg, Vertreter der gewaltfreien Kommunikation, gibt es eine sogenannte „Wolfssprache“, die dazu führt, dass sich der andere schlecht fühlt, sich wehrt oder ausweicht. Laut Rosenberg verursacht diese Kommunikation gegenseitige Aggression. Sätze wie „Wenn du das beachtet hättest, wäre es nicht so weit gekommen!“, „So ist das falsch, das macht man so!“, „Du machst das, weil du einfach nicht überlegst!“, „Du bist klug/faul, du liegst richtig/ falsch!“, „Wenn du nicht sofort damit aufhörst, dann gehe ich zum Chef!“ führen unweigerlich zur Abwertung des eigenen Ichs oder treiben dazu an, dem anderen den Krieg zu erklären. Getreu dem Motto: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“. Und schließlich stürzen wir uns wie so oft im Leben in ein Gefecht, das meistens ziemlich unnötig ist. Wir strapazieren nämlich dabei nicht nur unsere Nerven, sondern sorgen auch gleichzeitig dafür, dass eine intakte Beziehung oder eine gute Freundschaft auf die Probe gestellt wird.

Jeder ist der König in seinem Reich
Das Bewahren der eigenen Integrität ist deshalb besonders wichtig im Umgang mit schwierigen Menschen. Wer in einer unangenehmen Situation innerlich klar bleibt, entscheidet selbst, was er tun und lassen möchte. So verhindert man, kontrolliert zu werden. Oft ist es ratsam, den Impuls der Attacke aufzugreifen und ihn mit einer gewissen Schlagfertigkeit zurückzugeben. Im Moment reagiert zu haben, und nicht erst Stunden oder Tage später, kann die Situation bereinigen. So kann man lernen, geschickt etwas zurückzugeben und den Angriff mit Entschiedenheit und Standfestigkeit abzuwehren

Wenn Frau Rottweiler also das nächste Mal keift, uns fehle der Überblick, sollte man einfach antworten: „Da sprechen Sie wohl aus Erfahrung, was?“. Und wenn der Kollege stänkert: „Wie sieht es denn hier schon wieder aus, in diesem Chaos kann doch kein Mensch arbeiten“, könnte man souverän zurückgeben: „Ordnung ist für dich wohl das halbe Leben?“, Der Kernpunkt: Man rechtfertigt sich nicht, sondern macht die Ordnungsliebe des anderen zum Thema.

Krieg und Frieden
Am Ende ist es doch so: In Zeiten wie diesen ist es manchmal ratsam, sich eine Schutzausrüstung zuzulegen, der uns vor Attacken jeglicher Art absichert. Ob Rottweiler in Menschengestalt, falsche Schlangen, Hitler als Partner oder Rumpelstilzchen als Kollege: Wir müssen uns stets vor Augen halten, was wir uns wert sind, was wir an uns ranlassen und was an uns abprallen sollte. Und das Wichtigste: Wie souverän wir kentern ähm kontern! Ungerechtfertigte Kritik, Intrigen oder Überraschungs-Angriffe werden uns immer treffen. Darüber hinaus werden wir uns auch immer wieder in Kämpfen und Keilereien wiederfinden, aber im Zweifelsfall gehe ich irgendwann den Weg, den man am allerwenigsten erwarten würde: Ich mache ein Friedensangebot. So etwas stößt zwar zuweilen auf totale Verwunderung, aber Krieg und Frieden liegen schließlich nah beieinander. Im Grunde stehen mir Schutzausrüstungen und Panzer auch nicht sonderlich gut. Man fühlt sich darin so unbeweglich und außerdem tragen sie zu sehr auf.

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