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Mel´s Mikrokosmos

Hallo Mikrokosmonauten: Ein Nest ist kein Käfig!

Nestbau:
Irgendwann im Leben wird sich jedes Mädchen einmal die Frage stellen: „Werde ich einsam in einer kleinen Zweizimmer-Bude mit zwanzig Katzen enden, die mich nach meinem Tod auffressen, weil keiner merkt, dass ich gestorben bin?“ Angesichts dieser Horrorfantasie beschließt fast jedes Mädchen, sich unmittelbar danach einen Mann zu suchen, der sie möglichst schnell aus der Gosse holt und in sein traumhaftes Reich entführt. Ach nein, das war Pretty woman. Also nochmal zurückgespult. Also nach der Alptraumfantasie der menschenfressenden Katzen versucht jedes Mädchen, das noch etwas auf sich hält, sich entweder als emanzipierte Frau in der harten Welt durchzusetzen (och nö, viel zu anstrengend!) oder – frisch verliebt – mit einem Mann zusammenzuziehen. Das bietet sich an. Denn Männer sind wie Hunde, also treu ergeben und quasi das Gegenteil von Kannibalen-Katzen. Im Grunde ist es auch gar nicht so schwer, einfach so in das Leben eines Mannes samt Wohnung und Privatsphäre gelassen zu werden. Im Gegenteil. Die guten Kerle lassen einen sogar bereitwillig in ihre Welt eintreten und sind zunächst mal gastfreundliche und großzügige Zeitgenossen. Davon kann Frau nur träumen. Zumindest so lange, wie ihre rosarote Brille uns noch im gleißenden Prinzessinnen-Licht erstrahlen lässt. Aber was soll ich euch erzählen: Der endgültige Schritt in ein gemeinsames Leben samt gemeinsamer Bleibe birgt natürlich auch so manche Gefahren. Entscheidet man sich nämlich zum Zusammenleben, ist die knallharte Realität in Form von dreckigem Geschirr in der Spüle und Baumwollunterhosen nicht weit entfernt. Und ehe man sich versieht, ist der Alltag da. Nestbau bedeutet nämlich in erster Linie immer eines: Die letzten Hüllen fallen!

Tritt ein, bring Glück herein!
Wenn Vögel sich zusammenfinden und das gemeinsame Nest bauen, haben die Weibchen oft die Angewohnheit, an den Eingang ihres Domizils zu kacken. Das dient nur als Markierung, sondern auch als Lehm-Ersatz, um die Eingangstür zu verkleinern und sich so gegen Feinde zu schützen. Wir Frauen ticken da ähnlich. Wir kacken zwar nicht vor die Tür, haben es uns allerdings zur Aufgabe gemacht, die weibliche Übernahme konsequent umzusetzen, in dem wir innerhalb kürzester Zeit sämtliche unserer Habseligkeiten überall im Haus verteilen. Damit signalisieren wir nicht nur: „Gebiet erobert!“, sondern halten uns so ganz nebenbei auch noch Nebenbuhlerinnen vom Hals, die glauben, jetzt noch irgendwelche Ansprüche an unseren Freund zu stellen, geschweige denn, das Haus zu betreten. Männern mag in dieser Phase wahrscheinlich zum ersten Mal der Gedanke kommen, dass es wohl doch keine so eine gute Idee war, das Feld bereitwillig der Dame ihres Herzens zu überlassen. Zuweilen fangen sie vielleicht auch an, sich kleine Stückchen ihres Gebietes wieder zurückzuerobern, was ihnen meistens nicht gelingt. Als einzige Reaktion scheint für sie in dieser Phase nur eines: Der Gegenangriff in Form eigenartiger männlicher Marotten.

Kommunen-Kollaps
Männliche Marotten, muss man wissen, sind eigenartig. Und das Schlimmste: Sie haben komischerweise Null Komma Nichts mit den Anwandlungen gemeinsam, die wir Mädels so an uns haben. Okay, deshalb heißt es wohl auch Marotte. Diese männlichen Allüren jedenfalls, sind Relikte aus Single-Zeiten. Als Männer eben noch Männer sein durften. Also als noch kein weiblicher Wind durch die eigenen vier Wände wehte. Die eine Sorte Mann lässt früher oder später wieder die Klamotten im ganzen Haus rumfliegen, während die andere Sorte nach und nach den „Alter-Putzteufel-Ego“ aus dem Käfig lässt. Während der vermeintliche Traummann sich also eventuell in Meister Proper verwandelt, sind wir Frauen immer noch damit beschäftigt, uns einzurichten. Und wir bringen allerhand Zeugs mit, um es uns auch wirklich heimelig zu machen im gemeinsamen Nest. Zwanzig Shampoo-Flaschen, Fünfzig Paar Schuhe, und sowieso eine Menge Essen sind da nur der Anfang! Generell geht es uns Frauen neben viel Schlaf ohnehin immer nur um eines: Essen. Eine weitere Marotte übrigens, mit der Mann so überhaupt nicht kann. Wenn man erst mal zusammengezogen ist, realisieren die meisten Kerle erst, welch ultimative Fressmaschinen sie sich eigentlich ins Haus geholt haben. Das Bild der perfekten, immer top gestylten Freundin kommt also mit einem Male ins Wanken. Spätestens wenn wir nach kurzer Zeit bereits im Gammel-Outfit auf der Couch rumlähmen und uns Chips-Reste im Haar hängen, wird Mann sich anfangen, zu fragen, ob er mit zwanzig Katzen nicht doch besser bedient gewesen wäre. Irgendwie ist es auch immer wieder erstaunlich, wie sehr in dieser Phase der Beziehung auffällt, wie unterschiedlich man doch eigentlich ist. Das fängt damit an, dass der eine die Geschirrspülmaschine ganz anders einräumt als der andere und hört damit auf, dass einer morgens Kaffee trinkt und der andere lieber kalte Pizza isst. Die einst so romantische Vorstellung vom gemeinsamen Leben weicht einer chaotischen Kommune, in der Baumwoll-Höschen schneller den Platz der Spitzen-Tangas einnehmen, als man „sexy“ buchstabieren kann.

Herr Sparsam und Frau Maßlos
Das gemeinsame Zusammenleben ist zuweilen ein Drahtseilakt. Natürlich liebt man sich. Natürlich fliegen aber auch die Fetzen. Da prallen manchmal Welten aufeinander wie zwei Kometen. Und am Ende ist man irgendwie wie Hund und Katz‘! Wir Weibchen, also die Katzen, wollen im Grunde immer nur eines: Einen Hausangestellten, der uns im Optimalfall den ganzen Tag über mit Essen versorgt. Das Männchen hingegen sehnt sich hingegen nur nach Harmonie und vielen Streicheleinheiten. Ich komme also nicht umhin, mich zu fragen: „Wie lässt sich das vereinbaren?“ Augenscheinlich erst mal gar nicht. Wenn er sein Haushaltssystem hat, das darin besteht, Servietten farblich zu sortieren und die Seife immer rechts vom Waschbecken zu platzieren, und sie damit überhaupt nicht klar kommt, da sie eher chaotisch ist und überhaupt kein System hat, schreit das nach Krieg! Wenn er eher sparsam ist und es für ihn reicht, einmal die Woche den Kühlschrank zu füllen, sie aber täglich etwas anderes essen möchte und deshalb jeden Tag maßlose Einkäufe tätigt, könnte das im Zweifelsfalle zur Eskalation führen.

Plus und Minus zieht sich an
Es ist doch so: Das Internet ist voll von Ratschlägen zum gemeinsamen Zusammenleben. Da ist von Akzeptanz die Rede. Und von riesigen Kompromissen. Aber hey, irgendwie frage ich mich angesichts dieser Thematik, warum man überhaupt zusammenzieht, wenn es offensichtlich damit gleichzusetzen ist, seinen Kopf in einen Ventilator zu stecken? Wir teilen schließlich unser Leben mit einem geliebten Menschen! Das sollte doch eher gefeiert werden und nicht zum Drama ausarten, oder? Und vor allem sollte es nicht von Experten und Paartherapeuten zerpflückt werden. Die geben im Netz nämlich ganz schön viel Senf zu diesem Thema ab. Fakt ist: Das mit dem Zusammenziehen sollte Spaß machen! Und deshalb sollte man eines nicht verlernen: Gemeinsam zu lachen. Ich weiß, das klingt mal wieder nach diesen abgedroschenen Mels Mikrokosmos-Tipps. Aber was soll ich sagen? Es stimmt! Wenn ihr zuhause einen eigensinnigen Sekretärvogel rumschreiten habt, aber selbst ein verrücktes Seidenhuhn seid, ergänzt sich das prima, sofern beide voneinander lernen und sich manchmal nicht ganz so ernst nehmen. Und am Ende bleibt doch eh immer die Liebe!

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