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Kino & Filme

Ich, Daniel Blake

Ken Loach wurde vermutlich bereits als sanfter linker Rebell geboren: er schlug den Orden der Queen aus und dreht unablässig Filme, in denen er den Underdogs Denkmäler setzt und soziale Ungerechtigkeit anprangert. Mit nunmehr 80 Jahren ist er immer noch nicht müde geworden, das englische Establishment ins Visier zu nehmen und Finger in die Wunden zu legen, die Arbeitslosigkeit, Sozialstaat und Bürokratie reißen. Daniel Blake heißt sein jüngster Protagonist. Ein geradliniger und anständiger, zeitlebens Steuern zahlender Durchschnittsengländer – bis seine Gesundheit ihm einen Strich durch die Rechnung macht. Jetzt, im gesetzteren Alter und mit Herzleiden will ihm das Arbeitsamt den Bezug von Sozialhilfe verweigern. Im kafkaesken Teufelskreis von Zuständigkeiten, Bestimmungen und Antragsformularen geht es dem mittellosen Witwer zusehends schlechter. Und wo in Filmen wie „My Name is Joe“ oder „Looking for Eric“ noch Kampfgeist triumphieren folgt dem kurzen Aufbäumen hier fast die Resignation und der Verlust der Würde. Unaufgeregt, hochemotional und dennoch ohne falsches Pathos erzählt Loach von einem kalten und unsolidarischen System – nicht nur in Großbritannien, sondern ganz Europa. Dafür wurde er in diesem Jahr in Cannes zum zweiten Mal mit der Goldenen Palme und in Locarno und San Sebastian mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
GB, F 2016 – Drama
Regie: Ken Loach (Angels’ Share)
Drehbuch: Paul Laverty (The Wind that shakes the Barley)
Darsteller: Dave Johns (Dogtown), Hayley Squires (A Royal Night), Sharon Percy (Italienische Verführung), Natalie Ann Jamieson (Vera), Mark Burns (Harrigan), Colin Coombs (Edge of Tomorrow)
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 24. November 2016
Läuft wo: Camera Zwo Saarbrücken
Wertung: 8 von 10

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