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Grüne Tomaten schlafen wütend

Kein Anhalter aus der Galaxis

Es gilt Menschen, die statt aufzuräumen oder Leergut wegzubringen, es in ihrer freien Zeit tatsächlich für erstrebenswerter halten, sich mit Teleskopen vor den Augen und Aluhüten auf dem Kopf die Frage zu stellen, ob es – wenn schon nicht hier bei uns auf der Erde – dann zumindest da draußen im endlosen Weltall irgendwo intelligentes Leben gibt. Als wäre es nicht schon nervenaufreibend genug, sich wegen des Klimawandels und der an Samstagen stets raren Parkplätze vor dem Supermarkt mit dem eigenen Planeten herumschlagen zu müssen, ist eine nicht geringe Zahl von uns Erdlingen der festen Überzeugung, dass es Außerirdische gibt und dass man sie kontaktieren müsse, um sich mit ihnen auszutauschen, von ihnen zu lernen oder zumindest Krieg gegen sie zu führen…

Für andere Erdenbürger, darunter auch mich, ist es nicht nachvollziehbar, was manche Menschen sich davon versprechen, vorsorglich einmal ein Kaffeegedeck mehr auf den Tisch zu stellen, um vorbereitet zu sein, falls am Nachmittag jemand Unangekündigtes von Venus oder Mars vor der Tür steht. Plötzliche Marienerscheinungen und Besuche der Zeugen Jehovas scheinen manchem wohl nicht auszureichen. Was erwartet man sich jedoch von Außerirdischen? Erkenntnisse über Gott, die Welt und die Zukunft, zumindest was die nächste Lottoziehung angeht? Geht es um die Lösung aller irdischen Probleme oder zumindest denen in der eigenen Ehe? Oder möchte man bloß Ratschläge, wie man Reißverschlüsse richtig benutzt, ohne dass sich immer das Jackenfutter darin einklemmt…

Warum schicken wir Raumsonden durchs All, um nach Wasser zu suchen, während es hier auf der Erde niemanden interessiert, wenn es aus dem Hahn tropft oder die Toilette hinunter gespült wird? Es mag für Forscher von Bedeutung sein, ob Leben auf anderen Planeten möglich wäre, aber so lange es für ein paar Euro All-Inclusive auf Malle gibt, wird kaum jemand ein paar Millionen für Astronautenessen auf dem Mars ausgeben. Vielleicht braucht es aber auch einfach neue Ziele, um den Wissensdurst der Menschheit zu stillen, nachdem alle irdischen Fragen ja von Siri und Wikipedia beantwortet werden können. Für Neuentdeckungen bleibt da eben nur die Möglichkeit, mit dem Fernglas Ausschau im Weltraum zu halten oder im Schlafraum der Nachbarin von gegenüber…

Auch wenn die Möglichkeit gegeben sein mag, dass es in unserer Galaxie andere Lebensformen gibt, ist es eher unwahrscheinlich, dass diese uns besuchen, damit wir mit ihnen Selfies machen können. Sollten Außerirdische ähnliche Ansprüche an neue Bekanntschaften stellen wie wir Menschen, dürfte dies wohl genau der Grund sein, warum sie es bislang vorzogen, nicht bei uns reinzuschauen. Würden wir als Weltraumreisende denn freiwillig auf der Erde stoppen, wenn wir nicht dringend Pipi müssten? Hollywood lässt schließlich keine Zweifel, dass wir Außerirdische mit Waffen statt Waffeln empfangen würden. Und auch extraterrestrische Wesen können sich sicherlich Gemütlicheres vorstellen als in einer unterirdischen US-Militärbasis in handliche Stücke zerlegt zu werden…

Sind wie Menschen überhaupt weit genug, um es mit fremden Lebensformen aufzunehmen, die vielleicht größere Probleme haben als Haarspliss und die Akkuladung ihres Handys? Meist endet unsere Toleranz doch schon dann, wenn das Kantinendessert des Kollegen größer ist als das eigene oder nebenan eine neue Kasse öffnet, zu der alle drängeln, die eben noch hinter einem standen. Was wäre, wenn unser außerirdischer Kaffeebesuch seinen Planeten verloren hätte? Würden wir ihn damit trösten können, dass im Kuchen nur Bio-Eier und die Kaffeebohnen fair gehandelt sind? Vielleicht dauert es mit der Kontaktaufnahme einfach noch etwas bis wir realisiert haben, dass Tupperpartys und farbiges Toilettenpapier nicht die wichtigste Errungenschaft der Galaxie sind…

Aus der richtigen Entfernung mag unser hübscher, blauer Planet ja ganz nett aussehen. Näher betrachtet sind die zweibeinigen Lebewesen, die glauben, sich die Erde unterworfen zu haben, jedoch enttäuschend. Entwicklung vom Affen zum Homo sapiens hin oder her, der Mensch ist evolutionär nicht gerade ein Highend-Produkt. Wir haben wie Giraffen sieben Halswirbel, schaffen es aber nicht einmal, im Kino über den Vordermann zu schauen. Der Biber baut mit seinem Schwanz Dämme, der Mensch damit meist nur Mist. Außer Sauerstoff in Kohlendioxid umzuwandeln, können wir Menschen nichts richtig gut, geht man einmal davon aus, dass 300 Anschläge pro Minute beim Whatsapp-Nachrichten-Schreiben keine Eigenschaften sind, die Außerirdische besonders beeindrucken…

Während Ameisen sich auf ihren Straßen zu Tausenden blind verstehen, ist der Mensch bereits bei einer nicht funktionierenden Verkehrsampel überfordert. Trotz ewiger Forschung haben wir es gerade einmal geschafft, unsere Verdauung zu verstehen, nicht aber, sie auch zu kontrollieren. Was sollten Außerirdische da von uns wollen? Omas Rinderrouladen-Rezept? Eine Antwort auf die Frage, warum wir als einzige Spezies im Universum Grapefruit und Pampelmuse für die gleiche Frucht halten? Vielleicht wollen sie nach Michael Jackson aber auch nur Heino auf seinen Heimatplaneten zurück bringen. Sind Außerirdische vielleicht längst unter uns? Das würde das Aussehen vieler Botox-Promis erklären und auch das des eigenen Partners, wenn man morgens neben ihm aufwacht…

Ich bin mir fast sicher, dass es Außerirdische gibt, die sich unseren die Sonne umrundenden Planeten genauso fragend anschauen wie wir uns Fliegen, die um eine Glühbirne kreisen. Vielleicht ist die Erde das Dschungelcamp der Galaxie, auf das intelligentere Lebensformen teils kopfschüttelnd teils amüsiert mit ihren zehn Augen und Köpfen blicken. Wer einmal beobachtet, wie sich in diesen Tagen wieder zweifelhafte Resultate der Vermischung menschlichen Erbguts in zu knapper Kleidung auf Grünflächen tummeln, weiß, dass eine solche Doku-Soap nur auf einem intergalaktischen Ableger von RTL2 laufen wird. Da dürfte man als Außerirdischer eher geneigt sein, den roten Ausschaltknopf zu drücken und die Erde in ihre Bestandteile zu zerlegen als eine Weihnachtskarte zu schreiben…

Nüchtern betrachtet gibt es keinen wirklichen Grund, die Evolution auf der Erde nicht noch einmal auf Null zu setzen. Bis dahin heißt es wohl erst einmal: Kein Anhalter aus der Galaxis… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

 

P.S. Sehen Außerirdische vom Planeten Pluto eigentlich aus wie Hunde?

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