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Mel´s Mikrokosmos

Kumpeltyp

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin eine Henne unter Hähnen.

Schon als Kind war ich alles andere als mädchenhaft. Ich wurde aus dem Turnverein geworfen, weil ich mich an einer Konkurrentin rächte. Ich versteckte vergammelte Pfirsichkerne in Opas Kühlschrank und schlug meiner Klassenkameradin einen Federballschläger auf die Birne. Das alles natürlich immer mit handfesten Begründungen und der Aussage, dass ich das normalerweise sonst nicht täte. Es ist ja nicht so, dass ich kein Mädchen war, denn ich liebte Barbies und Pferde und den ganzen Kram. Und meine Haare, oh  Gott, die Haare! Die mussten natürlich lang sein! Aber es war eben so, dass ich mich selten mädchenhaft benahm. Und statt an Hausarbeiten herangeführt zu werden, durfte ich eben draußen toben bis in die Puppen, während meine Freundinnen längst zuhause sein und beim Geschirr spülen helfen mussten. Deshalb war mein Leben manchmal einsam. Ich hatte sämtliche Freiheiten und ständig Zeit, wilde Pläne zu schmieden. Die Mütter meiner Freundinnen beäugten das natürlich sehr kritisch. Und am Ende war ich meist der berühmt-berüchtigte „schlechte Umgang“. Es kommt wohl nicht von Ungefähr, dass ich mich schon relativ früh an die Jungs hing. Weniger wegen den Jungs selbst, denn über Fußball quatschen war dann auch nicht so mein Ding. Aber Jungs verstanden meine Art irgendwie besser. Da war von Anfang an mehr Solidarität und Verständnis. Und irgendwann war ja auch mal die letzte Barbie gekämmt und ins beste Kleidchen gesteckt. Was danach folgte, waren geheime Versammlungen auf abgelegenen Grundstücken mit den Jungs. Bei Wind und Wetter wohlgemerkt. Wir planten, eine richtige Siedlung zu errichten mit Feuerstelle, Baumhäuser und allem Schnickschnack. Natürlich wurde nie so richtig was draus, aber der Plan an sich schweißte uns zusammen und beflügelte unsere Fantasie. Bis heute danke ich meinen Eltern, dass sie mich stets wild ließen. Wenngleich es gewiss nicht die Absicht meiner Mutter war, dass ich bis heute nicht weiß, wie man Geschirr richtig spült. Aber so schön sich das alles anhören mag, so verloren fühle ich mich heutzutage, wenn es darum geht, eine richtige Frau zu sein, geschweige denn mich in typischen Frauen-Domänen zurechtzufinden. Und jedes Mal wird mir aufs Neue bewusst:

Ich bin halt ein Kumpeltyp!

Dabei würde man das rein äußerlich nie annehmen, denn da bin ich voll und ganz Frau. Aufgrund meiner vorangeschrittenen Shoppingsucht gibt es selten etwas, das ich zweimal in einem Monat trage. Ich versuche stets, halbwegs gestylt zu sein, auch wenn ich nur mal kurz den Müll rausbringe. Und mir ist sehr daran gelegen, dass ich nicht mit einer Vogelscheuche verwechselt werde, obwohl es gewiss den ein oder anderen gibt, der das trotzdem tut. Man kann halt nicht jedem gefallen. Aber wie auch immer: Mein Äußeres lässt in keiner Weise darauf schließen, dass ich lieber mit einer Horde Kerle ein Bier zischen würde, statt einen „Mädelsabend“ zu verbringen. Und genau das ist offenbar eine gefährliche Mischung, denn ich habe das Gefühl, manche Frauen sehen in mir eine potenzielle Gefahr. Oder sie mögen mich einfach nicht. Was bleibt, ist die Frage:

Bin ich die Einzige, der es so geht?

Zumindest habe ich dieses untrügliche Gefühl. Es fängt ja schon bei diesen typischen Pärchen-Abenden an. Da stelle ich mich jedes Mal instinktiv zu den Männern statt zu den Frauen. Ich gehe einfach von vornherein davon aus, dass sie mich besser verstehen, als die weiblichen Gäste. Und obendrein ist es auch nicht so mein Ding, oberflächlich über den letzten und den zukünftigen Urlaub zu plänkeln. Ich kann es einfach nicht, selbst wenn ich wollte. Es langweilt mich. Es macht mich müde. Ich mag auch nicht über Kuchen, Salate oder den Job sprechen. Ich will nicht wissen, wo es die schönsten Schuhe gibt und ich verstehe auch nicht, warum jetzt alle lachen, weil eine von ihnen offenbar einen Witz gemacht hat. Und warum keine lacht, wenn ich einen mache. Lerne ich die Freunde meines Partners oder generell Männer auf einer Party kennen, bin ich offen und freudig gespannt. Ich denke dann: „Cool! Schön, dich kennenzulernen!“ Ich sehe sie dabei übrigens keineswegs als potenzielle Liebhaber an oder so, denn Männer fallen bei mir erstmal in die Kategorie: „Das könnte bestimmt ein guter Kumpel sein.“ Oft treten sie in meinen Augen entspannter auf. Vielleicht, weil sie nicht zwingend backen, kochen und auf High-Heels laufen müssen. Oder weil sie keine Kinder kriegen müssen. Hingegen ertappe ich mich dabei, wie ich Frauen fast immer mit einem gewissen Misstrauen begegne. Ich frage mich nicht selten: „Willst du mir etwas Gutes? Bewertest du mich gerade anhand meines Auftretens? Meinst du, was du sagst, oder muss ich zwischen den Zeilen lesen?“. Dieses „Zwischen-den-Zeilen“ lesen ist mir ohnehin ein Gräuel. Ich konnte das noch nie. Wozu auch? Ich mag keine Rätsel lösen, ich mag mich unterhalten. Punkt. Außerdem habe ich oft genug beobachtet, wie Frauen andere Frauen mustern. Wir schauen uns mit diesem Blick an, von oben bis unten, durch den wir uns nackt und entblößt fühlen. Ja, wir vergleichen uns. Wir jagen uns Angst ein. Dabei aber immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Denn natürlich sind wir nett und gut gelaunt und stark. Sorry Mädels, ich mag da halt einfach nicht mithalten. Außerdem mag ich euch lieber, wenn ihr auch mal schwach seid. Oder eben einfach echt. Authentisch.

Der größte Feind einer Frau ist eine andere Frau.

So behauptet es jedenfalls ein Sprichwort. Ich glaube, da ist was dran. Wenn wir beginnen würden, uns ein bisschen freundlicher und vor allem echter gegenüberzutreten, würde ich mich noch mehr über neue Kontakte freuen, unabhängig von deren Geschlecht. Andererseits eröffnet sich mir aber auch die Frage: „Was, wenn nicht die anderen Frauen das Problem sind, sondern ich?“. Denn wenn ich in mich hineinhöre, stelle ich fest, dass ich ein echt harter Brocken sein kann. Ich mache es den Mädels eben auch nicht einfach mit meiner etwas zähen Art und meiner Skepsis, die ich an den Tag lege. Und zu guter Letzt meine mitunter abschätzige Mimik, die jeder Frau signalisiert: „Komm mir bloß nicht blöd, ja?“. In Kombination mit der Tatsache, dass ich mich mit deren Männern weitaus besser verstehe, als mit ihnen und dabei nicht unbedingt aussehe, wie Oscar aus der Tonne, macht die Sache noch brenzliger. Vielleicht bin ich sogar die zickigste Frau von allen. Bitte lass das nicht wahr sein!

Es ist doch so: Ich mag so bleiben, wie ich bin. Und am allerliebsten würde ich mich auch gerne mit jedem gut verstehen. Dass das nicht immer möglich ist, ist mir bewusst. Aber es passieren auch manchmal noch Zeichen und Wunder. So wurde mir erst neulich bewusst, dass es in meinem näheren Umfeld ja doch Frauen gibt, die absolut unvoreingenommen mit mir umgehen können. Ohne Konkurrenzgedanke, ohne Hinterfragen, ohne Zwischenzeilenlesen. Diese Frauen sind für mich wahre Wunder. Es gibt sie viel zu selten. Und ganz nebenbei könnte ich mir von ihnen auch eine Scheibe abschneiden. Denn vielleicht trinke ich ja lieber mit den Männern ein Bier, weil ich dann nun mal der absolute Mittelpunkt bin. Als hübsche Henne inmitten stolzer Hähne, denn Frau ähm Henne möchte ich ja trotzdem bleiben. Eine Henne unter vielen Hennen ist im Gegensatz halt nicht so spektakulär. Okay, ich verstehe, ich bin ein Kumpeltyp mit Allüren. Oder eine Henne. Oder eine Zicke. Ach, was weiß ich. Ich hätte jetzt jedenfalls gerne ein kühles Bier!

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