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Titelstory

Making of Spiegelpalais

In nicht mal ganz einem Monat verwandelt das Team vom Alexander Kunz Theatre einen unscheinbaren Brascheplatz im Deutschmühlental in den neuen, glamourösen Standort des Spiegelpalais. 37 Gewerke mit bis zu 100 Personen haben eine logistische Höchstleistung vollbracht, damit hier 83 Nächte lang die Dinnershow genossen werden kann.

Wenn es einen Mann gibt, der beim Aufbau der Zeltstadt wirklich jeden Tag mit Hand an legt, dann ist es Alexander Kunz höchst selbst. Von früh bis spät ist er auf der Baustelle zu finden, verklebt Bodenplanen, greift zu Hammer und Zange und bekämpft im nächsten Augenblick Sägemehl im entstehenden Küchenzelt mit dem Laubbläser. Dass er auch kein Problem hat, dann noch persönlich durchs halbe Saarland zu fahren, um Plakate aufzuhängen, wundert auch keinen mehr. Für ihn ist das Anpacken fernab jedes Standesdünkels ganz selbstverständlich.

„Das war von Anfang an so, dass ich immer mit Hand anlege. Schon als der Platz noch hergerichtet wurde, war ich jeden Tag hier vor Ort. Hier waren Erdarbeiten zu machen, es musste Wasser verlegt werden. Da hat die Firma Peter Gross Bau tolle Arbeit geleistet und die Stadt Saarbrücken hat uns auch unterstützt. Da war richtig was zu tun.“ Aber bei allem Einsatz ist der Mann natürlich kein Einzelkämpfer, sondern sieht sich als Teil eines Teams: „Natürlich ist das eine Teamarbeit. Wir haben im eigenen Büro Leute sitzen, die planen und organisieren oder auch der Küchenchef unseres Stammhauses in Bliesen, der ebenso bei der Planung dabei ist und den Auf- und Abbau organisiert. Und dann natürlich die ganzen Handwerksbetriebe, die hier beteiligt sind, z.B. Dachdecker, Schreiner und Elektrofirmen mit denen wir zum Teil aber auch schon seit Jahren zusammen arbeiten.“

Der Küchenchef, von dem Alexander Kunz spricht, ist Patrick Jenal. Seit 19 Jahren arbeitet er schon im Stammhaus in Bliesen. Die „Dinnershow im Spiegelpalais“ begleitete er von Anfang an. „Seither kümmere mich hier um die technische Seite, Aufbauplanung und Koordination. Wenn erst mal der Holzboden liegt und sich vorher keiner Gedanken gemacht hat, wo beispielsweise Anschlüsse für LAN-Kabel sein sollten, dann hat man ein echtes Problem.“

 

Deutschmühlental im neuen Glanz

Nach acht Jahren ist das Alexander Kunz Theatre vom Römerkastel ins Deutschmühlental gezogen. Zwischen Calypso und dem DFG liegt der neue Platz. Die neue Location hat viele Vorteile, weiß Alexander Kunz: „Der größte Vorteil ist, dass wir hier mehr Platz haben und zahlreiche, noch dazu kostenlose Parkplätze direkt vor der Haustür. In der Stadt wäre man als Q-Park-Kunde allein fürs Parken schon mal mit zehn oder mehr Euro dabei. Am neuen Platz fühlt sich auch niemand vom Lärm belästigt. Hier am DFG stören wir niemand, auch wenn wir hier monatelang spielen. Wir haben zudem das Glück, dass hier auch Raum für eine Umfahrung ist. Die ist natürlich eigentlich später für die Feuerwehr gedacht, aber bietet uns jetzt schon die Möglichkeit mit den Sattelschleppern viel besser ranzufahren. Als erstes wurde das Küchenzelt gestellt, weil das ziemlich hinten auf dem Gelände steht. Dann kamen die Container für die Artisten dazu, wo die sich umziehen und vorbereiten können und schließlich die Lastzüge mit dem Spiegelzelt. So ging es immer weiter nach vorne auf dem Gelände.“

Koordinator Patrick Jenal hat aber auch mögliche Stolpersteine im Kopf: „Ja, klar hat der größere Platz auch logistische Vorteile, nur war der ja ursprünglich gar nicht so groß. Die Umfahrung haben wir ja neu angelegt, durch massive Erdarbeiten allein wegen den Anforderungen der Feuerwehr, was Flucht- und Rettungswege angeht. Das waren schon erschwerte Bedingungen, da halt alles neu war und das Zeitfenster, nach dem die Stadt den Platz frei gegeben hat, der ja eigentlich für Wohnmobile konzipiert ist, mit dreieinhalb Wochen recht eng war. Dann kam noch der Feiertag am Tag der Einheit dazu und so wurde es für alle Firmen sehr knapp.“

 

Sterneköche in Schaffklamotten

Nicht nur beim Aufbau ist Teamwork unverzichtbar. Auch wenn die Show einmal läuft, ist perfekte Abstimmung der Mitarbeiter in der Küche und im Service eine Grundvoraussetzung. Alexander Kunz kann hier von der Erfahrung und der Routine der letzten acht Jahre zehren. „Es gibt immer zwei Mitarbeiter aus Bliesen, die hier vor Ort sind. Dazu kommen Leihköche, die temporär eingesetzt werden. Beim Service ist es ähnlich. Wir haben immer zwei Vertreter aus dem Stammhaus, ergänzt durch zusätzliche Servicekräfte. Aber dadurch, dass wir mit einem Kartensystem arbeiten, die Kellner also nicht noch mit Bargeld hantieren müssen, die Menüauswahl ja schon im Voraus getroffen wurde, ist es ohnehin ein Stück weit einfacher. Wenn es dann losgeht, kriegt der Service gezeigt, wer Manege, Rang, Logen macht und wer den Getränkeservice und alle prägen sich ihre Wege ein. Dann gibt es acht Kellner, die ausschließlich Essen raustragen, die keine Getränke machen. Das alles ist durch die modernen, tragbaren Kassensysteme zudem viel einfacher und übersichtlicher geworden. Früher, bis da eine Bedienung verstanden hatte, wie die Kasse funktioniert, war die Faschingszeit vorbei. Jetzt spielt sich das schnell ein und schon nach ein paar Tagen läuft alles rund. Aber über 400 Personen gleichzeitig zufrieden zu stellen, ist auch heute noch eine echte Herausforderung. Das gilt auch für Garderobe und Technik usw.. Eine Aufgabe, der sich jeden Abend ein Team von insgesamt 80 Personen, inklusive der Künstler, gerne stellt.“

In der eigentlichen Küche arbeitet eine überraschend kleine, aber bestens eingespielte Mannschaft, die schon im dritten Jahr vom Küchenchef des Spiegelpalais Sven Becker geleitet wird. Sven verrät uns: „Das neue Küchenzelt ist etwas kleiner, aber von der Vorbereitung und den Abläufen hat sich nichts geändert. Tagsüber in der Produktion und Vorbereitung sind wir zu dritt oder viert und abends beim Schicken dann zu neunt. Wir sind ein eingespieltes Team mit Mitarbeitern, die schon seit Jahren im Spiegelpalais zu uns kommen und die wissen, worauf es ankommt. So können wir das mit der relativ geringen Personenzahl bewältigen.“ Das, was die Küche dann jeden Abend zaubert und das ein ums andere Mal viele hundert Gäste begeistert, ist echte Gourmetküche auf hohem Niveau.

Das Menü wird schon Monate im Voraus zusammengestellt und Sternekoch Alexander Kunz scheint eine hellseherische Begabung zu haben. „Das ist natürlich mittlerweile schon eingetaktet. In der Vorspeise haben wir immer eine Variation, ein Viererlei, einfach damit die Gäste eine größere Auswahl haben. Viele der Komponenten sind da gesetzt, wie die warme Suppe, die im Winter gerne gegessen wird oder das Tatar zum Beispiel. Es gibt dann im zweiten Gang immer ein Fischgericht und im Hauptgang dieses Jahr ein Roastbeef im Ganzen, was ein Stück weit eine Herausforderung ist. Wir müssen schon sehen, dass wir es nicht zu außergewöhnlich machen, um ein breites Publikum anzusprechen. Dazu gehört natürlich auch, dass wir ein komplett vegetarisches Menü anbieten.“

 

Life‘s a Dinnershow

Wenn das Zelt einmal steht und alle Technik und Dekorationen installiert sind, fehlen eigentlich nur noch die Künstler. Denn auch diese Saison bietet das Alexander Kunz Theatre ein hoch unterhaltsames und abwechslungsreiches Showprogramm und der Chef weiß, dass die Künstler immer zehn, zwölf Tage brauchen, um sich an die die Gegebenheiten im Spiegelpalais zu gewöhnen. „Ihren eigentlichen Act haben die Künstler ja drauf. Hier im Zelt geht es dann darum, dass sie licht- und tontechnisch perfekt in Szene gesetzt werden. Wichtig ist zum Beispiel, wie werden die Künstler anmoderiert, wie kommen sie die Manege rein, wie gehen sie raus. Die Künstler werden in ihrer Präsentation von den Tänzerinnen unterstützt und dass das Licht, die musikalische Untermalung und die Tänzerinnen passen, das muss sich halt einspielen, damit es eine runde Sache ist.“

Wenn die Show erst mal steht, kann sich auch ein Alexander Kunz ein wenig zurück lehnen: „Dann ist die meiste Arbeit schon getan. Mir macht es dann Spaß, wenn ich sehe, dass sich die Gäste wohlfühlen, applaudieren, lachen und vor allem Spaß haben. Das ist für mich Lob und Bestätigung, einfach zu sehen wie die Gäste einen tollen Abend erleben.“

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