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Grüne Tomaten schlafen wütend

Monopoly oder Mikado?

Gehe zurück auf Los. Begebe dich direkt dorthin. – Unglaublich, aber der Kalender lügt nicht: Es ist wieder Januar! Jedes Jahr dasselbe, der Erinnerung nach war der letzte Frühjahrsputz vergangenen Monat, der Sommerurlaub letzte Woche und es erst gestern, dass man sich Anfang Herbst darüber aufregte, dass sich schon Weihnachtsgebäck im Supermarkt stapelt, da ist der Lebkuchen bereits den ersten Osterhasen gewichen und alles beginnt von vorne! Irgendwie wurde aus dem Morgen von gestern viel zu schnell das Heute! Wie soll man da vernünftig die eigene Zukunft planen, wenn die schneller zur Gegenwart wird als man es sich in der Vergangenheit vorstellen konnte…

Gefühlt wird die Zeit zwischen Neujahr und Silvester immer kürzer. Dabei war 2016 weder ein paar Monate kürzer noch kam das Jahresende überraschend. Dennoch kommt es einem in diesen Tagen vor, also ob jemand an der Uhr gedreht hätte. Eben noch lag das alte Jahr endlich hinter uns, da steht plötzlich schon wieder ein neues vor uns! Es ist ein jährliches Déjà-vu, bei dem sich nichts zu ändern scheint, außer dass man schwerer auf der Waage und leichter auf der Bank ist als im Vorjahr. Gestern noch ein voller Kalender mit Erledigtem, heute schon wieder ein leerer Kalender mit zu Erledigendem. Zahnarzt, Steuererklärung, Verwandtschaftsbesuch, alles, von dem man froh war, es von der To-do-Liste des Jahres gestrichen zu haben, steht nun wieder darauf. Und jährlich grüßt das Murmeltier…

Manchmal hat man den Eindruck, das Leben sei eine Art Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel, bei dem das Ziel gleich wieder der Start für die nächste Runde ist. Kaum hat man einen Durchgang überstanden, steht schon der nächste bevor, bei der es auch wieder nur darum geht, anderen einen Zug voraus zu sein! Da im Vorhinein niemand weiß, wessen Wege die eigenen im Spielverlauf kreuzen werden, bleibt es Zug um Zug spannend. Enttäuschungen und Wut sind vorprogrammiert, wenn man im Haus hockt während alle anderen umherziehen, man an seinem Ziel vorbeischießt oder es einen aus der Bahn wirft. Im Leben wie im Spiel gilt es zu akzeptieren, dass der eigene Platz manchmal von einem anderen eingenommen wird und man wieder von vorne beginnen muss. Neues Spiel, neues Glück…

Egal welches Spiel zum eigenen Leben passt – Nobody is perfect, Der Elefant im Porzellanladen oder Spitz pass auf – ab und an kann es im Leben kniffelig werden. Selbst wer die Dame spielt, kann in eine Zwickmühle geraten. Man muss nicht wie bei Trivial Pursuit eine Antwort auf alles haben, aber ein As im Ärmel hilft manchmal ebenso wie Spielen mit offenen Karten. Vom Puzzeln weiß jeder, dass es schwierig ist, zu einem Teil ein passendes zweites zu finden und dass auseinander bricht, was nur durch Gewalt zusammengehalten wird. Memory ist der Beweis, dass sich die Pärchen nicht immer gleich finden und die erste Wahl oft nicht passt. Aber es gibt selbst für seltsame Motive stets das passende Gegenstück. Auch wenn es die letzte unberührte Karte ist, die am Ende noch übrig ist…

Ich habe jedes Jahr mehr den Eindruck, dass das Leben ein Monopolyspiel ist. Ein Gesellschaftsspiel, bei dem es vordergründig um Spaß, eigentlich aber um Geld geht, und bei dem jeder gegen jeden spielt. Jeden 1. Januar startet eine neue Spielrunde mit der Hoffnung, es bis zum 31. Dezember näher ans Ziel zu schaffen. Gewonnen hat schlussendlich, wer bis zum Ende im Spiel bleibt und die meisten Scheine sammelt. Im Leben wie im Spiel hat man die Würfel dabei selbst in der Hand und muss Entscheidungen treffen, von denen man meist erst am Spielende weiß, ob sie richtig waren. Zug um Zug arbeitet man auf ein vermeintlich erstrebenswertes Ziel hin, das viele nie erreichen, da es vorher „Game-over“ heißt und ihre Figur für immer aus dem Spiel genommen wird…

Wie Monopoly macht auch das Leben nur mit Freunden Spaß. Was bringt ein teures Grundstück mit großem Haus, wenn man der Einzige darauf ist und außer Kosten dort nichts wartet. Wie das Spiel mit den Straßen wird auch die Realität durch Stationen und Ereignisse bestimmt, auch wenn im echten Leben meist andere Ereignisse warten als beim Brettspielklassiker. Auch wenn man bei beiden verärgert ist, wenn man Geld ans Wasser- oder Elektrizitätswerk zahlen muss und sich freut, frei parken zu dürfen, ist es bei den meisten von uns im echten Leben doch eher unwahrscheinlich, den ersten Platz bei einem Schönheitswettbewerb oder größere Summen in der Lotterie zu gewinnen. Da ist die Ereigniskarte mit dem Strafzettel für zu schnelles Fahren schon realistischer…

Zentraler Punkt im Spiel wie im Leben ist leider das Geld und die richtige Strategie, an genügend davon zu kommen. Man will schließlich seine Gegenspieler beeindrucken, in dem man ein möglichst großes Haus in einer möglichst teure Straße baut, statt sein Dasein ohne Immobilienbesitz in einer billigen Randlage zu fristen. Leider gehört zum Gewinnen des Einen immer auch das Verlieren eines Anderen. Und gute Verlierer sind die wenigsten! Auch wenn die Spielregeln bekannt sind, halten sich nicht immer alle an diese und schummeln auch schon mal. Das kann im Spiel wie im Leben dazu führen, dass man ein paar Runden aussetzen muss, da man im Gefängnis landet. Und das nicht nur zu Besuch. Im echten Leben hilft da dann keine Du-kommst-aus-dem-Gefängnis-frei-Karte mehr…

In einem weiteren Punkt unterscheiden sich Spielewelt und echte Welt. Während man bei Monopoly bereits nach ein paar Runden Immobilienbesitzer ist, können im richtigen Leben daraus schon einmal ein paar Jahrzehnte werden. Manch einer beendet sein persönliches Spiel auch ganz ohne Grundstück und Haus. Wer dagegen genug Scheinchen und die Schlossallee sein Eigen nennen kann, scheint auf der Gewinnerseite zu sein und hat ausgesorgt. Es sei denn, er setzt alles aufs Spiel, weil er sich nicht zufrieden geben kann und verspielt sein Geld sinnlos. Wer im Gegensatz dazu nicht viel auf der hohen Kante hat, versucht nur über die Runden zu kommen ohne Bankrott zu gehen und hofft auf das Los-Feld am nächsten Monatsersten, an dem es wieder Geld gibt…

Irgendwann wird aber auch das spannendste Spiel langweilig. Das ist im Leben nicht anders. Sind erst einmal alle Ereigniskarten bekannt und ist das x-te Grundstück bebaut, stellten viele fest, dass noch mehr Geld zu keinem neuen Spaß verhilft. Man stellt fest, dass eine ganze Reihe früherer Mitspieler nicht mehr mit von der Partie ist. Hat man sie doch schon lange auf keiner Straße und in keinem Hotel mehr gesehen. Vielleicht haben sie Monopoly ja gegen ein anderes Spiel eingetauscht? Mikado zum Beispiel. Da lernt man, dass alles was man tut. Auswirkungen hat und man geduldig und vorsichtig sein muss, um erfolgreich zu sein. Um dass es kein Geld braucht, um zu gewinnen…

Übrigens: Mein Leben ist eher wie Cluedo, bei dem man seinen Nachbarn mit einem Bleirohr im Hausflur erschlagen möchte. Vor allem sonntagsmorgens, wenn der Typ von nebenan wieder Löcher in Wände bohrt. Falls jemand Lust hat, eine Runde mitzuspielen: gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Im Beruf ist es wie bei Mensch-ärgere-dich-nicht: Ohne Sechs im richtigen Moment kommt man nicht groß raus!

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