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Mel´s Mikrokosmos

Muss ich da mitmachen?

Hallo Mikrokosmonauten: Einen Scheiß müssen wir!

Sport macht glücklich. Schokolade aber auch. Ich glaube, diese Tatsache gießt Öl ins Feuer eines jeden Fitness-Bloggers oder Sportsüchtigen. Aber sie ist wahr. Und mitunter eine regelrechte Zerreißprobe für mich und viele andere da draußen, die tagtäglich hin- und hergerissen sind, ob wir jetzt joggen gehen oder uns den Bauch vollschlagen sollen. Meistens gehen wir dann joggen. Weil es ja angeblich immer besser ist, Sport zu machen. Und weil man es auch gewissermaßen von uns erwartet. Apropos Machen; Müssen wir echt bei allem mitmachen, was uns die Szene diktiert? Und nicht nur die Szene. Im Grunde erwartet doch jeder, dass wir zumindest ein bisschen ins Gesellschafts-Konzept passen, oder? Nehmen wir mal die Mädels unter uns: Man erwartet von uns, dass wir mit Freundinnen tuschelnd im Restaurant sitzen und über Jungs reden. Sowieso geht man immer davon aus, dass wir alle einen Haufen Freundinnen haben. So wie bei „Sex and the city“. Ab einem gewissen Zeitpunkt setzen die Leute dann voraus, dass man zwar immer noch mit den Mädels kichernd am Restauranttisch sitzt, aber inzwischen Kinderwagen dazwischen stehen und sich die Gespräche hauptsächlich ums Windel wechseln und wunde Kinder-Popos drehen. Eventuell noch Weight Watchers. Als ich neulich shoppen war – alleine natürlich – fragte mich die Verkäuferin an der Kasse, ob ich denn Lust hätte, auf diese Wahnsinns-Aktion „Freundinnen werben Freundinnen“? Ich schüttelte verständnislos den Kopf und antwortete: „Sorry, ich habe keine Freundinnen!“, woraufhin mich die Verkäuferin mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis anschaute. Ja, wenn‘s halt so ist!  Uns Frauen wird ohnehin eine Menge abverlangt. Wir sollten zu besonderen Anlässen hohe Schuhe tragen und uns natürlich die Beine rasieren. Wenn wir das erste Mal Sex mit einem neuen Mann haben, müssen wir dann alles kahl geschoren haben, aber für Haare auf den Zähnen findet man uns trotzdem sexy. Wir dürfen nicht zu fett und nicht zu abgemagert sein. Und man erwartet heutzutage, dass man sich in seinem Körper immer pudelwohl fühlt, egal, ob dick oder dünn. Wir müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn wir Leute nicht abkönnen, denn wenn wir ihnen sagen, dass wir sie scheiße finden, schämt man sich für uns. „Wie kann sie nur?“! Ehrlichkeit wird groß geschrieben, aber ist man dann mal ehrlich, bezeichnet man uns als Miststück! Wir müssen gesellschaftliche Ereignisse, wie Hochzeiten, Geburtstage oder Beerdigungen über uns ergehen lassen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben, weil derjenige, um den es geht eigentlich gar keinen Platz in unseren Herzen hat. Aber wir tun es doch. Warum eigentlich?

Warum zwingen wir uns etwas auf, wenn wir in Wahrheit etwas ganz anderes wollen?

Klar, da ist einerseits die ewige Rücksichtnahme. Wenn wir offen aussprechen würden, dass wir kein Bock auf Tante Gerdas Geburtstagsfeier haben, und stattdessen lieber auf der Couch chillen möchten, stoßen wir nicht nur alle anderen vor den Kopf, sondern verbreiten auch miese Laune, obwohl das gar nicht beabsichtigt ist. Die Wahrheit ist also nicht immer der Königsweg. Aber ich komme irgendwie nicht damit klar, dass man uns schon unser ganzes Leben lang damit nervt, bei diversen Dingen mitzumachen, auf die wir keine Lust haben. Früher waren es die Kindergeburtstage, auf die wir eingeladen waren, obwohl man ihn oder sie nicht ausstehen konnte. Und noch schlimmer: Wir mussten denjenigen dann auch noch auf unseren eigenen Kindergeburtstag einladen, weil das halt so ist. Wie du mir, so ich dir. Zum Kotzen! Eine eigen initiierte Retourkutsche nennt sich so was. Und heute im Erwachsenenleben geht der Zinnober genau so weiter. Wir müssen zu diesem Firmen-Essen essen gehen, weil sich das positiv aufs berufliche Ansehen auswirkt. Wir müssen eine Geburtstags-Party ausrichten, sonst sind Familie und Freunde sauer. Also vor lauter „Müssen“ muss ich mich fast übergeben.

Ja, das Leben ist zu kurz. Das wissen wir mittlerweile. Aber wir sollten die Tage doch nicht damit verplempern, wirklich nur das zu tun, was man eben tun muss, um als cool, fleißig, ehrgeizig, verantwortungsbewusst und eben als angepasst zu gelten. Und ohnehin sollten wir niemals glauben, etwas verpasst zu haben, wenn wir uns eben mal ausklinken und nicht mitmachen! In der Kunstgeschichte gibt es übrigens einen Begriff, der dazu passt. Man nennt ihn “horror vacui”, nämlich „Angst vor der Leere“. Erst wenn alle freien Flächen einer Leinwand mit Ornamenten ausgefüllt werden, ist diese Leere quasi nicht mehr vorhanden. Betrachtet man jedoch ein solches Bild, findet das Auge kaum Ruhe, denn die Bilder wirken manisch und rauschhaft. Und wir? Sind wir nicht auch einfach nur wuselnde, aufgedrehte Wesen, die überall dabei sein müssen, weil „Nein“ nicht mehr gilt? Der Angst vor Leere folgt die Angst, nicht oft genug „Ja“ gesagt zu haben. Besonders, wenn wir abends im Bett liegen und den Tag revue passieren lassen, kommen diese Ängste in uns hoch und vermiesen uns dann auch noch die Nacht.

Regel Nummer Eins: „Muss“ durch „Will“ ersetzen

Wir sollten uns immer öfter fragen: „Müssen wir wirklich alles oder wollen wir gewisse Dinge auch?“ Oder dürfen wir alle ohnehin nur mitmachen, wenn wir bei Facebook sind? Etwas verwirrend, dass ich von vermeintlich glücklich machendem Sport- oder Schokoladenkonsum auf das leidige „Muss das sein?“-Thema komme, oder? Aber um die Kurve zu kriegen, muss auch ich jetzt mal einlenken. Eigentlich müssen wir nämlich gar nichts. Aber viele Dinge wollen wir in der Tat auch, sonst sähe unser Leben ganz anders aus. Deshalb lasst uns doch gelegentlich einfach „muss“ durch „will“ ersetzen. Zum Beispiel „Ich will arbeiten gehen!“. Warum? „Weil ich mir sonst diesen absolut genialen Lebensstil nicht leisten könnte!“ Oder: „Ich will Sport machen!“ Warum? „Weil ich mich damit einfach besser fühle!“. Oder: „Ich will und muss Schokolade essen!“ Warum? „Dafür  gibt es keine Antwort.“.

Regel Nummer Zwei: Und alle so: “Nein”

Ich glaube, wir sollten dagegen etwas unternehmen. Gegen den “Ja”-Wahn. Ganz einfach. Wir sollten öfter mal “Nein” sagen. Denn von den Tausend Möglichkeiten, die uns geboten werden, passt einfach nicht alles zu uns. Ob es die Party-Einladung oder die Vertragsverlängerung ist. Nicht alles, was uns als tolle Möglichkeit dargeboten wird, ist nämlich auch eine. Manchmal brauchen wir einfach etwas anderes. Keine Konzern-Karriere. Keine Party des Jahrhunderts. Sondern Zeit für an die Decke starren. Zeit zu träumen, rumspinnen und zur Ruhe zu kommen. Zeit für uns selbst. Klar, “Nein” ist nicht populär. Im Job versteht niemand, wenn man ein neues Projekt ablehnt, oder die Vertragsverlängerung nicht will. Freunde verstehen nicht, warum wir nicht mit aufs Festival wollen. Gerade keinen Alkohol trinken. Um 21 Uhr ins Bett wollen. Lieber mal nichts tun. “Nein” ist immer der Buhmann. Deshalb braucht “Nein” sagen auch Mut. Den Mut, sich den „Ja“-Sagern entgegen zu stellen. Den Mut sicher zu sein, dass wir auch etwas erleben, wenn sich davon kein Instagram-Post machen lässt. Den Mut, genau das auch als Freiheit wahrzunehmen. Und wir sollten unsere “Neins” auch nicht bereuen. Denn eines ist klar: Die Angst, etwas zu verpassen, bringt nichts. Egal wie oft wir „Ja“ sagen, wir verpassen immer etwas. Das ist die Physik des Lebens. Also: Öfter mal “Nein” sagen. Und damit obendrein das Ja-Sager-Monster aus dem Schlafzimmer jagen.

Die alles entscheidende Regel Nummer Drei lautet nämlich: Sag „Ja“ zum „Nein“!

 

 

 

 

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