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NAUWIESER VIERTEL FEST

Das Nauwieserfest hebt sich seit über zwanzig Jahren auf das Angenehmste von üblichen Sommerfest-Einerlei ab. Die vielen Konzerte interessanter Bands abseits des Mainstreams, die ungemein lebendige Viertel-Kultur und nicht zuletzt das wirklich vielfältige Getränke- und Speiseangebot untermauern immer wieder seinen Status als Lieblingsfest der Saarbrücker Szene.

Im Frühjahr sah es noch so aus, als wäre es um das Fest geschehen. Der bisherige Veranstalter, Rockstar e.V., musste das Aus für das Fest verkünden, da Risiko und Aufwand nicht mehr tragbar waren. Dieser Schock saß erstmal tief, doch unter das allgemeine Wehgeschrei und Klagen mischten sich schnell die ersten konstruktiven Vorschläge. Nach einigem Hin- und Her fanden sich schließlich zwei Viertelgastronomen, eine Rechtsanwältin und einer der bisherigen Veranstalter zu der neuen Veranstalter-Gesellschaft zusammen – und das Nauwieserfest war erstmal gesichert.

Mit von der Partie also nach wie vor auch Andreas Porger, der mit dem Rockstar e.V. schon die letzten 15 Jahre für das Fest verantwortlich zeichnete und von dessen Erfahrung und Sachverstand nun auch das „neue“ Viertelfest profitieren wird. Er nahm sich kurz vor Beginn der heißen Vorbereitungsphase Zeit für ein paar Antworten.

Das Fest hatte ja im Frühjahr für ein echtes Wechselbad der Gefühle gesorgt? Was hat letztlich den Fortbestand ermöglicht?
Das hatte schon viel mit dem lieben Geld zu tun. Beispielsweise ist 2015 durch die exorbitant gestiegenen Kosten für uns als Veranstalter bei all der Arbeit unterm Strich nichts übriggeblieben – während alle anderen kräftig verdient haben. Letztes Jahr haben wir als Veranstalter sogar drauflegen müssen. Zwar nicht wirklich viel, aber so weiter konnte es auch nicht gehen. Allein die Kosten für die Sicherheit haben sich mehr als verdreißigfacht. Als wir dann das Fest abgesagt hatten, kam es recht bald zu einem ersten Treffen von einer ganzen Reihe Viertelgastronomen mit dem Ziel, das Fest zu retten. Dort habe ich dann die Zahlen auf den Tisch gelegt und aufgezeigt, dass zusätzlich zu dem ganzen Stress, den man mit Organisation eines solchen Festes hat, es bei der bestehenden Kalkulation der Standmieten usw. ein Loch von etwa 20 bis 25 Tausend Euro gibt, für das irgendjemand die Verantwortung übernehmen muss. Dazu war in der Runde niemand bereit.

Und warum ging es dann doch weiter?
Tatsächlich kam es dann zu einem zweiten Treffen in etwas kleinerer Besetzung, wo dann auch mal die Umsätze der Standbetreiber in Verhältnis zu den Standmieten gesetzt werden konnte. Dabei war dann schnell klar, dass eine Anpassung der Standmieten die Finanzierungslücke schließen und tatsächlich den Fortbestand des Festes sichern könnte. Angesichts der in den letzten Jahren eingestrichenen Gewinne gab es dann auch seitens der Gastronomen keine allzu große Gegenwehr. Im Gegenteil, es gab sogar einzelner Standmieter die freiwillig bereit waren, mehr zu zahlen, so offensichtlich war das Missverhältnis. Letztlich entstand aus dieser zweiten, kleineren Runde dann die jetzige, neue Veranstaltergesellschaft, die nicht nur finanziell, sondern auch personell besser aufgestellt ist und die zu leistende Arbeit auf mehr Schultern verteilen kann.

Und was sagen die anderen Standbetreiber dazu?
Bei uns hat sich fast niemand beschwert. Klar, Pappenheimer gibt es überall und auch hier im Viertel haben wir zwei von der Sorte. Einer weigert sich, sich an den Kosten für die nötigen Sicherheitsmaßnahmen zu beteiligen, und der andere lässt tatsächlich lieber seinen Laden die ganzen drei Tage lang zu. Insgesamt ist die Zahl der Stände aber gestiegen und wir haben sogar zwei ganz attraktive Neuzugänge gewinnen können. Da ist zum einen ein Stand, der venezianische Spezialitäten wie Cichetti anbieten wird, und ein zweiter „italienischer“ Stand, der frische, hausgemachte und unterschiedlich belegte Teigfladen präsentiert. Einfach tolle, individuelle Stände, wie man sie eben nicht auf jedem Fest findet!

Thema Sicherheit. Woran soll mach sich halten?
Natürlich kann man da nicht viel machen, wir können ja schlecht Bartträger ausschließen oder Männer mit Wollmützen. Wenn die Leute vernünftig sind, lassen sie zum Beispiel Rucksäcke zuhause. Das Fest findet halt im öffentlichen Raum statt und da sind den Kontrollmöglichkeiten Grenzen gesetzt. Wir können zum Beispiel nicht wie bei Konzerten oder Festivals die Taschen kontrollieren. Trotzdem tun wir unser Möglichstes allen Sicherheitsauflagen und unserem Sicherheitskonzept zu entsprechen – und das ist eine Menge. Zum Beispiel müssen ja alle Zugänge zum Fest abgesperrt bzw. kontrolliert werden. Und das sind ja nicht weniger als alle Straßen, die ins Viertel führen. Und das bei einem Fest, das in der Vergangenheit so friedlich war, dass, wenn die Sicherheitslage eine andere wäre, die Polizei noch nicht mal Kontaktbereichsbeamte vorbei schicken würde.

Hand aufs Herz: Hast du geweint, als ihr beschlossen habt, nicht mehr weiter zu machen?
Also, ich hab’s ja jetzt schon 15 Jahre gemacht und bei verschiedenen Treffen auch mit der Stadt gesagt, dass ich es wirklich schade gefunden hätte, wenn es nicht mehr zustande gekommen wäre. Man hat halt schon sehr viel an Energie reingesteckt und das Ganze bis auf dieses Level gebracht, wo man sich sicher fühlt. Ich find’s einfach schön wie es ist, habe mit den Leuten auch immer Spaß gehabt und über die, wo das nicht so war kann man hinwegsehen. Und nicht zuletzt denke ich, dass der Stadt etwas Wertvolles verloren gegangen wäre. Der einzige Vorteil wäre vielleicht gewesen, dass ich endlich mal nicht wochenlang täglich nach den verschiedenen Wetterberichten hätte gucken müssen. Aber jetzt mach’ ich das natürlich wieder gerne.

Nauwieserfest 2017
Programm der Hauptbühne auf dem Max-Ophüls-Platz

Freitag, 28. Juli 2017

18.00 Uhr
Professor Aldente
Ist das jetzt Funk? Metal?? Pop oder eher Jazz? Darf man das noch Rap nennen und was haben diese Fragen eigentlich mit Musik zu tun? Diese Fragen stellen sich viele: Freunde, Verwandte sowie die, die es mal werden wollen.

19.00 Uhr
Mr. Inman
Mr. Inman ist ein Quintett aus der saarländischen Hauptstadt. Musikalisch geht es Richtung Düsenjäger, alte Turbostaat, Deutschpunk direkt aus dem Herzen! Macht wirklich Spaß!

20.15 Uhr
An Assfull of Love
Punk’s not dead! Glamrock’s not dead! Glampunk is alive – with An Assfull Of Love! Seit über 10 Jahren steht die Band mit Wurzeln in Saarbrücken gemeinsam auf der Bühne. Laut, verrückt und pink – Hauptsache die Party stimmt!

21.30 Uhr
AGA
Another Guardian Angel, kurz AGA feiern auf dem Nauwieser Fest ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum – Ska Punk Deluxe aus heimischen Gefilden.

22.45 Uhr
Zesura
We like scaling mountains, Modest Mouse, riding bikes, Sonic Youth, hunting butterflies, Fugazi, chasing rainbows, Built-to-Spill, recording albums, The Van Pelt, making funny faces, Slint, drinking beer, Mogwai, drinking more beer.

 

Samstag, 29.07.17 

17.30 Uhr
Max Bousso & The Voodoo Beats
Geboren im Senegal lebt Max Bousso seit 1995 in Deutschland, wo er seither im Kulturbereich arbeitet und aktiv am kulturellen Austausch zwischen Afrika und Deutschland interessiert und beteiligt ist.

18.30 Uhr
Oaks
Gegründet im Oktober 2014 ordnet sich die mit zwei Drummern besetzte Band im NoiseRock ein. Durch die Art der Besetzung lassen sich der gewünschte Druck und die erforderliche Härte erzeugen, die mit Sicherheit ein Markenzeichen sind.

19.45 Uhr
Manzounds
Maximum Westcoast Powerpop – Zwischen Wilco und The Who, zwischen gestern und vorgestern, zwischen postpunk und Harmoniegesang, zwischen The Byrds und Elvis Costello. Kurz: die härteste Softrock Band der Welt.

21.00 Uhr
Coolerking
Das Trio besticht durch ausgefeilte Punkrock-Songs, die sich qualitativ vom Gewohnheitspunk absetzen. Sie bedienen sich im „Sound-Supermarkt“, kochen nach ihrem eigenen „Songrezept“ und lassen sich demzufolge schwer einordnen.

23.00 Uhr
Fuck Art Let’s Dance
Was sie umtreibt, ist Post-Bedroom-Kellerwave, der ihrer Verachtung für Konventionen Ausdruck verleiht. Ein Sound mit dem konstanten Drang, sein Publikum und sich selbst loszureißen. Wenn man diese Band live sieht, wird man zu einem Teil von ihr.

 

Sonntag, 30.07.17

15.00 Uhr
Swingerclub
Mitreissende Swingklasssiker von den Jungs um die charismatische Frontfrau Simone. Natürlich alles Saarländer!

17.15 Uhr
Robinson And The Crusoes
Entspannter Surfsound aus Saarbrücken am späten Sonntagnachmittag auf der Bühne am Max-Ophüls-Platz. Die Jungs spielen seit dem Nauwieser Fest 2011 mitten im Bermudadreieck.

19.00 Uhr
Evil Mr Sod
Evil Mr Sod ist anders. In eine einzige Schublade passt er nicht, aber sein Stil ist unverwechselbar. Folk-Rock, Country, Blues – alle Stile finden bei Evil Mr Sod ihren Platz, jeder kommt auf seine Kosten.

20.15 Uhr
1000 Augen
Schöner Indie Rock für einen besinnlichen Abend auf dem Max-Ophüls-Platz mit nicht gerade unbekannten saarländischen Musikern, die nebenbei noch in einigen anderen Bands spielen.

21.30 Uhr
The Toasters
Die Toasters sind eine Legende. Seit nunmehr 36 Jahren im Geschäft, haben sie die Two Tone Ära eine Weile fast im Alleingang am Leben erhalten. Der Toasters-Sound aus World-Beat, Soul, Rap, Rocksteady, Reggae und Ska mit Rock- und Punkeinflüssen strahlt heller, als der so ziemlich jeder anderen Ska-Band.

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