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Mel´s Mikrokosmos

Nerv nicht, Schatz!

Beziehungen: Ein leidiges Thema, mit dem ich mich schon sehr lange beschäftige. Irgendwann kommt man in Beziehungen immer an einen Punkt, wo es knallt! Absolute Harmonie gefolgt von Streit und der unausweichlichen Frage, warum der andere sich nicht einfach in Luft auflöst?! Löst er sich tatsächlich in Luft auf, wäre die Panik zwar groß, aber es wirft dennoch die Frage auf:

Ewiges Streiten als Ausdruck von Liebe –  Muss das sein?

Mitnichten! Jedoch haben Forscher herausgefunden, dass Paare, die häufiger streiten, gesünder sind und eine durchweg bessere Beziehung führen, als Paare, die alles in sich hineinfressen. Und schlimmer noch: Unterdrückter Groll fördert  Erkrankungen wie Bluthochdruck, Magen-Darm-Krankheiten und ein geschwächtes Immunsystem. Aber sollen wir jetzt immer streiten, immer gleich herauspoltern mit den Dingen, die uns nicht passen, nur, damit wir uns besser fühlen? Und nehmen wir mal den Umkehrschluss: Wie steht es mit all den glücklichen Pärchen, die in der Supermarkt-Schlange turteln und im Kino Händchen halten, obwohl sie seit Ewigkeiten zusammen sind? Streiten die denn? Oder haben sie einfach herausgefunden,  wie man vermeidet, aus jedem Kleinkram einen Staatsakt zu machen? Manche können vielleicht über belastende Themen reden, ohne gleich in die Luft zu gehen. Aber ich habe festgestellt, dass das, was Paare glücklich macht, etwas ist, an das ich nie gedacht hätte:

 

Glückliche Paare sind nämlich nicht immer glücklich!

Zumindest nicht 24 Stunden am Tag. Vielmehr würden die erfolgreichsten Paare, die ich kenne, zugeben, dass sie sich gegenseitig wahnsinnig machen. Und zwar nicht nur ein bisschen. Ich rede hier über Fantasien, in getrennten Häusern zu leben; über Fantasien, in denen der Partner einen Job in Sibirien annimmt oder von Außerirdischen entführt wird. Manche erwägen vielleicht noch unheimlichere Optionen. Und mehr noch: Glückliche Paare senden nicht immer „Ich-Botschaften“ oder beginnen jeden Streit mit einer Dankesrede. Sie fühlen nicht jedes Mal ein Feuerwerk, wenn sie Liebe machen und sie erwarten auch nicht, dass das passiert. Manchmal werfen sie sich üble Sachen an den Kopf, knallen mit Türen oder rollen frustriert mit den Augen. Manchmal gehen sie im Streit ins Bett, oder einer von ihnen schläft auf der Couch. Manchmal sehen sie exakt so aus wie unglückliche Paare, zumindest nach außen. Der Unterschied bei ihnen ist, was nach innen passiert.

 

Liebe ist, was beide Partner draus machen

Glückliche Paare kapitulieren nicht vor dem Streit. Sie flippen nicht gleich aus, wenn es Schwierigkeiten gibt. Sie sagen nicht: „Unsere Beziehung ist zu schwierig“ oder „Wir passen nicht zusammen“ oder „Wir müssen uns scheiden lassen“. Statt vor ihren Kämpfen davonzulaufen und gegen deren Existenz zu protestieren, nehmen sie die Ansicht ein: „Lass uns die Ärmel hochkrempeln.“ Sie wissen, dass es in Beziehungen Probleme gibt, und sie geben nicht auf, ohne sich anzustrengen. Sie akzeptieren, dass Enttäuschungen unvermeidlich sind. In Beziehungen müssen wir ausbalancieren, dass wir zwar einerseits zu bekommen versuchen, was wir haben wollen, aber auch wissen, dass es unmöglich ist, alles zu haben. Es ist okay, hohe Erwartungen zu haben, aber wir sollten im Kopf behalten, dass auch der beste Partner uns manchmal hängen lässt. Wir müssen es ja nicht mögen, enttäuscht zu werden, aber wir sollten damit umgehen können.

Glückliche Paare schützen ihre Beziehung. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Beziehung etwas Wertvolles ist, das nur einmal im Leben kommt, macht es Sinn, sich so zu verhalten, dass sie genährt und geschützt wird. Seine Beziehung zu schützen, heißt jedoch nicht, um wichtige Themen herumzuschleichen oder nachzugeben, nur um den Frieden zu wahren. Es heißt, sich zur Aufgabe zu machen, so höflich und respektvoll zu sein wie möglich, in dem Wissen, dass das Vertrauen und guten Willen fördert. Im Streit Wörter wie „stur“ durch „hartnäckig“ zu ersetzen, hilft dabei oft schon Wunder und der andere fühlt sich weniger kritisiert. Glückliche Paare vergessen nämlich nie, dass ihre Handlungen und Worte eine Wirkung haben, deshalb wägen sie sie gut ab. Wir können also griesgrämig sein, aber wir überschreiten nicht die Grenze zur Gemeinheit.

Hass ist, was übrig bleibt, wenn man alles Gute verleugnet. Deshalb streiten glückliche Paare stets ohne Hass. Es ist eine Sache, auf seinen Partner sauer zu sein. Es ist eine andere Sache, seinen Ärger mit Missachtung auszudrücken. Manchen Leuten fällt es schwer, die beiden Dinge auseinanderzuhalten. Wenn wir uns also fast zu Tode streiten und hinter unserem Partner herjagen, mit der Absicht, ihn zu verletzen, sollten wir stets im Kopf behalten: Opfer des Krieges, den wir hier führen, könnte einer von uns beiden oder wir beide sein – und vielleicht unsere ganze Beziehung.

Verletzte Herzen durch Liebe heilen

Machen wir uns nichts vor: Keine Beziehung ist frei von Schwierigkeiten oder Konflikten. Und egal, wie gut wir es als Partner meinen – keiner von uns ist ein Heiliger. Angesichts dessen ist es unvermeidbar, dass wir lernen, zu reparieren. Die Reparatur beginnt damit, dass eine Person sich auf den anderen zubewegt. Erfolgreiche Paare sind sowohl in der Lage, zu vergeben als auch zu dem Anteil zu stehen, den sie an den Schwierigkeiten haben. Einerseits müssen wir dabei akzeptieren, dass manche Dinge niemals gelöst werden, egal, wie hart wir daran arbeiten. Nicht umsonst sind etwa 70 Prozent von Beziehungskonflikten unlösbar, ganz egal, wie wir uns ihnen nähern und egal, wie freundlich wir fragen. Einerseits eine Erleichterung, andererseits gibt es mir Anlass zum Grübeln. Bekommt man einen Partner also niemals dazu, zum Beispiel weniger rechthaberisch zu sein? Sei es drum: Jedes Paar wird seine immerwährenden Konflikte haben, die auf den fundamentalen Unterschieden zwischen den Partnern beruhen, Unterschiede in den Persönlichkeiten, in den Vorlieben und in der Art und Weise, wie sie die Welt sehen. Unterschiede, die leider immer bestehen bleiben. Aber statt eine „Oh nein!“-Einstellung zu haben, wenn Kämpfe wiederkehren, haben glückliche Paare eine „Ach so, das schon wieder“-Einstellung. Und statt immer wieder darum zu kämpfen, sich zu einigen, erkennen wir schlussendlich die Unlösbarkeit des Problems und nähern uns ihm mit Akzeptanz, Kapitulation und am allerwichtigsten: Am besten mit Humor!

Warum nicht heute anfangen?

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