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Titelstory

RADLER, ROSTWURST, ROTE KARTEN

Die WM ist wieder da, wo sie hingehört: Im Biergarten!

Es ist soweit, ein neues Fußball-Sommermärchen steht an – und diesmal sogar ohne große Zeitverschiebungen. Gekickt wird praktischerweise zu optimalen Biergartenzeiten am Nachmittag oder frühen Abend. Da gilt es nur noch den richtigen Biergarten auszuwählen. Als kleine Entscheidungshilfe stellen wir hier – gewohnt subjektiv – unsere regionalen Favoriten vor. Unfassbar: da ist sogar ein Pfälzer dabei!

Wichtig ist uns dabei, dass wir auch wirklich Biergarten meinen, wenn wir Biergarten schreiben. Also keine Restaurant- oder Hotelterrassen, so schön sie auch sein mögen, und auch keine Außenbestuhlungen vor Lieblingskneipen. Hier geht es um echte Biergärten, im Idealfall mit Klapptischen und -bänken, wo man sich die Getränke an einem Kiosk selber holen muss, gerne mit der Möglichkeit ein mitgebrachtes Vesper zu verzehren, auch wenn die meisten Biergärten inzwischen auch selber Essbares anbieten. Dazu fette Großbildfernseher oder eine Leinwand. Dabei wollen wir natürlich nicht päpstlicher als der Papst sein, aber so zumindest sieht unsere fußballseelige Idealvorstellung aus – und einige unserer Kandidaten kommen dem verflucht nahe. Wir haben weder Kosten noch Leberschäden gescheut und all‘ unseren Lieblingsplätzen für Männerfreizeiten ganz aktuell noch mal einen Besuch abgestattet, um sicher zu gehen, dass sich hier alles auf weltmeisterlichem Niveau befindet. Also auf geht’s!

Anpfiff in Saarbrücken

Was ist der erste Anlaufpunkt, wenn es um Biergärten In Saarbrücken geht? Richtig, die Saar. Gleich vier der beliebtesten Saarbrücker Vertreter finden sich unweit unseres namenstiftenden Gewässers, darunter mit dem Biergarten am Staden, der wohl bekannteste in der Landeshauptstadt, und von der SZ zum „Schönsten Biergarten im Saarland“ gekürt. Was da inzwischen um „Ulanen-Pavillion“ nebst Außentheke und Ulanen-Grill entstanden ist, ist aber auch wirklich aller Ehren wert. Extrem professionell wurden hier die vor Jahren noch üblichen „ewigen“ Wartezeiten erfolgreich ausgemärzt und so steht ein Abstecher an den Staden heute auch bei bestem Wetter für ungetrübten Spaß. Und was Live-Fußball-TV angeht, wurde hier schon bei etlichen WM und EM so manches Fest vor Leinwänden und Großbildfernsehern gefeiert. Das wird auch dieses Jahr sicher nicht anders sein, müssen nur noch Jogis Jungs und der Wettergott mitspielen.

„Saarstrand“, „Potato-Island“, „Big Island“ … ein bisschen konnte man schon den Überblick an der Bismarckbrücke verlieren, so schnell wie da Namen und Betreiber wechselten. Ändert aber alles nichts an einer wirklich coolen Location und ja, auch der brandneue „The Beach Club“ ist natürlich ein Biergarten! Zwar gibt es hier neben den üblichen Klapp-Garnituren vor allen Dingen auch jede Menge stylischer Loungemöbel, Hängematten und Sonnenstühle, aber nur weil etwas zeitgemäß ist, kann es doch trotzdem ein Biergarten sein. Und außerdem wird hier in Sachen WM-Übertragung so richtig geklotzt, statt gekleckert. Eine fast fünf Meter breite LED-Wall ist dieses Jahr wohl das Maß aller Dinge in Saarbrücken. Auch die Feier nach dem Abpfiff dürfte andernorts nur schwer zu toppen sein, denn das neue Konzept sieht hier ohnehin angesagte Clubnächte mit z.B. Trap, Latino, Reggaeton vor. Mit Petrus Segen wird das hier die heißeste WM-Party der Stadt!

Ein Biergarten der alten Schule hingegen ist der „Kulturbiergarten“ gegenüber des Heizwerks an der Daarler Brigg – und nicht weniger attraktiv. Angenehm unaufdringlich und stellenweise fast schon im Verborgenen, zumindest im Vergleich zum Treiben ein paar Hundert Meter flussabwärts, hat dieser Biergarten doch eine große Vielzahl treuer Anhänger. Die Lage direkt an der Saar ist dafür bestimmt genauso verantwortlich wie die Tatsache, dass hier der Chef wirklich noch selbst kocht – und seine Frau selbstgebackenen Kuchen beisteuert. Zur Weltmeisterschaft in Russland gibt es alle wichtigen Spiele sogar auf gleich zwei Leinwänden und selbst für ein paar eventuelle Regentropfen ist man gerüstet. Unterm Strich WM ganz ohne Halligalli, aber für Spiele, die an den Nerven zehren, vielleicht genau das Richtige. Wir sprechen aus Erfahrung.

Der letzte Vertreter der Saarbrücker Saar-Biergärten müsste strenggenommen eigentlich der erste sein, denn immerhin liegt in Fließrichtung gesehen die „Wilde Ente“ zuerst am Flusslauf. Doch Moment mal, wird jetzt vielleicht einer sagen, die „Wilde Ente“ ist aber ein Restaurant mit Außenfläche, mit Service und so – die wolltet ihr doch außen vor lassen? Stimmt nur fast, denn die „Ente“ hat jetzt auch einen echten Biergarten „angebaut“, gerade so wie sich’s gehört, mit Biergarnituren und mit Selbstbedienung! Das Beste daran: auch von hier aus hat man beste Sicht auf die massiven 75 Zoll Riesenfernsehern, die anstelle einer Leinwand zum Einsatz kommen. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass so ein wesentlich schärferer und kontrastreicher Blick aufs russische Spielfeld sichergestellt ist. Das mit der Schärfe ändert sich dann nur nach zu viel Entengrappa, aber dann ist man selbst schuld.

Nicht allzu viel Erfahrung was gemeinschaftliches Fußball gucken angeht, hat der „Ulanenhof“ im Almet, aber ganz einfach nur, weil es ihn noch nicht lange genug gibt. Die zeitgemäße Version eines klassischen Biergarten-Ausflugslokals ist allerdings bestens gerüstet für diese Aufgabe und wird gleich mit mehreren, clever positionierten Großbildfernsehern das Spielgeschehen ins wirklich traumhafte Saarbrücker Naherholungsgebiet zwischen Winterberg und Spicherer Höhe bringen. Nach aufopferungsvollen Selbstversuchen unsere Redakteure sind wir außerdem sicher, dass die Servicekräfte auch in brenzligen Situationen, das nötige Getränk schnell und zuverlässig an den Mann bringen. Ob der Erfolg der deutschen Mannschaft ähnlich „nachhaltig“ sein wird, wie die Produkte, die hier zur Anwendung kommen, wird sich allerdings noch zeigen müssen.

Der Ballermann von der Saar

Auf geht’s, gewissermaßen zur zweiten Halbzeit, raus aus der großen Stadt in die Region. Auch hier beginnen wir wieder mit einem Biergarten in Reinkultur. Idyllisch gelegen zwischen dem baumbestandenen Saarufer und großen, freien Wiesen und Feldern: der „Biergarten zur Staustufe“ bei Beckingen. Der kommt genauso daher, wie man sich einen Biergarten vorstellt: ein paar Tische und Bänke, Sonnenschirme, ein Kiosk für die Getränke und eine Grillstation. So wenigstens der erste Eindruck – aber der täuscht! Dieser Biergarten ist wohl der mit Abstand wandlungsfähigste weit und breit. Im Handumdrehen können die umliegenden Wiesen mit Hunderten Biertischgarnituren ausgestattet werden und hier steigen alle möglichen Veranstaltungen von Konzerten und Musikfesten bis zu Oldtimertreffen. Nicht umsonst nennen manche Betreiber David Schneider den Ballermann von der Saar. Der hat seinen Biergarten nicht nur pünktlich zur Sommermärchen-WM eröffnet, sondern in den vergangenen 12 Jahren reichlich Erfahrungen mit Fußballübertragungen gesammelt und ist nun für alle Fälle bestens gerüstet. Die Großbildfernseher können je nach Sonneneinstrahlung, Niederschlagsgefahr und vor allem zu den erwartenden Zuschauern an verschiedensten Stellen installiert werden. Gleich also, ob nur ein paar bei miesem Wetter oder ein paar Hundert Fußballfreunde bei strahlendem Sonnenschein vorbeikommen, hier passt es immer!

Ganz frisch am Start ist hingegen „Peters Biergarten“ am Jägersburger Brückweiher, quasi am anderen Ende des Saarlands. Erst seit letztem Jahr liegt der hier unter den Bäumen am Seeufer und bei unserem Besuch Mitte Mai gab’s noch kleinere Baustellen nebenan, die aber bis zum Anstoß der WM sicher verschwunden sind. Denn wenn dieser wunderhübsche Biergarten mit etwas überzeugt, dann mit Perfektion. Insbesondere der Pavillon mit der Getränke- und Essensstation, macht auf den ersten Blick klar, dass man hier auch bei größeren und größten Fußballfesten nicht unnötig lange auf sein Beruhigungsbierchen oder das halbe Hähnchen warten muss. Auch hier wird auf mehrere Großbild-Fernseher gesetzt, die wirklich auf jedem Platz beste Sicht aufs Spielgeschehen garantieren. Wenn’s nach uns gehen würde, hätte dieser Biergarten auch noch einen WM-Extrapunkt verdient – und da es nach uns geht, kriegt er den auch. Nur einen Steinwurf entfernt steht das niegelnagelneue Hotel & Spa des gleichen Betreibers, für alle, die nach der Fußballfeier nicht mehr unbedingt hinters Steuer wollen. Das könnte auf uns durchaus zutreffen.

Beim „Biergarten Sonnenhof“ stellt sich dieses Problem erst gar nicht, denn der liegt nur ein paar Gehminuten von der Blieskasteler Ortsmitte entfernt. Auch unser eigentlich letzter Kandidat ist ein lupenreiner Biergarten mit Selbstbedienung auch wenn er auf den ersten Blick gar nicht so daher kommt. Das mag an den klassischen Garten-Klapp-Stühlen liegen, die hier statt Bänken zum Einsatz kommen, aber auch auf denen haben wir im Schatten der vielen, kleinen Bäume ausgezeichnet gesessen. Und gerade wenn man sich das Fußballfest nicht in der großen Gruppe, sondern eher im kleinen Kreis anschauen möchte, ist das die bequemere Lösung. Für die WM-Spiele wird hier auf Leinwand-Übertragungen gesetzt, zumindest bei allen Spielen mit deutscher Beteiligung. Und dass man auch in mittelgroßen Biergärten stimmungsvoll große Turniere zelebrieren kann, hat der Biergarten Sonnenhof schon oft genug unter Beweis gestellt. Auf jeden Fall unser Tipp für Pärchen und solche, die es werden wollen!

Größer ist immer besser

Auf in die Nachspielzeit – und jetzt wechseln wir einen echten Exoten ein. Das ist der Biergarten des „Beckenhof“ bei Pirmasens gleich in doppelter Hinsicht, denn zum einen ist er der einzige Vertreter aus der Pfalz und zum anderen spielt er allein schon wegen seiner Größe in einer eigenen Liga. Immerhin gilt hier unübersehbar nicht der eigene PKW als probates Anreisevehikel, sondern die Gäste stürmen den Hof immer gleich in Busladungsstärke. Bei einer Fläche von beinahe Fussballplatz-Ausmaßen glauben wir der Eigenwerbung vom „schönsten und größten Biergarten der Region“ ohne nachzumessen. Was ebenfalls Ausnahmequalitäten hat, ist die Nähe zu den bayrischen Originalen. Die gilt für Atmosphäre, Speis und Trank gleichermaßen und ist sogar so groß, dass es einen schon fast wundert, dass die Bedienung nicht Resi oder Senzi heißt und boarisch spricht. Die Bedienung bei unserem Besuch überzeugte zudem mit authentischem „Holz vor der Hütten“. In Sachen WM-Tauglichkeit trumpft wiederum die Größe auf, denn wie kaum andernorts, kommt hier echte Stadionatmosphäre auf. Bei den letzten großen Turnieren erwies sich das buntgemischte Publikum vielleicht gerade deswegen als ausgesprochen sachkundig und fair. Wir können uns kaum einen anderen Ort vorstellen, wo man so entspannt – mit so vielen Menschen – ein Fußballfest feiern kann, auch gerne mal länger als 90 Minuten. Trotzdem ist für uns jetzt erst mal Abpfiff. Prost!

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