• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Cache Me If You Can

Seitdem ich seiner Zeit als Kind im Vormittagsprogramm der ARD hilflos mit ansehen musste, wie Hänsel und Gretel von einer alten Frau im Wald entführt wurden, verspüre ich gewisses Unbehagen, wenn sich um mich herum mehr als nur ein paar lichte Büsche befinden. Zu tief sitzt das Trauma von damals, das durch Heinos Schlagerhit „Im Wald da sind die Räuber“ nicht unbedingt gelindert wurde. Noch heute bekomme ich beim alljährlichen Weihnachtsbaumkauf inmitten größerer Mengen an Fichten und Tannen feuchte Hände, obwohl mir natürlich klar ist, dass gefällte Bäume mir nichts mehr anhaben können. Bezüglich Wäldern bleibt meine Meinung dennoch wie ein Scheit Holz: gespalten… Weiterlesen

Muss ich da mitmachen?

Hallo Mikrokosmonauten: Einen Scheiß müssen wir!

Sport macht glücklich. Schokolade aber auch. Ich glaube, diese Tatsache gießt Öl ins Feuer eines jeden Fitness-Bloggers oder Sportsüchtigen. Aber sie ist wahr. Und mitunter eine regelrechte Zerreißprobe für mich und viele andere da draußen, die tagtäglich hin- und hergerissen sind, ob wir jetzt joggen gehen oder uns den Bauch vollschlagen sollen. Meistens gehen wir dann joggen. Weil es ja angeblich immer besser ist, Sport zu machen. Und weil man es auch gewissermaßen von uns erwartet. Apropos Machen; Müssen wir echt bei allem mitmachen, was uns die Szene diktiert? Und nicht nur die Szene. Im Grunde erwartet doch jeder, dass wir zumindest ein bisschen ins Gesellschafts-Konzept passen, oder? Nehmen wir mal die Mädels unter uns: Man erwartet von uns, dass wir mit Freundinnen tuschelnd im Restaurant sitzen und über Jungs reden. Sowieso geht man immer davon aus, dass wir alle einen Haufen Freundinnen haben. So wie bei „Sex and the city“. Ab einem gewissen Zeitpunkt setzen die Leute dann voraus, dass man zwar immer noch mit den Mädels kichernd am Restauranttisch sitzt, aber inzwischen Kinderwagen dazwischen stehen und sich die Gespräche hauptsächlich ums Windel wechseln und wunde Kinder-Popos drehen. Eventuell noch Weight Watchers. Als ich neulich shoppen war – alleine natürlich – fragte mich die Verkäuferin an der Kasse, ob ich denn Lust hätte, auf diese Wahnsinns-Aktion „Freundinnen werben Freundinnen“? Ich schüttelte verständnislos den Kopf und antwortete: „Sorry, ich habe keine Freundinnen!“, woraufhin mich die Verkäuferin mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis anschaute. Ja, wenn‘s halt so ist!  Uns Frauen wird ohnehin eine Menge abverlangt. Wir sollten zu besonderen Anlässen hohe Schuhe tragen und uns natürlich die Beine rasieren. Wenn wir das erste Mal Sex mit einem neuen Mann haben, müssen wir dann alles kahl geschoren haben, aber für Haare auf den Zähnen findet man uns trotzdem sexy. Wir dürfen nicht zu fett und nicht zu abgemagert sein. Und man erwartet heutzutage, dass man sich in seinem Körper immer pudelwohl fühlt, egal, ob dick oder dünn. Wir müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn wir Leute nicht abkönnen, denn wenn wir ihnen sagen, dass wir sie scheiße finden, schämt man sich für uns. „Wie kann sie nur?“! Ehrlichkeit wird groß geschrieben, aber ist man dann mal ehrlich, bezeichnet man uns als Miststück! Wir müssen gesellschaftliche Ereignisse, wie Hochzeiten, Geburtstage oder Beerdigungen über uns ergehen lassen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben, weil derjenige, um den es geht eigentlich gar keinen Platz in unseren Herzen hat. Aber wir tun es doch. Warum eigentlich?

Warum zwingen wir uns etwas auf, wenn wir in Wahrheit etwas ganz anderes wollen?

Klar, da ist einerseits die ewige Rücksichtnahme. Wenn wir offen aussprechen würden, dass wir kein Bock auf Tante Gerdas Geburtstagsfeier haben, und stattdessen lieber auf der Couch chillen möchten, stoßen wir nicht nur alle anderen vor den Kopf, sondern verbreiten auch miese Laune, obwohl das gar nicht beabsichtigt ist. Die Wahrheit ist also nicht immer der Königsweg. Aber ich komme irgendwie nicht damit klar, dass man uns schon unser ganzes Leben lang damit nervt, bei diversen Dingen mitzumachen, auf die wir keine Lust haben. Früher waren es die Kindergeburtstage, auf die wir eingeladen waren, obwohl man ihn oder sie nicht ausstehen konnte. Und noch schlimmer: Wir mussten denjenigen dann auch noch auf unseren eigenen Kindergeburtstag einladen, weil das halt so ist. Wie du mir, so ich dir. Zum Kotzen! Eine eigen initiierte Retourkutsche nennt sich so was. Und heute im Erwachsenenleben geht der Zinnober genau so weiter. Wir müssen zu diesem Firmen-Essen essen gehen, weil sich das positiv aufs berufliche Ansehen auswirkt. Wir müssen eine Geburtstags-Party ausrichten, sonst sind Familie und Freunde sauer. Also vor lauter „Müssen“ muss ich mich fast übergeben.

Ja, das Leben ist zu kurz. Das wissen wir mittlerweile. Aber wir sollten die Tage doch nicht damit verplempern, wirklich nur das zu tun, was man eben tun muss, um als cool, fleißig, ehrgeizig, verantwortungsbewusst und eben als angepasst zu gelten. Und ohnehin sollten wir niemals glauben, etwas verpasst zu haben, wenn wir uns eben mal ausklinken und nicht mitmachen! In der Kunstgeschichte gibt es übrigens einen Begriff, der dazu passt. Man nennt ihn “horror vacui”, nämlich „Angst vor der Leere“. Erst wenn alle freien Flächen einer Leinwand mit Ornamenten ausgefüllt werden, ist diese Leere quasi nicht mehr vorhanden. Betrachtet man jedoch ein solches Bild, findet das Auge kaum Ruhe, denn die Bilder wirken manisch und rauschhaft. Und wir? Sind wir nicht auch einfach nur wuselnde, aufgedrehte Wesen, die überall dabei sein müssen, weil „Nein“ nicht mehr gilt? Der Angst vor Leere folgt die Angst, nicht oft genug „Ja“ gesagt zu haben. Besonders, wenn wir abends im Bett liegen und den Tag revue passieren lassen, kommen diese Ängste in uns hoch und vermiesen uns dann auch noch die Nacht.

Regel Nummer Eins: „Muss“ durch „Will“ ersetzen

Wir sollten uns immer öfter fragen: „Müssen wir wirklich alles oder wollen wir gewisse Dinge auch?“ Oder dürfen wir alle ohnehin nur mitmachen, wenn wir bei Facebook sind? Etwas verwirrend, dass ich von vermeintlich glücklich machendem Sport- oder Schokoladenkonsum auf das leidige „Muss das sein?“-Thema komme, oder? Aber um die Kurve zu kriegen, muss auch ich jetzt mal einlenken. Eigentlich müssen wir nämlich gar nichts. Aber viele Dinge wollen wir in der Tat auch, sonst sähe unser Leben ganz anders aus. Deshalb lasst uns doch gelegentlich einfach „muss“ durch „will“ ersetzen. Zum Beispiel „Ich will arbeiten gehen!“. Warum? „Weil ich mir sonst diesen absolut genialen Lebensstil nicht leisten könnte!“ Oder: „Ich will Sport machen!“ Warum? „Weil ich mich damit einfach besser fühle!“. Oder: „Ich will und muss Schokolade essen!“ Warum? „Dafür  gibt es keine Antwort.“.

Regel Nummer Zwei: Und alle so: “Nein”

Ich glaube, wir sollten dagegen etwas unternehmen. Gegen den “Ja”-Wahn. Ganz einfach. Wir sollten öfter mal “Nein” sagen. Denn von den Tausend Möglichkeiten, die uns geboten werden, passt einfach nicht alles zu uns. Ob es die Party-Einladung oder die Vertragsverlängerung ist. Nicht alles, was uns als tolle Möglichkeit dargeboten wird, ist nämlich auch eine. Manchmal brauchen wir einfach etwas anderes. Keine Konzern-Karriere. Keine Party des Jahrhunderts. Sondern Zeit für an die Decke starren. Zeit zu träumen, rumspinnen und zur Ruhe zu kommen. Zeit für uns selbst. Klar, “Nein” ist nicht populär. Im Job versteht niemand, wenn man ein neues Projekt ablehnt, oder die Vertragsverlängerung nicht will. Freunde verstehen nicht, warum wir nicht mit aufs Festival wollen. Gerade keinen Alkohol trinken. Um 21 Uhr ins Bett wollen. Lieber mal nichts tun. “Nein” ist immer der Buhmann. Deshalb braucht “Nein” sagen auch Mut. Den Mut, sich den „Ja“-Sagern entgegen zu stellen. Den Mut sicher zu sein, dass wir auch etwas erleben, wenn sich davon kein Instagram-Post machen lässt. Den Mut, genau das auch als Freiheit wahrzunehmen. Und wir sollten unsere “Neins” auch nicht bereuen. Denn eines ist klar: Die Angst, etwas zu verpassen, bringt nichts. Egal wie oft wir „Ja“ sagen, wir verpassen immer etwas. Das ist die Physik des Lebens. Also: Öfter mal “Nein” sagen. Und damit obendrein das Ja-Sager-Monster aus dem Schlafzimmer jagen.

Die alles entscheidende Regel Nummer Drei lautet nämlich: Sag „Ja“ zum „Nein“!

 

 

 

 

Clubzone Juli 2018

Also wir wissen ja nicht, was ihr gerade feiert, aber als diese Zeilen für die Druckerei fertig gemacht werden, gehen wir so richtig steil wegen des (allerhöchstwahrscheinlichen) Erreichen des Achtelfinales der Fußball WM durch Freistoß-Gott Toni Kroos. Bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen, dass der weitere Verlauf des Turniers genauso zum Feiern taugt. Doch auch unabhängig von der Kickerei gab’s in den letzten Wochen reichlich Anlass amtlich Party zu machen. Die Hochsaison der unterschiedlichsten Festivitäten mit dem Altstadtfest als alljährlichem Höhepunkt taten ihr Übriges dazu, dass in den letzten Wochen garantiert keine Feierpausen entstanden sind. Hier war im Juni dann doch wieder mal so viel los, dass es einem Angst und bange werden könnte. Aber zum Glück kommt die nächste Party so schnell daher, dass man gar nicht erst ins Grübeln kommen kann.   Weiterlesen

Clubzone Juni 2018

Also klimatechnisch hat uns der Mai von einem Extrem ins nächste taumeln lassen. Ausgelassenster Feierei bei hochsommerlichen Temperaturen standen hier und da nicht ganz so mörderprickelnde Abende gegenüber, wo die Leute irgendwie nicht zum Feiern zu bewegen waren, obwohl die Rahmenbedingungen eigentlich erste Sahne waren. Mag auch daran gelegen haben, dass Mitte Mai nochmal das Thermometer in die kühleren Regionen ausschlug. Davon unbenommen haben sich mittlerweile die üblich verdächtigen, sommerlichen Locations von BÜRGERPARK RONDELL, ULANENHOF und SILODOM bis zur Fensterbank des JULES VERNE oder zum Innenhof des MAUERPFEIFFER vehement zurück gemeldet. Aber genug der Vorrede und auf ins Nachtleben … Weiterlesen

RADLER, ROSTWURST, ROTE KARTEN

Die WM ist wieder da, wo sie hingehört: Im Biergarten!

Es ist soweit, ein neues Fußball-Sommermärchen steht an – und diesmal sogar ohne große Zeitverschiebungen. Gekickt wird praktischerweise zu optimalen Biergartenzeiten am Nachmittag oder frühen Abend. Da gilt es nur noch den richtigen Biergarten auszuwählen. Als kleine Entscheidungshilfe stellen wir hier – gewohnt subjektiv – unsere regionalen Favoriten vor. Unfassbar: da ist sogar ein Pfälzer dabei! Weiterlesen

Ich mache heute grün

Hallo Mikrokosmonauten: Grüner wird’s nicht!

Neulich habe ich mal wieder daran gedacht, einfach auszusteigen. Ein paar Sachen zusammenzupacken und der Zivilisation den Rücken zu kehren. Back to the roots sozusagen. Ich meine, nicht umsonst haben längere Individualreisen, Sabbaticals, Survivalkurse und Aussteigerblogs augenscheinlich Hochkonjunktur. Und wer hat als Frau nicht schon mal davon geträumt mit einem Axt schwingenden Holzfäller-Hillbilly im aufgeknöpften Flanell-Hemdchen waschechte Lagerfeuer-Romantik zu genießen? Na gut, ich habe mich solch einfältigen Träumereien nie hingegeben, zumal ich eher ein Luxus-Weibchen bin, das lieber im schnittigen Cabrio samt feschem Kerlchen durch die Gegend braust, als Stockbrot mit einem Waldmensch zu grillen. Und trotzdem beschäftige ich mich derzeit verstärkt mit dem Thema Minimalismus. Ich sage mal so: Wir müssen ja nicht gleich wie Selbstversorger Öff Öff im Wald leben. Aber ich bin durchaus bereit, mich zuweilen etwas naturverbundener zu geben und die Pumps gegen Gummistiefel zu tauschen, wenn es denn sein muss. Und deshalb komme ich nicht umhin, mich zu fragen:

„Wie entschlackt man sein Leben?“

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Entschuldigung bitte

Guter Rat ist bekanntlich teuer. Weitaus größeren Wert als ein guter Rat hat im Alltag jedoch eine gute Entschuldigung oder besser gesagt eine gute Ausrede! Gut ist diese dann, wenn sie nicht gleich durchschaut oder durch skeptische Nachfragen auf ihre Echtheit überprüft wird. Um einem lästigen Termin fernbleiben zu können, führt man da schon einmal den unerwarteten Tod seiner Großmutter als Entschuldigung an, wohl wissend, dass niemand einen Totenschein als Beleg fordern wird oder weiß, dass Omas Ableben zwar durchaus plötzlich, aber eben bereits im Jahr 2001 war… Weiterlesen

THEE CHERYLINAS

Sie sind Frauen. Sie sind Kult. Sie sind zurück!

Volle sieben Jahre sind vergangen seit die Cheylinas zuletzt als reine Girlband mit ihrem tanzbaren Sixties Groove, Soul & Psychedelic Rock die halbe Welt rockten. Zugegeben, “Big In Japan” war der größte Hit einer anderen Band, aber dieser Titel beschreibt durchaus zutreffend den Status, dessen sich Deutschlands Beat Ladies Nr. 1 Mitte der Neunziger erfreuen konnten.

Es war die Überraschung nicht nur in der Saarbrücker Musiker-Szene: Die mehr als europaweit bekannten Cherylinas verblüfften mit der Ankündigung ihres Comebacks. In neuer, generationen-übergreifender Besetzung und mit brandneuem Songmaterial mit ausschließlich deutschen Texten. Nichts ist den wilden Mädchen heilig und so haben sie die Cover-Klassiker aus den 60er Jahren frech ins Deutsche umgetextet und inhaltlich einfach mal modernisiert. Das ist echter Sixties Beat 2.0! Weiterlesen

Tick! Tick! (Baby)Boom!

In den Dreißigern sehen sich Frauen urplötzlich mit einer Sache konfrontiert, die ihre bisherige Lebensweise auf den Prüfstand stellt. Nein, es ist nicht der Besuch bei den Anonymen Alkoholikern. Die Sache wiegt schwerer. Es ist die sogenannte Erwartungshaltung der anderen an dich, endlich schwanger zu werden. Manchmal schmettert dir die Wahrheit mit voller Wucht entgegen. Mama will nämlich endlich Oma werden! Ergo soll ich Mama werden! Und Instagram will das offensichtlich auch, denn es suggeriert mir, wie absolut stylisch es jetzt ist, mit einer Baby Björn-Trage samt Inhalt – also dem Balg, ähm Baby – shoppen zu gehen. Natürlich im angesagten „After-Baby-Body“. Und ich spreche nicht von einem feschen Einteiler zur Jeans, sondern von einem Göttinnen-ähnlichen Körper, den jede Frau etwa zwei Wochen nach einer Geburt vorweisen muss. BABY ist derzeit der absolute Frühlings, Sommer, Herbst, – und Winter-Trend!

Hast du keins, bist du nichts!
Ganz ehrlich, Leute, ich habe genug! Ob Werbung, Zeitschriften, gleichaltrige Kolleginnen, Familienmitglieder oder Bekannte: Allesamt zeigen sie mir, wie toll es augenscheinlich gerade sein muss, mit einem Maxi Cosi „avec bebe“ durch die Gegend zu jagen. Ich jedoch will etwas ganz anderes. Und deshalb stelle ich mir immer häufiger die Frage: Ticke ich noch ganz richtig?

Okay, ich fange mal an, mich ernsthaft zu durchleuchten. Ich bin jetzt 37 (oh mein Gott!), lebe in einer konventionell unkonventionellen Beziehung, bin an vielen Wochenenden verkatert und habe keinen Kinderwunsch. Eher noch zieht es mich zu einem weiteren Haustier, neben meinem 15jährigen Kater, den ich übrigens über alles liebe. Er ist ein einzigartiges Tier. Aber irgendetwas scheint doch mit mir nicht zu stimmen, schließlich habe ich nicht diesen urinstinktigen Wunsch, mich zu reproduzieren. Und bin obendrein trotzdem glücklich! Wahnsinn! Darf ich das dann überhaupt? Augenscheinlich nicht, denn die Versuche, mich bekehren zu wollen, hören einfach nicht auf. Dabei denke ich noch nicht mal so viel darüber nach. Es sind vielmehr die anderen, die für mich denken. Und das ist das eigentlich Bemerkenswerte an der Sache. Denn keine Kinder zu wollen, war für mich nie ein Thema, bis es für mich zu einem gemacht wurde. Egoistisch und selbstsüchtig soll ich mich fühlen. Ich soll verstehen, den falschen Weg eingeschlagen zu haben, damit die, die den angeblich richtigen Weg gehen, sich bestätigt fühlen. Dabei will ich doch nur eines: Mich nicht rechtfertigen müssen.

Versteht mich nicht falsch, ich finde Kinder toll. Aber ich bin auch froh, wenn ich irgendwann wieder von ihnen weg bin, meine nächste Reise planen und dabei Wein trinken kann. Ich finde es außerdem tip top, dass meine Brüste das bleiben, was sie sind: Schöne Accessoires zu meinen Outfits und nichts weiter! Ich feiere mich tagtäglich dafür, dass mein Körper sich niemals in den von Jabba the hut verwandeln wird, es sei denn, ich übertreibe es mit dem Junk Food. Aber nun ja, das habe ich selbst in der Hand, oder? Ich weiß, als Frau sollen wir immer sagen: „Kinder zu bekommen ist toll und Muttersein das vollkommene Glück.“ Aber es gibt gewiss auch viele, die sich manchmal denken: „Das Balg nervt.“. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das über das ein oder andere Kind auch schon gedacht habe, aber das macht mich nicht automatisch zum Misanthrop und Kinderhasser.

Mit Baby an die Belastungsgrenze
Was wirklich nervt, ist, wenn man mir ein Baby in den Arm drückt, um meinen Mutterinstinkt zu wecken. Mir die Vorzüge von einem Familienleben zu erklären, obwohl ich gerade einfach zufrieden mit dem bin, was ich habe, nämlich einen tollen Freund. Die typischen Vorzeige-Familys aus der Waschmittelwerbung sind sowieso pure Illusion. Dieses Gehabe glorifiziert die Familie. Aber machen wir uns nichts vor: In jeder Familie gibt es Spannungen, Eifersucht, negative Leidenschaften. Es ist nicht alles wie in dieser Werbung. Mütter, die gleichzeitig arbeiten und Kinder haben, sind vor allem eins: müde! Diese politische Binse, Job und Familie seien leicht zu vereinbaren, ist eine glatte Lüge. Und leider ist es in den wenigsten Fällen so, dass Mutti zuhause bleiben kann, weil sie einen Öl-Milliardär geheiratet hat. Der im Übrigen irgendwann seine Assistentin oder die Aufsichtsratsvorsitzende vögeln wird, weil er Mutti nicht mehr sexy oder schlichtweg langweilig findet. Oft verschwindet Papa auch schon vor der Niederkunft. Weil er zu jung, zu alt oder einfach zu verantwortungslos war. Oder schlichtweg nur Sex wollte. Dumm gelaufen! Ich möchte mein Leben nicht an der Grenze des Belastbaren führen. Im Gegenteil. Ich möchte viele Optionen haben. Und ich möchte noch vieles ausprobieren und erleben.

Was wäre, wenn…
Ich würde lügen, wenn ich mir nicht manchmal vorstellen würde, wie mein Kind aussehen würde. Und nicht nur das: Ich stelle mir dann vor, wie ich es anziehen, ich meine natürlich erziehen würde. Ich würde es in dem Glauben erziehen, dass die Natur und die Tiere das Wichtigste überhaupt sind und man beides schützen muss. Ich würde ihm die Stärke geben, an sich und seine Träume zu glauben. Ich würde ihm Entschlossenheit mitgeben und Kampfgeist, sich für die Dinge einzusetzen, die ihm am Herzen liegen. Mein Kind wäre gewiss kein ätzender Quälgeist, der Käfer zertrampelt und sich an der Supermarktkasse kreischend zu Boden wirft, weil er kein Überraschungs-Ei bekommt. Und obwohl ich hier und da diese Gedanken hege, habe ich nie diesen unbändigen Wunsch verspürt, wirklich Kinder haben zu wollen. Ich habe mich sehr lange damit auseinandergesetzt und mich immer wieder dagegen entschieden. Vollen Herzens und in dem Bewusstsein, dass die meisten anderen Frauen nur zu gerne Kinder hätten. Ich überlasse das Thema deshalb sehr gerne den anderen. Schade ich mir damit selbst? Nein, denn ich müsste mich verbiegen, wenn ich etwas tun würde, was mir widerstrebt. Schade ich damit der Gesellschaft? Nein, denn es gibt genug Frauen, die unbedingt Kinder haben wollen. Auch meine Mutter konnte sich nichts Schöneres vorstellen, als ein Baby großzuziehen. Sie war trotzdem berufstätig. Ich hätte diesbezüglich also auch ein Vorbild. Und will es trotzdem nicht. Ich könnte jetzt der Politik die Schuld dafür geben. Weil es in Deutschland, im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern, nur schwerlich möglich ist, Beruf und Familie zu vereinbaren. Meiner Meinung nach liegt das auch immer noch an den Nachwehen des Nationalsozialismus, weil in großen Teilen der Bevölkerung immer noch die Angst vor dem Vorwurf herrscht, eine „Rabenmutter“ zu sein. Die Wahrheit ist aber: Das spielt gar keine so große Rolle für mich. Höchstens unterbewusst. Der Hauptgrund, warum ich keine Kinder haben will, lautet: Ich bin viel zu gerne frei. Ich bin zu gerne spontan. Ich schlafe zu gerne. Ich bin zu gerne faul. Ich bin zu gerne chaotisch und unstrukturiert. Und ich liebe das Leben viel zu sehr als es mit Babyschwimmen und Kita-Suche zu verplempern. Und damit bin ich nicht alleine. Der „Club of Rome“ würde mir sogar eine Prämie zahlen für meine Kinderlosigkeit. Auch deshalb, weil ewiges Wachstum sich als Irrtum herausgestellt hat, gibt es Gruppen, die aus ökologischen Gründen jede neue Schwangerschaft als eine zu viel ansehen. Sie betrachten den Fortpflanzungsdrang des Menschen als kulturell anerzogen, nicht als unabdingbar. Ein heißes Eisen, ich weiß und ich könnte ewig so weiterschreiben, ob es nun gut oder schlecht ist, keine Kinder zu haben. Aber eines ist sicher: Wir sollten damit aufhören, Leben vergleichen zu wollen. Wenn du morgen beschließt, nach Australien auszuwandern, einen Gnadenhof für alte Tiere zu eröffnen und für den Rest deines Lebens nur noch rot zu tragen, ist das völlig okay. Wir haben nur dieses eine Leben, also sollten wir gefälligst das tun, was wir wollen und nicht das, was andere erwarten.