• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Mein Lieblingsding: Jérôme Spezial

Jérôme Foucat lebt den Traum ungezählter Männer: sein Ding ist über 30 Zentimeter. Die Rede ist natürlich von dem bekanntesten seiner legendär leckeren Baguettes, dem Jérôme Spezial, seinem Lieblingsding! Seinen Laden in der Mainzer Straße gibt es jetzt schon 19 Jahre, was nichts anderes bedeutet, als dass er mindestens zwei Generationen des Saarbrücker Feiervolks vor dem Verhungern nach langen Partynächten gerettet hat. Aber Jérôme bringt nicht nur an Wochenenden zum Sonnenaufgang schmackhaftes französisches Backwerk unter die Leute, sondern ist tagtäglich außer montags für seine Kunden da. Dahinter steckt allerdings auch ein enormes Arbeitspensum und wirklich viel Schlaf bekommt der gelernte Bäcker dabei nicht ab. Denn tatsächlich backt er auch heute noch den Großteil seines Angebotes selbst. Unterstützt von Mutter und Schwester hat er so gefühlte Milliarden von Baguettes, Brötchen und Co. auf zig Arten aufgeschnitten, belegt und überbacken und ist längst nicht mehr wegzudenken aus der Saarbrücker Gastroszene.

Clubzone März 2019

Na, das kann ja wirklich lustig werden! Wenn wir die Geschehnisse der letzten Wochen mal Revue passieren lassen und dann noch mit ins Kalkül nehmen, was die Gerüchteküche so in jüngster Zeit offenbarte, wird es auch in diesem Frühjahr genauso ungebremst und mit ordentlich Partyschmackes weitergehen wie bisher. Da war aber auch wirklich alles dabei: eine lang erwartete Eröffnung, Hammerbookings in Sachen Hip-Hop und Electronica, und die geballte Vorfreude auf Open-Air-Feiereien, die erste vorsichtige Vorboten ins Nachtleben unserer kleinen Metropole entsanden. Aber genug des Vorspiels, wir starten lieber gleich in unsere kleine Party-Rundreise durch einen ziemlich abgefahrenen Februar in unserer kleinen Metropole. Weiterlesen

VARVARA KANDAUROVA

„Ich möchte morgen besser sein als ich heute war“

Den Bildern der gebürtigen St. Petersburgerin wohnt ein ganz besonderer Zauber inne. Das gilt gleichermaßen für ihr S/W Arbeiten wie für jene in Farbe. Dieser Magie konnte sich auch die italienische Vogue nicht verschließen, die im letzten Sommer gleich 19 Fotos der Wahl-Saarbrückerin veröffentlichte. Dabei ist die eigentlich gar keine Fotografin, viel eher bildende Künstlerin und gelernte Journalistin. Bevor sie vor zehn Jahren nach Deutschland kam, hatte sie in ihrer russischen Heimat bereits Dramatische Dichtung, Werbedesign und Bildende Künste studiert. Anschließend arbeitete sie freie Journalistin, war verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Theaters „Music Hall“ in St. Petersburg und Regieassistentin im Filmstudio „Mosfilm“ in Moskau. Weiterlesen

Kopf voll

Hallo Mikrokosmonauten: Das Gehirn braucht Urlaub!

Es fällt mir immer schwerer, im alltäglichen Chaos den Durchblick zu behalten. Zwischen homosexuellen Ampelmännchen-Diskussionen und „Was könnte ich heute Abend kochen?“ liegen nun mal Welten. Und so muss mein Gehirn unzählige Male am Tag Barrieren durchbrechen und schlussendlich doch gegen Wände laufen, weil es vor der unendlichen Flut an Informationen, Fragen und Sinnlosigkeiten irgendwann kapituliert. Zu viel Input! Zu viel Feuer im Kopf! Das Ganze erreichte seinen Höhepunkt, als ich neulich meinen Schlüsselbund verlegte und ihn ganze drei (!) Stunden erfolglos suchte. Dabei erinnerte ich mich an einen lange verschollenen Bekannten, der mir einmal erzählte, dass seine Oma ihn in solchen Situationen immer angewiesen hatte, sich mit der flachen Hand gegen die Stirn zu hauen und „Kohlrübe“ zu rufen. Und danach würde sich der verlegte Gegenstand angeblich wiederfinden. In meiner grenzenlosen Verzweiflung tat ich genau das. „Kohlrübe“ rief ich und erhielt keine fünf Minuten später eine WhatsApp-Nachricht meines verschollenen Bekannten, was ziemlich komisch war. Darüber hinaus vergaß ich, dass ich ja eigentlich nach meinem Schlüsselbund suchen wollte und dachte: „Hey, nimm dir doch ein Eis aus dem Gefrierfach, du hast jetzt zwei Wochen eisern gefastet – nicht!“. Noch während ich also meinem verschollenen Bekannten eine Nachricht ins Smartphone hämmerte so in der Art: „Alter, wo hast du nur gesteckt?“, und zeitgleich ins Gefrierfach griff, ertastete ich plötzlich zwischen Eispackung und ewig altem Tiefkühl-Spinat meinen Schlüsselbund. Alter, da hat er also gesteckt! Generell nutze ich das Wort „Alter“ übrigens ungern. Es klingt so unweiblich, wenn man so spricht. Aber egal, in diesem Falle war es angebracht, weil ich unfassbar überrascht war, dass ich meine Schlüssel ausgerechnet im Gefrierfach hatte liegen lassen. Und dann dämmerte es mir: Weiterlesen

Nicht ganz im Bilde

Saß man in früherer Zeit für ein Porträt von sich noch Ewigkeiten vor der Staffelei eines Malers, um am Ende ein unhandliches Gemälde in Händen zu halten, machen wir in heutiger Zeit Dank Smartphone und Digitalkamera an einem normalen Vormittag schon einmal mehr Selfies als ein Maler im ganzen Künstlerleben auf die Leinwand bringen kann. Nach sechzig Minuten hat man da schnell mehr Fotos auf dem Handy als der eigene Großvater nach sechzig Jahren auf der Kleinbildkamera. Zumindest was Fotos betrifft, haben jüngere Deutsche den älteren Generationen in Sachen Schießen etwas voraus…

Seitdem die digitale Fotografie Einzug in unseren Alltag gehalten hat, hat sich in vielen der Drang entwickelt, alles im Bild festhalten zu müssen, was ihnen zwischen Aufstehen und Zubettgehen passiert oder begegnet. Sei es Gemüse, die aussehen wie Geschlechtsteile, oder Geschlechtsteile, die aussehen wie Gemüse. Sobald etwas von dem abweicht, das jeder hat, sieht oder kennt, wird es fotografiert. Ob nun das morgendliche Frühstück im Bett, der (oder die) mittägliche Latte im Büro, der abendliche Shrimp-Cocktail auf dem Balkon oder das nächtliche Wiedersehen mit selbigem auf der Toilette, es wird geknipst und gepostet, was aufs Bild passt…

Man möchte seine Freunde in der digitalen Welt ja wissen lassen, was einem gerade ziemlich wichtig ist, auch wenn diesen das meist ziemlich egal ist. Abgelichtete Motive sind dabei selten besonders hässlich, besonders eklig oder besonders traurig, sondern eher besonders hübsch, besonders lecker oder besonders erfreulich. Man will schließlich beneidet werden, was kaum der Fall wäre, würde man immer nur Spuren von Hundehaufen an den neuen weißen Sneakers posten. Die Intention von Social-Media-Posts im Internet ist die gleiche wie diejenige von Push-up-BHs in Diskos: Es geht darum, trotz wenig eigenem Content mit leicht Konsumierbarem zu Traffic auf all seinen Kanälen zu kommen…

In den digitalen Anfängen, als Bildpixel noch so groß wie Ritter-Sport-Tafeln waren, endete es mit Post vom Staatanwalt, wenn Unbekannte einem folgten, um Fotos vom Sonnenbaden zu ergattern. Heutzutage liefert man seinen Followern, wie Stalker jetzt heißen, solche Fotos mit eigenem Post frei Haus. Mittlerweile besitzen Jugendliche Fotos von allen, mit denen sie ins Bett gehen würden, während man früher nicht einmal Fotos von allen besaß, mit denen man im Bett war. Woher rührt das Verlangen, Fotos von alltäglichen Banalitäten wie Essen, Tieren und bedrucktem Toilettenpapier zu machen und mit Weichfiltern aus sich selbst herauszuholen, was die Natur nicht hergibt…

Man möchte um sein vermeintlich perfektes Leben beneidet werden, das in Wahrheit meist genauso gewöhnlich ist, wie das aller anderen, die Pickel am Hintern und keine Lust auf ihre Steuererklärung haben. Die scheinbar spontanen Social-Media-Schnappschüsse könnten gefakter nicht sein: Niemand joggt ohne zu schwitzen, isst nur Gesundes aus einem Jamie-Oliver-Kochbuch und hat im Urlaub stets bestes Wetter. Diesen Eindruck vermitteln jedoch Instagram, Facebook und Co. bei denjenigen, die einen ganzen Kosmos an Fotos von sich und ihrem Hipster-Leben veröffentlichen, von denen jede einzelne Aufnahme so perfekt ist als wäre sie aus einer Photoshop-Galerie herauskopiert….

Würde ich Fotos vom Joggen posten – was erfordern würde, dass ich gleichzeitig Selfies machen und Laufen kann, aber auch, dass ich jogge – wäre die Reaktion im Netz sicherlich kein „Daumen hoch“, sondern eher ein Kommentar, in dem man fragt, ob ich einen Arzt brauche. Das jedoch ist die Realität. Alle Ü30er, die ihr Spiegelbild morgens nicht wiederkennen, können beruhigt sein, da sie ebenso wenig das morgendliche Spiegelbild ihrer Internet-Freunde erkennen würden. Wer samstags früh beim Bäcker neben sich die Mutter einer Bekannten zu erkennen glaubt, mit der er seit Jahren nur Kontakt über soziale Netzwerke hat, kann meist sicher sein, dass es nicht ihre Mutter ist…

Nachbearbeitete Fotos einer Hochzeit sind noch nachvollziehbar, schließlich ist der Tag der Hochzeit bei Frauen der schönste im Leben, sieht man einmal vom Tag der Scheidung einige Jahre später ab. Über nachbearbeitete Fotos von Kindern lässt sich dagegen streiten. Vor allem wenn Mami und Papi ihren elterlichen Stolz öffentlich im Internet dadurch bekunden, dass sie mit jeder neuen Windel auch ein neues Fotos ihres Nachwuchses verbreiten, nicht aber ohne das Gesicht des Wonneproppens durch einen Sticker oder Smiley unkenntlich zu machen. Mag das dem flüchtigen Betrachter bei chinesischen Eltern mit übergewichtigen Kindern nicht direkt auffallen, stört es in allen übrigen Fällen jedoch sehr dabei, die elterliche Freude über das Familienglück zu teilen…

Für den Betrachter ist unklar, ob das Kind nach der Mutter kommt und einfach nur hässlich ist oder ob dessen Ähnlichkeiten mit dem Postboten verborgen bleiben sollen. Manchmal liest man, es sei die Angst der Eltern, das Bekanntwerden des Gesichts ihres Kindes könnte Kidnapper auf den Plan rufen. Auch wenn offen bleibt, was bei Eltern, die keine Millionäre sind, dennoch aber Entführungsangst haben, erpresst werden kann außer einem 52-Zoll-TV mit Netflix-Abo. Sollte dies wirklich Grund sein, das echte Mondgesicht seines Kindes gegen eines aus der Emoji-Sammlung zu tauschen, sollten solche Eltern ihre Kinder auch nicht ohne Tüte über dem Kopf zum Spielen rauslassen…

Der wahre Grund für das Maskieren auch außerhalb des Karnevals ist ein anderer. Es sind die Rechte am eigenen Bild und die Tatsache, dass eine junge Österreicherin nach Erlangen der Volljährigkeit nichts Besseres zu tun hatte als ihre Eltern zu verklagen, da diese ungefragt Kinderfotos von ihr gepostet hatten. Für einen schlechten Kunstgeschmack und weitreichende Entscheidungen sind Österreicher ja seit den 1930ern bekannt. Da viele Eltern nun davon auszugehen scheinen, dass ihr Erziehungstalent nicht ausreicht, dem eigenen Nachwuchs in 18 Jahren beizubringen, wegen ein paar Kinderfotos niemanden vor Gericht zu zerren, bevorzugen sie nun eben Familienfotos mit Pac-Man…

Wie immer weiß das Internet Rat, was Eltern tun sollten, wenn sie auf Social-Media nicht verzichten wollen oder können. Der Tipp, dass sich ein Kind nicht identifizieren lässt, wenn dessen Kopf fehlt, mag bei einem Mord eine recht gute Idee sein, dürfte jedoch den Spaß am Stöbern im Familienalbum nehmen, wenn Klein-Johanna darin immer nur ab dem Hals abwärts zu sehen ist und man sich später nur darüber unterhalten kann, wie sich im Laufe der Zeit ihre Füße verändert haben. Andere Tipps empfehlen, Kinder von hinten abzulichten – so wie Papi Mutti am liebsten sieht – oder im Gegenlicht bzw. unscharf zu fotografieren. Für solche Fotos kann man dann getrost die alte analoge Kamera nehmen, bei der man Falschbelichtung und Unschärfe nicht erst noch einstellen muss…

Mal ehrlich: Wenn ich nicht möchte, dass jemand meinen Nachwuchs im Internet in voller Pracht sieht, verzichte ich darauf, Familienfotos zu posten und nehme stattdessen Bilder von mir mit einem frisch bepflanzten Basilikumtopf, wenn ich zeigen möchte, dass ich stolz auf meinen Sproß bin. Wenn ich mit dem irgendwann vor einem Gericht landen sollte, dann zumindest vor einem von Jamie Oliver. Nicht ganz im Bilde…  gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Um 100 Fotos einer 16 Megapixel-Kamera zu speichern, braucht es 400 Disketten.

Clubzone Februar 2019

Herzlich willkommen liebe Zielgruppe! Auf geht’s mit Gebrüll ins pralle Nachtleben, um mal nachzuschauen, was der Januar so an Ausnahmezuständen bereit gehalten hat. So schnell kann’s gehen, schon ist ein Zwölftel des neuen Partyjahres schon wieder dahin. Aber das ist ja auch kein Wunder, dass hier die Zeit scheinbar fliegt, denn die gesamte Club- und Partyszene hat immerhin genau so flott weitergefeiert wie im letzten Jahr. Wer da eine Pause braucht, hat schon verloren, schließlich sind wir ja alle nicht zum Spaß hier, und die Zeiten in denen der Januar eher als Feiermonat mit angezogener Handbremse von sich reden machte, sind Gott sei Dank längst vorbei. Weiterlesen

Schöne neue Arbeitswelt

Früher war alles besser oder zumindest anders und die Zukunft hat es in sich – auch im Saarland. Die zunehmende Digitalisierung der Produktionsprozesse wird längst unter dem Stichwort Industrie 4.0 zusammengefasst. Höchste Zeit, die möglichen Veränderungen und Chancen in der Berufswelt ins Auge zu fassen. Willkommen bei der Arbeit 4.0

Arbeiten 4.0  stellt sich natürlich digitaler und vernetzter dar. Die Ursachen hierfür sind modernste Technologien und daraus resultierende ungekannte Optionen der Kommunikation von Maschinen untereinander. So werden sich in den verschiedensten Branchen neue Wertschöpfungsketten etablieren, was schlussendlich den Arbeitsmarkt volatiler machen wird. Eine so neu definierte und optimierte Verknüpfung von Mensch und Maschine erfordert aber auch neue Qualifikationen der Arbeitnehmer.

Mit diesen technisch bedingten Umwälzungen gehen gesellschaftliche Neuerungen einher, die ein Überdenken der Bedeutung des Begriffs Arbeit nötig machen. Es manifestieren sich veränderte Ansprüche an Arbeit an sich und nach mehr Freiraum bei der Ausgestaltung der eigenen Arbeit. Das wird zu einer zumindest teilweisen Auflösung der althergebrachten Erwerbsformen führen. Beispielsweise wird die klare Unterscheidung in angestellt und selbstständig oder Teil- und Vollzeit immer weniger möglich und in der Arbeitswelt der Zukunft entsprechend auch keine Rolle mehr spielen. Diese Entwicklung zeichnet sich ja auch heute schon unübersehbar ab, beziehungsweise ist bereits Wirklichkeit.

 

Dienstleistung – die Industrie der Zukunft?

Mit einem Blick auf den Strukturwechsel hier am ehemaligen Schwerindustriestandort muss man sich fragen, haben die Saarländer da tatsächlich mal was richtig gemacht? Der saarländischen Wirtschaft geht es gar nicht so schlecht und der Strukturwandel weg von der Kohle hin zu IT scheint soweit gelungen. Nicht wenige Fachleute sehen im einstigen Kohle- und Stahlrevier die deutsche Nummer Eins in der Informatik. Die beruflichen Perspektiven in der hiesigen IT- und Forschungslandschaft, innovative Unternehmen und renommierte Forschungsinstitute (u.a. CISPA, Max-Planck Institute oder das DFKI) mit mehr als 6.000 Arbeitsplätzen machen unser schönstes Bundesland der Welt zum IT-Hotspot. Inzwischen haben die Unternehmen jedoch ebenfalls das Problem, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Viele junge, gut ausgebildete Saarländer verlassen die Region und gehen zum Arbeiten in die Metropolen, die Geburtenrate ist so niedrig wie in keinem anderen Bundesland. Bis Mitte 2020 wird der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung im Saarland doppelt so stark zurückgehen wie im Bundesdurchschnitt.

Im gleichen Zeitraum unterstreicht der fortlaufende Wandel mehr und mehr die Bedeutung des Dienstleistungsbereich, während die Industriearbeit für das deutsche exportorientierte Wirtschaftsmodell immer noch unabdingbar scheint. Aktuell arbeiten 75 Prozent aller Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor. Damit hat sich Zahl der Dienstaleister in den letzten 50 Jahren verdoppelt. Die Industriearbeit in den produzierenden Gewerben ging hingegen um 3,5 Millionen Arbeitsplätze zurück. Dieser Rückgang fußt größtenteils auf Auslagerungen von Diensten, die früher in den Produktionsunternehmen direkt angesiedelt waren und in den letzten Jahren outgesourced wurden. Die Wertschöpfung im Industriebereich ist zunehmend an Dienstleistungen der Information und Kommunikation gebunden und aufgrund dessen sehr IT – und arbeitsintensiv. Jene Kommunikations- und Informationstechnologien sind ortsungebunden, weltweit verfügbar. Das bedeutet, dass Mobilität was Arbeits- und/oder Wohnort angeht kein Kriterium mehr sein wird und beispielsweise Umzüge wegen Arbeitsplatzwechsel der Vergangenheit angehören werden.

Die Art und Weise, wie wir in Zukunft arbeiten, wird sich grundlegend ändern. Darin sind sich Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft überraschend einig. Wie schnell sich dieser digital verursachte Wandel vollzieht, was er für den Menschen bedeutet und vor allem, wie man ihn sinnvoll gestaltet, darüber gehen die Ansichten allerdings weit auseinander. Schnell wird jedoch klar, dass in der Arbeit der Zukunft dank Automatisierung, künstlicher Intelligenz, Smart Data und Co. viele Aufgabenfelder, die heute noch menschliche Arbeitskraft benötigen, zukünftig von Maschinen übernommen werden. Die Arbeitswelt von Morgen steht also mitnichten für Mitarbeiter, die weitergebildet werden müssen und digitales Know-how benötigen, denn der digitale Wandel verlagert die Anforderungen an den Menschen weg von technischem Können und reinem Wissen, hin zum Schöpferischen und Kreativen.

 

Kinder an die Macht

Außerdem wird das Streben nach mehr Transparenz, Flexibilität und nach einer optimaleren Verbindung von Familie und Beruf und vor allem nach Sinnhaftigkeit maßgeblich durch die junge Generation der Arbeitnehmer, die Generation Y oder die zwischen 1980 und 2000 geborenen „Millenials“ geprägt. Sie als hauptsächlich Betroffene schaffen sich längst selbst die Arbeitswelt von Morgen. Aber auch ganz allgemeine, gesellschaftliche Trends, von der steigenden Individualisierung über Globalisierung und Mobilität bis hin zur immer bedeutenderen Rolle von Nachhaltigkeit haben einen massiven Einfluss auf das Verständnis der „Jungen“ von moderner Arbeit. Und dies alles vor dem Hintergrund, dass nach einer Studie des Weltwirtschaftsforum (WEF) schon 2025 Maschinen mehr Arbeitsstunden leisten als Menschen. Dabei entstehen zwar Millionen neue Jobs, für die aber kaum jemand qualifiziert ist. Nicht weil zu wenig gewusst wird, sondern weil schlichtweg das falsche erlernt wurde. Fähigkeiten, die heute als „Soft Skills“ eingeordnet werden, sind die „Hard Skills“ der Arbeitswelt der Zukunft – und die entscheidenden.

Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) kommt zu dem Schluss: „Die zunehmende Digitalisierung wird mit einer merklichen Umgestaltung der Arbeitswelt einhergehen, und in diesem Prozess werden Bildung und Weiterbildung der Beschäftigten eine zentrale Rolle übernehmen“. Ohne eine aktive Schulungsstrategie werden ganze Wirtschaftszweige und die dort beschäftigten Arbeitnehmer bei der vierten industriellen Revolution, also der umfassenden Digitalisierung der Wirtschaft, den Kürzeren ziehen. Unterm Strich wird fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland in den nächsten Jahren für mehr als drei Monate weitergebildet werden müssen, um seine Fähigkeiten auf die Arbeit der Zukunft anzupassen. Zehn Prozent sogar länger als ein Jahr, während nur 46 Prozent der Menschen kurz- und mittelfristig keiner Schulung bedürfen werden.

Tatsächlich achten heute schon signifikant viele Unternehmen bei der Suche nach neuen Mitarbeitern auf Fähigkeiten und Qualifikationen rund um künstliche Intelligenz und Big Data auskennen. Dabei kommen immer öfter Freiberufler, Zeitarbeiter und externe Partner ins Spiel, was mittelbar dazu führt, dass die lebenslangen Job der Nachkriegsgeneration bei einem Arbeitgeber praktisch aussterben wird. Wer sich auf die neuen Bedingungen der Arbeitswelt nicht einzustellen vermag, wird eher früher als später seine Arbeitsstelle verlieren.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Wer also im Job ist, sollte sich klar werden, wie seine berufliche Zukunft aussehen soll – und insbesondere, ob und welche Aus- oder Weiterbildungsmaßnahmen Sinn machen oder sogar nötig werden könnten. Ebenso ist es Arbeitssuchenden dringend angeraten, zwar ihre Richtung zu kennen, aber bei Schulungsmaßnahmen darauf zu achten, nicht zu fachspezifisch zu werden. Neue Berufsfelder immer mit zu denken, die bisher noch gar nicht im Fokus der Zukunftsüberlegungen standen kann genauso wenig schaden, wie die Möglichkeiten einer grundlegenden Neupositionierung. In vielen Unternehmen werden in naher Zukunft die bisherigen Soft-Skills rund um Themen wie Projektmanagement, digitale Kommunikation, Prozess- oder Qualitätsmanagement von größerer Bedeutung sein als reines Fach- und Faktenwissen eines einstmals klar umschriebenen Tätigkeitsfelds. Umso einfacher wird entsprechend auch der Wechsel von einer Arbeitsumgebung in eine andere.

Wenn es einen Segen der Arbeitslosigkeit gibt, dann ist es der, dass es in dieser Zeit die besten Förderungsmöglichkeiten für Weiterbildung gibt. Von den Lehrgangskosten, über Prüfungsgebühren bis hin zu Fahrtkosten. Es ist die beste Zeit nach Ausbildung oder Studium, um konzentriert an der eigenen Bildung zu arbeiten. Eigentlich sollte es nicht Arbeitslosigkeit, sondern Bildungszeit heißen, zumal hier die Möglichkeit besteht, Bildung zu 100 Prozent durch die Arbeitsagentur für Arbeit finanzieren zu lassen. Für Berufstätige gibt es diese Möglichkeiten – bis auf kurzfristige Seminare – in diesem Umfang eher nicht. Es gibt den Bildungsscheck, der in der Regel bei 500 Euro der Weiterbildungskosten gedeckelt ist. Wer eine Fortbildung absolviert, die über mehrere Jahre geht, wie etwa der klassische IHK-Meister, dann gibt es das sogenannte Aufstiegs-Bafög, mit dem ein Großteil der Weiterbildungskosten gefördert wird. Ob arbeitssuchend oder angestellt, die Zeit der Jobsuche ist immer auch die Chance, sich neu aufzustellen und sich weiter zu entwickeln. Zeit, um die eigenen Themen im Leben und Beruf auf einen aktuellen Stand zu bringen sowie solche Themen durch Recherche und Gespräche anzugehen, die für die eigene Zukunft im Arbeitsmarkt von morgen wichtig sein werden.

Zehn Jahre später

Hallo Mikrokosmonauten: Erinnert ihr euch noch an 2009?

Bei Instagram läuft gerade die #10yearchallenge. Das heißt, man postet zwei nebeneinander positionierte Bilder von sich selbst: Ein aktuelles und eins von vor zehn Jahren. Die Challenge verfolgt keinen bestimmten Zweck, es soll lediglich Aufmerksamkeit erzeugen. Aber in einem selbst wirft es die Frage auf:

Habe ich mich verändert?

Zuerst einmal ist genau diese Frage an das eigene Aussehen gerichtet. Ist man dicker oder dünner? Stilsicherer? Ansprechender? Und darauf folgt dann der ganze Rest: Wie war das eigene Leben vor zehn Jahren? War es besser, schlechter, aufregender, langweiliger? Was hatte man damals für Träume und Wünsche? Und dann geht das Gedankenspiel in eine weitere Runde. Denn man überlegt, was sich zwischen diesen beiden Bildern alles abgespielt hat. Trennungen, Liebe, neue Jobs, Reisen. Man fragt sich, was man verloren hat und was dazukam. Alles in allem zeigt dieser neue Hype aber besonders eins: Wir schwelgen unheimlich gerne in Erinnerungen.   Weiterlesen

Paradiesische Zeiten

Jeder hat schon vom Paradies gehört, ob nun als Creme, als Vogel oder als Ort, an den die kommen, die Kirchensteuer zahlen. Während Verkäufer beim TV-Shopping die Ansicht vertreten, dass schon der Kauf eines Staubsaugers genügt, um den Himmel auf Erden oder zumindest auf den Teppich zu bringen, sind die meisten anderen Menschen der Meinung, Glückseligkeit warte erst, wenn man das Irdische hinter sich hat und dem hellen Licht entgegentritt. Wer das Ende des Tunnels schon erblickt hat, sich dann aber doch noch einmal für den Rückweg entschlossen hat, widerspricht dieser Erwartung: Am Ende des Tunnels warten nicht Adam und Eva, sondern lediglich Perl und Cattenom…

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Zeit  für Echt

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst die Masken fallen! Manchmal.

In meinem bisherigen Leben hatte ich immer das Glück, auf viele interessante Menschen zu treffen. Liegt vielleicht daran, dass ich stets herausfinden möchte, wer sich hinter der Fassade verbirgt. Aber eigentlich schon seltsam, dass man überhaupt hinter eine Fassade blicken muss, um das wahre Gesicht eines Menschen kennenzulernen. Aber na ja, ist vielleicht so, weil man mit dem Leben immer konform gehen möchten. Oder weil wir Gefühle verdrängen, weil es vieles leichter macht. Oder aber weil wir zuweilen einfach unsichere Wesen sind, die sich hinter einer Maske viel wohler fühlen. Und ein jeder Mensch, der uns im Leben begegnet, ist ohnehin entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk. Dies gilt es wohl bei jeder Begegnung herauszufinden. Und trägt man dabei vorerst Maske, ist die Enttäuschung hinterher vielleicht nicht so groß. Latex wäre in diesem Zusammenhang aber eher suboptimal. Wie auch immer stelle ich mir aber die Frage:

 

„Wer bist du?“ Und: „Wer bin ich?“

Fast überall da draußen bekommen wir stets zu hören, dass man doch bitte so sein soll, wie man wirklich ist, denn so wie man ist, ist man toll. Angeblich. Egal, ob im Beruf oder im Privatleben: Authentizität soll gefälligst gelebt werden. Angeblich. Niemand steht auf diesen aufgesetzten Schmu! Angeblich. Aber wenn man dann so ist, wie man ist, ist genau das irgendwann der Grund dafür, dass man uns kritisiert oder sich gar von uns abwendet. Weil man so, wie man ist, offensichtlich doch nicht so toll ist. Tatsache! Denn dann ist man auf einmal zu ehrlich. Zu kompliziert. Und schlussendlich einfach zu schwierig für alle Beteiligten. Also war das Maskerade-Spielchen dann wohl doch besser, oder wie? Wir predigen alle etwas von Offenheit und Echtheit, aber bleiben im Grunde doch immer nur an der seichten Oberfläche. Übrigens eines meiner Lieblingsthemen: Oberflächlichkeit. Verfluchte Scheiße, ich sollte  Bücher darüber schreiben. Nichts stimuliert mich intellektuell mehr als Gespräche über Oberflächlichkeit oder über Tiefe.

 

Kennt heutzutage kaum noch jemand. Es sei denn, man starrt in die Tiefe seines noch halb vollen Weinglases. Oder halb leeren. Wie man es sieht. Ein jeder redet zwar von kernerschütternden Begegnungen, von Belang und Tragweite. Von Geradlinigkeit und Offenheit. Aber die wenigsten wagen sich auch nur in die Nähe dieser Dinge. Uargh, viel zu anstrengend! Das ist genauso, wie wenn man immer nur davon spricht, ein fernes Land zu bereisen, dies aber nie in die Tat umsetzt.

 

Switch on – Switch off

Da wir es offenbar perfektioniert haben, unseren eigenen Schalter des Scheins nach Belieben an- und auszuknipsen und uns aalglatt an alle Gegebenheiten des Lebens  und des Berufs anzupassen, nur, um immer möglichst gut dazustehen oder nicht anzuecken, fällt es anderen immer schwerer uns richtig einzuschätzen. Bereits in den achtziger Jahren stellten Psychologen die bis dahin gängige Lehrmeinung in Frage, eine möglichst realistische Wahrnehmung der Welt sei quasi unerlässlich für die geistige Gesundheit. Immer mehr Studien zeigten damals, dass gut angepasste, „normale“ Personen mit einer Reihe von sogenannten positiven Illusionen leben – die ihr Selbstbild in ein besseres Licht rücken, als es objektiv geboten wäre. Schlecht ist so etwas ja nicht, aber ist Illusionen nicht so etwas wie ein Nahrungsergänzungsmittel für die Seele?

 

Weg von der Illusion – zurück zum echten Leben!

Trugbilder, Selbsttäuschung, Fiktion: Mogelpackungen gibt es zwar überall, aber gelegentlich stellt man fest, dass sich dahinter auch etwas Echtes verbirgt, das eben nur noch selten zum Vorschein kommt. Zu hoch scheint die Gefahr, dass das süße Leben aus stumpfsinnigen Aktivitäten, unaufrichtigen Küssen, übertriebenen Status-Symbolen oder Erfolg im Job nun mal vorbei ist, wenn man die Maske gänzlich ablegt. Andererseits stellt sich mir aber auch gleichzeitig die Frage:

 

Gibt es eigentlich Teilzeit-Masken?

Denn bis zu einem gewissen Grad brauchen wir sie im Leben vielleicht doch, die verspielten Worte, die die kalte Wahrheit etwas aufhübschen. Oder das souveräne Lächeln, das den Chef glauben lässt, dass du doch nicht so ne hohle Nuss bist. Oder einfach den Charme, den man spielen lässt, damit es mit dem Vertrag klappt. So ein bisschen Maskerade kann nicht schaden, solange sie einem steht und man sie mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Aber ich bin ehrlich: Seit ich denken kann, lasse ich mich ungerne an etwas fesseln. Sei es an Tätigkeiten, die ich eigentlich nicht mag oder Dinge, die ich nicht brauche. Noch jedes Mal nahm ich reiß aus, sobald mein Herz mir keine eindeutige Botschaft vermittelte, dass es echt ist. Zuweilen lasse ich mich auf der Welle der Wahrheit treiben und sage sie jedem, der sie hören will oder zumindest verkraften kann. Es ist so ein bisschen wie Tourette. Und nochmal zurück zur Maske: Ich kann sie einfach nicht ständig tragen und will es auch nicht zumal ich finde, dass ich ohne jetzt auch nicht unbedingt ausschaue, wie Frankensteins Tochter. Es hält sich im Rahmen.

 

Am Ende ist es doch so: Der schöne Schein ist immer nur temporär interessant. Aber er hält uns in einem Käfig aus Eitelkeit, Oberflächlichkeit und zuweilen auch Gleichgültigkeit gefangen. Wer ausbrechen möchte, muss mutig und authentisch sein. Und vor allem stark genug. Viele schaffen es jedoch nicht, auszubrechen und bleiben ihr Leben lang nur Schauspieler, sind Gefangene ihres eigenen Egos und verbieten sich ihre eigene Freiheit. Und das ist wahrlich kein Luxus!

 

Doch eines ist gewiss: Die Mutigen unter uns, die echt sind, bleiben auch echt. Und finden ihresgleichen. Immer.

 

Bin ich ihnen nicht schon Maske genug? (Johann Wolfgang von Goethe)