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Kopf voll

Hallo Mikrokosmonauten: Das Gehirn braucht Urlaub!

Es fällt mir immer schwerer, im alltäglichen Chaos den Durchblick zu behalten. Zwischen homosexuellen Ampelmännchen-Diskussionen und „Was könnte ich heute Abend kochen?“ liegen nun mal Welten. Und so muss mein Gehirn unzählige Male am Tag Barrieren durchbrechen und schlussendlich doch gegen Wände laufen, weil es vor der unendlichen Flut an Informationen, Fragen und Sinnlosigkeiten irgendwann kapituliert. Zu viel Input! Zu viel Feuer im Kopf! Das Ganze erreichte seinen Höhepunkt, als ich neulich meinen Schlüsselbund verlegte und ihn ganze drei (!) Stunden erfolglos suchte. Dabei erinnerte ich mich an einen lange verschollenen Bekannten, der mir einmal erzählte, dass seine Oma ihn in solchen Situationen immer angewiesen hatte, sich mit der flachen Hand gegen die Stirn zu hauen und „Kohlrübe“ zu rufen. Und danach würde sich der verlegte Gegenstand angeblich wiederfinden. In meiner grenzenlosen Verzweiflung tat ich genau das. „Kohlrübe“ rief ich und erhielt keine fünf Minuten später eine WhatsApp-Nachricht meines verschollenen Bekannten, was ziemlich komisch war. Darüber hinaus vergaß ich, dass ich ja eigentlich nach meinem Schlüsselbund suchen wollte und dachte: „Hey, nimm dir doch ein Eis aus dem Gefrierfach, du hast jetzt zwei Wochen eisern gefastet – nicht!“. Noch während ich also meinem verschollenen Bekannten eine Nachricht ins Smartphone hämmerte so in der Art: „Alter, wo hast du nur gesteckt?“, und zeitgleich ins Gefrierfach griff, ertastete ich plötzlich zwischen Eispackung und ewig altem Tiefkühl-Spinat meinen Schlüsselbund. Alter, da hat er also gesteckt! Generell nutze ich das Wort „Alter“ übrigens ungern. Es klingt so unweiblich, wenn man so spricht. Aber egal, in diesem Falle war es angebracht, weil ich unfassbar überrascht war, dass ich meine Schlüssel ausgerechnet im Gefrierfach hatte liegen lassen. Und dann dämmerte es mir: Weiterlesen

Zehn Jahre später

Hallo Mikrokosmonauten: Erinnert ihr euch noch an 2009?

Bei Instagram läuft gerade die #10yearchallenge. Das heißt, man postet zwei nebeneinander positionierte Bilder von sich selbst: Ein aktuelles und eins von vor zehn Jahren. Die Challenge verfolgt keinen bestimmten Zweck, es soll lediglich Aufmerksamkeit erzeugen. Aber in einem selbst wirft es die Frage auf:

Habe ich mich verändert?

Zuerst einmal ist genau diese Frage an das eigene Aussehen gerichtet. Ist man dicker oder dünner? Stilsicherer? Ansprechender? Und darauf folgt dann der ganze Rest: Wie war das eigene Leben vor zehn Jahren? War es besser, schlechter, aufregender, langweiliger? Was hatte man damals für Träume und Wünsche? Und dann geht das Gedankenspiel in eine weitere Runde. Denn man überlegt, was sich zwischen diesen beiden Bildern alles abgespielt hat. Trennungen, Liebe, neue Jobs, Reisen. Man fragt sich, was man verloren hat und was dazukam. Alles in allem zeigt dieser neue Hype aber besonders eins: Wir schwelgen unheimlich gerne in Erinnerungen.   Weiterlesen

Zeit  für Echt

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst die Masken fallen! Manchmal.

In meinem bisherigen Leben hatte ich immer das Glück, auf viele interessante Menschen zu treffen. Liegt vielleicht daran, dass ich stets herausfinden möchte, wer sich hinter der Fassade verbirgt. Aber eigentlich schon seltsam, dass man überhaupt hinter eine Fassade blicken muss, um das wahre Gesicht eines Menschen kennenzulernen. Aber na ja, ist vielleicht so, weil man mit dem Leben immer konform gehen möchten. Oder weil wir Gefühle verdrängen, weil es vieles leichter macht. Oder aber weil wir zuweilen einfach unsichere Wesen sind, die sich hinter einer Maske viel wohler fühlen. Und ein jeder Mensch, der uns im Leben begegnet, ist ohnehin entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk. Dies gilt es wohl bei jeder Begegnung herauszufinden. Und trägt man dabei vorerst Maske, ist die Enttäuschung hinterher vielleicht nicht so groß. Latex wäre in diesem Zusammenhang aber eher suboptimal. Wie auch immer stelle ich mir aber die Frage:

 

„Wer bist du?“ Und: „Wer bin ich?“

Fast überall da draußen bekommen wir stets zu hören, dass man doch bitte so sein soll, wie man wirklich ist, denn so wie man ist, ist man toll. Angeblich. Egal, ob im Beruf oder im Privatleben: Authentizität soll gefälligst gelebt werden. Angeblich. Niemand steht auf diesen aufgesetzten Schmu! Angeblich. Aber wenn man dann so ist, wie man ist, ist genau das irgendwann der Grund dafür, dass man uns kritisiert oder sich gar von uns abwendet. Weil man so, wie man ist, offensichtlich doch nicht so toll ist. Tatsache! Denn dann ist man auf einmal zu ehrlich. Zu kompliziert. Und schlussendlich einfach zu schwierig für alle Beteiligten. Also war das Maskerade-Spielchen dann wohl doch besser, oder wie? Wir predigen alle etwas von Offenheit und Echtheit, aber bleiben im Grunde doch immer nur an der seichten Oberfläche. Übrigens eines meiner Lieblingsthemen: Oberflächlichkeit. Verfluchte Scheiße, ich sollte  Bücher darüber schreiben. Nichts stimuliert mich intellektuell mehr als Gespräche über Oberflächlichkeit oder über Tiefe.

 

Kennt heutzutage kaum noch jemand. Es sei denn, man starrt in die Tiefe seines noch halb vollen Weinglases. Oder halb leeren. Wie man es sieht. Ein jeder redet zwar von kernerschütternden Begegnungen, von Belang und Tragweite. Von Geradlinigkeit und Offenheit. Aber die wenigsten wagen sich auch nur in die Nähe dieser Dinge. Uargh, viel zu anstrengend! Das ist genauso, wie wenn man immer nur davon spricht, ein fernes Land zu bereisen, dies aber nie in die Tat umsetzt.

 

Switch on – Switch off

Da wir es offenbar perfektioniert haben, unseren eigenen Schalter des Scheins nach Belieben an- und auszuknipsen und uns aalglatt an alle Gegebenheiten des Lebens  und des Berufs anzupassen, nur, um immer möglichst gut dazustehen oder nicht anzuecken, fällt es anderen immer schwerer uns richtig einzuschätzen. Bereits in den achtziger Jahren stellten Psychologen die bis dahin gängige Lehrmeinung in Frage, eine möglichst realistische Wahrnehmung der Welt sei quasi unerlässlich für die geistige Gesundheit. Immer mehr Studien zeigten damals, dass gut angepasste, „normale“ Personen mit einer Reihe von sogenannten positiven Illusionen leben – die ihr Selbstbild in ein besseres Licht rücken, als es objektiv geboten wäre. Schlecht ist so etwas ja nicht, aber ist Illusionen nicht so etwas wie ein Nahrungsergänzungsmittel für die Seele?

 

Weg von der Illusion – zurück zum echten Leben!

Trugbilder, Selbsttäuschung, Fiktion: Mogelpackungen gibt es zwar überall, aber gelegentlich stellt man fest, dass sich dahinter auch etwas Echtes verbirgt, das eben nur noch selten zum Vorschein kommt. Zu hoch scheint die Gefahr, dass das süße Leben aus stumpfsinnigen Aktivitäten, unaufrichtigen Küssen, übertriebenen Status-Symbolen oder Erfolg im Job nun mal vorbei ist, wenn man die Maske gänzlich ablegt. Andererseits stellt sich mir aber auch gleichzeitig die Frage:

 

Gibt es eigentlich Teilzeit-Masken?

Denn bis zu einem gewissen Grad brauchen wir sie im Leben vielleicht doch, die verspielten Worte, die die kalte Wahrheit etwas aufhübschen. Oder das souveräne Lächeln, das den Chef glauben lässt, dass du doch nicht so ne hohle Nuss bist. Oder einfach den Charme, den man spielen lässt, damit es mit dem Vertrag klappt. So ein bisschen Maskerade kann nicht schaden, solange sie einem steht und man sie mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Aber ich bin ehrlich: Seit ich denken kann, lasse ich mich ungerne an etwas fesseln. Sei es an Tätigkeiten, die ich eigentlich nicht mag oder Dinge, die ich nicht brauche. Noch jedes Mal nahm ich reiß aus, sobald mein Herz mir keine eindeutige Botschaft vermittelte, dass es echt ist. Zuweilen lasse ich mich auf der Welle der Wahrheit treiben und sage sie jedem, der sie hören will oder zumindest verkraften kann. Es ist so ein bisschen wie Tourette. Und nochmal zurück zur Maske: Ich kann sie einfach nicht ständig tragen und will es auch nicht zumal ich finde, dass ich ohne jetzt auch nicht unbedingt ausschaue, wie Frankensteins Tochter. Es hält sich im Rahmen.

 

Am Ende ist es doch so: Der schöne Schein ist immer nur temporär interessant. Aber er hält uns in einem Käfig aus Eitelkeit, Oberflächlichkeit und zuweilen auch Gleichgültigkeit gefangen. Wer ausbrechen möchte, muss mutig und authentisch sein. Und vor allem stark genug. Viele schaffen es jedoch nicht, auszubrechen und bleiben ihr Leben lang nur Schauspieler, sind Gefangene ihres eigenen Egos und verbieten sich ihre eigene Freiheit. Und das ist wahrlich kein Luxus!

 

Doch eines ist gewiss: Die Mutigen unter uns, die echt sind, bleiben auch echt. Und finden ihresgleichen. Immer.

 

Bin ich ihnen nicht schon Maske genug? (Johann Wolfgang von Goethe)

 

 

 

 

 

 

 

Same procedure as…

Hallo Mikrokosmonauten: Notlügen zu Weihnachten sind erlaubt! 

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber dieses Jahr bin ich erst spät im weihnachtlichen Taumel angekommen. Obwohl im Vorfeld alles wie immer war: Die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen hing ab Ende Oktober, den Lebkuchen gab es schon vorher. Und ab September weichten die Sommerkleidchen den kratzigen Wollpullis. Zumindest im Einzelhandel. Ich habe mich dieses Jahr echt schwer getan, mir einzugestehen, dass jetzt wieder die Zeit beginnt, in der es früher dunkel wird und die Welt ein Stückchen an Farbe verliert, nachdem auch die letzten goldenen Blätter von den Bäumen gefallen sind. An Farbe verlieren auch wir, denn die Sommerbräune verabschiedet sich mehr und mehr und das von der Sonne ausgebleichte Haupthaar bekommt wieder diesen verwahrlosten Straßenköter-Touch, obwohl man längst keiner mehr ist. Ich bin erschüttert, dass nun ein weiteres Weihnachten ganz nonchalant anmarschiert kommt, als hätte man sehnlichst drauf gewartet. Haben wir nämlich irgendwie nicht. Offen gestanden war ich immer Fan von Weihnachten. Aber dieses Jahr erscheint es mir ferner denn je, zumindest in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe. Denn Weihnachten und die Wochen davor – da bin ich mir sicher – ist auch die Zeit von Lug und Trug. Ich frage mich deshalb jedes Jahr aufs Neue:

„Täuschen wir ihn nur vor, den Weihnachtstaumel-Freudentanz?“

Ich ertappe mich ja besonders in der Vorweihnachtszeit dabei, wie ich mir selbst den Jutesack voll lüge. Das fängt beim Gebäck an. Ein Lebkuchen hat fünf Weight-Watchers-Punkte. Ist nicht viel, aber ich will mir jedes Jahr aufs Neue partout nicht eingestehen, dass mein Lebkuchen in Wahrheit 500 Gramm wiegt und aus zwanzig Einzelteilen besteht. Und de facto 100 Weight-Watchers-Punkte hat, was einem Extra-Punkte-Puffer von etwa drei Wochen gleichkommt, das ich in nur fünf Minuten aufbrauche. Mein Selbstbetrug wiegt übrigens etwa zwei Kilo. Aber okay, wir Menschen haben ja die seltsame Angewohnheit, uns gerne selbst glücklich zu machen. Passt die Hose nicht mehr, kaufen wir uns einfach eine mit Gummibund und fühlen uns gleich so, als hätte es das Malheur nie gegeben. Bei Glühwein ist das nichts anderes. Denn wie so oft gestehen wir uns auch hier nicht ein, dass wir das Gebräu eigentlich hassen, da zu viel Zucker und Nelkengestank, aber wir uns förmlich hingerissen fühlen, in der vorweihnachtlichen Träumerei davon zu kosten und das nicht zu knapp. Spätestens nach dem ersten verklebten Schnabeltassen-Stiefel auf dem Weihnachtsmarkt wissen wir: „Stimmt, so geil ist der gar nicht.“, und sollten spätestens jetzt die Finger davon lassen. Da aber Weihnachten ist, suggeriert uns das Gehirn, dass wir gerade jetzt und hier Unmengen Zuckerwein in uns hineinschütten müssen, weil das halt so ist. Ich wechsele ja irgendwann immer von Glühwein zu diesen anderen niedlichen Getränken mit neckischen Namen, die wie Erotik-Spielzeug klingen. „Blonder Engel“ oder „Süßer Traum“ zum Beispiel. Leider halten auch die nur bedingt, was sie versprechen, denn süße Träume habe ich davon nie. Eher Sodbrennen. Aber was soll’s, es ist Weihnachtszeit und man malt sich die Welt in dieser Zeit kunterbunt und bestäubt sie sogar noch mit Puderzucker. Dass der Puderzucker für manche auf illegalem Wege auf dem Zimtsternchen gelandet zu sein scheint, ist dann wohl auch wahrhaftig der absolute „Vanillegipferl“! Nun denn, in welchem Orbit wir uns in der vorweihnachtlichen Zeit nun wirklich befinden, lässt sich nur erahnen. Jedoch frage ich mich:

„Was wäre Weihnachten, wenn wir immer unverblümt ehrlich wären?“

Wahrscheinlich das Fest der Hiebe.

Denn gehen wir auf das vermeintliche Fest der Liebe zu, erreicht der Schummelmarathon seinen Höhepunkt. Spätestens dann, wenn man eröffnet bekommt, dass die unbeliebte Tante samt griesgrämigem Gatten jetzt doch zur Heiligabend-Völlerei eingeladen wurde und zusätzlich auch noch Mitbestimmungsrecht erhält, was auf den Tisch kommt, während man selbst noch nicht mal einen Hauch Entscheidungsgewalt hat, wer an den Tisch kommt und das auch nicht ehrlich sagen darf. „Des Lieben Frieden Willens.“, hallt es dann aus dem Alibi-Requisiten-Lager der eigenen Truppen, während man selbst insgeheim bereits die Messer wetzt, weil eine feindliche Belagerung der Weihnachtstafel droht. Weihnachten mit der ganzen Familie an einem Tisch zu sitzen mag zwar in der Phantasie wie das fröhliche Weihnachtsmann-Hauptquartier wirken, kann aber in Wahrheit eine Schlittenfahrt in die Hölle bedeuten. Die Antwort liegt ganz allein im Wein. Ein Glas zu viel des guten Rebensaftes kann in weihnachtlicher Gesellschaft eine ganze Familie entzweien. Vielleicht, weil in vino immer noch mit veritas einhergeht oder weil einige ihn schlichtweg nicht vertragen. So manch einer ist an einer geschmückten Tafel schon in den Genuss von Ohrfeigen zum Lamm gekommen. Habe ich gehört. Die Wahrheit, Freunde, ist zuweilen ein ganz schön garstiger Wichtel, deshalb sollte man sie zu Weihnachten innerhalb der Familie tunlichst vermeiden. Gleiches gilt auch bei einem ähnlich leidigen Thema: Den Geschenken. Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue, weshalb wir im Vorfeld stets tönen, dass wir uns dieses Jahr nichts zu Weihnachten schenken, aber dieses Nichts dann am Ende noch möglichst schön in Goldpapier wickeln? Diese Flötentöne können jedenfalls ganz schön böse ausgehen, spätestens dann, wenn man sich wirklich daran hält. So kam mir neulich zu Ohren, dass ein Pärchen über Monate vor Weihnachten bereits bei jeder sich bietenden Gelegenheit betonte, sich an Weihnachten nichts zu schenken. Und sich auch wirklich mal daran zu halten, denn die Jahre zuvor war es ähnlich abgelaufen, aber man brachte es dann nie übers Herz, wirklich nichts zu schenken. Nun ja, diesmal jedoch setzte der männliche Part des Paares es tatsächlich in die Tat um und schenkte – oh Wunder – nichts. Ich war nicht dabei, als sie ihm freudestrahlend am Heiligen Abend die Schlüssel eines Oldtimer-Cabrios überreichte, das mit Schleifchen in der Kies-Auffahrt stand. Ich war auch nicht anwesend, als sich um seine Nasenspitze herum eine leichte Blässe bildete und ihr Lächeln versiegte, als er ihr sein „Nichts“ gestand. Ebenso konnte ich der Szenerie auch nicht beiwohnen, als sich ihre Miene versteinerte und sie versuchte, normal weiterzuatmen, damit sie nicht in Ohnmacht fiel. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich mir genau vorstellen, dass man die Luft dort hätte schneiden können, so dick wie sie war.

Frohe Weihnachten

Im Grunde gibt es zu Weihnachten keine wirklich guten Tipps, sollte die Familien-Fehde bereits zu weit fortgeschritten sein. Vielleicht mehr Humor und Notlügen und das Vertuschen der nackten Wahrheit, obwohl ich kein Freund davon bin. Von Nacktheit allerdings schon, aber erst nach der Weihnachtszeit, wenn der Sport wieder Einzug hält. Darüber hinaus soll es doch tatsächlich Familien geben, die sich recht gut verstehen. Meine ist eine davon. Zu Weihnachten sind wir nämlich eher damit beschäftigt, ein bisschen rund um unsere Hüften zu schummeln als dem anderen ins Gesicht. Weil das mit dem Weight-Watchers funktioniert eh nicht.

Am Ende ist es doch so: Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet, allerdings passt sie eher weniger zum familiären Weihnachtsfest. Warten wir noch bis Silvester!

Fröhliche Weihnachten, ihr da draußen!

Der Geduldsfaden

Hallo Mikrokosmonauten: Es lebe die Ungeduld!

Peter Maffay hat neulich in einem Interview erzählt, dass er mit dem Alter immer ungeduldiger wird. Man fragte ihn daraufhin erstaunt, wie das denn sein könnte, schließlich wäre es doch eigentlich so, dass ältere Menschen geduldiger seien. Er meinte daraufhin, die Ungeduld spüre er darin, dass er heutzutage zum Beispiel ein uninteressantes Gespräch schneller abbrechen würde, da es für ihn vergeudete Zeit wäre und Zeit hätte er eben nicht mehr so viel wie früher. Ich konnte ihn gut verstehen, fragte mich aber gleichzeitig: Wieso wird einem dann immer wieder eingetrichtert, man solle in allem geduldig sein? Weiterlesen

Warum ich gern alleine bin

Hallo Mikrokosmonauten: Alleine ist nicht einsam!
Mein Freund findet es super, mit seinen Kumpels eine Woche segeln zu gehen. So ein Katamaran, ist winzig, besonders, wenn man in einer Gruppe dort hausen muss. Urlaub mit den Kumpels sieht dann so aus, dass man eine Woche lang zusammengepfercht auf einem Kahn sitzt, sich die Toilette und Dusche teilt und wenn es sein muss auch mal die Handtücher. Es bedeutet, dass man das Schnarchen aus den Nachbarkabinen hört, und dass man am besten keine Verdauungsprobleme haben sollte, denn so ein Boot ist wie gesagt sehr hellhörig. Es bedeutet auch, dass man nicht einfach mal sagen kann: „Ciao, ich mache den Abflug!“, es sei denn, man meint damit tatsächlich, dass man jetzt wieder nach Hause fliegt. Eine Woche an Bord: Zusammen essen, schlafen und sich gelegentlich betrinken. Für mich ein wahr gewordener Alptraum, für meinen Freund das schönste Männerabenteuer neben einem DTM-Besuch am Hockenheimring. Nicht dass ich ihn für seine Hobbys kritisiere, im Gegenteil! Ich finde es bemerkenswert, dass er Spaß an den Dingen hat, die er tut. Und dass er diese Dinge am allerliebsten mit Freunden oder mindestens zu zweit macht. Aber mir fällt dann immer wieder auf, wie anders ich zu ticken scheine. Zumindest in einer Sache: Dass ich gelegentlich das Alleinsein den Menschen vorziehe. Und ich stelle mir die unweigerliche Frage: Weiterlesen

Urlaub in Konserven

Hallo Mikrokosmonauten: So hält die Erholung länger: Wenn die Blätter allmählich ihre Farbe von sattem Grün ins gold-braune wechseln, wechselt auch langsam aber sicher wieder unsere Stimmung. Zwar sprechen wir in solchen Zeiten immer noch vom „Indian Summer“ oder goldenem Herbst, jedoch braucht es nachts jetzt wieder eine etwas dickere Decke. Und auch die letzten unter uns kehren aus ihrem Sommerurlaub zurück und setzen langsam aber sicher ein – zumindest kleines – Häkchen hinter diesen „endless summer 2018“. Er wollte irgendwie nicht so ganz gehen, jedoch sagt man spätestens im August, dass sich jener Monat wie Sonntag anfühlt. Und ja, allmählich geht er dann doch oder zieht sich zumindest etwas zurück. Der Sommer. Ein netter Kumpel, mit dem man gerne einen über den Durst getrunken hat. Mit dem man sich unerschütterlich in die Wellen stürzte und mit dem man schweißtreibende Nächte inklusive zerwühlten Laken erlebte. Alles in allem aber war er derjenige, der uns so viel Spaß und Liebe und Erholung schenkte. Darum stelle ich mir jedes in dieser Zeit die alles entscheidende Frage: „Wie verdammt noch mal kann man genau jene sommerlichen und gechillten Gefühle irgendwie mit in den Herbst nehmen?“ Weiterlesen

Sehnsucht nach früher

„Der Mensch will immer, dass alles anders wird und gleichzeitig will er, dass alles beim Alten bleibt.“ Paulo Coelhos Zitat ist recht treffend, wenn man bedenkt, wie oft und gerne wir uns an die „guten, alten Zeiten“ erinnern oder in bestimmten Situationen sogar fast schon erleichtert aufatmen und uns sagen hören „Wie in alten Zeiten!“. Als ich neulich in London war, fühlte ich mich unzählige Male an meine Klassenfahrt zurück erinnert und mit den Erinnerungen kamen spezielle Gefühle in mir hoch, die seit fast zwanzig Jahren irgendwo in mir drin geschlummert hatten. Aber jetzt, in dieser Stadt, erwachten sie plötzlich wieder zum Leben und ich war zurück im Jahre 1997 auf meiner Klassenfahrt. Wie in „alten Zeiten“ ließ ich mich vor dem Buckingham-Palace fotografieren und bei Marble Arch versuchte ich mich daran zu erinnern, ob mir irgendwas bekannt vorkam. Alles in allem reiste ich auf diesem London-Trip ständig in die Vergangenheit, während sich aber schon wieder aktuelle Eindrücke in meinen Kopf einbrannten und in meinem exklusiven Erinnerungskatalog verschwanden. Und ich kam nicht daran vorbei, mich zu fragen: „Warum sehnen wir uns eigentlich so sehr nach vergangenen Tagen?“. Natürlich weiß ich inzwischen, dass die Vergangenheit meist mit goldenem Pinsel malt, also quasi vieles schöner, gigantischer und toller im Kopf abgespeichert ist, als es zu jener Zeit wirklich war, aber im Herzen wohnen immer noch diese konservierten Gefühle, die man damals hatte und die sorgen dafür, dass man sich mit einem Male wieder in diese Zeit zurück wünscht, In diesem Zusammenhang wünsche ich mir übrigens immer ganz stark, dass Zeitreisen endlich Wirklichkeit werden. Weiterlesen

Muss ich da mitmachen?

Hallo Mikrokosmonauten: Einen Scheiß müssen wir!

Sport macht glücklich. Schokolade aber auch. Ich glaube, diese Tatsache gießt Öl ins Feuer eines jeden Fitness-Bloggers oder Sportsüchtigen. Aber sie ist wahr. Und mitunter eine regelrechte Zerreißprobe für mich und viele andere da draußen, die tagtäglich hin- und hergerissen sind, ob wir jetzt joggen gehen oder uns den Bauch vollschlagen sollen. Meistens gehen wir dann joggen. Weil es ja angeblich immer besser ist, Sport zu machen. Und weil man es auch gewissermaßen von uns erwartet. Apropos Machen; Müssen wir echt bei allem mitmachen, was uns die Szene diktiert? Und nicht nur die Szene. Im Grunde erwartet doch jeder, dass wir zumindest ein bisschen ins Gesellschafts-Konzept passen, oder? Nehmen wir mal die Mädels unter uns: Man erwartet von uns, dass wir mit Freundinnen tuschelnd im Restaurant sitzen und über Jungs reden. Sowieso geht man immer davon aus, dass wir alle einen Haufen Freundinnen haben. So wie bei „Sex and the city“. Ab einem gewissen Zeitpunkt setzen die Leute dann voraus, dass man zwar immer noch mit den Mädels kichernd am Restauranttisch sitzt, aber inzwischen Kinderwagen dazwischen stehen und sich die Gespräche hauptsächlich ums Windel wechseln und wunde Kinder-Popos drehen. Eventuell noch Weight Watchers. Als ich neulich shoppen war – alleine natürlich – fragte mich die Verkäuferin an der Kasse, ob ich denn Lust hätte, auf diese Wahnsinns-Aktion „Freundinnen werben Freundinnen“? Ich schüttelte verständnislos den Kopf und antwortete: „Sorry, ich habe keine Freundinnen!“, woraufhin mich die Verkäuferin mit einer Mischung aus Mitleid und Unverständnis anschaute. Ja, wenn‘s halt so ist!  Uns Frauen wird ohnehin eine Menge abverlangt. Wir sollten zu besonderen Anlässen hohe Schuhe tragen und uns natürlich die Beine rasieren. Wenn wir das erste Mal Sex mit einem neuen Mann haben, müssen wir dann alles kahl geschoren haben, aber für Haare auf den Zähnen findet man uns trotzdem sexy. Wir dürfen nicht zu fett und nicht zu abgemagert sein. Und man erwartet heutzutage, dass man sich in seinem Körper immer pudelwohl fühlt, egal, ob dick oder dünn. Wir müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn wir Leute nicht abkönnen, denn wenn wir ihnen sagen, dass wir sie scheiße finden, schämt man sich für uns. „Wie kann sie nur?“! Ehrlichkeit wird groß geschrieben, aber ist man dann mal ehrlich, bezeichnet man uns als Miststück! Wir müssen gesellschaftliche Ereignisse, wie Hochzeiten, Geburtstage oder Beerdigungen über uns ergehen lassen, obwohl wir gar keine Lust dazu haben, weil derjenige, um den es geht eigentlich gar keinen Platz in unseren Herzen hat. Aber wir tun es doch. Warum eigentlich?

Warum zwingen wir uns etwas auf, wenn wir in Wahrheit etwas ganz anderes wollen?

Klar, da ist einerseits die ewige Rücksichtnahme. Wenn wir offen aussprechen würden, dass wir kein Bock auf Tante Gerdas Geburtstagsfeier haben, und stattdessen lieber auf der Couch chillen möchten, stoßen wir nicht nur alle anderen vor den Kopf, sondern verbreiten auch miese Laune, obwohl das gar nicht beabsichtigt ist. Die Wahrheit ist also nicht immer der Königsweg. Aber ich komme irgendwie nicht damit klar, dass man uns schon unser ganzes Leben lang damit nervt, bei diversen Dingen mitzumachen, auf die wir keine Lust haben. Früher waren es die Kindergeburtstage, auf die wir eingeladen waren, obwohl man ihn oder sie nicht ausstehen konnte. Und noch schlimmer: Wir mussten denjenigen dann auch noch auf unseren eigenen Kindergeburtstag einladen, weil das halt so ist. Wie du mir, so ich dir. Zum Kotzen! Eine eigen initiierte Retourkutsche nennt sich so was. Und heute im Erwachsenenleben geht der Zinnober genau so weiter. Wir müssen zu diesem Firmen-Essen essen gehen, weil sich das positiv aufs berufliche Ansehen auswirkt. Wir müssen eine Geburtstags-Party ausrichten, sonst sind Familie und Freunde sauer. Also vor lauter „Müssen“ muss ich mich fast übergeben.

Ja, das Leben ist zu kurz. Das wissen wir mittlerweile. Aber wir sollten die Tage doch nicht damit verplempern, wirklich nur das zu tun, was man eben tun muss, um als cool, fleißig, ehrgeizig, verantwortungsbewusst und eben als angepasst zu gelten. Und ohnehin sollten wir niemals glauben, etwas verpasst zu haben, wenn wir uns eben mal ausklinken und nicht mitmachen! In der Kunstgeschichte gibt es übrigens einen Begriff, der dazu passt. Man nennt ihn “horror vacui”, nämlich „Angst vor der Leere“. Erst wenn alle freien Flächen einer Leinwand mit Ornamenten ausgefüllt werden, ist diese Leere quasi nicht mehr vorhanden. Betrachtet man jedoch ein solches Bild, findet das Auge kaum Ruhe, denn die Bilder wirken manisch und rauschhaft. Und wir? Sind wir nicht auch einfach nur wuselnde, aufgedrehte Wesen, die überall dabei sein müssen, weil „Nein“ nicht mehr gilt? Der Angst vor Leere folgt die Angst, nicht oft genug „Ja“ gesagt zu haben. Besonders, wenn wir abends im Bett liegen und den Tag revue passieren lassen, kommen diese Ängste in uns hoch und vermiesen uns dann auch noch die Nacht.

Regel Nummer Eins: „Muss“ durch „Will“ ersetzen

Wir sollten uns immer öfter fragen: „Müssen wir wirklich alles oder wollen wir gewisse Dinge auch?“ Oder dürfen wir alle ohnehin nur mitmachen, wenn wir bei Facebook sind? Etwas verwirrend, dass ich von vermeintlich glücklich machendem Sport- oder Schokoladenkonsum auf das leidige „Muss das sein?“-Thema komme, oder? Aber um die Kurve zu kriegen, muss auch ich jetzt mal einlenken. Eigentlich müssen wir nämlich gar nichts. Aber viele Dinge wollen wir in der Tat auch, sonst sähe unser Leben ganz anders aus. Deshalb lasst uns doch gelegentlich einfach „muss“ durch „will“ ersetzen. Zum Beispiel „Ich will arbeiten gehen!“. Warum? „Weil ich mir sonst diesen absolut genialen Lebensstil nicht leisten könnte!“ Oder: „Ich will Sport machen!“ Warum? „Weil ich mich damit einfach besser fühle!“. Oder: „Ich will und muss Schokolade essen!“ Warum? „Dafür  gibt es keine Antwort.“.

Regel Nummer Zwei: Und alle so: “Nein”

Ich glaube, wir sollten dagegen etwas unternehmen. Gegen den “Ja”-Wahn. Ganz einfach. Wir sollten öfter mal “Nein” sagen. Denn von den Tausend Möglichkeiten, die uns geboten werden, passt einfach nicht alles zu uns. Ob es die Party-Einladung oder die Vertragsverlängerung ist. Nicht alles, was uns als tolle Möglichkeit dargeboten wird, ist nämlich auch eine. Manchmal brauchen wir einfach etwas anderes. Keine Konzern-Karriere. Keine Party des Jahrhunderts. Sondern Zeit für an die Decke starren. Zeit zu träumen, rumspinnen und zur Ruhe zu kommen. Zeit für uns selbst. Klar, “Nein” ist nicht populär. Im Job versteht niemand, wenn man ein neues Projekt ablehnt, oder die Vertragsverlängerung nicht will. Freunde verstehen nicht, warum wir nicht mit aufs Festival wollen. Gerade keinen Alkohol trinken. Um 21 Uhr ins Bett wollen. Lieber mal nichts tun. “Nein” ist immer der Buhmann. Deshalb braucht “Nein” sagen auch Mut. Den Mut, sich den „Ja“-Sagern entgegen zu stellen. Den Mut sicher zu sein, dass wir auch etwas erleben, wenn sich davon kein Instagram-Post machen lässt. Den Mut, genau das auch als Freiheit wahrzunehmen. Und wir sollten unsere “Neins” auch nicht bereuen. Denn eines ist klar: Die Angst, etwas zu verpassen, bringt nichts. Egal wie oft wir „Ja“ sagen, wir verpassen immer etwas. Das ist die Physik des Lebens. Also: Öfter mal “Nein” sagen. Und damit obendrein das Ja-Sager-Monster aus dem Schlafzimmer jagen.

Die alles entscheidende Regel Nummer Drei lautet nämlich: Sag „Ja“ zum „Nein“!

 

 

 

 

Ich mache heute grün

Hallo Mikrokosmonauten: Grüner wird’s nicht!

Neulich habe ich mal wieder daran gedacht, einfach auszusteigen. Ein paar Sachen zusammenzupacken und der Zivilisation den Rücken zu kehren. Back to the roots sozusagen. Ich meine, nicht umsonst haben längere Individualreisen, Sabbaticals, Survivalkurse und Aussteigerblogs augenscheinlich Hochkonjunktur. Und wer hat als Frau nicht schon mal davon geträumt mit einem Axt schwingenden Holzfäller-Hillbilly im aufgeknöpften Flanell-Hemdchen waschechte Lagerfeuer-Romantik zu genießen? Na gut, ich habe mich solch einfältigen Träumereien nie hingegeben, zumal ich eher ein Luxus-Weibchen bin, das lieber im schnittigen Cabrio samt feschem Kerlchen durch die Gegend braust, als Stockbrot mit einem Waldmensch zu grillen. Und trotzdem beschäftige ich mich derzeit verstärkt mit dem Thema Minimalismus. Ich sage mal so: Wir müssen ja nicht gleich wie Selbstversorger Öff Öff im Wald leben. Aber ich bin durchaus bereit, mich zuweilen etwas naturverbundener zu geben und die Pumps gegen Gummistiefel zu tauschen, wenn es denn sein muss. Und deshalb komme ich nicht umhin, mich zu fragen:

„Wie entschlackt man sein Leben?“

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