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Das gelbe Monster

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin ein Neider, leider.

Ich ziehe ständig Vergleiche. Es ist wie ein Zwang. Führe ich Gespräche mit Menschen, erfrage ich oft deren Lebenssituation und bilanziere im Geiste, inwiefern es diesem Mensch besser oder schlechter geht als mir. Und wie es ihm überhaupt ergeht in dieser Welt im Vergleich zu mir. Und was er hat, was ich nicht habe. Nicht, dass ich unglücklich wäre oder so, aber zuweilen versetzt es mir echt einen Stich, wenn ich herausfinde, dass jemand mehr besitzt als ich oder vermeintlich glücklicher ist. Getreu dem alten Werbeslogan: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“, verspüre ich Neid! Und zweifellos muss ich gestehen, dass Neid einfach hässlich ist. Das macht mich richtig traurig, denn ich wollte nie so sein. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass Neid genau das ist, was man sich heutzutage gegenseitig herauskitzeln möchte. Eben weil es für viele eine regelrechte Genugtuung ist, wenn andere neidisch sind. Instagram ist dafür übrigens die perfekte Plattform. Wenn ich mir zu lange Storys von Influencern anschaue, will ich manchmal einfach nur sterben und fühle mich schlecht, hässlich und arm. Ernsthaft? Ja! Ich frage mich, wie man beispielsweise als ehemalige RTL-Bachelorette ne‘ goldene Rolex tragen und in einer riesen Finca auf Ibiza wohnen kann und dabei noch so verdammt gut aussieht?! Das perfekte Leben, die perfekten Klamotten, das perfekte Aussehen! Wahnsinn! „Das ist doch alles nur Schein!“, mögen einige jetzt ausrufen, aber ihre Rolex sagt was anderes! Und mehr noch: Ich könnte mir niemals eine Finca auf Ibiza leisten. Urlaube dort sind ja schon unverschämt teuer!

In der Kunst erscheint der Neid über alle Epochen hinweg als gelbes Monster, das die Betroffenen von innen zerfrisst. Zu Recht! Kennt ihr die Szene aus „American Psycho“ als alle ihre Visitenkarten auf den Tisch legten und er vor Neid fast platzten, weil die Visitenkarte des jeweils anderen mehr glänzt? Seit einigen Jahren entdecke auch ich solche unschönen Dinge an mir. So unschön, dass ich sogar meine Falten attraktiver finde. Unter der selbst auferlegten Folter, immer perfekt sein zu müssen, friste ich ein zuweilen geknebeltes Leben voller Entbehrungen und der immer wiederkehrenden Vorstellung, dass andere es trotzdem besser haben. In „American Psycho“ hat er seinen Kollegen mit der besseren Visitenkarte übrigens irgendwann umgebracht. Und ich muss euch etwas verraten: Ich kann diese Entscheidung wirklich verstehen. Diese Bachelorette weckt in mir gelegentlich auch Mordgelüste. Und wenn andere einen größeren Pool haben, spiele ich mit dem Gedanken, ihn in einer Nacht- und Nebelaktion zu verwüsten. Oh Gott, das Ganze geht sogar so weit, dass ich es nicht ertrage, wenn schlanke Menschen Pizza und Nudeln essen können, ohne sich auch nur einen Hauch Gedanken zu machen, dass sie davon zunehmen, weil sie es schlichtweg nicht tun! Und wenn ich in den Urlaub fahre und eine andere Frau trägt so ein ähnliches Outfit, wie das, welches ich nicht eingepackt habe, wurmt mich das so sehr, dass ich ihr das Teil am liebsten vom Leib reißen würde. Mein Bankberater erzählte mir neulich, eine Kundin habe 100.000 Euro in Fonds angelegt, während es bei mir eine lächerlich geringe Summe war. Sofort ratterte es in meinem Kopf: „Woher hat sie nur dieses ganze Geld, um es einfach mal so in Fonds anzulegen?“. Ich fragte mich sogar, wie diese Frau aussehen könnte? Ob sie wohl Rolex trägt? Und so passiert es immer wieder, dass ich mich mit anderen battlen muss, obwohl ich eigentlich besseres zu tun hätte. Wenn mich jemand bei Runtastic in der Rangliste der meist gelaufenen Kilometer überbietet, laufe ich genau einen Meter mehr, bloß damit ich wieder an erster Stelle stehe.

Übertriebener Ehrgeiz oder „Neidhammelei“?

Wenngleich mich nicht alles neidisch macht, wovon andere sich vielleicht wünschen würden, es würde mich vor Missgunst zerreißen (hehe). Wenn verflossene Ex-Freunde heiraten zum Beispiel. Das toucht mich so gar nicht. Im Gegenteil. In diesen Momenten empfinde ich tatsächlich so etwas wie Erleichterung. Ich denke dann: „Gottseidank hat er nach diesem Trauma am Ende doch noch sein Glück gefunden.“ Und ich differenziere natürlich auch zwischen Freund und Feind. Ich kann mich mit meinen Freunden freuen – yeah, ich bin wohl doch noch nicht komplett weird -, wenn ihnen etwas Gutes wiederfährt, es sei denn, es handelt sich um einen Lottogewinn in Millionenhöhe, denn dann würde ich wahrscheinlich unvermittelt die Farbe wechseln: In Gift- und Gallengelb!  Feinden gönne ich natürlich nichts! Leider erfahre ich über Umwege gelegentlich, dass es ihnen jedoch ganz gut geht und sie zu meinem Bedauern doch nicht als Loser ihr Dasein fristen. Es kann dann passieren, dass ich seelischen Beistand brauche, weil mein Ego schwer darunter leidet, wollte ich sie doch am Boden liegen sehen! Jetzt weiß ich endlich, warum „Gucci Envy“ lange Zeit eines meiner Lieblings-Parfums war. So kann es nicht weitergehen, dachte ich mir neulich und fasste einen weitreichenden Entschluss:

Neid ist Chance

Machen wir uns nichts vor: Neid macht unzufrieden. Allerdings sollten wir Neidgefühle zum Anlass nehmen, mehr aus unserem Leben zu machen. Wir sollten überlegen, welche Schritte man unternehmen kann, um auch dahin zu kommen, wo der andere ist. Was hat er getan, was man nachahmen kann? Was hat er genau gemacht? Statt einfach nur missgünstig zu sein, sollten wir den Beneideten nach seinen Erfolgsstrategien fragen. Nehmt ihn euch zum Vorbild und lasst euch inspirieren!

Eines sollte immer klar sein: Was auch immer du tust, dein Wert verändert sich nicht! Dein Wert ist unabhängig von deinem Verhalten, deinem Besitz, deinem Aussehen, deinen Eigenschaften, deinem Wissen, deinen beruflichen Leistungen, deinen Fähigkeiten. Der andere und du, ihr seid lediglich unterschiedlich, keiner ist ein besserer oder schlechterer Mensch.

Irgendwie scheint uns manchmal nicht ganz klar zu sein, wie das Leben anderer hinter deren Fassade aussieht. Finca, Rolex und Luxushochzeit in Rom hin oder her, aber stehen diese Menschen tatsächlich immer im gleißenden Licht? Ich glaube nicht. Viele sind todunglücklich, haben körperliche oder seelische Probleme und sind innerlich zerrissen. Weiß ich wirklich, ob die schlanke Frau neben mir im Restaurant die fettige Pizza zwar isst, aber diese hinterher erbricht?

Ich habe auch einiges zu bieten

Es gerät in Vergessenheit, aber wir sollten es uns alle vor Augen führen: Wir haben verdammt nochmal auch etwas zu bieten und wenn es nur das Talent ist, sich Salzbrezeln aus der Nase zu schnäuzen. Klar fehlt ein jedem immer irgendwas, aber haben wir nicht auch Erfolge, Stärken und erreichte Ziele? Ja, die haben wir!

Am Ende ist es doch so: Neid ist die Sünde des Unbehagens über das Glück des Nächsten. Damit muss endlich Schluss sein! Ich lasse jetzt einfach los und erteile den anderen die Erlaubnis, das zu haben, was ich nicht besitze. Ihr dürft das!

Das gelbe Monster hat gesprochen.

P.S. Übrigens ist es völlig egal, ob man grün oder gelb vor Neid wird, in beiden Fällen macht es einen unschönen Teint!

Der traurige Gorilla

Hallo Mikrokosmonauten: Ich spüre das Tier in mir: Es ist ein Faultier.

Als mich neulich eine Dame ziemlich unwirsch zurechtwies, weil ich mich in einer Warteschlange gedankenverloren versehentlich vordrängelte, wurde mir wieder eines klar: Ich ziehe Tiere den Menschen einfach vor. Das war schon immer so. Als Kind „rettete“ ich regelmäßig Bauernhofkatzen, weil ich der Meinung war, dass sie besser vor den heimischen Kamin passen, als in eine verwahrloste Scheune. Ich kommunizierte mit diesem unglücklichen Gorilla im Zoo, der mir alleine durch seinen Blick verdeutlichte, wie trist sein Leben hinter Glasfassaden ist. Und schlussendlich schwang ich mich wagemutig regelmäßig auf den Rücken eines völlig fremden Pferdes auf einer noch fremderen Koppel und trabte mit ihm ohne Sattel und Zaumzeug davon. Da vertraute ich Hottehü bedenkenlos. Ich wirke auf Tiere offensichtlich ziemlich anziehend, zumindest verfolgen sie mich, wo immer ich auf sie treffe. Wenngleich es mir beim Joggen zuweilen unangenehm ist, wenn sich freudig hechelnde Rüden von den Leinen ihrer Besitzer reißen und mit mir mitlaufen möchten. Na ja, schlimmer wäre es, wenn die Besitzer hecheln würden. Ich bin mir sicher, dass ich in irgendeiner Art mit Noah verwandt bin. Zwar habe ich keine Arche in petto, aber ein geräumiges Auto, in dem zumindest meine Katzen gerne mitfahren.

Ein Herz für Tiere zu haben ist jedoch nicht immer leicht. Ich empfange natürlich meistens positive Gefühle, aber Leid und Schmerz solcher Geschöpfe fühle ich intensiver, als mir manchmal lieb ist. Mein Empathie-Level steigt ins Unermessliche, wenn ich sehe, wie wir mit diesen Lebewesen umgehen. Nicht zuletzt zerriss es mir fast das Herz bei dieser Olympia mit diesem panischen Pferd – als „Sportgerät“ benutzt – und dieser Reiterin und diesen befremdlichen Szenen, ihr wisst schon.

Überdies zog eine weitere Geschichte die Aufmerksamkeit auf mich. Der saarländische Gnadenhof „Haus der Hoffnung e.V.“ nahm vor kurzem Nala bei sich auf. Nala ist eine französische Bulldogge, die über Facebook verschenkt werden sollte wie Restposten bei Ebay. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, stellte sich heraus, dass Nala todkrank ist, weil sie aus einer Qualzucht kommt. Nala ist ein Paradebeispiel für Inzucht und verantwortungslose Vermehrerei einer sowieso schon fragwürdigen Rasse. Aber solange eine Nachfrage besteht, wird so etwas nicht aufhören. Inzwischen geht es Nala zwar besser, aber Tausende andere ihrer Art überleben die ersten Wochen ihres Lebens nicht. Und das alles nur, weil es so viele Menschen da draußen gibt, die für möglichst wenig Kohle einen Rassehund abstecken wollen. Zum Fremdschämen!

Viele Tierschützer mögen mich nicht

Ich möchte mich dennoch nicht zwangsläufig mit Menschen anfreunden, die sich für Tiere engagieren. Ich würde sogar behaupten, dass ich mit einigen dieser selbst ernannten Tierschützer massiv aneinander rasseln würde. Oder sie mit mir. Nicht alle Tierliebhaber ticken gleich. Besonders nicht, wenn sie ihre Katzen und Hunde vegan ernähren, weil sie selbst vegan leben. Oder diejenigen, die von dir erwarten, dass du, bloß weil du dich vegetarisch ernährst und auf Tierschutz-Demos gehst, auch politisch mit ihnen konform gehst. Ohnehin ein ganz schwieriges Thema. Ich bin Vegetarier und liebe Tier, aber deshalb bin ich noch lange nicht grün, Herrgott nochmal! Regel Nummer Eins war für mich immer: „Wenn du auf eine Veranstaltung zugunsten von Tieren gehst, solltest du nie erwähnen, dass dein Shirt nicht nachhaltig ist, du einen Benziner fährst und Käse und Eier konsumierst. Es könnte dein gesellschaftlicher Ruin in diesen Kreisen sein.“ Eine schlaue Frau hat mal zu mir gesagt, dass Menschen, die sich den Tieren verschreiben keine sonderlich großen Menschenfreunde sein können, sonst wären sie ja nicht in die Welt der Tiere gewechselt. Seit ich vor Jahren mit einer Mitarbeiterin des Tierheims Saarbrücken im Katzenhaus in lautstarken Streit geraten war, weil wir unterschiedlicher Ansicht über eine vermeintlich hochgefährliche Katze waren, kann ich das nur bestätigen. Ich war damals in Tränen ausgebrochen, weil ich die Katze liebgewonnen hatte und nicht verstehen konnte, dass man sie nicht in ihrem Zimmer besuchen und streicheln durfte und die Mitarbeiterin mir das herrisch und ohne Feingefühl vermittelte. Von Social Skills war sie zwar weit entfernt, dafür ging sie jedoch umso liebevoller mit den Katzen um. Ein Phänomen, das ich häufig beobachte.

Murron, My, Bee und Pepe

Vor kurzem geschah dann das Unmögliche: Ich besuchte „Murrons Sommerfest“. Benannt nach einer ganz entzückenden querschnittgelähmten Katzen-Dame. Initiiert wurde das Ganze von „Katzenstimme grenzenlos“, einem Verein, der sich um behinderte, gequälte und vernachlässigte Straßenkatzen und -hunde in ganz Europa kümmert. Ein Gartenfest mit 40 Personen, die mir gänzlich unbekannt waren. Komischerweise waren mir diese Leute aber ganz sympathisch, ich fühlte mich auch nicht unsicher oder fehl am Platz. Im Mittelpunkt standen ohnehin die Tiere und das vegane Buffet, das übrigens phänomenal war. Es beeindruckte mich in diesem Moment zutiefst, dass die Veranstalterin Lara mit drei querschnittsgelähmten Katzen, einem querschnittsgelähmten Hund und zwei weiteren älteren Hunden zusammenlebt und so viel Herzblut in dieses Projekt steckt. Normalerweise hätte ich diese Menschen niemals kennengelernt, aber an diesem Tag hatten wir alle die gleiche Vision: Ein Fest zugunsten der Tiere veranstalten und ihnen helfen, das Leben lebens- und liebenswert zu machen. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit Lara in die Pflege und Fürsorge dieser Tiere steckt, fühle ich mich ziemlich klein und unbedeutend. Aber bevor ich mir an diesem Nachmittag den Kopf zerbrechen konnte, bekam ich schon wieder am laufenden Band Besuch. Von Rolling Pepe, dem kleinen schwarzen Mischling in seiner Laufhilfe oder Felinchen, einer alten, blinden Spitz-Dame. Oder eben von diversen Hunden, die zu Gast waren und sich zu meinen Füßen legten, weil das Tiere eben gerne bei mir machen.

Ich dachte nach: Wenn ich all meine Bedenken gegenüber vermeintlich militanten Veganern, Nachhaltigkeits-Fans und Tierschützern ad acta legen würde, wäre es doch ganz einfach, oder? Im Grunde schauen wir doch alle in die gleiche Richtung und haben, wenngleich wir anderweitig völlig unterschiedlich sind, doch das gleiche Ziel, oder?

So war es auch Bestimmung, als ich an einem kalten Tag im November 2018 das Katzenhaus Oberwürzbach besuchte und eigentlich nur gucken wollte. Am Ende des Tages gab es in meinem Leben plötzlich Mick und Malo, zwei Katzenbrüder.

Am Ende ist es doch so: Ob Nala, My, Murron, Mick,  Malo, Bee oder Pepe – hinter all diesen Tieren stehen Menschen, die – wie ich – schon früh erkannten, dass ihr Herz für Tiere schlägt. Vielleicht standen sie sogar – wie ich – damals vor der Glasfassade und kommunizierten mit dem traurigen Gorilla im Zoo. Weil sie auch diese Gabe haben. Und machen wir uns nichts vor: Die Welt braucht Menschen, die für Eichhörnchen bremsen, Igel über die Straße helfen, Vögel eine Tränke im Garten schaffen, sich um die Nachbarskatze kümmern, wenn die Besitzer im Urlaub sind, kranke Tiere pflegen oder ihnen einen schönen Lebensabend bieten und so weiter.

Wer unterstützen will:

Katzenstimme grenzenlos (Facebook),

www.haus-der-hoffnung.org,

www.katzenfreunde-wadgassen.de

Wasting my young years

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst uns zurückkehren zur Unbeschwertheit! 

Sommer 1994. Ich hoffte, er ginge nie zu Ende. Meine Cousine hatte gerade den Führerschein frisch in der Tasche und wir düsten mit dem alten Kadett ihres Vaters durch unsere Hood. Sie war damals neben Alicia Silverstone aus den Aerosmith-Videos mein absolutes Vorbild. Wir liebten Holzfällerhemden und schnitten die Hosenbeine unserer ausgemusterten 501er so kurz es ging und es für unsere Mütter moralisch noch im Rahmen war. Unser Bewegungsradius begrenzte sich auf etwa 15 Kilometer. Für mich bedeutete eine Fahrt von meinem Heimatort nach Saarbrücken fast eine Weltreise. Ich ließ mir heimlich ein Nasenpiercing stechen und nahm es zum Sonntags-Besuch bei Opa immer raus. Gelegentlich gab es einen  Jungen, den ich in einer dunklen Ecke küsste. Und immer wieder Freibad, zelten und Pizza beim Lieblings-Italiener. Natürlich zum Mitnehmen und an einem verlassenen Ort essen. Gerne an einer Lichtung zwischen zwei Wäldchen. Letztendlich war dies die schönste Zeit meines Lebens, wenngleich es auch damals schon schöne und weniger schöne Tage gab. An den weniger schönen rief niemand an oder das Wetter war schlecht. Oder der süße Junge aus dem Schwimmbad lächelte nicht zurück. Oder mein geliebtes Joghurt-Eis war aus. Andere Probleme gab es nicht. Weiterlesen

Das innere Kind

Hallo Mikrokosmonauten: Peter Pan wäre stolz!

Ich bin transinfantil. Ein Kind gefangen im Körper einer erwachsenen Frau. Und ich habe Angst. Ich fürchte, dass ich niemals Fuß fassen werde in einer Welt voller fester Strukturen und Regeln und ich glaube nicht, dass ich jemals die Erwartungen erfüllen werde, die man an mich hat. Der Welpenschutz ist bei mir längst vorbei. Um ehrlich zu sein, schon seit etwa 20 Jahren. Und in der Erwachsenenwelt heißt es nun mal: Funktionieren oder Untergehen. So schlimm ist es nicht? Ich finde doch! Weiterlesen

Neue Wege

Hallo Mikrokosmonauten: Auf geht’s in die neue Zukunft!

Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern, ein wüstes Jagen ist’s von dem zum andern, und unterwegs verlieren wir die Kräfte.“, so schrieb der österreichische Dichter Nikolaus Lenau. Und da Glück und Unglück bekanntlich auf einem Steig wandern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn so manch persönliche Pilgertour in etwa so angenehm ist, wie sich an einem Kaktus zu reiben. Denn wer neue Wege einschlägt oder einschlagen will, setzt sich zwangsläufig neue Ziele. Und wenn man sich neue Ziele steckt, erfordert dies ein gewisses Maß an Risikobereitschaft. Das ist immer ein bisschen so wie Russisch Roulette. Hop oder Top eben. Entweder endet ein neuer Weg in einer Sackgasse oder beim Topf voll Gold am Ende des Regenbogens. Weiterlesen

Ich will Meer

Hallo Mikrokosmonauten: Zwischen Reden und Tun liegt das Meer

Ich wollte einfach nur noch weg. Seit Wochen beschlichen mich immer wieder Panikattacken. Kein Wunder, wenn man seit über einem Jahr mehr oder weniger zum Verweilen in einem Radius der Größe unseres Bundeslandes aufgefordert ist. „Immerhin 2.570 Quadratmeter.“, mögen jetzt einige Optimisten einwerfen. Ich frage mich aber, ob die es schon immer als das ultimative Highlight empfanden, im Saarland Urlaub zu machen, beim übelsten Piss-Wetter in heimischen Wäldern zu spazieren und zum x-ten-Mal als krönender Abschluss des Tages im selben Restaurant zu hocken, sofern dies – der Pandemie geschuldet – überhaupt möglich ist. Offensichtlich, denn so etwas wie Fernweh, Neugierde, Wagemut und Abenteuerlust finde ich bei diesen Menschen vergebens. Die Krise bringt allmählich zutage, was ich eh schon lange ahnte, denn viele blieben von Beginn an stoisch, abwartend und fast schon unterwürfig. Da wird mit einer Beharrlichkeit zum 125. Mal bei Wind und Wetter und mit Kind und Kegel die obligatorische Runde durchs Dorf gemacht. Und währenddessen sagt man sich ununterbrochen: „Ach, ist das so toll!“, bis man es irgendwann auch glaubt. Sorry, das war beim ersten Lockdown im März 2020 vielleicht noch ganz cool. Es hatte was von „Back to the roots“. Ein Abenteuer. Zurück zu den Anfängen. Bescheidenheit üben. Urlaub in den eigenen vier Wänden. Kreativ werden. Mallorca nachhause holen, in Form von ner‘ Palme im Topf und nem‘ Pool im Garten. Ja, so ein Lockdown lehrte uns, dass die Familie das Wichtigste ist. Und wie dankbar wir eigentlich sein müssen, weil es uns selbst in Zeiten einer todbringenden Pandemie im Grunde an nichts mangelt. Dass wir genug zu Essen haben, ein Dach über dem Kopf und funktionierendes WLAN. Aber inzwischen sind fast 14 Monate vergangen. Wenngleich wir immer noch dankbar sind, dass wir noch leben. Aber eines muss an dieser Stelle gesagt werden: Weiterlesen

Unn…?

Hallo Mikrokosmonauten: Dialekt ist und bleibt die Sprache des Herzens!

Mein ehemaliger Chef kam aus dem Raum Lebach und hatte nicht nur die Angewohnheit, das „R“ zu rollen, sondern auch komische Fragen zu stellen, die ich, als gebürtige Saarbrückerin, die in einer völlig anderen Dialektzone aufwuchs, erst mal verarbeiten musste, um sie halbwegs  zu verstehen. Manchmal verstand ich sie allerdings gar nicht. Eines Morgens zum Beispiel saß ich etwas verschnupft und kränklich an meinem Computer. Ich hatte also schlicht und ergreifend die „Freck“. Als er ins Büro kam, musterte er mich mitleidig von oben bis unten und fragte: „Oh, Frau Hartmann,  angestoch‘ woar?“ Ich ließ die Frage sacken, ohne, dass sich mein Gehirn einen Reim auf den Sinn machen konnte. Und wenn ich keinen Sinn in Sätzen erkenne, steckt vermutlich etwas Schmutziges dahinter, oder? Weiterlesen

Strike a pose!

Hallo Mikrokosmonauten: „…denn wir haben immer noch das Recht, zu glänzen!“

Schon als Kind trichtert man uns ein, dass es nur eine einzige akzeptable Lebensform gibt, sobald wir erwachsen sind. Nämlich heiraten und eine Familie gründen. Im Idealfall natürlich mit einer Person des anderen Geschlechts. Nur so ist es richtig. Und nicht anders. Mutter, Vater, Kind. So zeigt man es uns im Fernsehen, so machen es alle, so wollen es alle, so wünschen es sich alle. Und Barbie gibt es ohnehin nur mit Ken. Ich kann mir vorstellen, dass sich jeder, der sich damit nicht identifizieren kann und dessen größter Wunsch es nun mal nicht ist, zu heiraten und eine Familie zu gründen, einen Kampf zu kämpfen hat, der bis ans Lebensende kräftezehrend und schmerzhaft ist und bei dem man Opfer bringen muss. Weiterlesen

Licht, Kamera, Action

Hallo Mikrokosmonauten: Ich habe es mal wieder im TV versucht…

Vor ein paar Monaten kam ein neuer Praktikant in unsere Abteilung. Adrian. Schwul. Unterhaltsam. Lustig. Wir verstanden uns auf Anhieb ziemlich gut und merkten so ganz nebenbei, dass wir die anderen ständig zum Lachen brachten. In einer spontanen und überschwänglichen Ideen-Klüngelei an einem trüben Freitag-Nachmittag bewarben wir uns deshalb spontan bei einer Quiz-Show im TV. Außerdem hielten wir uns für schlau genug, um in einem solchen Format zu punkten. Eine totale Selbstüberschätzung. Weiterlesen

Kosmische Energie

Hallo Mikrokosmonauten: Das Schicksal meint es gut mit mir.

Es mag etwas überheblich klingen, aber ich bin ein Glückspilz. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in meinem Leben mal so richtig Pech hatte. Okay, das eine mal vor über zehn Jahren, als ich fristlos gekündigt wurde, weil ich die halbe Firma gegen meinen Chef aufgehetzt hatte. Aber da war ich selber schuld. Heftige Schicksalsschläge sind mir ebenso fremd wie plötzliche böse Überraschungen, schlimme Unfälle oder sonstige Stolpersteine. Mein Schutzengel, so vermute ich, muss wahrlich gnädig sein, denn er versucht alles in seiner Macht stehende zu tun, dass es das Leben stets gut mit mir meint. Ich glaube felsenfest an kosmische Energie, die mich an entscheidenden Punkten in meinem Leben immer positiv beeinflusst hat. Weiterlesen