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Bis hierhin und nicht weiter

Hallo Mikrokosmonauten: Warum Grenzen setzen so schwer ist 

Wie oft habt ihr euch eigentlich schon dabei ertappt, wie ihr „Ja“ gesagt habt, aber „Nein“ meintet? Unzählige Male gewiss, da bin ich mir sicher. Und warum? Weil ihr euch wahrscheinlich nicht traut. Oder weil es eh nichts ändern würde. Oder weil es schlicht und ergreifend zu einem Konflikt führen würde. Schlussendlich dann immer wieder der Klassiker: „Weil es mir nicht zusteht!“. Wie bitte? Es steht euch nicht zu, Nein zu sagen? Klar. Eventuell würde man euch danach nicht mehr mögen. Oder man würde denken, ihr seid egoistisch und selbstgefällig. 

Und so ein einziges kleines „Nein“ würde womöglich all die vielen „Ja“ zuvor mit einem Schlag auslöschen. Nein ist die verbale Atombombe, wenn man es so nimmt. Mit voller Wucht killt sie die Selbstverständlichkeit, mit der sich andere Menschen jahrelang eurer Gutmütigkeit und Loyalität bedient haben. All eure Mühen waren vergebens. Eure ewige Überzeugung, euch respektvoll zu behandeln. Andere Menschen davon zu überzeugen, dass Ihr deren Interesse wert seid. Eure Werte opfern, um dazuzugehören. Die Wichtigkeit eurer psychischen Gesundheit herunterspielen. All das wird wahrscheinlich mit einem einzigen Nein zerstört. Angesichts dieser Vermutungen wird mir Angst und Bange und ich stelle mir unweigerlich die Frage:

„Soll ich ein Ja-Sager bleiben?“

Es wäre in jedem Fall der Weg des geringsten Widerstandes. Aber ist es auch der richtige? Oder ist es viel mehr ein Verrat an uns selbst? Ein Unterbuttern des eigenen Selbstwert bloß um des lieben Frieden Willens? Letztendlich geht es doch genau darum? Frieden. Ich meine allerdings nicht den Frieden im Büro, in Beziehungen oder auf Familienfesten. Nein, es geht vielmehr um den inneren Frieden. Aber diesen Zustand erreicht man nur dann, wenn man seinen Selbstwert kennt. Und dieses Thema ist recht heikel und setzt zuallererst voraus, dass einem die Meinung anderer über dich einfach egal wird. 

Unverblümtes Ich-Sein als Mindset 

Dieses Selbstwert-Ding ist echt weird. Selbstliebe ist ja schon ein lebenslanger Lernprozess, aber jetzt kommt auch noch der Wert dazu. Die Frage: „Bin ich es wert?“ ist ohnehin so ein Kopfkiller. Besonders dann, wenn ständige Selbstzweifel, Unsicherheit und Schuldgefühle dazwischenfunken. Neulich stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich womöglich eine reduzierte Ware wäre, wenn ich meinen Selbstwert bestimmten müsste. Das war ziemlich ernüchternd und schockierte mich zutiefst. Aber ich wusste, dass ich schleunigst etwas tun muss, um aus diesem Selbstwert-Debakel rauszukommen. Und endlich mein eigenes Ich wieder herauslassen, das schon zu lange gefesselt und geknebelt in den tiefsten Tiefen meiner Selbst zum Schweigen verdammt worden war. Das arme Ding!

Verkauft euch nicht unter Wert!

Natürlich wollen wir nicht ausgeschlossen werden und alleine durch die Welt wandeln, doch welchen Preis zahlen wir eigentlich, wenn wir unser Leben in einem Umfeld verbringen, dass uns nur mag, wenn wir klein und ruhig oder laut und lustig sind? Wieso wollen wir unsere Zeit mit Menschen verbringen, bei denen wir Angst haben, dass sie uns verstoßen, wenn wir Nein sagen, eine andere Meinung haben oder einfach wir selbst sind? Hört doch auf, eure mentale Gesundheit für andere Menschen aufzugeben. Viel schöner ist es doch, Platz zu schaffen für die Menschen, die uns genauso lieben, respektieren und akzeptieren, wie wir wirklich sind. (Danke Familie und Mann!) 

Nein sagen fällt nur schwer, weil man die eigenen Vorteile nicht verlieren möchte  

Es ist doch so: Sei bei einem klaren und deutlichen „Nein“ innerlich damit einverstanden, keinen einzigen Gefallen mehr von deinem Gegenüber zu bekommen. Sei damit einverstanden, dass dein Gegenüber dich nicht mehr nett findet und eventuell nicht mehr dein guter Freund oder Arbeitskollege ist. Go for it! Es geht nicht immer nur um dein Ego, sondern um deinen inneren Frieden! Und wenn es deinen inneren Frieden kostet, ist es zu teuer. Darüber hinaus wird es übrigens immer jemanden geben, der dich nicht mag. Die Hauptsache ist, dass du nicht unter diesen Leuten bist. 

Machen wir uns nichts vor: Um anderen Grenzen zu setzen bedarf es Selbstbewusstsein, Selbstfürsorge und Selbstvertrauen. Alles Dinge, die erlernt werden müssen. Wenn wir jedoch eines begreifen, nämlich, dass wir niemals Everbody’s darling sein werden, ist schon mal der Anfang geschafft. Natürlich sollten wir uns im Büro jetzt nicht gleich mit Tacker und Locher bewaffnen und durch sämtliche Abteilungen wüten wie einst Rambo durch den Hindukusch. Höflich und knapp sollte es schon sein. Grenzen setzen kann sich in etwa so anhören: “Ich weiß deine Meinung zu schätzen, habe meine Entscheidung aber bereits getroffen.”, oder: “Ich fühle mich gerade nicht mehr wohl dabei, das mit dir zu besprechen.”, oder eben so: “Ich habe gerade sehr viel mit meiner eigenen psychischen Gesundheit zu tun und kann daher im Moment nicht die Person sein, die für deine Sorgen und Schwierigkeiten ein offenes Ohr hat.”. Kommuniziere deine Bedürfnisse, um gut für dich zu sorgen. Punkt.

Am Ende ist es doch so: Wie du dich selbst siehst, hat einen großen Einfluss darauf, wie andere dich behandeln. Ein imaginäres Stoppschild sollte demnach stets in unserem Tagesgepäck stecken. Wenn du keine Grenzen setzt, wird es niemand anderes für dich tun. Halte dir stets vor Augen, dass Grenzen setzen alleine die Menschen stört, die davon profitieren, wenn du keine hast. 

Du bist niemals verantwortlich für die Gefühle der anderen, sondern nur für deine eigenen

Und einfach so erweiterten Grenzen meinen Horizont und befreiten dieses kleine, kümmerliche Ich in mir, dass Ja sagte, wenn es eigentlich Nein meinte. Und dass zu lange ein Komma setzte, wenn es eigentlich das Ausrufezeichen hätte setzen müssen. Fett und schwarz und wasserfest!

Donnerwetter

Hallo Mikrokosmonauten: Irgendwann kracht es doch immer!

Neulich hatte ich Stress mit einer Arbeitskollegin. Eine gute Arbeitskollegin. Vielleicht schon fast so etwas wie eine Freundin. Jahrelange Zusammenarbeit. Höhen und Tiefen und so. Weil im Moment alles in der Welt aus den Fugen gerät, die Arbeit in den letzten beiden Jahren so einiges von uns abverlangte und man den Spagat zwischen Job, Familie und wenigstens ein bisschen Me-Time hinkriegen muss, liegen die Nerven ohnehin blank und sie hat sich in einer nächtlichen SMS an mich so richtig über alles ausgelassen und ging dabei obendrein auch so gar nicht zimperlich mit meinen Gefühlen um. Und mit den Gefühlen ist das derzeit so eine Sache. Hochsensibel sind wir gerade alle. Neulich flog ein Bundeswehr-Hubschrauber übers Haus und ich bekam es regelrecht mit der Angst zu tun, weil es mich sofort an Krieg und das Ende der Welt erinnerte. Blaulicht und Sirenen sind mir ebenfalls ein Gräuel und verursachen bei mir Herzrasen. Gewisse Dinge gehen gerade gar nicht! Jegliche Art von Zwist noch weniger.

Es kam wie es kommen musste. Dem Angriff folgte ein Gegenangriff und dann knallte und schepperte es. Das Problem bei Streitigkeiten in Textform ist, dass es unheimlich schnell zu Diskrepanzen kommen kann. Und dass Dinge extrem hochkochen, wo man in einem persönlichen Gespräch vielleicht noch die Kurve gekriegt hätte. Gestik und Mimik fehlen nun mal. Die Tonlage und wie man etwas sagt fallen auch weg. Außerdem ist die Hemmschwelle niedriger, böse Sachen zu schreiben als sie einem ins Gesicht zu sagen! Zumindest ein Telefonat, so sage ich mir heute, wäre anders gelaufen. Aber na ja, es war nun mal so.

Man sagt, ein Gewitter reinigt die Luft. Ich finde aber auch, nach dem Gewitter, das sich schon über längere Zeit zusammengebraut hat mit seinen dunklen Wolken und dem Donnergrollen heranzieht, braucht es eine Weile, bis es sich wieder aufklart.

So weit lassen wir es nicht kommen

Gewisse Dinge müssen zuweilen einfach auf den Tisch, jedoch ist Streiten eigentlich nie schön. Liegt wohl daran, dass die meisten Menschen keine Kriegstreiber sind. Nur etwa ein Prozent der Erdbevölkerung gelten als Querulanten im psychiatrischen Sinne. Die Mehrheit will eigentlich in Frieden und Harmonie leben. Umso überraschter ist man, wenn es plötzlich rumst!  Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne und wo Menschen tagtäglich zusammenkommen und miteinander leben oder arbeiten, knallt es nun mal ab und an.

Der Streit, das Schreckgespenst

Konflikte: Sie sind Teil des menschlichen Zusammenlebens. Und wo immer es Beziehungen gibt – ganz gleich welcher Art – gibt es auch Differenzen. Jedes Gespräch kann zu Missverständnissen führen. Liegt an den unterschiedlichen Perspektiven und Werten. Und natürlich auch daran, wie wir aufgewachsen sind. Jede Biografie ist anders und deshalb bleiben wir Individuen mit Ecken und Kanten. Doof nur, dass Streit unweigerlich zu Stress führt und dieser wiederum den Cortisol-Spiegel in exorbitante Höhen treibt. Dies führt zu unschönen Nebenwirkungen wie beispielsweise Bluthochdruck. Wenn in einem Streitgespräch also der Gegenspieler rot anläuft ist äußerste Vorsicht geboten. Es könnte sein, dass er gleich platzt oder einen Schlaganfall erleidet, was in beiden Fällen sehr ungünstig wäre. Wir wollen ja nicht, dass unser Streithahn gleich stirbt!

Zwei Emotionen, die ich in meinem privaten Umfeld in Streitereien ganz klar verspüre sind Angst und Wut. Jedes Mal! Zuerst kommt immer die Angst, die sich so ganz unterwürfig einschleicht und mir zuflüstert: “Bitte bleib sachlich, geh nicht so hart ins Gericht, sonst ist alles verloren!”. Und ich bekomme dann wirklich immer Angst. Angst, dass mein Freund mit mir Schluss machen könnte, weil ich in seinen Augen einfach wieder mega anstrengend bin. Angst, dass ich enterbt werde, weil ich wieder mit dreckigen Schuhen ins Haus gekommen bin. Aber dann drängt sich ein anderes Gefühl nach und nach in den Vordergrund. Die Wut! Unbändig und hitzig. Sie poltert und tobt: “Was kannst du denn dafür, dass andere glauben, du wärst zu anstrengend, nachlässig, faul oder schlecht? Wehr dich! Bewirf sie mit Tomaten! Geh mit Mistgabeln auf sie los! Lass dich nicht unterbuttern!”. Tja, was soll ich sagen? Ich habe meine Mitmenschen noch nie mit irgendwelchen Lebensmitteln geschweige denn mit Werkzeugen angegriffen, aber die Wut hat noch immer über meine Angst gesiegt. Vielleicht, um mich zu schützen, wer weiß?! Psychologen drücken es jedenfalls so aus, dass die Wut die Angst schützt. Sie will verhindern, dass wir verletzlich sind. Und dann geht man in den Angriffsmodus über. Einfach, um sich vor einem Verlust zu bewahren. Was dann folgt, ist meist der Tunnelblick. Wir verheddern uns in Worte, schlagen sprichwörtlich um uns und der Streit fokussiert sich auf die Ursache der Empörung. Das Ende vom Lied: Es eskaliert! Dann frage ich  mich, wie konnte es nur so weit kommen?

Streitanlässe im nahen Umfeld gibt es zuhauf. Kinder räumen ihr Zimmer nicht auf, kümmern sich nicht um ihre Hausaufgaben. Eltern streiten darüber, wer den Kindern, wann wie viel Betreuung zukommen lässt und wie kindliche Frechheiten geahndet werden sollten. Paare streiten über Schwiegereltern, Alkohol- und Internetkonsum, übertriebene Arbeitszeiten, zu viel oder zu wenig Sex, Untreue, Geld, Haushalt. Es gibt ein Thema, was sozusagen das Ganze triggert. Im Grunde geht es nämlich gar nicht unbedingt darum, warum man die Spülmaschine wieder falsch eingeräumt hat, sondern um eine viel tiefer liegende Frage: “Denkst du mit? Entlastest du mich? Fühle ich mich unterstützt?“.

Wie sieht guter Streit aus?

Machen wir uns nichts vor: Streit ist wie Krieg nur ohne Panzer und Tote. Zum Glück. Schwere Geschütze werden zwar auch aufgefahren, allerdings feuern die nur verbal, also überleben wir! Auch Glück. Damit der Krieg aber nicht ewig so weitergeht, muss man verhandeln. Ich finde, ich bin eine gute Verhandlerin. Meine Arbeitskollegin ist das auch. Zumindest haben wir das beide in der Vergangenheit des Öfteren bei dem ein oder anderen Projekt gemeinsam erkannt. Bloß hatten wir da noch im gleichen Regiment gekämpft. Aber wie dem auch sei, Verhandlungen sind alles. Nicht nur in beruflichen Auseinandersetzungen, sondern auch im Privaten. Und egal, wie konträr man eigentlich ist, man sollte immer wissen: “Hey, wir mögen uns und wir müssen einfach nur sehen, dass jeder zu seinem Recht kommt.”.

Am Ende ist es doch so: Wie das Gewitter die Luft reinigt, so kann das ein Streit ebenso. Das allerwichtigste ist immer nur, dass beide tatsächlich die besten Absichten haben, zwar mit den eigenen Wünschen nicht 100 % durchkommen, aber neue Türen öffnen.

Gewitter ist auch nur Wetter, halt etwas erregt. -Manfred Hinrich-

Abbruchfreude

Hallo Mikrokosmonauten: Nicht jede Kapitulation ist gleich eine Niederlage!

In einer leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren ist es nicht ungewöhnlich, dass wir uns tagtäglich und immer wieder aufs Neue die Sporen geben und uns wie Rennpferde zu Höchstleistungen antreiben. Wir müssen funktionieren. Im Job und im Leben. Viel schlimmer als das pure Prinzip der funktionstüchtigen Maschine in Menschengestalt ist obendrein der Gedanke des Gewinnens. Das Streben nach Erfolg. Nach Ruhm. Nach Macht. Oder einfach nur das vermeintlich sieghafte Beendigen einer arbeitsintensiven Woche, in der mal wieder alles andere zu kurz kam, man sich nach Feierabend nur mit Hängen und Würgen noch ins Gym schleppt und wo für Treffen mit Freunden einfach keine Zeit ist oder die Kraft fehlt. Wow, wir können echt stolz auf uns sein. Nicht!

End-Scheidet euch!

Ab einem gewissen Punkt im Leben ist es an der Zeit, sich die Frage zu stellen: Weitermachen oder abbrechen? Getreu dem Motto: Ziele aufgeben, um neue Ressourcen zu schaffen, habe auch ich gewisse Pläne ad acta gelegt. Nein, ich möchte nicht mehr im Ausland leben und auch keine Strandbar mehr in Portugal eröffnen. Mich von einigen Life-Goals zu verabschieden, schmerzte sehr, hinterließ dieser Schritt schließlich eine kleinere oder größere Lücke in meinem Leben. Dabei muss ich gestehen, dass ich bis vor kurzem diese gewissen abbruchfreudigen Leute verteufelt habe, die Beziehungen beenden, weil es quietscht im Getriebe oder die alle zwei Jahre einen neuen Job haben, weil sie meinen, sich jedes Mal wieder neu erfinden zu müssen. Heute weiß ich, dass auch diese Menschen mit sich ringen, ehe sie diese Entscheidungen fällen. Die meisten zumindest. Und dass auch sie sich mitunter schäbig und mies fühlen, wenn ein gestecktes Ziel nicht erreicht wurde. Etwas anderes kann ich mir kaum vorstellen. Aber ist nicht genau dann der richtige Zeitpunkt, um neue Projekte anzufangen? Focus on! Und für alle anderen, die sich immer noch nicht sicher sind, ob sie nun weitermachen oder abbrechen sollen, gilt der simple Tipp mit der Münze: Kopf oder Zahl?

Sich von fremden Wünschen und Erwartungen freimachen

Vieles ist zur Gewohnheit geworden. Sind wir überhaupt noch auf dem richtigen Weg oder sind wir irgendwann zwischen beruflicher Etablierung und korrektem Commitment falsch abgebogen? Was ich damit sagen will: Es lohnt sich, auf dem Weg zu seinem Ziel mal eine Pause zu machen und sich zu fragen: Will ich überhaupt noch dahin? Vielleicht handelt es sich nämlich lediglich um die erstrebenswerten Visionen von anderen und weniger den eigenen. Vielleicht haben wir uns nämlich selbst inzwischen insoweit transformiert, dass wir auch gar nicht mehr dorthin wollen, wo wir noch vor einigen Jahren hinwollten. Denke ich heute an meine vergangenen Vorhaben und Pläne, bin ich regelrecht erleichtert, dass ich manche Ziele nicht ganz so konsequent verfolgt habe, sonst wäre ich heute wahrscheinlich eine unglückliche Ehefrau an der Seite eines alten Oligarchen. Oder eine Heiratsschwindlerin. Und der ganz große Plan war ja auch, als wunderschöne Leiche in der besten Suite im Plaza Athénée gefunden zu werden und damit die Titelblätter sämtlicher Gazetten zu schmücken: „Außer ihren Perlen trug sie nichts.“

Und dennoch dürfen wir uns niemals selbst entfremden, in dem wir nur leben, um es anderen recht zu machen und deren Erwartungen zu erfüllen. Übrigens ein Thema, auf das ich in meinen Texten nur zu gerne eingehe. Vielleicht, weil es mich auch selbst immer wieder betrifft und es wohl zu einer meiner  Lebensaufgaben geworden ist. Es ist dauerhaft einfach toxisch, immer Dinge zu sagen, die andere hören wollen und den Verhaltenskodex zu wahren, den andere voraussetzen. Nicht immer, aber immer öfter. Und am Ende ertappen wir uns dabei, wie wir unweigerlich zugeben müssen:

Wir sind nicht in unserem Element.

Ich möchte hiermit eine Lanze brechen für all diejenigen, die kämpfen und kämpfen, obwohl die Lage aussichtlos ist. Ich fühle mit euch. Vielleicht, weil unter meiner harten Schale ein empathischer Kern steckt. Und das Eingeständnis: „Ich bin eine von euch!“. Ich hatte in den letzten Monaten und Jahren viel Stress. Unverdaute Wut. Und einen exorbitant hohen Ungeduldigkeits-Level, der mich allmählich zur Strecke bringt. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappt, Leute nicht verstehen, was ich ihnen sagen will oder ich nur schon 5 Minuten im Stau stehe, explodiere ich. Machen wir uns nichts vor, aber Stress, das Festhalten an unrealistischen Plänen und diese ganzen aussichtlosen Kämpfe sind allesamt Krankmacher. Wir sollten uns vielmehr die Frage stellen: „Ist es der chronische Durchfall wirklich wert?“.

Drop it!

Es ist doch so: Man scheitert nicht gleich, wenn man aufgibt. Vielmehr befreien wir uns von etwas, was einfach nicht gepasst hat, oder die Zeit erst noch kommt. Bis dahin steckt man sich neue Ziele, aber nicht, bevor man erstmal durchatmet und sich fragt, was man eigentlich will. Was kann bleiben, was muss weg? Und über all dem die Gefühle zulassen, die vorübergehende Leere spüren, den Schmerz gewähren lassen. Und ja, auch die Gedankenspirala à la „War es die richtige Entscheidung?“, „Hätte ich mehr tun müssen?“ und so weiter akzeptieren. Durch diese Lektion müssen wir wohl oder übel durch.

Und einfach so kommt ein neues Ziel.

Es gibt einen einfachen Mood-Booster. Eine Imaginations-Strategie, in der man sich positive Fantasien ausmalt und diese im nächsten Step auf Hindernisse abcheckt. Danach versucht man möglichst realistisch einzuschätzen, wie gut die Chancen sind, diese zu überwinden. Das Gute an all dem ist, dass nach einem aufgegebenen Ziel beim nächsten Ziel viel sorgfältiger vorgeht. Man hat schließlich dazugelernt.

Seid euch über eines gewiss: Ihr seid nicht alleine. Es ist bekanntermaßen so, dass man alle drei bis sieben Jahre einen Transformationsprozess durchläuft, in dem man sich neue Ziele steckt, neue Pläne schmiedet und sich neu ausrichtet. Das ist weder verwerflich noch abnormal. Und zuweilen gibt man einfach auf. Um zu gewinnen.

Money, Money, Money …

Hallo Mikrokosmonauten: Geld allein ist auch eine Lösung

Pünktlich am 1.1.2022 um 0 Uhr 1 sprach ich es laut aus: „Dieses Jahr werde ich reich!“ Es waren die ganzen Umstände, die mich das sagen ließen auf diesem riesigen Balkon mitten im Münchner Zentrum, mit Blick auf Rathaus, Frauenkirche und Löwenturm. Ich hatte das komplette Wochenende in einer Stadt verbracht, in der Reichtum etwas völlig Normales zu sein scheint und wo sich Deutschlands Elite tummelt. Eine Stadt, die zum Leben immer teurer wird, die Lebensqualität jedoch enorm nach oben treibt. Es schien mir sogar, dass die Luft klarer und frischer ist, als die im Saarland. Und der Himmel erst! Ein sattes Blau mit weißen Wölkchen, wie Farbtupfer in einem Gemälde. Je länger ich durch Münchens Straßen wandelte, desto mehr wurde ich zu München und irgendwann war mir so, als hätte ich nie woanders gelebt. Als gäbe es die heimatliche saarländische Provinz nicht. Sie war ja auch so fern!

Ihr könnt jetzt denken, was ihr wollt, aber für mich steht seither eines ganz klar im Fokus: Liebe, Freiheit, Gesundheit sind ja schön und gut, aber ohne Geld bist du in dieser Welt einfach am Arsch! Verzeiht mir, aber es wäre Augenwischerei, euch zu erzählen, dass Luft und Liebe eure Versicherungen bezahlen. Es mag Menschen unter uns geben, die felsenfest davon überzeugt sind, dass es mehr gibt, als Geld und dass man reich ist, wenn man liebt, geliebt wird, gesund ist und Freunde hat. Aber sei es drum: Diese Leute wissen tief in ihrem Innern, dass es ungemein beruhigend ist, wenn das Konto prall gefüllt ist. Die Frage, die ich mir hier jedoch stelle ist:

Wie werde ich möglichst schnell reich?

Im Optimalfall natürlich mit möglichst wenig Aufwand. Im Grunde kann ich nämlich nichts, was mir zum Reichtum verhelfen könnte. Obwohl, ich kann andere zum Lachen bringen. Also habe ich Humor. Aber lässt sich mit Humor viel Geld verdienen? Ich glaube nicht. Ich bin auch ein bisschen kreativ. Also ich kann zumindest unheimlich gut Geschichten erfinden. Erfinden möchte ich demnächst auch ein Mandarinen-Schälgerät. Mir fehlen nur noch Leute, die so ein Ding kaufen würden. Ich bin allerdings unsicher, ob die bei „Die Höhle der Löwen“ mir ein Angebot machen würden. Ich fürchte nicht.

Wenn ich bei „Google“ die Frage „Wie werde ich reich?“ eintippe, erscheinen mir so allerhand Tipps. Langfristig denken, Kosten reduzieren und Finanzen nicht dem Zufall überlassen. Mir wurde dann bewusst, dass ich de facto kein Kapital besitze, um es nicht dem Zufall zu überlassen. Schlechte Ausgangssituation. Da stehen auch solche Sachen wie „Kosten reduzieren“. Wie soll denn das gehen? Ich bin kein Mensch, wenn ich nichts kaufen darf. Richtig lebendig fühle ich mich nur in einem gut gefüllten begehbaren Kleiderschrank. Und gäbe es ebensolche Kühlschränke, wäre mein Glück perfekt. Und getreu dem Motto: „Konto leer, Schrank voll“ friste ich also mein Dasein als anonyme Kaufsüchtige. Aber ich investiere in mich selbst und das führt bekanntlich auch zu finanziellem Erfolg. Also irgendwann. Eventuell. Vielleicht.  

Es muss aber doch irgendwas anderes geben, um an zu Geld zu kommen. Irgendwas fernab von harter Arbeit oder messerscharfem Verstand. Lotto vielleicht. Es schadet zwar nicht, aber außer Ausgaben hat mir das bis jetzt nichts eingebracht. Wobei, doch! 12,50 Euro. Kurz vor Weihnachten. Und ich hatte nicht damit gerechnet. Ich fühlte mich kurzzeitig wie Krösus und überlegte kurz, in welchen Noten ich mir den Betrag auszahlen lassen soll. Letztendlich dämmerte es mir, dass ich über Zwanzig Euro für den Lottoschein bezahlt hatte und somit Verlust gemacht hatte.

Mehrere Standbeine aufbauen

Um reich zu werden, reicht es also nicht, einfach nur dazusitzen und Lotto zu spielen. Ich muss augenscheinlich zu einem Tausendsassa mutieren, um meine Chancen auf Ruhm zu erhöhen. Job & Kolumnen texten reichen also nicht mehr aus. Ich habe es mit Schreiben versucht. Also ein richtiges Buch. Ich bin immer noch dran und es macht auch Spaß, aber da ich wirklich sehr ungeduldig bin, könnte das Buch bestenfalls ja schon längst fertig geschrieben und gedruckt sein und auf der Spiegel-Bestseller-Liste stehen. Zusammen mit meinem Praktikant kann man mich seit kurzem auch buchen. Wir sind zwar frei von Talent, aber als volksnahe Idioten hat man uns gerne an seiner Seite. Und so haben wir uns gedacht, dass wir als musikalisches, künstlerisches oder generell bespaßendes Duo zu Ruhm und Ehre gelangen könnten.

Aber wie ich es auch drehe und wende: Richtig erfolgsversprechend erscheint mir nichts von alldem. Ich mag aber ungern in die illegalen Abgründe abdriften, als Bankräuber, Drogenboss oder gar Auftragsmörder arbeiten, um die große Kohle zu machen.  Wobei mich das bestimmt ungemein interessant machen würde. Wer kann schon von sich behaupten, mit einer Drogenboss liiert zu sein? Und Stoff für mein Buch brächte dieses Leben allemal. Ich könnte natürlich auch reich erben. Das müsste aber bedeuten, dass niemand aus meinem näheren Umfeld sterben darf, weil ich die alle mag. Vielleicht ein entfernter Urgroßonkel aus Tasmanien oder so. Aber am Ende komme ich immer an den gleichen Punkt. Das alles sind Hirngespinste der allerfeinsten Art.

Machen wir uns mal nichts vor: Wenn wir nicht gerade zur rechten Zeit am rechten Ort sind, Glück haben oder einfach ein außerordentliches Talent besitzen, wird das mit dem reich werden wohl vorerst nichts. Was bleibt, ist die Tatsache, dass wir sparen, sparen, sparen müssen und gleichzeitig arbeiten, arbeiten, arbeiten. Ein gefühlt nicht endender Alptraum. Für mich jedenfalls. Und damit nicht genug. Grundregel des Reichtums ganz profan gesehen: Je weniger man von seinem Nettoeinkommen ausgibt, umso größer ist das verbleibende Vermögen. Na toll. Das klingt ja fast so, wie eine von Mister Miyagis Weisheiten und ist ähnlich schwer umsetzbar. „Wer Fliege fangen mit Stäbchen, der vollbringen alles.“.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich empfinde Sparen als entsetzlich. Mag ja sein, dass es nie zu spät ist, ein paar Kröten zur Seite zu legen oder anzulegen, allerdings gehöre ich zu den Menschen, die bereits jetzt schon aus den Vollen schöpfen möchten und nicht erst, wenn ich alt und grau bin. Ich hätte gerne jetzt die Millionen und nicht erst dann, wenn ich Väterchen Tod gegenüberstehe. Und ihr wisst ja: Das letzte Hemd hat keine Taschen mehr.

Am Ende ist es doch so: Wie Carrie Bradshaw schon sagte: „Ich mag mein Geld am liebsten dort, wo ich es sehen kann – hängend in meinem Kleiderschrank.“. Obendrein sehe ich mein Geld aber auch gerne in meinen Reisen, meinen Vergnügungen und in meinen Abenteuern davon schwimmen. Also zumindest das Geld, das ich immer wieder zusammenkratzen kann und jedes Mal staune, dass es gereicht hat.

Ein weiser Spruch lautet: „Verfolge die Vision, nicht das Geld. Das Geld wird dir folgen.“. Ich darf also die Hoffnung nicht aufgeben, dass dieses Mandarinenschälgerät irgendwann mein Triumph werden wird. Also eventuell. Vielleicht.

Unmöglich möglich

Hallo Mikrokosmonauten: Wir sollten uns „ent-sollten“!

Ich habe nachgedacht. Viele Jahre meines Lebens war ich der Auffassung, dass es immer die anderen sind, die über mein Leben urteilen, meine Entscheidungen kritisieren und mich in ein Korsett eines bestimmten Lebensweges pressen möchten. Ich war immer der Auffassung, dass es die anderen sind, die mir Druck machen, zu heiraten, ein Haus zu bauen und an meiner finanziellen Unabhängigkeit zu arbeiten. Inzwischen komme ich jedoch nach und nach von dieser Annahme ab. Denn so wichtig bin ich für andere gar nicht. Was ich damit sagen möchte ist, dass die Menschen in meinem Umfeld zwar durchaus mal gut oder weniger gut finden, was ich tue oder nicht. Jedoch drehe ich mich nicht ständig um sie, als dass sie mich andauernd einer Art „gesellschaftlichen Rankings“ unterziehen müssten. Dazu haben die alle schlichtweg zu viel zu tun. Mit ihrem eigenen Leben beispielsweise. Und mit ihren eigenen Entscheidungen, die aus all den Möglichkeiten resultieren, die die Welt für sie bereithält. Und als ich mich neulich dabei ertappte, wie ich mich zum wiederholten Male ermahnte, ich sollte statt faul auf der Couch rumzuliegen doch etwas Weltverbesserndes, Konstruktives, Phänomenales tun, dämmerte es mir: Vielleicht bin ich es selbst, die mich immerzu für die Dinge kritisiert oder sogar verurteilt, die ich tue.

Offenkundig! In letzter Zeit ertappe ich mich dabei, wie ich mich andauernd aus dem grammatikalischen Möglichkeiten-Katalog bediene und solche Sachen sage wie: „Ich sollte mehr Sport treiben!“ oder „Ich müsste mal wieder abnehmen!“ oder aber der Klassiker: „Ich sollte mich nicht so gehen lassen!“. Der Konjunktiv als ständiger, nerviger Begleiter. Und ich komme nicht daran vorbei, mir die Frage zu stellen:

Seit wann „be-sollten“ wir uns denn so?

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wie oft ertappen wir uns dabei, wie wir uns mit überhöhten Ansprüchen an uns selbst regelrecht übernehmen? Und wie wir dann anfangen, uns zu gängeln, dass wir doch dies und das sollten oder könnten oder was-weiß-ich. Was denken wir uns eigentlich dabei? Glauben wir allen Ernstes, dass überzogene Ansprüche der Schlüssel zum Erfolg sind? Getreu dem Spruch: „Glücklich sind die Anspruchslosen“ ist es nun an der Zeit, unsere Erwartungen durchaus etwas runterzuschrauben. Vor allem die an uns selbst.

Gute Vorsätze?

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Der Jahreswechsel ist das beste Beispiel dafür, uns unsere vermeintliche Mittelmäßigkeit vor Augen zu führen. Ich glaube sogar, dass Silvester der ultimative „Hätte, würde, sollte-Tag“ überhaupt ist! Traurig, aber wahr, aber es zeigt sich Jahr um Jahr, dass wir Vorsätze schmieden, die uns besser, schöner und im Optimalfall schlauer machen sollen. Ausgenommen sind die wenigen, deren Ego größer ist als das von Annalena Baerbock. Es ist ja schön, sich neue Ziele zu stecken, denn Stehenbleiben ist keine Option. Allerdings habe ich gemerkt, wie frustrierend es sein kann, sich selbstkritisch und kontrollverliebt durchs Leben zu jagen. Natürlich sollte ich genügend Sport treiben, in Gesprächen immer möglichst unterhaltsam und lustig sein, wenn`s geht nicht zu viel zu trinken und noch weniger zu fluchen, mich an die Geschwindigkeit halten und bloß nicht jammern, wenn’s mal schwierig wird. Aber seien wir mal ehrlich: Der Satz „Ich sollte mich nicht so gehen lassen!“ ist die maximale Verunglimpfung der eigenen Person. Sich gehen lassen. Was für eine Frechheit und ein Eingeständnis, dass man sich selbst offensichtlich ziemlich unattraktiv und erfolglos findet. Stattdessen sollten wir es uns vielmehr gut gehen lassen!

Und damit nicht genug. Wer zu hohe Ansprüche an sich selbst hat, ist erwiesenermaßen unglücklich. Einerseits, weil man zu selbstkritisch ist, sich für Fehler verurteilt, sämtliche Rollen im Leben perfekt zu meistern versucht, sei es im Beruf, in der Familie und in Liebesbeziehungen, und obendrein dazu neigt, eigene Erfolge herunterzuspielen. Und andererseits, weil eine unbändige Angst besteht, von anderen abgelehnt zu werden, wenn Leistungen nicht erfüllt werden. Und außerdem sollten wir uns keinesfalls den übriggebliebenen Rest der Weihnachtsplätzchen reinpfeifen! Denn das sollte und dürfte einfach nicht sein und macht uns automatisch zu den Abtrünnigen der Gesellschaft!

Schluss mit „hätte, würde, sollte“?

Die Möglichkeitsform bietet im umgekehrten Fall aber auch unzählige Möglichkeiten! Und Konjunktiv sei Dank bewahrte mich so manches „hätte, würde, könnte, sollte“ schon oft vor Schlimmerem. Sätze, in die solche Wörter gepackt werden, wirken in manchen Situationen wesentlich weicher, entschärfter und ja, auch netter. „Ich würde ja gerne mit dir in Wollsocken am Kamin faulenzen, aber ich sollte meine Kreditkarte besser bei einem ausgedehnten Shoppingtrip zum Glühen bringen. Es könnte nämlich sonst zu hormonbedingten Ausfällen meinerseits kommen, die zur Folge haben könnten, dass es Todesfälle zu beklagen gibt.“

Aber ist es nicht genau das? Ein Konjunktiv beschreibt doch einfach nur, dass etwas möglich ist. Es ist also nicht unmöglich, von einer Möglichkeitsform insoweit abzurücken, wie man selbst dazu bereit ist. Oder in meinem Falle: Ein Konjunktiv ist so lange der Mahnende, wie ich ihn lasse, der Mahner zu sein. Ansonsten ist er nämlich eigentlich ganz in Ordnung. Also er könnte zumindest in Ordnung sein, sofern ich das zulasse. Könnt ihr mir noch folgen?

Es ist doch so: „Ich sollte mehr Sport treiben!“, ist die kühne Art, mich darauf hinzuweisen, dass ich jederzeit Sport machen könnte, es aber keineswegs muss. Es bleibt lediglich eine Option. Aber hey, wie toll ist es, dass ich es überhaupt könnte, wenn ich denn wollte. Ha! Was für eine Möglichkeit! Da kann der Mahner in mir jetzt staunen! Aber ernsthaft: Wenn vor jedem „Ich sollte“-Satz, der ursprünglich darauf abzielen sollte, uns  klein zu machen, zu kritisieren oder sogar zu erniedrigen der Mahner darin des Hauses verwiesen werden würde, wäre der Satz überhaupt nicht mehr schlimm. Im Gegenteil. Er hätte eine Leichtigkeit inne. Ganz nonchalant käme er daher und würde uns überhaupt nicht mehr stressen. Es könnte so einfach sein. Und ist es auch.

Ich wünsche Euch einen guten Start ins neue Jahr. So viele Möglichkeiten warten.

Lasst sie uns nutzen!

Der krönende Abschluss

Hallo Mikrokosmonauten: Wir brauchen mehr Goldmomente!

Es war definitiv zu viel Jahr für so wenig Monate! Dabei dachte ich immer, dass das Fahrwasser des Lebens mit der Zeit ruhiger wird. Wird es bestimmt auch. Bei anderen. Bei mir bleibt die See rau und unbeständig. Und da ich sämtliche Metaphern mit Meer, Matrosen und Schiffen liebe, setze ich noch eins drauf: Ich bekam auch 2021 hier und da ordentlich eins gegen den Bug. Aber wisst ihr, was erstaunlich ist?

Ich sinke nie!

Meine Mutter sagt ja immer, dass ich das Talent besitze, mich ständig – meist selbstverschuldet – in einen Abgrund zu stürzen. Aber am Ende würde ich mich immer wieder heraus kämpfen, auch wenn ich zuweilen verbrannte Erde hinterlasse. Oder in „Seemansgarnisch“ übersetzt: „Auch Seeleute fallen mal ins Wasser!“. Und sowieso verliert auch mal das beste Schiff den Anker. Aber besser den Anker, als das ganze Schiff!

Dieses Jahr war geprägt von bahnbrechenden Ideen, wirren Slalom-Kursen, aber auch von wunderschönen Erlebnissen, einigen Lachern und starken Momenten. Und trotzdem frage ich mich auch dieses Jahr, warum denn immer irgendwas sein muss? Hier ein bisschen zu viel Drama, da ein bisschen zu viel Knatsch und gelegentlich verbrennt man sich die Zunge. Ich meine, wir hatten und haben noch immer Corona. Einige Zeit konnten wir ja noch nicht mal irgendwo hin, wo potenzielle Gefahren lauern könnten. Trotzdem begab ich mich in mehrere. Aber:

Ich habe 2021 überlebt!

Zwar geht ein weiteres Jahr zu Ende, in dem ich keine Millionärin geworden bin und noch immer „ledig“ in diversen Formularen ankreuzen muss, jedoch konnte ich mal wieder feststellen, dass das Schicksal es immer gut mit mir meint. Rückblickend glaube ich sogar, dass das Drehbuch, welches für mich geschrieben wurde, eine abenteuerliche Reise für mich vorgesehen hat, die Super Mario World ähnelt. Wann immer ich irgendwo runter falle, startet das Spiel einfach neu. Wie dem auch sei habe ich in diesem Jahr wieder gemerkt, dass es bestimmte Menschen gibt, die an deiner Seite gehen müssen, sonst hat man einfach verloren. Abgesehen von der Familie sind das ein guter Partner, der mit deinen Plänen & Entscheidungen zwar nicht immer konform gehen muss, aber loyal zu dir steht. Dann natürlich ein, zwei Freunde, die im Optimalfall gleichzeitig auch noch Arbeitskollegen sind und mindestens einen Arzt, einen Anwalt und einen guten Psychotherapeuten.

Ein Skipper säuft nie ohne Grund

Aber selbst wenn genau diese Menschen in deinem Leben sind, fühlt man sich als Kapitän eines imaginären Kahns regelmäßig dazu berufen, zu Getränken zu greifen, die den Geist beflügeln. Und wenngleich ich es in all den Jahren zuvor hasste, wenn Glühwein an der Weihnachtsstiefel-Tasse abperlt und wie eine Art Haftkleber die Finger an ebendiesem Gefäß festkittet, so kann ich es dieses Jahr kaum erwarten, endlich wieder einen Weihnachtsmarkt zu besuchen und vom köstlichen Klebewein zu kosten! Ja, ich mag sogar andere Menschen treffen. Für einen Misanthrop wie mich grenzt diese Haltung an ein Wunder! Ohnehin war ich 2021 wieder viel gesellschaftlicher als in den Jahren zuvor. Ich wollte ständig unterwegs sein, reisen, erleben, kommunizieren und mit anderen Menschen Pläne schmieden. Ein paar davon waren sogar richtig gut, obwohl der angedachte Oberkörperfrei-Jahreskalender, in dem diverse Kollegen Model stehen jetzt doch nur ein normaler Kalender geworden ist, in dem ebendiese in witzigen Posen abgelichtet wurden. Ich konnte einfach zu wenige Kollegen für Pin-up begeistern. Der umgekehrte Fall kam da schon besser an, aber dafür gibt es bekanntlich ja Jungbäuerinnen-Kalender oder den Playboy.

Wie jedes Jahr stimmt mich ein Jahresende aber immer wieder nachdenklich und ich frage mich: Was bleibt am Ende außer ein bisschen Glitzer, das von den Zweigen des Weihnachtsbaumes hinab rieselt, während man darunter erleichtert zusammen bricht, weil die Feiertage endlich vorbei sind?

Die Antwort ist klar: Es bleibt so einiges und wiederum wird großartiges passieren! Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ob es jetzt die Vorweihnachtszeit, die Feiertage oder Silvester ist: Keine Zeit lässt mich mehr über Vergangenes nachdenken. Vor allem denke ich an vergangene Weihnachtsfeste, an Silvesterpartys und stelle immer wieder fest, dass einige grandios waren. Und eines haben die Jahreswechsel ohnehin immer gemeinsam: Sie waren und sind immer etwas Besonderes. Erfüllt von Hoffnung auf einen neuen Start, ein erneutes Beginnen unter einem anderen Stern und die Erwartung Großartiges zu erleben.

Lass es einfach zu!

Und damit meine ich nicht die letzte Packung Lebkuchen, die man sich gegen Ende des Jahres noch auf die Hüften futtern möchte. Nein, vielmehr geht es um diese unglaublich lang gehegten Pläne, die uns rund um den Jahreswechsel beschäftigen. Ach, was habe ich schon für unglaublich präzise Pläne geschmiedet, Details und Eckpfeiler festgelegt und dann kam es doch ganz anders. Und ich? Ich kam irgendwie dennoch an. Ernsthaft, je älter ich werde und je lockerer ich mit mir und meinen Lebenszielen umgehe, umso entspannter kann ich auf meine vergangene, oft ausgesprochen unruhig verlaufende Glückskurve zurückblicken und finde dort tatsächlich auch phänomenale Highlights. Daher ist nun mein Blick für Herz- und Goldmomente geschulter und ich erkenne sie auch zweifelsfrei im Hier und Jetzt.

Und ist der See zu Ende, dann fahren wir ne‘ Wende

Es ist doch so: Mein Ziel ist das Finden! Jeder Leichtmatrose würde das Gleiche sagen. Gefunden habe ich bis jetzt zwar nur mein grandioses Silvester-Outfit, aber immerhin ein guter Anfang! Ein guter Anfang ist auch, dass wir 2021 bestanden haben. Nicht überstanden, sondern bestanden. Herzlichen Glückwunsch! Nun liegt es daran, dem kommenden Jahr freudig und voller Spannung entgegenzublicken. Und immer daran denken: Es wird so schön, spannend, explosiv, abenteuerlich und toll werden, wie wir es zulassen!  

In diesem Sinne Merry Christmas, Cheers, Ahoi, Leinen los und Happy new year, yeah!

Fräulein Hartmann und der Worst Case

Hallo Mikrokosmonauten: So schlimm wird es schon nicht werden

Es ist immer das Gleiche: Die Zeit vor einem unangenehmen Termin ist für mich unerträglich. Es ist wie früher in der Schule vor Mathearbeiten oder – noch schlimmer- bevor ich meine Note erfuhr. In der Regel war letzteres für mich unangenehmer. Mein Lehrer hatte die Angewohnheit, die Leute immer einzeln aufzurufen, die sich dann ihre Arbeit vorne am Pult abholen mussten. Die besten waren zuerst dran und je mehr Leute er aufrief, desto tiefer verkrochen sich diejenigen, die noch nicht genannt worden waren. Ich war oft einer der letzten Namen, der aufgerufen wurde. „…und das Fräulein Hartmann“, höre ich ihn heute noch sagen. Und ich stand auf, und ging meinen Gang nach Canossa. Mit zitternden Knien einen Schritt nach dem anderen, wie in Zeitlupe. Eine Tortur!

Heute fühle ich mich noch genauso. Vor Arztterminen, vor unangenehmen Gesprächen, vor Sachen, die ich verbockt habe und wieder gerade biegen muss. Dieses Gefühl ist unschön und lässt mich zuweilen nachts nicht schlafen. Dabei sind meine Sorgen meist unbegründet. Also Sorgen machen sollte ich mir über manche Dinge ja schon, besonders dann, wenn ich mich selbst hinein geritten habe. Und das passiert eben auch des Öfteren. Und der Spruch: „Statt Sorgen sollte man sich besser Nudeln machen!“, geht auch eben auch nur dann, wenn man weiß, dass man morgen nicht gehängt wird! Und oft heißt es in meinem Leben dann halt:

Das Fräulein Hartmann hat Angst!

Eine Frau, die bei einem Zahnarzt-Termin regelmäßig eine „Sch***egal-Pille“ gratis dazu bekommt, sollte es zuweilen nicht zu bunt treiben. Ist aber schwierig. Denn es soll ja nicht langweilig werden. Nichts desto trotz komme ich nicht drum herum, mich zu fragen:

„Wieso gehe ich so oft vom Schlimmsten aus?“

Ich kann  beruhigt sein, denn fast niemand kann sich davon freisprechen, unbewusst und oft völlig unbegründet das „Worst case Szenario“ vor dem geistigen Auge zu sehen. Sowohl im Privatleben als auch im Beruf neigt man dazu, grundsätzlich vom Schlimmsten auszugehen. Ein Schutzmechanismus, der jedoch mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt. Dennoch verfällt man immer wieder in altbekannte Denkmuster, geht vom Schlimmsten aus und fühlt sich in diesem Verhalten auch noch bestätigt. Dabei bin ich doch gar kein Teilzeit-Pessimist! Und trotzdem habe ich unverzüglich ein mulmiges Gefühl, wenn mich mein Chef fragt, ob ich mal gerade zwei Minuten hätte oder mein Freund mir sagt, er hätte gerade keine Zeit, mit mir zu telefonieren. Warum zum Teufel verursachen solche Szenarien bei mir Herzklopfen? Denn bis zu diesem Punkt ist ja noch gar nix passiert. Was, wenn der Chef einfach nur ein Lob aussprechen möchte? Und der Freund tatsächlich im Stress ist? Stattdessen gehe ich erstmal vom Schlimmsten aus, um mich offensichtlich zu schützen. Wird meine schlimmste Befürchtung nämlich wahr, bin ich vorbereitet. Darüber hinaus wirkt ein: „Ich hab’s doch gewusst.“, mindestens genauso so tröstend wie eine Flasche Wein. Oder zwei.

Das Schlimmste kommt. Aber es bleibt zum Glück die Ausnahme.

Ich habe neulich in der Schlange vor der Achterbahn meinen Puls gemessen. Er war hoch. Sehr hoch. Mein Herz hämmerte in meiner Brust und ich bildete mir ein, jemand schnürt mir die Luft ab. Es war unerträglich, ich malte mir die schlimmsten Szenarien aus. Der Gurt öffnet sich während der Fahrt, oder wir bleiben stecken, oder ich bekomme im Looping einen Schlaganfall. Im Sitz selbst starb ich dann tausend Tode, um schlussendlich hinterher völlig aufgedreht und glücklich wieder auszusteigen. Hatte es Spaß gemacht? Verdammt, ja! Und wie jedes Mal konnte ich absolut nicht begreifen, wozu ich mir vorher diese Gedanken gemacht hatte.

A negative mind will never give you a positive life

Einatmen. Ausatmen. Ich muss es mir immer wieder laut vorsagen, damit ich es nicht vergesse. Stress ist Gift. Und sich im Vorfeld bei einer Sache eben diesen zu machen, ist nicht nur psychisch sondern auch physisch anstrengend. Es gibt diverse unangenehme Dinge, die für mich dieses Jahr noch anstehen und die mich teilweise so dermaßen stressen, dass ich Ausschlag bekomme. Dabei sollte ich mir vor Augen führen, dass ich jedes Mal, wenn ich vom Schlimmsten ausgehe, automatisch an mir und meinen Fähigkeiten zweifle. Und irgendwie finde ich mich ja doch ganz okay, halbwegs talentiert und ein wenig taff, wenngleich ich manchmal Scheiße baue.

Stolpern ja, Fallen nein

Fräulein Hartmann ist manchmal wieder zehn Jahre alt und findet sich in dieser Klasse wieder, in der gerade die Mathearbeiten ausgeteilt werden. Sie wird aufgerufen und läuft nach vorne zum Pult. Ihre Knie zittern, sie wirkt verloren, sie nimmt mit klopfendem Herzen ihre Arbeit an sich. Und es ist… gerade nich so ne‘ Vier! Sie stolpert zurück, aber sie fällt nicht. Nicht dieses Mal. Was ein Glück!

Am Ende ist es doch so: Unangenehmes kann man nicht umgehen. Man muss da durch, ob man will oder nicht. Mir wird schon wieder schlecht, wenn ich an meinen nächsten Zahnarzttermin denke. Aber dieses Mal versuche ich es mal ganz anders. Ich atme ein und aus. Ich mache mich ganz groß und gehe da rein. Ich werde keinerlei Gedanken an mögliche Schreckens-Szenarien hegen. Ja, ich werde stark sein, denn ich bin überzeugt, dass es so schlimm nicht werden kann! Nicht wird!

„Und wenn doch?“, winselt dieses kleine Stimmchen in mir.

„Dann gibt es Nudeln mit Sch***egal-Pillen!“

Das gelbe Monster

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin ein Neider, leider.

Ich ziehe ständig Vergleiche. Es ist wie ein Zwang. Führe ich Gespräche mit Menschen, erfrage ich oft deren Lebenssituation und bilanziere im Geiste, inwiefern es diesem Mensch besser oder schlechter geht als mir. Und wie es ihm überhaupt ergeht in dieser Welt im Vergleich zu mir. Und was er hat, was ich nicht habe. Nicht, dass ich unglücklich wäre oder so, aber zuweilen versetzt es mir echt einen Stich, wenn ich herausfinde, dass jemand mehr besitzt als ich oder vermeintlich glücklicher ist. Getreu dem alten Werbeslogan: „Mein Haus, mein Auto, mein Boot!“, verspüre ich Neid! Und zweifellos muss ich gestehen, dass Neid einfach hässlich ist. Das macht mich richtig traurig, denn ich wollte nie so sein. Allerdings habe ich oft das Gefühl, dass Neid genau das ist, was man sich heutzutage gegenseitig herauskitzeln möchte. Eben weil es für viele eine regelrechte Genugtuung ist, wenn andere neidisch sind. Instagram ist dafür übrigens die perfekte Plattform. Wenn ich mir zu lange Storys von Influencern anschaue, will ich manchmal einfach nur sterben und fühle mich schlecht, hässlich und arm. Ernsthaft? Ja! Ich frage mich, wie man beispielsweise als ehemalige RTL-Bachelorette ne‘ goldene Rolex tragen und in einer riesen Finca auf Ibiza wohnen kann und dabei noch so verdammt gut aussieht?! Das perfekte Leben, die perfekten Klamotten, das perfekte Aussehen! Wahnsinn! „Das ist doch alles nur Schein!“, mögen einige jetzt ausrufen, aber ihre Rolex sagt was anderes! Und mehr noch: Ich könnte mir niemals eine Finca auf Ibiza leisten. Urlaube dort sind ja schon unverschämt teuer!

In der Kunst erscheint der Neid über alle Epochen hinweg als gelbes Monster, das die Betroffenen von innen zerfrisst. Zu Recht! Kennt ihr die Szene aus „American Psycho“ als alle ihre Visitenkarten auf den Tisch legten und er vor Neid fast platzten, weil die Visitenkarte des jeweils anderen mehr glänzt? Seit einigen Jahren entdecke auch ich solche unschönen Dinge an mir. So unschön, dass ich sogar meine Falten attraktiver finde. Unter der selbst auferlegten Folter, immer perfekt sein zu müssen, friste ich ein zuweilen geknebeltes Leben voller Entbehrungen und der immer wiederkehrenden Vorstellung, dass andere es trotzdem besser haben. In „American Psycho“ hat er seinen Kollegen mit der besseren Visitenkarte übrigens irgendwann umgebracht. Und ich muss euch etwas verraten: Ich kann diese Entscheidung wirklich verstehen. Diese Bachelorette weckt in mir gelegentlich auch Mordgelüste. Und wenn andere einen größeren Pool haben, spiele ich mit dem Gedanken, ihn in einer Nacht- und Nebelaktion zu verwüsten. Oh Gott, das Ganze geht sogar so weit, dass ich es nicht ertrage, wenn schlanke Menschen Pizza und Nudeln essen können, ohne sich auch nur einen Hauch Gedanken zu machen, dass sie davon zunehmen, weil sie es schlichtweg nicht tun! Und wenn ich in den Urlaub fahre und eine andere Frau trägt so ein ähnliches Outfit, wie das, welches ich nicht eingepackt habe, wurmt mich das so sehr, dass ich ihr das Teil am liebsten vom Leib reißen würde. Mein Bankberater erzählte mir neulich, eine Kundin habe 100.000 Euro in Fonds angelegt, während es bei mir eine lächerlich geringe Summe war. Sofort ratterte es in meinem Kopf: „Woher hat sie nur dieses ganze Geld, um es einfach mal so in Fonds anzulegen?“. Ich fragte mich sogar, wie diese Frau aussehen könnte? Ob sie wohl Rolex trägt? Und so passiert es immer wieder, dass ich mich mit anderen battlen muss, obwohl ich eigentlich besseres zu tun hätte. Wenn mich jemand bei Runtastic in der Rangliste der meist gelaufenen Kilometer überbietet, laufe ich genau einen Meter mehr, bloß damit ich wieder an erster Stelle stehe.

Übertriebener Ehrgeiz oder „Neidhammelei“?

Wenngleich mich nicht alles neidisch macht, wovon andere sich vielleicht wünschen würden, es würde mich vor Missgunst zerreißen (hehe). Wenn verflossene Ex-Freunde heiraten zum Beispiel. Das toucht mich so gar nicht. Im Gegenteil. In diesen Momenten empfinde ich tatsächlich so etwas wie Erleichterung. Ich denke dann: „Gottseidank hat er nach diesem Trauma am Ende doch noch sein Glück gefunden.“ Und ich differenziere natürlich auch zwischen Freund und Feind. Ich kann mich mit meinen Freunden freuen – yeah, ich bin wohl doch noch nicht komplett weird -, wenn ihnen etwas Gutes wiederfährt, es sei denn, es handelt sich um einen Lottogewinn in Millionenhöhe, denn dann würde ich wahrscheinlich unvermittelt die Farbe wechseln: In Gift- und Gallengelb!  Feinden gönne ich natürlich nichts! Leider erfahre ich über Umwege gelegentlich, dass es ihnen jedoch ganz gut geht und sie zu meinem Bedauern doch nicht als Loser ihr Dasein fristen. Es kann dann passieren, dass ich seelischen Beistand brauche, weil mein Ego schwer darunter leidet, wollte ich sie doch am Boden liegen sehen! Jetzt weiß ich endlich, warum „Gucci Envy“ lange Zeit eines meiner Lieblings-Parfums war. So kann es nicht weitergehen, dachte ich mir neulich und fasste einen weitreichenden Entschluss:

Neid ist Chance

Machen wir uns nichts vor: Neid macht unzufrieden. Allerdings sollten wir Neidgefühle zum Anlass nehmen, mehr aus unserem Leben zu machen. Wir sollten überlegen, welche Schritte man unternehmen kann, um auch dahin zu kommen, wo der andere ist. Was hat er getan, was man nachahmen kann? Was hat er genau gemacht? Statt einfach nur missgünstig zu sein, sollten wir den Beneideten nach seinen Erfolgsstrategien fragen. Nehmt ihn euch zum Vorbild und lasst euch inspirieren!

Eines sollte immer klar sein: Was auch immer du tust, dein Wert verändert sich nicht! Dein Wert ist unabhängig von deinem Verhalten, deinem Besitz, deinem Aussehen, deinen Eigenschaften, deinem Wissen, deinen beruflichen Leistungen, deinen Fähigkeiten. Der andere und du, ihr seid lediglich unterschiedlich, keiner ist ein besserer oder schlechterer Mensch.

Irgendwie scheint uns manchmal nicht ganz klar zu sein, wie das Leben anderer hinter deren Fassade aussieht. Finca, Rolex und Luxushochzeit in Rom hin oder her, aber stehen diese Menschen tatsächlich immer im gleißenden Licht? Ich glaube nicht. Viele sind todunglücklich, haben körperliche oder seelische Probleme und sind innerlich zerrissen. Weiß ich wirklich, ob die schlanke Frau neben mir im Restaurant die fettige Pizza zwar isst, aber diese hinterher erbricht?

Ich habe auch einiges zu bieten

Es gerät in Vergessenheit, aber wir sollten es uns alle vor Augen führen: Wir haben verdammt nochmal auch etwas zu bieten und wenn es nur das Talent ist, sich Salzbrezeln aus der Nase zu schnäuzen. Klar fehlt ein jedem immer irgendwas, aber haben wir nicht auch Erfolge, Stärken und erreichte Ziele? Ja, die haben wir!

Am Ende ist es doch so: Neid ist die Sünde des Unbehagens über das Glück des Nächsten. Damit muss endlich Schluss sein! Ich lasse jetzt einfach los und erteile den anderen die Erlaubnis, das zu haben, was ich nicht besitze. Ihr dürft das!

Das gelbe Monster hat gesprochen.

P.S. Übrigens ist es völlig egal, ob man grün oder gelb vor Neid wird, in beiden Fällen macht es einen unschönen Teint!

Der traurige Gorilla

Hallo Mikrokosmonauten: Ich spüre das Tier in mir: Es ist ein Faultier.

Als mich neulich eine Dame ziemlich unwirsch zurechtwies, weil ich mich in einer Warteschlange gedankenverloren versehentlich vordrängelte, wurde mir wieder eines klar: Ich ziehe Tiere den Menschen einfach vor. Das war schon immer so. Als Kind „rettete“ ich regelmäßig Bauernhofkatzen, weil ich der Meinung war, dass sie besser vor den heimischen Kamin passen, als in eine verwahrloste Scheune. Ich kommunizierte mit diesem unglücklichen Gorilla im Zoo, der mir alleine durch seinen Blick verdeutlichte, wie trist sein Leben hinter Glasfassaden ist. Und schlussendlich schwang ich mich wagemutig regelmäßig auf den Rücken eines völlig fremden Pferdes auf einer noch fremderen Koppel und trabte mit ihm ohne Sattel und Zaumzeug davon. Da vertraute ich Hottehü bedenkenlos. Ich wirke auf Tiere offensichtlich ziemlich anziehend, zumindest verfolgen sie mich, wo immer ich auf sie treffe. Wenngleich es mir beim Joggen zuweilen unangenehm ist, wenn sich freudig hechelnde Rüden von den Leinen ihrer Besitzer reißen und mit mir mitlaufen möchten. Na ja, schlimmer wäre es, wenn die Besitzer hecheln würden. Ich bin mir sicher, dass ich in irgendeiner Art mit Noah verwandt bin. Zwar habe ich keine Arche in petto, aber ein geräumiges Auto, in dem zumindest meine Katzen gerne mitfahren.

Ein Herz für Tiere zu haben ist jedoch nicht immer leicht. Ich empfange natürlich meistens positive Gefühle, aber Leid und Schmerz solcher Geschöpfe fühle ich intensiver, als mir manchmal lieb ist. Mein Empathie-Level steigt ins Unermessliche, wenn ich sehe, wie wir mit diesen Lebewesen umgehen. Nicht zuletzt zerriss es mir fast das Herz bei dieser Olympia mit diesem panischen Pferd – als „Sportgerät“ benutzt – und dieser Reiterin und diesen befremdlichen Szenen, ihr wisst schon.

Überdies zog eine weitere Geschichte die Aufmerksamkeit auf mich. Der saarländische Gnadenhof „Haus der Hoffnung e.V.“ nahm vor kurzem Nala bei sich auf. Nala ist eine französische Bulldogge, die über Facebook verschenkt werden sollte wie Restposten bei Ebay. Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, stellte sich heraus, dass Nala todkrank ist, weil sie aus einer Qualzucht kommt. Nala ist ein Paradebeispiel für Inzucht und verantwortungslose Vermehrerei einer sowieso schon fragwürdigen Rasse. Aber solange eine Nachfrage besteht, wird so etwas nicht aufhören. Inzwischen geht es Nala zwar besser, aber Tausende andere ihrer Art überleben die ersten Wochen ihres Lebens nicht. Und das alles nur, weil es so viele Menschen da draußen gibt, die für möglichst wenig Kohle einen Rassehund abstecken wollen. Zum Fremdschämen!

Viele Tierschützer mögen mich nicht

Ich möchte mich dennoch nicht zwangsläufig mit Menschen anfreunden, die sich für Tiere engagieren. Ich würde sogar behaupten, dass ich mit einigen dieser selbst ernannten Tierschützer massiv aneinander rasseln würde. Oder sie mit mir. Nicht alle Tierliebhaber ticken gleich. Besonders nicht, wenn sie ihre Katzen und Hunde vegan ernähren, weil sie selbst vegan leben. Oder diejenigen, die von dir erwarten, dass du, bloß weil du dich vegetarisch ernährst und auf Tierschutz-Demos gehst, auch politisch mit ihnen konform gehst. Ohnehin ein ganz schwieriges Thema. Ich bin Vegetarier und liebe Tier, aber deshalb bin ich noch lange nicht grün, Herrgott nochmal! Regel Nummer Eins war für mich immer: „Wenn du auf eine Veranstaltung zugunsten von Tieren gehst, solltest du nie erwähnen, dass dein Shirt nicht nachhaltig ist, du einen Benziner fährst und Käse und Eier konsumierst. Es könnte dein gesellschaftlicher Ruin in diesen Kreisen sein.“ Eine schlaue Frau hat mal zu mir gesagt, dass Menschen, die sich den Tieren verschreiben keine sonderlich großen Menschenfreunde sein können, sonst wären sie ja nicht in die Welt der Tiere gewechselt. Seit ich vor Jahren mit einer Mitarbeiterin des Tierheims Saarbrücken im Katzenhaus in lautstarken Streit geraten war, weil wir unterschiedlicher Ansicht über eine vermeintlich hochgefährliche Katze waren, kann ich das nur bestätigen. Ich war damals in Tränen ausgebrochen, weil ich die Katze liebgewonnen hatte und nicht verstehen konnte, dass man sie nicht in ihrem Zimmer besuchen und streicheln durfte und die Mitarbeiterin mir das herrisch und ohne Feingefühl vermittelte. Von Social Skills war sie zwar weit entfernt, dafür ging sie jedoch umso liebevoller mit den Katzen um. Ein Phänomen, das ich häufig beobachte.

Murron, My, Bee und Pepe

Vor kurzem geschah dann das Unmögliche: Ich besuchte „Murrons Sommerfest“. Benannt nach einer ganz entzückenden querschnittgelähmten Katzen-Dame. Initiiert wurde das Ganze von „Katzenstimme grenzenlos“, einem Verein, der sich um behinderte, gequälte und vernachlässigte Straßenkatzen und -hunde in ganz Europa kümmert. Ein Gartenfest mit 40 Personen, die mir gänzlich unbekannt waren. Komischerweise waren mir diese Leute aber ganz sympathisch, ich fühlte mich auch nicht unsicher oder fehl am Platz. Im Mittelpunkt standen ohnehin die Tiere und das vegane Buffet, das übrigens phänomenal war. Es beeindruckte mich in diesem Moment zutiefst, dass die Veranstalterin Lara mit drei querschnittsgelähmten Katzen, einem querschnittsgelähmten Hund und zwei weiteren älteren Hunden zusammenlebt und so viel Herzblut in dieses Projekt steckt. Normalerweise hätte ich diese Menschen niemals kennengelernt, aber an diesem Tag hatten wir alle die gleiche Vision: Ein Fest zugunsten der Tiere veranstalten und ihnen helfen, das Leben lebens- und liebenswert zu machen. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit Lara in die Pflege und Fürsorge dieser Tiere steckt, fühle ich mich ziemlich klein und unbedeutend. Aber bevor ich mir an diesem Nachmittag den Kopf zerbrechen konnte, bekam ich schon wieder am laufenden Band Besuch. Von Rolling Pepe, dem kleinen schwarzen Mischling in seiner Laufhilfe oder Felinchen, einer alten, blinden Spitz-Dame. Oder eben von diversen Hunden, die zu Gast waren und sich zu meinen Füßen legten, weil das Tiere eben gerne bei mir machen.

Ich dachte nach: Wenn ich all meine Bedenken gegenüber vermeintlich militanten Veganern, Nachhaltigkeits-Fans und Tierschützern ad acta legen würde, wäre es doch ganz einfach, oder? Im Grunde schauen wir doch alle in die gleiche Richtung und haben, wenngleich wir anderweitig völlig unterschiedlich sind, doch das gleiche Ziel, oder?

So war es auch Bestimmung, als ich an einem kalten Tag im November 2018 das Katzenhaus Oberwürzbach besuchte und eigentlich nur gucken wollte. Am Ende des Tages gab es in meinem Leben plötzlich Mick und Malo, zwei Katzenbrüder.

Am Ende ist es doch so: Ob Nala, My, Murron, Mick,  Malo, Bee oder Pepe – hinter all diesen Tieren stehen Menschen, die – wie ich – schon früh erkannten, dass ihr Herz für Tiere schlägt. Vielleicht standen sie sogar – wie ich – damals vor der Glasfassade und kommunizierten mit dem traurigen Gorilla im Zoo. Weil sie auch diese Gabe haben. Und machen wir uns nichts vor: Die Welt braucht Menschen, die für Eichhörnchen bremsen, Igel über die Straße helfen, Vögel eine Tränke im Garten schaffen, sich um die Nachbarskatze kümmern, wenn die Besitzer im Urlaub sind, kranke Tiere pflegen oder ihnen einen schönen Lebensabend bieten und so weiter.

Wer unterstützen will:

Katzenstimme grenzenlos (Facebook),

www.haus-der-hoffnung.org,

www.katzenfreunde-wadgassen.de

Wasting my young years

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst uns zurückkehren zur Unbeschwertheit! 

Sommer 1994. Ich hoffte, er ginge nie zu Ende. Meine Cousine hatte gerade den Führerschein frisch in der Tasche und wir düsten mit dem alten Kadett ihres Vaters durch unsere Hood. Sie war damals neben Alicia Silverstone aus den Aerosmith-Videos mein absolutes Vorbild. Wir liebten Holzfällerhemden und schnitten die Hosenbeine unserer ausgemusterten 501er so kurz es ging und es für unsere Mütter moralisch noch im Rahmen war. Unser Bewegungsradius begrenzte sich auf etwa 15 Kilometer. Für mich bedeutete eine Fahrt von meinem Heimatort nach Saarbrücken fast eine Weltreise. Ich ließ mir heimlich ein Nasenpiercing stechen und nahm es zum Sonntags-Besuch bei Opa immer raus. Gelegentlich gab es einen  Jungen, den ich in einer dunklen Ecke küsste. Und immer wieder Freibad, zelten und Pizza beim Lieblings-Italiener. Natürlich zum Mitnehmen und an einem verlassenen Ort essen. Gerne an einer Lichtung zwischen zwei Wäldchen. Letztendlich war dies die schönste Zeit meines Lebens, wenngleich es auch damals schon schöne und weniger schöne Tage gab. An den weniger schönen rief niemand an oder das Wetter war schlecht. Oder der süße Junge aus dem Schwimmbad lächelte nicht zurück. Oder mein geliebtes Joghurt-Eis war aus. Andere Probleme gab es nicht. Weiterlesen