• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Nicht ohne meine Haustiere

Hallo Mikrokosmonauten:  Ob Tiere uns auch vertierlichen?

Derzeit hat der Partner an meiner Seite es ziemlich schwer. Nicht, dass es ansonsten einfach mit mir wäre, aber seit ich Besitzer zweier wundervoller Kinder äh Kater bin, bin ich öfter – nennen wir es mal – verhindert. Die lieben Kleinen brauchen schließlich meine vollste Aufmerksamkeit. Und sie sind ja auch sooo süß. Seit sie in mein Leben getreten sind, ist nichts mehr, wie es war. Und das merkt vor allem der liebe Mann, der seit einem knappen Jahr den Kürzeren zieht. Weiterlesen

Zukunftsmusik

Hallo Mikrokosmonauten: Ist heute schon morgen?

Da wird es dieses Mädchen in der Zukunft geben, die alles dran setzt, in ihrer Bewertung in eine bessere Liga aufzusteigen. Denn in der Zukunft wird es ein System geben, das sämtliche Skills von dir unter die Lupe nehmen wird und du danach beurteilt wirst. Von deinen eigenen Arbeitskollegen, Freunden oder Fremden wohlgemerkt. Einer Kassiererin zum Beispiel, die dir lediglich die Waren übers Band zieht. Sie wird dich bewerten. In zwei Minuten. Wie nett und höflich du warst, wie du auf sie gewirkt hast und was du zur ihr gesagt hast. Passt ihr deine Nase nicht, kann sie dir nur 2 statt 5 Sterne geben und du wirst in der Beliebtheitsskala sofort runtergestuft. Wirklich alles, was du den lieben langen Tag da draußen machst, wird von anderen mit deren Smartphones bewertet. Ausrasten, Rumbrüllen oder arrogant sein, werden natürlich nicht geduldet und wenn du dir mal erlaubst, dich öffentlich volllaufen zu lassen, sei dir sicher, dass dich das von einer 4,5 auf eine 3 abstürzen lässt. Einmal dem Kollegen eine blöde Antwort gegeben, weil er dich nervt und peng gibt es von ihm nur einen Stern statt die höchste Anzahl 5 und deine Performance geht noch mehr in den Keller. Und schwuppdiwupp bist du nur noch eine 2,5 und alles unter 3 ist gesellschaftlicher Abschaum. Dieses Mädchen also wird alles tun, um mindestens eine 4,8 zu werden. Alles über 4 bekommt einen besseren Mietwagen, schönere Wohnungen und surft eben gesellschaftlich auf einer besseren Welle. Im Gegenzug kann dieses Mädchen natürlich auch jeden, mit dem sie in Kontakt tritt bewerten. Sie wird fast jedem natürlich nur 5 Sterne geben, schließlich möchte sie das gleiche ja zurück haben. Aber nicht jeder lässt sich nun mal bestechen. Kurz vor ihrem Triumph, über die 4,5 Sterne zu kommen, wird sie also von ihrer ehemaligen Freundin zu deren Hochzeit eingeladen. Mehr und mehr wird ihr allerdings bewusst, dass diese vermeintliche Freundin sie eigentlich nie wirklich gut behandelt hat und sie mehr oder weniger als Abfalleimer für ihre seelischen Abgründe ausgenutzt hat. Aber da die Hochzeit ein gesellschaftliches Highlight werden wird, sieht sie die Chance, sich selbst zu etablieren. Leider wird unser Zukunftsmädchen ab diesem Zeitpunkt von einer Pechsträhne heimgesucht.  Am Flughafen wird ihr Flug gestrichen, weshalb sie bei der Angestellten kurz die Fassung verliert. Als Retourkutsche bewertet die sie mit nur einem Stern. Alle anderen, die dem Wortgefecht gelauscht haben, tun es ihr gleich und ruckzuck fällt sie von einer 4,5 auf 4. Die Flughafenpolizei erteilt ihr darüber hinaus auch noch Strafpunkte, so dass jede Negativ-Bewertung doppelt zählt. Kurzum: Bis sie auf der Hochzeit ankommen wird, ist sie nur noch eine 2,3 und somit eine Schande für die Gesellschaft. Keiner der Gäste möchte etwas mit ihr zu tun haben und sie wird von der Feier verbannt. Ausnahmslos alle bewerten sie mit nur einem Stern, und dann ist ihr Sternekonto plötzlich auf 0. Man entzieht ihr das Smartphone und sie landet im Knast. Sie wird ab diesem Zeitpunkt eine Person sein, die am Ende der gesellschaftlichen Kette angelangt ist. Eine Ausgestoßene.  Eine tolle Geschichte, oder? Aber unser Zukunftsmädchen wirft in mir eine Frage auf: Weiterlesen

Die dreizehnte Fee

Hallo Mikrokosmonauten: Ich wurde verstoßen!

Man behauptet, das Alter mache uns weniger aufbrausend und viel abgeklärter. Man sagt aber auch, im Alter wird einem bewusst, was im Leben wirklich zählt. Ob Freundschaften, Partner oder Familie. Man weiß einfach, was man will, wohin man will und mit wem man dorthin will. Umso schlimmer, wenn man dann vor den Kopf gestoßen wird, weil gewisse Menschen im näheren Umfeld mit dir eben nicht diesen Weg gehen wollen. Und dann kommen Gefühle hoch, die ganz altersunabhängig in jedem von uns hochkochen. Gefühle, die man schon im Teenager-Alter hatte. Wut, Enttäuschung, Frust und all die negativen Vibes, die man mittlerweile eigentlich nicht mehr haben dürfte, weil sie unschicklich sind und nicht mehr passend. Ab einem gewissen Alter muss man schließlich gesittet sein. Gefasst. Sich nicht mehr verhalten wie im Kindergarten. Ganz ehrlich, Leute, so was bekomme ich noch nicht mal hin, wenn ich zuvor eine Ladung Valium eingeworfen habe. Hitzköpfig wie ich bin, flippe ich gerne mal aus, schlage um mich und halte mich mit meinen Emotionen nicht zurück. Leider ist es wohl auch genau deshalb mein Schicksal, dass die Rolle der dreizehnten Fee im Dornröschen-Märchen perfekt auf mich zugeschnitten ist. Ich war leider nie angepasst, gesittet und abgeklärt. Ich war immer ein Paradiesvogel und deshalb entweder der Knaller auf jeder Party oder der Staatsfeind Nummer Eins. Weiterlesen

Halb so wild

Hallo Mikrokosmonauten: Das wird schon wieder: Manchmal bekommt man vom Leben ganz schön eins auf die Fresse. Neulich schnürte ich meine Laufschuhe, quälte mich nach draußen, um Joggen zu gehen und war schon richtig stolz auf mich, weil ich endlich mal wieder aktiv wurde und dann geschah das Unfassbare: Ich stolperte und flog mit meinen ganzen – ach lassen wir das, Gewichtsangaben sind hier nicht relevant -, also ich flog so richtig brutal auf die Schnauze. Ein Sturz wie aus dem Bilderbuch; Aufprall auf die Knie, Schlittern über kalten Asphalt und Bremsen mit den Handinnenflächen. Ein Traum! Zuerst weiß man ja nach solchen Aktionen gar nicht, was passiert ist. Ich glaube, so ähnlich fühlt es sich an, wenn man erschossen wird. Peng! Einfach tot! Erst nach einigen Sekunden Bodenaufenthalt realisierte ich, dass ich noch lebte und wenig später kamen dann diese typischen Schmerzen, die ich zuletzt gespürt hatte, als ich noch ein Kind war. Es waren nostalgische Schmerzen und ich erinnerte mich an meinen legendären Fahrradsturz von 1988. Danach ähnelte mein Gesicht moderner Street-Art-Kunst. Wie dem auch sei: Schwer verletzt und obendrein in zerrissenen Lauf-Tights schleppte ich mich nach Hause und bemitleidete mich selbst. Dass mir am gleichen Tag auch noch der Geldbeutel samt Ausweispapieren gestohlen wird, daran dachte ich in diesem Moment noch nicht. Aber es kam so, denn als ich mich nachmittags mit ausgiebigem Shopping  belohnen wollte und humpelnd einen Laden nach dem anderen aufsuchte, entging mir wohl, dass ein Langfinger sich derweil an meiner Tasche zu schaffen machte. An der Kasse fiel es mir dann auf und ich verfiel augenblicklich in Schockstarre. Zu realisieren, dass man beklaut wurde, dauert seine Zeit. Besser gesagt, man weiß es insgeheim eigentlich recht schnell, weil da dieses mulmige Gefühl ist, aber hofft minutenlang, dass der Geldbeutel doch nur in die Tiefen der Handtasche gerutscht ist. Es wäre nichts ungewöhnliches, schließlich findet Frau in so mancher Handtasche Dinge, die sie jahrelang vermisste. Und dennoch trügt das Bauchgefühl am Ende nie. Und so wusste ich nach der ganzen Sucherei, dass ich also tatsächlich beklaut worden war. Weiterlesen

Verbotene Liebe

Hallo Mikrokosmonauten: Ab jetzt ist alles erlaubt

In trostlosen Zeiten haben wir Menschen die Angewohnheit, nach neuen Kicks Ausschau zu halten. Angst, Hass und gemachte Brüste dominieren unlängst das Land und da ist es durchaus angebracht, sich  spannenden Abwechslungen zu widmen. Eine lustige Schamhaar-Frisur vielleicht oder Sex im Aufzug? Wobei ich mir letzteres echt nicht vorstellen kann. Die meisten Aufzüge sind doch eh versifft und die Spiegel dort lassen einen zehn Kilo dicker erscheinen. Darüber hinaus sind Aufzüge einfach zu schnell am Ziel. Also, ich kann mich zwar in Sekunden über ein Croissant hermachen, aber in einem Aufzug hab ich das noch nicht  geschafft. Dennoch streben wir Menschen danach, uns in den grauenhaftesten Zeiten ein bisschen Spaß und Nervenkitzel zu verschaffen. Wenn noch ein bisschen Sex dazu kommt, umso besser. Weiterlesen

Wilde Jahre

Hallo Mikrokosmonauten: Wie war euer Leben bisher so?

Im Grunde hab ich ja immer viel Zeit zum Nachdenken. Beim Autofahren, im Bett, manchmal auf der Arbeit. Ich denke dann oft darüber nach, was aus mir alles hätte werden können und in meiner Fantasie sehe ich Harry Wijnvoord in einem Fernseh-Studio in seinem Polyester-Jackett vor mir, wie er nach und nach verschiedene Tore öffnet und sagt: „Das wäre Ihr Preis gewesen!“. Hinter jedem Tor bin ich in verschiedenen Phasen meines Lebens zu sehen. Tor 1: Ich als TV-Star, gefeiert wie die Katzenberger! Tor 2: Ich Seite an Seite mit Star-DJ „Hast du nicht gesehen“ vor der Küste Ibizas im Flatterkleidchen und Hippie-Friese. Tor 3: Ich als Erfolgsautorin mit Hund im schicken Cabrio unterwegs als Schirmherrin zum Charity-Event! Irgendwann erwache ich dann aus dem Gedankenkarussel und finde mich wieder zwischen zwei Wühltischen mit „halber Preis“-Unterwäsche. Und mich fragend umschauend nach der versteckten Kamera. Denn die vermutete ich schon häufiger angesichts der größeren und kleineren Fettnäpfchen, in die ich in meinem bisherigen Leben getreten bin. Bis es mir dämmert, dass ich zwar immer hoch hinaus wollte, aber im Grunde nie etwas so richtig gut konnte. Aber Moment mal: Bevor ich mir jetzt wieder meinen eigenen Shitstorm beschere, sollte ich mich tatsächlich fragen:

„Bin ich wirklich so ein Loser?“ Weiterlesen

Kopf voll

Hallo Mikrokosmonauten: Das Gehirn braucht Urlaub!

Es fällt mir immer schwerer, im alltäglichen Chaos den Durchblick zu behalten. Zwischen homosexuellen Ampelmännchen-Diskussionen und „Was könnte ich heute Abend kochen?“ liegen nun mal Welten. Und so muss mein Gehirn unzählige Male am Tag Barrieren durchbrechen und schlussendlich doch gegen Wände laufen, weil es vor der unendlichen Flut an Informationen, Fragen und Sinnlosigkeiten irgendwann kapituliert. Zu viel Input! Zu viel Feuer im Kopf! Das Ganze erreichte seinen Höhepunkt, als ich neulich meinen Schlüsselbund verlegte und ihn ganze drei (!) Stunden erfolglos suchte. Dabei erinnerte ich mich an einen lange verschollenen Bekannten, der mir einmal erzählte, dass seine Oma ihn in solchen Situationen immer angewiesen hatte, sich mit der flachen Hand gegen die Stirn zu hauen und „Kohlrübe“ zu rufen. Und danach würde sich der verlegte Gegenstand angeblich wiederfinden. In meiner grenzenlosen Verzweiflung tat ich genau das. „Kohlrübe“ rief ich und erhielt keine fünf Minuten später eine WhatsApp-Nachricht meines verschollenen Bekannten, was ziemlich komisch war. Darüber hinaus vergaß ich, dass ich ja eigentlich nach meinem Schlüsselbund suchen wollte und dachte: „Hey, nimm dir doch ein Eis aus dem Gefrierfach, du hast jetzt zwei Wochen eisern gefastet – nicht!“. Noch während ich also meinem verschollenen Bekannten eine Nachricht ins Smartphone hämmerte so in der Art: „Alter, wo hast du nur gesteckt?“, und zeitgleich ins Gefrierfach griff, ertastete ich plötzlich zwischen Eispackung und ewig altem Tiefkühl-Spinat meinen Schlüsselbund. Alter, da hat er also gesteckt! Generell nutze ich das Wort „Alter“ übrigens ungern. Es klingt so unweiblich, wenn man so spricht. Aber egal, in diesem Falle war es angebracht, weil ich unfassbar überrascht war, dass ich meine Schlüssel ausgerechnet im Gefrierfach hatte liegen lassen. Und dann dämmerte es mir: Weiterlesen

Zehn Jahre später

Hallo Mikrokosmonauten: Erinnert ihr euch noch an 2009?

Bei Instagram läuft gerade die #10yearchallenge. Das heißt, man postet zwei nebeneinander positionierte Bilder von sich selbst: Ein aktuelles und eins von vor zehn Jahren. Die Challenge verfolgt keinen bestimmten Zweck, es soll lediglich Aufmerksamkeit erzeugen. Aber in einem selbst wirft es die Frage auf:

Habe ich mich verändert?

Zuerst einmal ist genau diese Frage an das eigene Aussehen gerichtet. Ist man dicker oder dünner? Stilsicherer? Ansprechender? Und darauf folgt dann der ganze Rest: Wie war das eigene Leben vor zehn Jahren? War es besser, schlechter, aufregender, langweiliger? Was hatte man damals für Träume und Wünsche? Und dann geht das Gedankenspiel in eine weitere Runde. Denn man überlegt, was sich zwischen diesen beiden Bildern alles abgespielt hat. Trennungen, Liebe, neue Jobs, Reisen. Man fragt sich, was man verloren hat und was dazukam. Alles in allem zeigt dieser neue Hype aber besonders eins: Wir schwelgen unheimlich gerne in Erinnerungen.   Weiterlesen

Zeit  für Echt

Hallo Mikrokosmonauten: Lasst die Masken fallen! Manchmal.

In meinem bisherigen Leben hatte ich immer das Glück, auf viele interessante Menschen zu treffen. Liegt vielleicht daran, dass ich stets herausfinden möchte, wer sich hinter der Fassade verbirgt. Aber eigentlich schon seltsam, dass man überhaupt hinter eine Fassade blicken muss, um das wahre Gesicht eines Menschen kennenzulernen. Aber na ja, ist vielleicht so, weil man mit dem Leben immer konform gehen möchten. Oder weil wir Gefühle verdrängen, weil es vieles leichter macht. Oder aber weil wir zuweilen einfach unsichere Wesen sind, die sich hinter einer Maske viel wohler fühlen. Und ein jeder Mensch, der uns im Leben begegnet, ist ohnehin entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk. Dies gilt es wohl bei jeder Begegnung herauszufinden. Und trägt man dabei vorerst Maske, ist die Enttäuschung hinterher vielleicht nicht so groß. Latex wäre in diesem Zusammenhang aber eher suboptimal. Wie auch immer stelle ich mir aber die Frage:

 

„Wer bist du?“ Und: „Wer bin ich?“

Fast überall da draußen bekommen wir stets zu hören, dass man doch bitte so sein soll, wie man wirklich ist, denn so wie man ist, ist man toll. Angeblich. Egal, ob im Beruf oder im Privatleben: Authentizität soll gefälligst gelebt werden. Angeblich. Niemand steht auf diesen aufgesetzten Schmu! Angeblich. Aber wenn man dann so ist, wie man ist, ist genau das irgendwann der Grund dafür, dass man uns kritisiert oder sich gar von uns abwendet. Weil man so, wie man ist, offensichtlich doch nicht so toll ist. Tatsache! Denn dann ist man auf einmal zu ehrlich. Zu kompliziert. Und schlussendlich einfach zu schwierig für alle Beteiligten. Also war das Maskerade-Spielchen dann wohl doch besser, oder wie? Wir predigen alle etwas von Offenheit und Echtheit, aber bleiben im Grunde doch immer nur an der seichten Oberfläche. Übrigens eines meiner Lieblingsthemen: Oberflächlichkeit. Verfluchte Scheiße, ich sollte  Bücher darüber schreiben. Nichts stimuliert mich intellektuell mehr als Gespräche über Oberflächlichkeit oder über Tiefe.

 

Kennt heutzutage kaum noch jemand. Es sei denn, man starrt in die Tiefe seines noch halb vollen Weinglases. Oder halb leeren. Wie man es sieht. Ein jeder redet zwar von kernerschütternden Begegnungen, von Belang und Tragweite. Von Geradlinigkeit und Offenheit. Aber die wenigsten wagen sich auch nur in die Nähe dieser Dinge. Uargh, viel zu anstrengend! Das ist genauso, wie wenn man immer nur davon spricht, ein fernes Land zu bereisen, dies aber nie in die Tat umsetzt.

 

Switch on – Switch off

Da wir es offenbar perfektioniert haben, unseren eigenen Schalter des Scheins nach Belieben an- und auszuknipsen und uns aalglatt an alle Gegebenheiten des Lebens  und des Berufs anzupassen, nur, um immer möglichst gut dazustehen oder nicht anzuecken, fällt es anderen immer schwerer uns richtig einzuschätzen. Bereits in den achtziger Jahren stellten Psychologen die bis dahin gängige Lehrmeinung in Frage, eine möglichst realistische Wahrnehmung der Welt sei quasi unerlässlich für die geistige Gesundheit. Immer mehr Studien zeigten damals, dass gut angepasste, „normale“ Personen mit einer Reihe von sogenannten positiven Illusionen leben – die ihr Selbstbild in ein besseres Licht rücken, als es objektiv geboten wäre. Schlecht ist so etwas ja nicht, aber ist Illusionen nicht so etwas wie ein Nahrungsergänzungsmittel für die Seele?

 

Weg von der Illusion – zurück zum echten Leben!

Trugbilder, Selbsttäuschung, Fiktion: Mogelpackungen gibt es zwar überall, aber gelegentlich stellt man fest, dass sich dahinter auch etwas Echtes verbirgt, das eben nur noch selten zum Vorschein kommt. Zu hoch scheint die Gefahr, dass das süße Leben aus stumpfsinnigen Aktivitäten, unaufrichtigen Küssen, übertriebenen Status-Symbolen oder Erfolg im Job nun mal vorbei ist, wenn man die Maske gänzlich ablegt. Andererseits stellt sich mir aber auch gleichzeitig die Frage:

 

Gibt es eigentlich Teilzeit-Masken?

Denn bis zu einem gewissen Grad brauchen wir sie im Leben vielleicht doch, die verspielten Worte, die die kalte Wahrheit etwas aufhübschen. Oder das souveräne Lächeln, das den Chef glauben lässt, dass du doch nicht so ne hohle Nuss bist. Oder einfach den Charme, den man spielen lässt, damit es mit dem Vertrag klappt. So ein bisschen Maskerade kann nicht schaden, solange sie einem steht und man sie mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Aber ich bin ehrlich: Seit ich denken kann, lasse ich mich ungerne an etwas fesseln. Sei es an Tätigkeiten, die ich eigentlich nicht mag oder Dinge, die ich nicht brauche. Noch jedes Mal nahm ich reiß aus, sobald mein Herz mir keine eindeutige Botschaft vermittelte, dass es echt ist. Zuweilen lasse ich mich auf der Welle der Wahrheit treiben und sage sie jedem, der sie hören will oder zumindest verkraften kann. Es ist so ein bisschen wie Tourette. Und nochmal zurück zur Maske: Ich kann sie einfach nicht ständig tragen und will es auch nicht zumal ich finde, dass ich ohne jetzt auch nicht unbedingt ausschaue, wie Frankensteins Tochter. Es hält sich im Rahmen.

 

Am Ende ist es doch so: Der schöne Schein ist immer nur temporär interessant. Aber er hält uns in einem Käfig aus Eitelkeit, Oberflächlichkeit und zuweilen auch Gleichgültigkeit gefangen. Wer ausbrechen möchte, muss mutig und authentisch sein. Und vor allem stark genug. Viele schaffen es jedoch nicht, auszubrechen und bleiben ihr Leben lang nur Schauspieler, sind Gefangene ihres eigenen Egos und verbieten sich ihre eigene Freiheit. Und das ist wahrlich kein Luxus!

 

Doch eines ist gewiss: Die Mutigen unter uns, die echt sind, bleiben auch echt. Und finden ihresgleichen. Immer.

 

Bin ich ihnen nicht schon Maske genug? (Johann Wolfgang von Goethe)

 

 

 

 

 

 

 

Same procedure as…

Hallo Mikrokosmonauten: Notlügen zu Weihnachten sind erlaubt! 

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber dieses Jahr bin ich erst spät im weihnachtlichen Taumel angekommen. Obwohl im Vorfeld alles wie immer war: Die Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen hing ab Ende Oktober, den Lebkuchen gab es schon vorher. Und ab September weichten die Sommerkleidchen den kratzigen Wollpullis. Zumindest im Einzelhandel. Ich habe mich dieses Jahr echt schwer getan, mir einzugestehen, dass jetzt wieder die Zeit beginnt, in der es früher dunkel wird und die Welt ein Stückchen an Farbe verliert, nachdem auch die letzten goldenen Blätter von den Bäumen gefallen sind. An Farbe verlieren auch wir, denn die Sommerbräune verabschiedet sich mehr und mehr und das von der Sonne ausgebleichte Haupthaar bekommt wieder diesen verwahrlosten Straßenköter-Touch, obwohl man längst keiner mehr ist. Ich bin erschüttert, dass nun ein weiteres Weihnachten ganz nonchalant anmarschiert kommt, als hätte man sehnlichst drauf gewartet. Haben wir nämlich irgendwie nicht. Offen gestanden war ich immer Fan von Weihnachten. Aber dieses Jahr erscheint es mir ferner denn je, zumindest in diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe. Denn Weihnachten und die Wochen davor – da bin ich mir sicher – ist auch die Zeit von Lug und Trug. Ich frage mich deshalb jedes Jahr aufs Neue:

„Täuschen wir ihn nur vor, den Weihnachtstaumel-Freudentanz?“

Ich ertappe mich ja besonders in der Vorweihnachtszeit dabei, wie ich mir selbst den Jutesack voll lüge. Das fängt beim Gebäck an. Ein Lebkuchen hat fünf Weight-Watchers-Punkte. Ist nicht viel, aber ich will mir jedes Jahr aufs Neue partout nicht eingestehen, dass mein Lebkuchen in Wahrheit 500 Gramm wiegt und aus zwanzig Einzelteilen besteht. Und de facto 100 Weight-Watchers-Punkte hat, was einem Extra-Punkte-Puffer von etwa drei Wochen gleichkommt, das ich in nur fünf Minuten aufbrauche. Mein Selbstbetrug wiegt übrigens etwa zwei Kilo. Aber okay, wir Menschen haben ja die seltsame Angewohnheit, uns gerne selbst glücklich zu machen. Passt die Hose nicht mehr, kaufen wir uns einfach eine mit Gummibund und fühlen uns gleich so, als hätte es das Malheur nie gegeben. Bei Glühwein ist das nichts anderes. Denn wie so oft gestehen wir uns auch hier nicht ein, dass wir das Gebräu eigentlich hassen, da zu viel Zucker und Nelkengestank, aber wir uns förmlich hingerissen fühlen, in der vorweihnachtlichen Träumerei davon zu kosten und das nicht zu knapp. Spätestens nach dem ersten verklebten Schnabeltassen-Stiefel auf dem Weihnachtsmarkt wissen wir: „Stimmt, so geil ist der gar nicht.“, und sollten spätestens jetzt die Finger davon lassen. Da aber Weihnachten ist, suggeriert uns das Gehirn, dass wir gerade jetzt und hier Unmengen Zuckerwein in uns hineinschütten müssen, weil das halt so ist. Ich wechsele ja irgendwann immer von Glühwein zu diesen anderen niedlichen Getränken mit neckischen Namen, die wie Erotik-Spielzeug klingen. „Blonder Engel“ oder „Süßer Traum“ zum Beispiel. Leider halten auch die nur bedingt, was sie versprechen, denn süße Träume habe ich davon nie. Eher Sodbrennen. Aber was soll’s, es ist Weihnachtszeit und man malt sich die Welt in dieser Zeit kunterbunt und bestäubt sie sogar noch mit Puderzucker. Dass der Puderzucker für manche auf illegalem Wege auf dem Zimtsternchen gelandet zu sein scheint, ist dann wohl auch wahrhaftig der absolute „Vanillegipferl“! Nun denn, in welchem Orbit wir uns in der vorweihnachtlichen Zeit nun wirklich befinden, lässt sich nur erahnen. Jedoch frage ich mich:

„Was wäre Weihnachten, wenn wir immer unverblümt ehrlich wären?“

Wahrscheinlich das Fest der Hiebe.

Denn gehen wir auf das vermeintliche Fest der Liebe zu, erreicht der Schummelmarathon seinen Höhepunkt. Spätestens dann, wenn man eröffnet bekommt, dass die unbeliebte Tante samt griesgrämigem Gatten jetzt doch zur Heiligabend-Völlerei eingeladen wurde und zusätzlich auch noch Mitbestimmungsrecht erhält, was auf den Tisch kommt, während man selbst noch nicht mal einen Hauch Entscheidungsgewalt hat, wer an den Tisch kommt und das auch nicht ehrlich sagen darf. „Des Lieben Frieden Willens.“, hallt es dann aus dem Alibi-Requisiten-Lager der eigenen Truppen, während man selbst insgeheim bereits die Messer wetzt, weil eine feindliche Belagerung der Weihnachtstafel droht. Weihnachten mit der ganzen Familie an einem Tisch zu sitzen mag zwar in der Phantasie wie das fröhliche Weihnachtsmann-Hauptquartier wirken, kann aber in Wahrheit eine Schlittenfahrt in die Hölle bedeuten. Die Antwort liegt ganz allein im Wein. Ein Glas zu viel des guten Rebensaftes kann in weihnachtlicher Gesellschaft eine ganze Familie entzweien. Vielleicht, weil in vino immer noch mit veritas einhergeht oder weil einige ihn schlichtweg nicht vertragen. So manch einer ist an einer geschmückten Tafel schon in den Genuss von Ohrfeigen zum Lamm gekommen. Habe ich gehört. Die Wahrheit, Freunde, ist zuweilen ein ganz schön garstiger Wichtel, deshalb sollte man sie zu Weihnachten innerhalb der Familie tunlichst vermeiden. Gleiches gilt auch bei einem ähnlich leidigen Thema: Den Geschenken. Ich frage mich jedes Jahr aufs Neue, weshalb wir im Vorfeld stets tönen, dass wir uns dieses Jahr nichts zu Weihnachten schenken, aber dieses Nichts dann am Ende noch möglichst schön in Goldpapier wickeln? Diese Flötentöne können jedenfalls ganz schön böse ausgehen, spätestens dann, wenn man sich wirklich daran hält. So kam mir neulich zu Ohren, dass ein Pärchen über Monate vor Weihnachten bereits bei jeder sich bietenden Gelegenheit betonte, sich an Weihnachten nichts zu schenken. Und sich auch wirklich mal daran zu halten, denn die Jahre zuvor war es ähnlich abgelaufen, aber man brachte es dann nie übers Herz, wirklich nichts zu schenken. Nun ja, diesmal jedoch setzte der männliche Part des Paares es tatsächlich in die Tat um und schenkte – oh Wunder – nichts. Ich war nicht dabei, als sie ihm freudestrahlend am Heiligen Abend die Schlüssel eines Oldtimer-Cabrios überreichte, das mit Schleifchen in der Kies-Auffahrt stand. Ich war auch nicht anwesend, als sich um seine Nasenspitze herum eine leichte Blässe bildete und ihr Lächeln versiegte, als er ihr sein „Nichts“ gestand. Ebenso konnte ich der Szenerie auch nicht beiwohnen, als sich ihre Miene versteinerte und sie versuchte, normal weiterzuatmen, damit sie nicht in Ohnmacht fiel. Aber wenn ich ehrlich bin, kann ich mir genau vorstellen, dass man die Luft dort hätte schneiden können, so dick wie sie war.

Frohe Weihnachten

Im Grunde gibt es zu Weihnachten keine wirklich guten Tipps, sollte die Familien-Fehde bereits zu weit fortgeschritten sein. Vielleicht mehr Humor und Notlügen und das Vertuschen der nackten Wahrheit, obwohl ich kein Freund davon bin. Von Nacktheit allerdings schon, aber erst nach der Weihnachtszeit, wenn der Sport wieder Einzug hält. Darüber hinaus soll es doch tatsächlich Familien geben, die sich recht gut verstehen. Meine ist eine davon. Zu Weihnachten sind wir nämlich eher damit beschäftigt, ein bisschen rund um unsere Hüften zu schummeln als dem anderen ins Gesicht. Weil das mit dem Weight-Watchers funktioniert eh nicht.

Am Ende ist es doch so: Eine Ohrfeige hat noch niemandem geschadet, allerdings passt sie eher weniger zum familiären Weihnachtsfest. Warten wir noch bis Silvester!

Fröhliche Weihnachten, ihr da draußen!