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Ich kann dich nicht riechen!

Hallo Mikrokosmonauten: Wo sind meine Taschentücher?

Als neulich eine meiner Katzen verschwand, war die Aufregung groß. Ich habe zwei Katzenbrüder, die enorm an sich hängen und bis zu diesem Tag noch nie voneinander getrennt waren. Nun vergingen geschlagene zwei Tage, ehe man ihn uns in einer Gemüsekiste zurückbrachte. Er hatte sich zwei Tage auf dem Bauernhof der Nachbarn im Hühnerstall verschanzt. Wir waren komplett aus dem Häuschen, als er wohlbehalten aus der Kiste sprang, allerdings war sein Bruder weniger erfreut. Offensichtlich roch der Ausreißer so dermaßen nach Hühnerkacke, dass der andere ihn nicht mehr ertragen konnte. Vielleicht hielt er ihn auch plötzlich für ein Huhn. Wir wissen es nicht. Jedenfalls lief er fauchend und mit zusammengekniffenen Augen um den ehemals geliebten Bruder herum und schlussendlich ging er ihm gänzlich aus dem Weg.

Ich muss gestehen, dass der Kater in der Tat nicht unbedingt nach Babypuder duftete. Und als wäre dies nicht schlimm genug, kam auch noch mein Freund mit neuer Bartwichse daher, obwohl ich immer gedacht habe, dass das kein Mensch benutzt. Weit gefehlt! Der Geruch dieser Mixtur ließ mich beinahe aus den Latschen kippen, wenngleich ich zuerst dachte, der Duft wehe von einer Senioren-Kaffeefahrt herbei. Aber da waren weit und breit keine Senioren. Nur seine Aufforderung: „Riech mal an meinem Bart!“. Schlimmster Tabak-Parfumgeruch ever! Kennt ihr Tabak? Also dieses Duftwässerchen, das vorzugsweise Männer um die Achtzig benutzen, wenn sie sich zur sonntäglichen Skat-Runde treffen? Mir wurde ganz anders… und angesichts dieser allgegenwärtigen und unfreiwilligen Aroma-Therapie fragte ich mich:

„Warum können wir uns manchmal nicht riechen?“

Riechen. Dieser Sinn hat auf uns den höchsten Einfluss wenn es um Gefühle geht. Wenngleich wir Menschen nicht unbedingt Supernasen sind, denn da hat das Tierreich uns einiges voraus! Dennoch habe ich das Gefühl, dass mein Gehirn die spannendste Parfümerie der Welt ist. Es speichert Gerüche ab wie am Fließband, und mit jedem einzelnen Geruch verbinde ich Erinnerungen. Und das kommt nicht von ungefähr. 20 Millionen Riechzellen auf zehn Quadratzentimetern Schleimhaut lässt uns tausende von Düften unterscheiden und in Kategorien einteilen. Und wir brauchen nur eine winzige Menge zur Identifizierung. Ohne dass wir etwas daran ändern können, wird jeder Duft in einer Art Duftregister abgespeichert. Wenn wir den Duft erneut wahrnehmen, verknüpft sich dieses Erkennen automatisch mit dem gespeicherten zurückliegenden Ereignis und wir erinnern uns. Leider assoziieren wir aber auch manche negative Erinnerung mit gewissen Düften. In meinem Fall ist das der Geruch des unliebsamen Bart-Parfums. Ich kann einfach nichts dagegen tun. Und die Wissenschaft gibt mir Recht. US-Psychologen der Northwestern University in Chicago haben herausgefunden, dass kleinste Duftspuren ausreichen, um zu beeinflussen, ob wir ein neutrales Gesicht eher als sympathisch oder als unsympathisch empfinden. Wenn wir also einen Menschen treffen, ganz egal, ob bekannt oder unbekannt, lassen wir ihn mit allen Sinnen auf uns wirken. Aussehen und Verhalten spielen natürlich eine große Rolle, aber auch sein Geruch prägt die Wahrnehmung. Ein unangenehmes Parfüm oder unangenehmen Körpergeruch empfinden wir als fast ebenso unerträglich wie muffige Klamotten.

Weihrauch und Himbeeren

In meiner Kindheit gab es diese Himbeerhecke im Garten. Sobald die ersten Beeren pflückreif waren, war ich von diesem Ort kaum mehr wegzudenken. Und dieser süße Duft verankerte sich ganz tief in meinen Erinnerungen, so dass ich mich noch heute gedanklich sofort in jenen Sommertagen wiederfinde, sobald ich mir eine Portion Himbeeren genehmige. Wenngleich sie heute eher aus diesen ekligen Plastikschalen kommen, als vom heimischen Kindheits-Himbeerstrauch. Dagegen weckt Weihrauch eher meinen Überlebenswillen. An meiner Kommunion wurde ich nämlich so dermaßen von diesem abstoßenden Geruch umhüllt, dass ich der Ohnmacht nahe war. Und so gibt es tausende Gerüche, die mich ohne Umschweife sofort mit Erinnerungen konfrontieren. Mein persönlicher Favorit ist natürlich Sonnenöl und Meeresluft. Es ist demnach der Parfümindustrie nicht zu verübeln, dass sie mittlerweile auf dieser Erinnerungs-Masche aufbaut. Maison Margiela zum Beispiel hat es sich zur Aufgabe gemacht, unser limbisches System so derart anzuregen, dass man bei  Parfumnamen wie „Beach walk“, „Springtime in a park“, oder „Lazy Sunday morning“ geruchsmäßig sofort im gedanklichen Duftregister blättert und sich eben wirklich fühlt, wie beim Strandspaziergang. Faszinierend!

Der Nase vertrauen

Duft ist immer und überall. Und Duft hat einen sehr großen Einfluss auf unser Handeln, unser Denken, unsere Entscheidungen. Das machen wir uns zu wenig klar. Wir sollten versuchen, wahrzunehmen, was wir riechen, wenn wir einen Raum betreten, einen Menschen treffen oder einfach nur draußen in der Natur sind. Wir sollten versuchen, zu identifizieren, was da riecht und das auch bewerten. Wenn wir  beispielsweise den Partner nicht mehr riechen können, ist die Beziehung eigentlich hinfällig. Oder man sollte sich einfach die Nase putzen. In meinem Falle genügte es aber schon, dass er dieses widerwärtige Bart-Pflegemittel entsorgte. Zum Glück!

Es ist doch so: Stimmt die Chemie, können wir uns in der Partnerwahl also tatsächlich auf die Nase verlassen. Der individuelle Körperduft hat demnach einen bedeutenden Anteil. Übrigens spielen Pheromone hier eine entscheidende Rolle. Im Tierreich überlebenswichtig, sind diese Botenstoffe für uns Menschen auch ziemlich interessant, denn sie steuern sozusagen unsere Anziehung auf andere. Sobald unsere individuellen Pheromone die Nase eines anderen erreichen, werden sie direkt in dessen limbisches System weitergeleitet. Dieses System lenkt sämtliche instinktive Funktionen, darunter: Hunger, Müdigkeit und Sexualität. Pheromone haben also einen direkten Draht zu grundlegenden Körperfunktionen. Ich habe mir mal ein Parfum mit Pheromonen anreichern lassen, um zu testen, ob ich dadurch tatsächlich attraktiver fürs andere Geschlecht bin. Im Grunde passierte nicht viel, es zog sich zumindest kein Mann unvermittelt vor mir aus oder machte mir einen Heiratsantrag. Aber ich roch gut. Wenngleich ich mich selbst ja nicht riechen konnte. Ich kann ja nicht mal meine eigene Alkoholfahne riechen.

Meine beiden Katzen hingegen können sich wieder riechen. Wir haben den anderen Kater einfach auch in den Hühnerstall gesteckt. Danach war alles wieder gut. Das war natürlich ein Witz. Ein Kamillenshampoo tat es auch.

In der zweiten Reihe sitzt man besser

Hallo Mikrokosmonauten: Second place is first loser, oder?

In jungen Jahren nahm ich an einer TV-Show teil. Das Thema lautete: „Wir suchen das Partygirl des Jahres!“. Ich wurde damals Dritte. Ein eher undankbarer Platz. Einer, der schnell vergessen wird. Die ersten beiden bekamen wenigstens noch VIP-Tickets für die Bambi-Verleihung. Ich bekam einen Blumenstrauß und das Rückflugticket nach Saarbrücken bezahlt. Es hätte mich natürlich schlimmer treffen können, obwohl ich mich heute manchmal frage, ob es denn etwas Schlimmeres gibt, als mit oberkörperfreien Tänzern im Bikini zu posieren. Ich hatte damals extra meinen Job hingeschmissen. Für ein bisschen Fame. Und ich wurde nur Dritte. Aber so war das schon immer bei mir. Irgendwie bin ich kein geborener Gewinner. Und auch Übung machte bei mir noch nie den Meister. Weiterlesen

Alles super!

Hallo Mikrokosmonauten: Ich bin schon wieder genervt!

Jeder kennt es: Man ist verabredet. Man ist zu spät dran. Man findet zu allem Übel keinen Parkplatz. Die Anspannung steigt. Die Ampeln springen aus unerklärlichen Gründen alle auf Rot. Das Smartphone piepst. Eine Whats App-Nachricht: „Schon da?“. Keine Zeit zum Antworten, denn die Ampel springt genau jetzt auf Grün. Verzweifeltes Rumgurken durch die Stadt auf der Suche nach ner Parklücke. Ruhig bleiben völlig ausgeschlossen. Rumschreien hinterm Steuer, da die nächste Ampel wieder auf rot springt. Wut auf sich selbst, dass man nicht einfach zehn Minuten früher losgefahren ist. Letztendlich widerrechtliches Parken auf Privatgrundstück. Hetzen zum Treffpunkt. Warten am Treffpunkt, da Verabredung trotz eigener Verspätung noch nicht da ist. Brodelnde Stimmung. Schweißausbrüche. Blödes Gefühl, weil Angst, dass Auto eher abgeschleppt wird als man selbst. Aufkeimende Aggressionen. Und schließlich taucht die Verabredung seelenruhig lächelnd auf und fragt total entspannt: „Na, alles gut?“, und insgeheim tut man plötzlich nichts anderes, als die Messer zu wetzen angesichts dieses provokant gutgelaunten Verhaltens. So eine Frechheit auch! Weiterlesen

Vorbei sein ist alles

Hallo Mikrokosmonauten: Das Jahr zuvor war immer besser, oder?

Ruhig ist es da draußen geworden. Das einzige, was ich derzeit höre, ist das letzte Herbstlaub, das unter meinen Schuhen knirscht. Eventuell fühle ich mich aber auch einfach nur an ruhigen Orten wohler, weil mich Lärm und Trubel stressen. Lärm auf den Straßen. Und Lärm, der die Münder der Menschen verlässt. Gegen Ende des Jahres ist das bei mir oft so. Da ertrage ich die erdrückende Präsenz der Gesamtheit nicht mehr. Einfach gesagt: Die Menschen und deren Befindlichkeiten gehen mir schlichtweg auf den Sack! Ich ziehe mich auch zurück, weil ich mein Jahr gedanklich Revue passieren lasse. Das mache ich jedes Jahr und dazu brauche ich Ruhe. Das ist nämlich in etwa so, als fertigte man eine Liste an von alldenjenigen, mit denen man im Leben schon rumgeknutscht hat. Es erfordert Konzentration und eventuell eine Gummizelle, sofern man sich plötzlich wieder an Dinge erinnert, die man verdrängt hatte. Mein Jahr war keine Orgie aus wilder Knutscherei, wenngleich ich darüber ganz froh bin. Lippenherpes macht sich nicht gut zum Dior Nr. 999. Vielmehr war es ein Jahr, das den Buchtitel: „Sie war stets bemüht.“ tragen dürfte, wenn es denn eins gäbe. Aber selbst dazu konnte ich mich bis heute nicht aufraffen. Wie so oft wollte ich in diesem Jahr mal wieder so viel und habe so wenig erreicht. In der Berufswelt würde man sagen, dass ich meine Jahresziele nur bedingt erreicht habe. Es ist wie bei Heinz Becker, der bis zur letzten Folge den Rasenmäher einfach nicht repariert bekommt, weil immer irgendwas ist. So ähnlich ist es bei mir auch. Ebenso bin ich auch immer noch nicht hinter das Geheimnis der Gelassenheit gekommen. Ich bin immer noch eine Getriebene, getrieben von mir selbst. So gesehen war mein Jahr wirklich nichts Besonderes. Weiterlesen

Schnell die Welt retten

Hallo Mikrokosmonauten: Wer keine große Leuchte ist, spart zumindest Strom

Ich kann es nicht mehr hören! Überall unterwirft man mich dem Diktat des Klimaschutzes. Ich soll die Heizung nicht aufdrehen, ich soll regional und saisonal essen, Plastiktüten sind tabu, ich soll mit Deckel auf dem Topf kochen, weil das energiesparender ist. Ich dachte immer, Topf und Deckel wären in einem anderen Zusammenhang wichtiger? Und Autofahren sollte ich auch nicht mehr so oft, sondern eher aufs Fahrrad umsteigen. Ist ja alles schön und gut, aber wenn ich mir die FFF-Generation so anschaue, frage ich mich, ob sie es besonders cool fände, wenn sie einen Beutel Laubbaumsamen geschenkt bekäme, statt einem neuen Handy. Machen wir uns nichts vor: Es gibt keinen Planeten B, aber ich frage mich angesichts der ganzen Weltrettungs-Bewegung: Weiterlesen

Premiere

Hallo Mikrokosmonauten: Es gibt immer noch ein erstes Mal!

Als ich zum ersten Mal geflogen bin, fühlte ich mich wie eine Pionierin. In meiner Fantasie war ich Amelia Earhart, bekleidet mit einem zu großen Männer-Overall, Fliegerhaube und Pilotenbrille. Ich betrat das Rollfeld mit stolz geschwellter Brust und stieg ehrfürchtig in das Flugzeug. Mein Herz schlug wie wild und ich wusste, dass ich im Begriff war, etwas für mich Großartiges zu tun. In der Tat durfte ich damals ins Cockpit und war ganz nah dran an den Geräten und Knöpfen und den Männern, die das Ding steuerten, denn mein Vater hatte all seine militärischen Hebel in Bewegung gesetzt, um mich in eine Transall C-160 zu bekommen. „Das Kind muss in die Luft!“. Etwas übel war mir dann aber schon. Im Cockpit roch es muffig und es war viel zu heiß, jedoch vergaß ich dieses erste Mal nie. Weiterlesen

Nicht ohne meine Haustiere

Hallo Mikrokosmonauten:  Ob Tiere uns auch vertierlichen?

Derzeit hat der Partner an meiner Seite es ziemlich schwer. Nicht, dass es ansonsten einfach mit mir wäre, aber seit ich Besitzer zweier wundervoller Kinder äh Kater bin, bin ich öfter – nennen wir es mal – verhindert. Die lieben Kleinen brauchen schließlich meine vollste Aufmerksamkeit. Und sie sind ja auch sooo süß. Seit sie in mein Leben getreten sind, ist nichts mehr, wie es war. Und das merkt vor allem der liebe Mann, der seit einem knappen Jahr den Kürzeren zieht. Weiterlesen

Zukunftsmusik

Hallo Mikrokosmonauten: Ist heute schon morgen?

Da wird es dieses Mädchen in der Zukunft geben, die alles dran setzt, in ihrer Bewertung in eine bessere Liga aufzusteigen. Denn in der Zukunft wird es ein System geben, das sämtliche Skills von dir unter die Lupe nehmen wird und du danach beurteilt wirst. Von deinen eigenen Arbeitskollegen, Freunden oder Fremden wohlgemerkt. Einer Kassiererin zum Beispiel, die dir lediglich die Waren übers Band zieht. Sie wird dich bewerten. In zwei Minuten. Wie nett und höflich du warst, wie du auf sie gewirkt hast und was du zur ihr gesagt hast. Passt ihr deine Nase nicht, kann sie dir nur 2 statt 5 Sterne geben und du wirst in der Beliebtheitsskala sofort runtergestuft. Wirklich alles, was du den lieben langen Tag da draußen machst, wird von anderen mit deren Smartphones bewertet. Ausrasten, Rumbrüllen oder arrogant sein, werden natürlich nicht geduldet und wenn du dir mal erlaubst, dich öffentlich volllaufen zu lassen, sei dir sicher, dass dich das von einer 4,5 auf eine 3 abstürzen lässt. Einmal dem Kollegen eine blöde Antwort gegeben, weil er dich nervt und peng gibt es von ihm nur einen Stern statt die höchste Anzahl 5 und deine Performance geht noch mehr in den Keller. Und schwuppdiwupp bist du nur noch eine 2,5 und alles unter 3 ist gesellschaftlicher Abschaum. Dieses Mädchen also wird alles tun, um mindestens eine 4,8 zu werden. Alles über 4 bekommt einen besseren Mietwagen, schönere Wohnungen und surft eben gesellschaftlich auf einer besseren Welle. Im Gegenzug kann dieses Mädchen natürlich auch jeden, mit dem sie in Kontakt tritt bewerten. Sie wird fast jedem natürlich nur 5 Sterne geben, schließlich möchte sie das gleiche ja zurück haben. Aber nicht jeder lässt sich nun mal bestechen. Kurz vor ihrem Triumph, über die 4,5 Sterne zu kommen, wird sie also von ihrer ehemaligen Freundin zu deren Hochzeit eingeladen. Mehr und mehr wird ihr allerdings bewusst, dass diese vermeintliche Freundin sie eigentlich nie wirklich gut behandelt hat und sie mehr oder weniger als Abfalleimer für ihre seelischen Abgründe ausgenutzt hat. Aber da die Hochzeit ein gesellschaftliches Highlight werden wird, sieht sie die Chance, sich selbst zu etablieren. Leider wird unser Zukunftsmädchen ab diesem Zeitpunkt von einer Pechsträhne heimgesucht.  Am Flughafen wird ihr Flug gestrichen, weshalb sie bei der Angestellten kurz die Fassung verliert. Als Retourkutsche bewertet die sie mit nur einem Stern. Alle anderen, die dem Wortgefecht gelauscht haben, tun es ihr gleich und ruckzuck fällt sie von einer 4,5 auf 4. Die Flughafenpolizei erteilt ihr darüber hinaus auch noch Strafpunkte, so dass jede Negativ-Bewertung doppelt zählt. Kurzum: Bis sie auf der Hochzeit ankommen wird, ist sie nur noch eine 2,3 und somit eine Schande für die Gesellschaft. Keiner der Gäste möchte etwas mit ihr zu tun haben und sie wird von der Feier verbannt. Ausnahmslos alle bewerten sie mit nur einem Stern, und dann ist ihr Sternekonto plötzlich auf 0. Man entzieht ihr das Smartphone und sie landet im Knast. Sie wird ab diesem Zeitpunkt eine Person sein, die am Ende der gesellschaftlichen Kette angelangt ist. Eine Ausgestoßene.  Eine tolle Geschichte, oder? Aber unser Zukunftsmädchen wirft in mir eine Frage auf: Weiterlesen

Die dreizehnte Fee

Hallo Mikrokosmonauten: Ich wurde verstoßen!

Man behauptet, das Alter mache uns weniger aufbrausend und viel abgeklärter. Man sagt aber auch, im Alter wird einem bewusst, was im Leben wirklich zählt. Ob Freundschaften, Partner oder Familie. Man weiß einfach, was man will, wohin man will und mit wem man dorthin will. Umso schlimmer, wenn man dann vor den Kopf gestoßen wird, weil gewisse Menschen im näheren Umfeld mit dir eben nicht diesen Weg gehen wollen. Und dann kommen Gefühle hoch, die ganz altersunabhängig in jedem von uns hochkochen. Gefühle, die man schon im Teenager-Alter hatte. Wut, Enttäuschung, Frust und all die negativen Vibes, die man mittlerweile eigentlich nicht mehr haben dürfte, weil sie unschicklich sind und nicht mehr passend. Ab einem gewissen Alter muss man schließlich gesittet sein. Gefasst. Sich nicht mehr verhalten wie im Kindergarten. Ganz ehrlich, Leute, so was bekomme ich noch nicht mal hin, wenn ich zuvor eine Ladung Valium eingeworfen habe. Hitzköpfig wie ich bin, flippe ich gerne mal aus, schlage um mich und halte mich mit meinen Emotionen nicht zurück. Leider ist es wohl auch genau deshalb mein Schicksal, dass die Rolle der dreizehnten Fee im Dornröschen-Märchen perfekt auf mich zugeschnitten ist. Ich war leider nie angepasst, gesittet und abgeklärt. Ich war immer ein Paradiesvogel und deshalb entweder der Knaller auf jeder Party oder der Staatsfeind Nummer Eins. Weiterlesen

Halb so wild

Hallo Mikrokosmonauten: Das wird schon wieder: Manchmal bekommt man vom Leben ganz schön eins auf die Fresse. Neulich schnürte ich meine Laufschuhe, quälte mich nach draußen, um Joggen zu gehen und war schon richtig stolz auf mich, weil ich endlich mal wieder aktiv wurde und dann geschah das Unfassbare: Ich stolperte und flog mit meinen ganzen – ach lassen wir das, Gewichtsangaben sind hier nicht relevant -, also ich flog so richtig brutal auf die Schnauze. Ein Sturz wie aus dem Bilderbuch; Aufprall auf die Knie, Schlittern über kalten Asphalt und Bremsen mit den Handinnenflächen. Ein Traum! Zuerst weiß man ja nach solchen Aktionen gar nicht, was passiert ist. Ich glaube, so ähnlich fühlt es sich an, wenn man erschossen wird. Peng! Einfach tot! Erst nach einigen Sekunden Bodenaufenthalt realisierte ich, dass ich noch lebte und wenig später kamen dann diese typischen Schmerzen, die ich zuletzt gespürt hatte, als ich noch ein Kind war. Es waren nostalgische Schmerzen und ich erinnerte mich an meinen legendären Fahrradsturz von 1988. Danach ähnelte mein Gesicht moderner Street-Art-Kunst. Wie dem auch sei: Schwer verletzt und obendrein in zerrissenen Lauf-Tights schleppte ich mich nach Hause und bemitleidete mich selbst. Dass mir am gleichen Tag auch noch der Geldbeutel samt Ausweispapieren gestohlen wird, daran dachte ich in diesem Moment noch nicht. Aber es kam so, denn als ich mich nachmittags mit ausgiebigem Shopping  belohnen wollte und humpelnd einen Laden nach dem anderen aufsuchte, entging mir wohl, dass ein Langfinger sich derweil an meiner Tasche zu schaffen machte. An der Kasse fiel es mir dann auf und ich verfiel augenblicklich in Schockstarre. Zu realisieren, dass man beklaut wurde, dauert seine Zeit. Besser gesagt, man weiß es insgeheim eigentlich recht schnell, weil da dieses mulmige Gefühl ist, aber hofft minutenlang, dass der Geldbeutel doch nur in die Tiefen der Handtasche gerutscht ist. Es wäre nichts ungewöhnliches, schließlich findet Frau in so mancher Handtasche Dinge, die sie jahrelang vermisste. Und dennoch trügt das Bauchgefühl am Ende nie. Und so wusste ich nach der ganzen Sucherei, dass ich also tatsächlich beklaut worden war. Weiterlesen