• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Augen auf und durch!

Komaglotzen, Serienmarathon, Binge-Watching – was vor Jahren harmlos als Netflix & Chill begann, versammelt aktuell mehr und mehr Serienjunkies vor der Glotze. Immer öfter, immer länger, Corona sei Dank.

 

Ansagen wie „Einer geht noch!“ und „Schlaf wird überschätzt“ erfreuen sich dieser Tage größter Beliebtheit. Was früher allerdings auf gesellige Besäufnisse oder exzessive Partynächte gemünzt war, meint heute eher Belustigungen im sehr überschaubaren Personenkreis, meistens sogar ganz alleine. Und vom „Trinkgelage“ ist nur das Gelage übriggeblieben, das heißt im Englischen „binge“ und wird benutzt, wenn etwas exzessiv betrieben wird, wie zum Beispiel „binge eating“ oder „binge drinking“, also exzessives Essen oder Trinken. „Binge-Watching“ steht also für gnadenlosen Konsum von ganzen Fernsehserien. Dabei handelt es sich um den gerade in Corona-Zeiten immer populärer werdenden Trend, nicht mehr nur ein oder zwei Episoden einer Serie anzuschauen, sondern eben eine ganze Staffel oder gleich die komplette Serie. Binge-Watching ist gerade in der Pandemie etwas ganz Normales geworden. So ein ganzer Tag auf dem Sofa mit der neuen Lieblingsserie hat ja schon was Schönes.

 

Ermöglicht wird dieser verlockende Zeitvertreib durch die omnipräsente Verfügbarkeit von Video-Material auf den einschlägigen Streaming-Plattformen, die wirklich süchtig machen. Im Gegensatz zum linearen Fernsehen, bei dem das Programm durch den Fernsehsender nur in homöopathischen Dosen freigegeben wird, können bei Video-on-Demand-Angeboten mehrere oder gleich alle Folgen in einem Rutsch angesehen werden. Zwar ist Binge-Watching praktisch schon seit der Erfindung der Videokassette und auch durch die Veröffentlichung kompletter Serienstaffeln auf DVD möglich, jedoch erst, nachdem vorher die einzelnen Episoden im Fernsehen gezeigt wurden. Spätestens seit fortlaufend neue komplexe Qualitätsserien auf dem Markt kommen, gewinnt das Phänomen zunehmend an Anhängern. An Dynamik zugelegt hat das Ganze, als Anbieter wie Netflix, Prime oder Sky alle Folgen einer Staffel gleichzeitig veröffentlichen und als dann letztes Jahr noch die Pandemie mit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren die Leute praktisch zum Stubenarrest verdammte, brachen alle Dämme.

Valar Morgulis

 

Dass derlei Serienmarathons nicht nur faszinierend und angesagt sind, sondern auf Dauer auch ungesund, dürfte niemand ernsthaft überraschen. Das beginnt schon dort, wo die eigene Kontrolle über das Serienschauen aufhört. Denn Serien am Stück zu schauen, ist nicht immer eine freie Wahl, sondern kann ein suchtähnliches Verhalten darstellen. Aus „nur noch eine Folge“ wird dann meist „nur noch vier Folgen“. Doch was ist eigentlich am „Seriensuchten“ so schädlich? Paradoxerweise schaden gerade besonders gut gelungene Serien der Gesundheit, weil die einen eben lange Zeiträume vor dem Bildschirm fesseln. Der Grund liegt auf der Hand: die Neugierde der Binge-Watcher darüber, wie es mit der Handlung weitergehe, in Kombination mit der stets verfügbaren Erlösung – nur einen Klick entfernt.

 

Naheliegend ist, dass mit Binge-Watching ein Schlafentzug einhergeht. Das amerikanische Fachmagazin „Journal of Clinical Sleep Medicine“ veröffentlichte eine Studie mit 400 Probanden zwischen 18 und 25 Jahren, von denen sich 80 Prozent als „Binge Watcher“ bezeichneten, untersuchte. Das Ergebnis: Dauerserienschauer haben daraus resultierende Schlafstörungen und somit ein um 98 Prozent erhöhtes Risiko für schlechteren Schlaf. Klar, denn wer abends eine fesselnde, neue Serie beginnt, der hört nicht nach zwei, drei Folgen wieder auf, sondern schaut sie sich im Extremfall einfach ganz an. Ohne Rücksicht auf den eigenen Schlafrhythmus, mit nicht zu unterschätzenden Folgen für den gesamten Metabolismus.

 

Australische Forscher konnten unlängst belegen, dass Binge-Watching nicht ohne Einfluss auf das Gehirn bleibt. In erster Linie schadet es dem Gedächtnis, was damit zusammenhängt, dass Menschen schlechter lernen, wenn sie viele Informationen auf einmal verarbeiten müssen, anstatt diese auf kleine Häppchen zu verteilen. Die, die sich die Folgen mit gewissen Abständen anschauen, müssen sich jedes Mal wieder aktiv an vorherige Folgen erinnern – das trainiert die grauen Zellen. Hat man die Folge aber unmittelbar vorher gesehen, fällt dieser aktive Abrufeffekt aus. Das kann sich langfristig sogar auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirken. Ein weiterer bereits nachgewiesener neurologischer Effekt, wenn wir eine lange Zeit vor dem Bildschirm verbringen, ist eine reduzierte Myelin-Produktion, die Depressionen und Angstzustände begünstigt, denn Myelin schützt die Nervenzellen. Manche Studien vermuten auch sogar ein höheres Alzheimer-Risiko.

 

Homelander, Heisenberg und House

 

Außerdem wäre es wohl nicht die schlechteste Idee, weitere mögliche Folgen des Binge-Watching zumindest im Auge zu behalten, wie zum Beispiel ein weiter degenerierendes Sozialleben, das unter Corona-Bedingungen ohnehin schon massiv reduziert wird. Selbst beim gemeinsamen Suchten der Serien mit Partnern oder Familie, bleibt oft die Kommunikation auf der Strecke. Soziale Isolation und Einsamkeit lassen so nicht lange auf sich warten. Dazu kommt, dass notorische Binge-Watcher oft ihre Pflichten wie zum Beispiel den Haushalt aber auch die Arbeit oder die Familie vernachlässigen, um mehr Zeit auf der Couch verbringen zu können. Und gerade die lässt sich ja zusammen mit den Liebsten auch noch für Anderes nutzen. Das würde dann auch gleich noch einer weiteren Gefahr entgegenwirken, dem Mangel an ausreichender Bewegung. Bei einem Dauer-Fernsehkonsum von mehr als vier Stunden täglich zeigten Teilnehmer einer Studie ein doppelt erhöhtes Risiko eines vorzeitigen durch Herzkreislaufkrankheiten bedingten Todes. Da helfen dann auch weder Greg House noch Meredith Grey.

Weiterlesen

Take me out!

Sobald ein Saarländer im bundesweiten TV auftritt, ist normalerweise sofort Fremdschämen angesagt. Die blitzgescheite und schlagfertige Dillingerin Olla Matusiewicz hat jetzt im RTL-Erfolgsformat „Take me out“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass das auch ganz anders geht. Weiterlesen

Der Hardcore Fotograf

Eigentlich hatte Marco Schmidt ganz andere Pläne, aber dann tauschte er Sicherheit und Chef gegen seinen langjährigen Traum und seine Freiheit. Der Mann aus dem Rock’n’Roll Business hat seinen Platz hinter der Kamera gefunden und schießt seither beeindruckende Bilder.

Als Booking Agent plant und begleitet Marco Schmidt alle denkbaren Veranstaltungen, am liebsten im Hardcore-Bereich. So war letzten Januar auch bei der Persistence Tour dabei, dem größten Event in Sachen HC und Metal. Da der Mann aber auch leidenschaftlich Musik macht, weiß er, wie dankbar man für das Einfangen bestimmter Momente und Emotionen auf der Bühne, hinter den Kulissen und auf den Fahrten im Tourbus ist. Dazu hat er als frischgebackener Papa im letzten Jahr erlebt, wie wichtig es ist, die vielen schönen Momente in der Familie zu verewigen. So kam Marco zu seinem zweiten Hobby, der Fotografie, das er dann gleich zu seinem zweiten Beruf machte. Seine Fotografien zeigen immer eine außergewöhnliche Bandbreite an Motiven und so durfte er jüngst auch das Duo „Glasperlenspiel“ fotografieren. Weiterlesen

Frau Paulus schreibt

L!VE 01-2021 // Interview G. Paulus

 Horror, Fantastik, Sex & Crime sind ihre Themen und die machen Germaine Paulus zu einer der interessantesten Autorinnen in unserer Stadt. Wer sie kennenlernt, der vergisst sie nicht, was neben ihren Texten vielleicht auch ein kleinbisschen an ihrem unverwechselbaren Lidstrich liegen mag.

  Weiterlesen

„Mit dem Herzen dabei“: OB Uwe Conradt zu Rollenbildern, CSD und dem übernächstem James Bond

Unser Autor Marc Kirch beschäftigt sich jeden Monat mit aktuell relevanten Themen aus der Perspektive queerer Menschen. Basierend auf der Überzeugung, dass eben auch Menschen mit unterschiedlichen Geschlechter- und sexuellen Identitäten in der Mitte unserer Gesellschaft in Frieden und Freiheit leben dürfen und sollen, hinterfragt er den angenommenen Zwang zur Heteronormativität und spricht hierzu mit Vertretern des öffentlichen Lebens aus Sport, Politik, Kultur und Wirtschaft. Diesen Monat trifft er Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt in der Fußgängerzone am St. Johanner Markt.

Weiterlesen

Schwule sind die wertvolleren Fußballspieler

Das bekannte Zitat des Erfolgstrainers Louis van Gaal zeigt nur eine Facette der aktuellen Diskussion, ob Homosexualität schon im bezahlten Spitzenfußball angekommen ist. Da lohnt es sich bei einem absoluten Insider nachzuhören. Unser Autor Marc Kirch traf sich mit David Fischer, dem Geschäftsführer des 1. FC Saarbrücken, um sich nach Outings in der Spielerkabine und „Spielermännern“ auf der Ehrentribüne zu erkundigen. Weiterlesen

Swing is king

Die Zwanziger sind wieder da! Mit Wirtschaftskrise, geschlossenen Bars und einer globalen Pandemie, genau wie vor hundert Jahren. Seit März befindet sich die gesamte Unterhaltungsbranche im Dornröschenschlaf. Die gesamte Unterhaltungsbranche? Nein! Die „Gramophoniacs“, eine ebenso frische, wie auch hippe Saarbrücker Band, lassen sich nicht unterkriegen und liefern jetzt mit ihrer ersten Platte das seit den 1920ern bewährte Mittel gegen Trübsal und Tristesse: Swing! Weiterlesen

Grosse Klasse auf kleinem Feld

Saarländer können alles – und manches sogar besonders gut. Etliche Deutsche- und Weltmeister-Titel sprechen eine klare Sprache: das Saarland ist eine echte Macht im  Tischfußball!

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal in einer Kneipe eine Runde Tischfußball gespielt, dabei ordentlich Spaß gehabt und mehr oder weniger viel Ehrgeiz entwickelt. Und selbst bei Niederlagen bringt die Ansiedlung in Kneipen auch noch den unschätzbaren Vorteil mit sich, dass man sich mit etwas Glück daran nicht mehr erinnern kann. An der Saar gab es schon einen richtig organisierten Liga-Spielbetrieb als der Kickersport in anderen Bundesländern noch kaum verbreitet war. Entsprechend war bei der Gründung des Saarländischen Tischfußballverband (STFV) 1967, also bereits zwei Jahre vor dem Deutschen Tischfußball-Bundes (DTFB), das Saarland die absolute Hochburg dieses Sports. Neben zahllosen Hobby- und Zufalls-Kickern in ungezählten Gaststätten oder Hobbyräumen, sind aktuell nach Angaben des DTFB gut 8.000 Spieler bundesweit regelmäßig in organisierten Strukturen im Einsatz. Das Saarland ist da zahlenmäßig mit 2.100 Mitgliedern ganz vorne dabei und ist vor Hamburg mit nur 1.300 Mitglieder der stärkste Landesverband. Entsprechend spielt unser schönstes Bundesland der Welt traditionell eine starke Rolle im DTFB und stellt aktuell mit Klaus Gottesleben und Nicole Gabriel dessen Präsidenten und die Geschäftsführerin.

Daran, dass Tischfußball richtiger Sport ist, kann spätestens nach der 2012 vom Bundesfinanzministerium beschlossenen Änderung der Abgabenordnung kein Zweifel mehr herrschen. Das bedeutete den Durchbruch in einem lange geführten Kampf um offizielle Anerkennung und seitdem haben jeder Tischfußballverband und jeder Tischfußballverein die Möglichkeit zur Bestätigung  ihrer Gemeinnützigkeit. Für den saarländischen Tischfußball ein großer Schritt in eine bessere Zukunft, in der durch steigende öffentliche Anerkennung, vermehrte Kontakte und bessere finanzielle Ausstattung die Ziele, insbesondere im Bereich Jugendförderung, leichter erreicht werden können.

 

„Wir sind das Bayern München des Tischfußballs!“

Tischfußball erfordert ein hohes Maß an Koordinationsfähigkeit, Konzentration und Flexibilität in der taktischen Vorgehensweise. Körperliche Fitness ist zwar notwendig, um die erforderliche Ausdauer während der Wettkämpfe zu gewährleisten, allerdings sorgt der vergleichsweise geringe nötige Kraftaufwand dafür, dass sowohl Jugendliche wie Senioren als auch Frauen wie Männer sich Vereinen anschließen und auch bundesweit und international um die begehrten Titel kämpfen.

„Im Saarland gibt es aktuell 56 Vereine mit 77 Teams im Spielbetrieb Classic und 9 Vereine mit 14 Teams im Spielbetrieb Pro“ weiß Toni Coppola, der 2. Vorsitzende des STFV. Der mit Abstand erfolgreichste Verein darunter ist der sechsfache deutsche Meister TFC Braddock Burbach, von dem sein 1. Vorsitzender Mehmet Kosar selbstbewusst sagt: „Wir sind das Bayern München des Tischfußballs in Deutschland“. Was aber hat es nun mit den verschiedenen Spielklassen und Ligen auf sich? Auch hier hat Mehmet Kosar den Durchblick: „Im Saarland starten wir Kreis,- Bezirks-, Verbands- und Landesliga, daneben wird  der Saarlandpokal ausgetragen. On top gibt es noch den Spielbetrieb Pro, die Leistungsliga, in der nur die Tische zur Vorbereitung auf die Bundesliga gespielt werden, und den Classic Cup, der für die Mannschaften eingerichtet wurde, die nicht über Bundesligatische verfügen, und in dem eher der Spaß im Vordergrund steht.“

Die Tische sind also wenig überraschend das A und O beim Kickern und die verschiedenen Spielklassen definieren sich durch die verwendeten Tische – und die Unterschiede sind größer als man denkt. Zwar sind alle Modelle etwa gleich groß und haben fünf Stangen, die nicht immer die gleichen Abstände haben, aber da gibt es schon mal „Torwartstangen“ auf denen gleich drei „Puppen“ installiert sind. Die größten Abweichungen gibt es allerdings beim Material von Spielfläche und Ball und die reichen von ultraschnellen, polierten Glasböden bis zu Linoleum, worauf sich der Ball auch einklemmen lässt, und von verschieden harten Kunststoffbällen bis hin zu solchen aus Kork mit einem massiven Stahlkern. Und längst nicht alle Tische haben Teleskopstangen, sondern in der Mehrheit kommen Puppenträger zum Einsatz, die auf der gegnerischen Seite aus dem Tisch herausstechen können und ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit erfordern

 

Zeig mir deinen Tisch und ich sage dir, was du spielst

 

In der saarländischen Classic Liga wird die lokale Tradition hochgehalten und auf dem Hansberg gespielt, einem echten Traditionalisten unter den Kickertischen. Im Saarland ist er heute noch heißgeliebt, viel gespielt und überall anzutreffen. Leider gehört dieser Klassiker zurzeit nicht mehr zu den in der Bundesliga gespielten Kickern, denn dort wird ausschließlich auf fünf vom Weltverband ITSF anerkannten Tischen gespielt.

Der von saarländischen Teams bevorzugte „Bonzini“ aus Frankreich sieht dem Hansberg ähnlich, kommt aber nicht ganz so monströs daher. Daher gilt er bei vielen Spielern als optisch schönster Tisch in der Kicker-Welt gilt. Der einzige Tischkicker aus Deutschland ist der Leonhart von der gleichnamigen Traditionsfirma aus dem niederbayrischen Pilsting. Ihn zeichnen ein kratzfestes Spielfeld, ein hohes transparentes Tor betonierte Füße und eine sehr weite Verbreitung in der gesamtdeutschen Kneipen-Szene aus. Aus Italien kommt der Garlando, ein Tischkicker, der mit seiner sandgestrahlten Glas-Spielfläche alle Techniken ermöglicht. An diesem Tisch geht nichts kaputt, auch nicht die leider recht billig aussehenden Spielfiguren. Ebenfalls aus Italien stammt der Roberto Sport mit Glasspielfeld, sowie aufgesetzten Ecken- und Bandenanhebungen. Extra für die ITSF entwickelt ist dieser Tisch, als der preiswerteste in diesem Quartett, auch für Gelegenheitsspieler eine interessante Alternative. Mit vollkommen ebener Spielfläche – auch in den Ecken – kommt der Tornado aus den USA daher. Deswegen hat er auch zwei zusätzliche Spieler auf der Torwartstange und zeichnet sich ansonsten durch ein exaktes Spielverhalten, enorme Standhaftigkeit und durch rutschfeste achteckige Griffe aus.

Mehmet Kosar aus Burbach, der im Übrigen auch schon als Nationalspieler glänzte, hat natürlich seine eigenen Erfahrungen mit vielen Tischen gemacht: „Zur Zeit wird in jedem Bundesland ein anderer Tisch gespielt. Das bedeutet andere Stangen, andere Böden, Puppen und Bälle. Hier im Saarland wird traditionell der Hansberg Tisch gespielt. Den kennt jeder, der stand in jeder Kneipe und kommt eben in den saarländischen Ligen zum Einsatz. Aber sobald man aus dem Saarland rauskommt, sieht man den Tisch nicht mehr. Früher war das mal so, dass jedes Team zu den Bundesligabegegnungen seinen Heimtisch mitgebracht hat, an dem wurde dann ein Satz gespielt und der zweite Satz am „auswärtigen“ Tisch. Weil wir aber bereits in der Vorbereitung auf den fremden Tischen trainiert hatten, war es für uns einfacher, uns auf die verschiedenen Modelle einzustellen. Und aktuell wird ja in der Bundesliga überall nur auf den gleichen fünf ITSF Tischen gespielt.“

 

Erfolg hat einen Namen: Braddock Burbach

Zurzeit ist der TFC Braddock Burbach der einzige saarländische Verein in der 1. Bundesliga. Mehmet Kosar hat die Erfolge von Anfang an miterlebt: „Als wir den Verein 1986 gründeten, war das in der Gaststätte „Braddock“, daher der Name. Abends in die Kneipe, trinken, rauchen, kickern – das war halt immer ein Kräftemessen unter Männern und hier ganz normal. Damals stand auch in jeder Kneipe ein Kicker. Da hat man dann 50 Pfennig eingeschmissen oder angelegt und „gefordert“ zum Spiel um ein Bier und ab ging’s. So sind dann in den Kneipen die Vereine entstanden. Wir haben von Beginn an erfolgreich am Spielbetrieb teilgenommen und ich war von Anfang an als Aktiver dabei – und bin es immer noch. Die Erfolge mein Jahrgänge, also 69 bis 74, sind kaum noch zu toppen, denn spätestens seit 1995 gehörten Spieler aus Burbach zu dem Besten was Tischi zu bieten hat. Wir haben bei der WM 2006 in Hamburg drei der insgesamt zwölf deutschen Nationalspieler gestellt, die es dann bis ins Finale gegen Österreich geschafft haben und Vizeweltmeister geworden sind. Mich persönlich macht es auch besonders stolz, dass es mir mit meinem Doppel-Partner Klaus Gottesleben, als erstem Deutschen überhaupt gelungen ist, die belgische Legende, Rekordweltmeister und wohl bestem Spieler aller Zeiten Frederic Collignon zu besiegen.“

Aber die Zeit ist nicht stehen geblieben und der Sport hat sich seitdem entwickelt. „Die Qualität ist auf jeden Fall gestiegen, allein aufgrund dessen, dass wir die internationalen Begegnungen spielen. Die Regeln wurden inzwischen auch verschärft. Früher durfte man den Ball bis zu 40 Sekunden auf einer Stange halten, jetzt nur noch zwanzig. Und so was wie Time-Outs gab’s früher auch nicht. Dem Sport an sich haben diese Veränderungen wirklich gut getan. Das Spiel mit der Fünfer-Reihe hat so an Bedeutung gewonnen und ist technisch ausgereifter geworden, während zuvor mehr Gewicht auf die Dreier- und Zweier Reihe gelegt wurde.

Wie nicht anders zu erwarten hat die Corona-Pandemie auch den Tischfußball getroffen. Die nötigen Maßnahmen treffen nicht auf ungeteilte Zustimmung. Mehmet Kosar erläutert: „Braddock Burbach boykottiert im Moment den Saarländischen Tischfußball Verband, weil die Saison nach nur 5 von 22 Spieltagen wegen Corona abgebrochen wurde, obwohl genau zu der Zeit die Corona-Maßnahmen bereits Woche für Woche gelockert wurden. Zum Zeitpunkt des Abbruchs standen wir mit allen drei Mannschaften überall an der Spitze.

 

Nachspielzeit

Toni Coppola vom saarländischen Verband sieht das natürlich etwas anders: „Wir haben im Saarland die Classic Liga abgesagt, weil die Mannschaften überwiegend in den Vereinslokalen spielen und da gab es halt Problem mit einzelnen Ordnungsämtern, bzw. mit den Platzangebot zur Einhaltung von Mindestabstände hinsichtlich der Aufrechterhaltung eines regelmäßigen Spielbetriebs. Der Pro-Spielbetrieb konnten wir jetzt schon wieder starten, weil wir den im Trainingszentrum in Ottweiler stattfinden lassen können. Dort gibt es die räumlichen Möglichkeiten und wir haben in etwas entzerrt in dem wir an zwei Tagen spielen, statt normal an einem. Wir hoffen, dann im Februar wieder mit der Classic Liga beginnen zu können.“

Doch der 1. Vorsitzende von Braddock Burbach macht auch nach der Pandemie Herausforderungen aus, die auf seinen Verein zukommen: „Mittlerweile muss man die Gaststätten mit Tischkickern fast schon suchen. Ich bin seit 34 Jahren dabei und glaube sagen zu können, dass ich mich in der Szene ganz gut auskenne. Früher stand noch in jeder Kneipe ein Tischi, aber jetzt gibt es zum Beispiel hier im Umfeld bis Molschd vielleicht noch zehn Kneipen, wo ein Tischi drin steht. Traurig aber ist so.

Genau darin sieht unter anderem auch der Präsident des Deutschen Tischfußball-Bundes Klaus Gottesleben allerdings eine Chance. Denn mit dem Aussterben der Kicker in den Kneipen sinkt naturgemäß auch die oftmals geringschätzende Wahrnehmung als „Kneipensport“. Auf diesem Hintergrund und im Zusammenspiel mit der fortschreitenden Anerkennung als „richtiger“ Sport besteht für den Tischfußball nämlich die Möglichkeit zur gesteigerten medialen Aufmerksamkeit und somit eine echte Gelegenheit sich neu in den Köpfen der Leute zu positionieren. Wenn man sich die in den letzten zwei, drei Jahren rasant steigenden Mitgliederzahlen selbst in bislang eher unterrepräsentierten Landstrichen, mit Steigerungen bis fast an 100%, anschaut, dann ist es um den Tischfußball alles andere als schlecht bestellt – nicht nur im Saarland!

Im Fokus: Daniela Urnau

Ihren ganz eigenen Stil und ihr gutes Auge zeigen sich immer wieder bei ihren Arbeiten, gleich ob Fashion, Akt, Portrait oder Kinderaufnahmen. Schwarz/Weiß mag sie auch, aber im Sommer fängt sie die Stimmungen lieber in Farbe ein. Daniela Urnau aus Saarlouis ist jeden Blick wert.

Eigentlich ist die dreifache Mutter als Kinderbetreuerin tätig, aber auch die Arbeit mit der Kamera hat für sie einen großen Stellenwert. Die Fotografie begleitete Daniela Urnau von klein auf. „Die Fotografie begleitet mich schon mein ganzes Leben. Geprägt wurde ich durch meinen Vater, meinen Onkel und vor allem meinem Großvater Helmut, bei denen ich vielfach als Kindermodel herhalten musste. Da war es praktisch vorprogrammiert, dass ich schon sehr früh eine Kamera bekomme und alles fotografiert habe was mir vor die Linse kam.“

  Weiterlesen