• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

THEE CHERYLINAS

Sie sind Frauen. Sie sind Kult. Sie sind zurück!

Volle sieben Jahre sind vergangen seit die Cheylinas zuletzt als reine Girlband mit ihrem tanzbaren Sixties Groove, Soul & Psychedelic Rock die halbe Welt rockten. Zugegeben, “Big In Japan” war der größte Hit einer anderen Band, aber dieser Titel beschreibt durchaus zutreffend den Status, dessen sich Deutschlands Beat Ladies Nr. 1 Mitte der Neunziger erfreuen konnten.

Es war die Überraschung nicht nur in der Saarbrücker Musiker-Szene: Die mehr als europaweit bekannten Cherylinas verblüfften mit der Ankündigung ihres Comebacks. In neuer, generationen-übergreifender Besetzung und mit brandneuem Songmaterial mit ausschließlich deutschen Texten. Nichts ist den wilden Mädchen heilig und so haben sie die Cover-Klassiker aus den 60er Jahren frech ins Deutsche umgetextet und inhaltlich einfach mal modernisiert. Das ist echter Sixties Beat 2.0! Weiterlesen

BE.HERE.NOW. – Die vielen Seiten der Fotografin Julia Valentini

Die Bilder der gebürtigen Merzigerin mit dem zauberhaften italienischen Namen zeichnen sich durch das Spannungsfeld zwischen einerseits düsterer, inszenierter Fotografie und andererseits den lebendigen, dynamischen Bilder mit Blumen und hellen Farben aus. Diese Ambivalenz bringt Spannung und entspricht auch dem privaten, vielseitigen Naturell der 27ährigen mit wechselnden Frisuren und Hobbys. Ihr Kunststück ist es, ihr Spektrum stets zu erweitern und sich dabei selbst treu zu bleiben. Sie fotografiert alles! Portraits jeder Art, von dezent bis extravagant, Babys, Babybauch, Familien, Hochzeiten, Kommunion, Business, Gruppenbilder, Akt und Dessous und vieles mehr! Dabei ist sie auch immer in Bewegung und fotografiert draußen wie drinnen. Weiterlesen

WG 2.0

Wir rechneten mit Leergutbergen und ewigen Streit ums Badputzen. Aber bei unserem Abstecher in saarländische WGs sind wir stattdessen auf eine waschechte Miss Saarland, Maggi-Toast und ein begehbares Kleiderklo gestoßen. Ist die gute, alte Wohnkommune tatsächlich im 21. Jahrhundert angekommen?

Lebensgemeinschaften in Privathaushalten gab es bereits im 19. Jahrhundert. Das belegen die Romane von Arthur Conan Doyles, der den Beginn der Freundschaft zwischen Sherlock Holmes und Dr. Watson in der Zweck-WG beschreibt. Die WG aber, wie wir sie kennen, hat sich erst in den 60er Jahren vor allem unter Studenten entwickelt. In den letzten Jahren war sogar eine Zunahme der Anzahl von Menschen, die in Wohngemeinschaften leben, zu erkennen. Nach Erhebungen des Deutschen Studentenwerks leben heute etwa 20 Prozent aller Studierenden in Wohngemeinschaften. Damit lebten im vergangenen Jahr 4,92 Millionen Personen in Deutschland in einer WG. Wie es dort aussieht? Schaut selbst… Weiterlesen

Fastnacht für Fortgeschrittene

Normalerweise braucht der Saarländer an sich keinen besonderen Anlass zu ausgiebigen Feiern, aber die Faasenacht ist schon eine Angelegenheit höherer Vergnügungsordnung. Wie die fünfte Jahreszeit zum echten Feier- & Partyhighlight wird, dazu hätten wir ein paar Ideen. Mitmachen natürlich auf eigene Gefahr.

Worauf sich die meisten beim Thema Fastnacht am heftigsten freuen, sind ganz klar die vielen Sitzungen und Partys, vor allem zwischen Fettem Donnerstag und Aschermittwoch. Und genau so klar stehen hier „PreMaBüBa“ und „Weiberfastnacht“ mit verschiedenen Live-Bands und DJs auf mehreren Floors, ohne jeden Zweifel an erster Stelle. Diese zwei Events in der Congresshalle, dieses Jahr unter dem gemeinsamen Motto „Partystern Gaga-lactica“, gehören längst zu den größten Fastnachtsveranstaltungen im südwestdeutschen Raum und sind fraglos ein Pflichttermin.

Ebenfalls Riesentreiben und garantiert einen Besuch wert sind die „Wilde Faschingsnächte auf der Alten Schmelz“ in St. Ingbert. Nach den überaus erfolgreichen Veranstaltungen in den letzten beiden Jahren wird auch 2018 wieder im Event-Haus kräftig gefeiert. Die Besucher erwartet am fetten Donnerstag sowie am Faschingssamstag ein buntes und abwechslungsreiches Partytreiben mit Live-Musik, DJs, Männerstrip und weiteren Specials. Im Vergleich dazu eher klein und fein ist das „Hirsch Konfetti“ im Theater Blauer Hirsch. Die explosive Kombination der komödiantischen Urgesteine Helene Rauber, Willi Fries und Schorsch Seitz bietet ein Programm voller verrückter Ideen, verbaler Höhepunkte, menschlicher Abgründe und durchgeknallter Songs.

Sparkasse stürmen!

Auf keinen Fall zu kurz kommen dürfen bei der Faasenacht natürlich auch nicht die klassischen Prunksitzungen und Umzüge. Die größten und beliebtesten Sitzungen sind die der „M’r sin nit so“ am zweiten und dritten Februar in der Saarbrücker Saarlandhalle. Auf keinen Fall weniger spaßig ist die Prunksitzung der Burbacher „Mir sin do“ am neunten Februar im Bürgerhaus Burbach. In dem Zusammenhang darf man nicht unerwähnt lassen, dass die Burbacher Faasebooze mit ihren Traditionen sehr flexibel umgehen. Da es nämlich kein Burbacher Rathaus mehr gibt, wird hier jedes Jahr die Sparkasse gestürmt. Wenn das mal nicht einer falsch versteht.

Die zweite Säule der klassischen Faasenacht ist natürlich der Straßenkarneval mit seinen Umzügen. Diesbezüglich können wir gleich in Burbach bleiben, denn hier gibt es auch den größten Umzug im Lande, der am Rosenmontags vom Dammtor Luisenthal bis zum Burbacher Stern führt. Ein schönes Motto haben sie sich auch in St. Wendel einfallen lassen. „Die Straße lebt – St. Wendel bebt“ heißt es schon am Faschings-Sonntag beim großen Umzug in der Innenstadt. Ebenfalls am 11.02. startet auch der Fastnachtsumzugin der St. Nikolauser Straße in Naßweiler. Am Rosenmontag wird dann auch in Dorf im Warndt der Umzug gestartet, während Grossrosseln und Lebach erst am Faasend-Dienstag um die Häuser ziehen.

Der etwas andere Wahnsinn

Selbst für Fastnachtsverweiger und Anti-Faasebooze bietet das Faschings-Wochenende reichlich außergewöhnliche Veranstaltungen und Partys. Denn tatsächlich werden an diesen Tagen auch die Karnevalsgegner besonders kreativ und bieten außergewöhnliche Veranstaltung jenseits des Pappnasen-Mainstreams an.

So ist schon am Fetten Donnerstag mit Ausnahmezuständen im Apartment Number One zu rechnen, obwohl oder gerade weil hier kein extra Fastnachtsaufheben gemacht wird. Die Afterwork Party ist sowieso in schöner Regelmäßigkeit eine der besten Partys der Stadt. Am Faasend-Freitag schlägt die Stunde einer wirklich abgefahrenen Location, der Kastanie Night. Nicht wirklich als Tanzdiele bekannt, werden hier im eher skurrilen Ambiente die 80er Pop & Wave Hymnen der Waver, Popper, Punks und New Romantics zelebriert. Das wird mit Sicherheit ganz schön schräg. Ganz weit ab von saarländischer Fastnacht ist mit Sicherheit auch am Samstag dann die „The Noc“ Party im Gloria Stages positioniert. Hier wird eher zu polnischen Hits gefeiert, dafür aber garantiert schunkelfrei. Ganz was anders bietet, ebenfalls am 10.02. das „Lady*fest“ im Garellyhaus in der Eisenbahnstraße. Besonders interessant wird hier abends das DJ-Set von die DJ Kathrin, die normalweise als Bassistin und Sängerin der New Faces und Drummerin der Speedgirls von sich reden macht.

Kleider machen Leute

Auch wenn man durchaus an einem beliebigen Wochentag in jeder Fußgängerzone im Saarland, den Eindruck gewinnen könnte, die meisten Leute wären doch verkleidet, tatsächlich sind Kostüme und Maskierungen das Ding der Fastnacht. Mit einer gelungenen Verkleidung ist einem die Aufmerksamkeit, gerade auch des anderen Geschlechts sicher, aber umso mehr gilt hier die Maxime: Augen auf bei der Kostümwahl!

Eine gute Idee war auch schon 2017 das Einhorn, allerdings in der männlichen Version nur MIT Kostüm, und das Trend-Fabelwesen wird auch dieses Jahr ganz vorne mit dabei sein. Ganz generell werden Ganzkörperkostüme sehr angesagt sein und die helfen bei der Straßenfastnacht auch noch gegebenenfalls gegen die Kälte. Das gilt besonders für Fellkostüme und so wird wohl in dieser Session wieder allerlei Getier unterwegs sein. Angesagt sind außerdem sogenannte „Carry-Me“-Kostüme, bei denen es so aussieht, als würde man von einem Zwerg, Affen oder ähnlichem auf den Schultern getragen werden. Bei eher zurückhaltenden Verkleidungen steht ein Comeback der 1970er und 1980er zu befürchten mit Schulterpolstern, schrillen Farbe und wenn’s ganz dumm kommt auch mit Vokuhila. Muss also nicht unbedingt sein, ist aber alles immer noch besser als die zu befürchtende Masseninvasion von Donald Trump Doppelgängern. Der geht nun wirklich gar nicht, auch nicht als Kostüm.

Wer auf Nummer Sicher gehen will, wendet sich rechtzeitig an erfahrene Berater bei den Kostüm-Verkäugern und –Verleihern in unserer Region. Wir empfehlen Kostümverleih Schikofsky in Köllerbach (06806-952682), Kostüme & Co DIFA in Dillingen (06831-976897), Kostümverleih Hoffmann in St. Ingbert (06894-52126) und für ein gutes Kostüm kann man auch mal in die direkt benachbarte Pfalz zu den VABO Kostümprofis (06331-46061) nach Pirmasens fahren.

Was natürlich immer geht und vor allem auch die eigene Kreativität hervorhebt, ist so Papier-Einweg-Overall wie ihn Maler und Lackierer benutzen. Kostet nur ganz kleines Geld und ist im Handumdrehen mit Wasserfarbe oder Spraylack in ein buntes Irgendwas verwandelt. Damit sieht man dann auch nicht bekloppter aus als alle anderen Kostümierten, hat aber immerhin den großen Vorteil, dass man das Teil nach der Party ruckzuck entsorgen kann, zur Not mit einem Feuerzeug. Dass das Mitführen eines aktuellen L!VE Magazin selbstverständlich auch während der Faasenacht immer von Vorteil ist, erkennt man spätestens dann, wenn man mit seiner blonden Perücke doch lieber schnell nochmal nach den Nummern der Kostümverleiher gucken will.

Fluchtziel Fastnacht

Alles hat ein Ende, aber für gewitzte Fassebooze lässt sich die fünfte Jahreszeit durchaus fühlbar ausbauen. Nur ein paar Reisestunden entfernt wird andernorts auf Hochtouren gefeiert, während in unseren Gefilden der schnöde Alltag regiert. Traumziel ist ganz klar der Karneval in Rio de Janeiro, der wahrscheinlich der größte und zügelloseste Karneval der Welt. Der brasilianische Ausnahmezustand begann als sehr bürgerliche Veranstaltung, bei der es vor allem um Bälle und Maskerade ging und ist heute pure Lebens- und Sinnenfreude. Eine kostenlose Riesenparty mit unzähligen Partys, Shows und so viel Samba, dass man gar nicht hinterher kommt mit dem Tanzen. Doch heftige Festivitäten finden sich auch in Nordamerika. Der Mardi Gras in New Orleans geht sogar über zwei ganze Wochen und lockt in dieser Zeit mehr als eine Million zusätzliche Besucher in die Kapitale Louisianas. Täglich ziehen Paraden durch die Straßen, alles tanzt, singt und wirft mit Konfetti um sich. Besonders ansehnlich hierbei der Brauch der weiblichen Zuschauer, um ein paar billige Modeschmuckketten zugeworfen zu bekommen, „obenrum“ blank zu ziehen.

Aber so weit reisen müssen Fastnachtssüchtige gar nicht, denn auch beim Fasching im belgischen Binge wird geworfen. Auch Paraden ziehen eine nach der anderen durch die Straßen, die gepackt sind mit aufwändig verkleideten Einwohnern. Nur auf eines sollte man aufpassen: die sogenannten „Gilles“ suchen sich unschuldige Zuschauer aus der Menge heraus und bewerfen sie in unbeobachteten Momenten mit Blutorangen. Das kann dann durchaus sogar auch mal schmerzhaft werden. Da empfiehlt sich dann doch eher ein Abstecher nach Ecuador. Hier wird schlechte Laune stellvertretend in Form von farbenfrohen Figuren auf riesigen Scheiterhaufen verbrannt. Dann allerdings läuft man auch hier Gefahr zum Ziel von Wurfgeschossen zu werden, glücklicherweise aber nicht mit Südfrüchten, sondern mit prall gefüllten Wasserbomben. Da zahlt sich dann auch wieder die etwas längere Anreise in die Tropen aus, weil hier dann alles in der Sonne trocknen kann.

Wer den Schaden hat …

Zum Abschluss noch ein paar Tipps, für den Fall, dass bei geballter Feierlaune mal was kaputtgeht und was man im Umgang mit Chefs beachten sollte. Wenn bei Karnevalsumzügen oder Sitzungen massenweise Kamelle und Schokoladentafeln in die Mengen geworfen werden, sind Platz- und Schürfwunden keine Seltenheit. Wer von einer Pralinenschachtel getroffen wird und eine Verletzung davonträgt, hat jedoch keinen Anspruch auf Schmerzensgeld. Das ist der Faschingstradition geschuldet, denn das Werfen von Süßwaren gehört eben dazu und Besucher müssen sich entsprechend darauf einstellen. Gleiches gilt auch, wenn bei Bällen und Partys viele Menschen dichtgedrängt auf begrenztem Raum zusammenkommen. Schnell geht beim Hardcore-Schunkeln an Kleidung oder Ausstattung was kaputt oder ein Faasebooze gießt dem anderen Bier über das teure Kostüm. Aber wenigstens greift, zumindest solange der Schaden nicht vorsätzlich verursacht wurde, die Privat-Haftpflichtversicherung des Verursachers.

Etwas vorsichtiger sollte man dann schon im Umgang mit Vorgesetzten während der tollen Tage sein, auch wenn die größtenteils eigentlich ganz normale Werktage sind. Das Krawatte-Abschneiden am fetten Donnerstag ist ein gutes Beispiel. Hier kommt es darauf an, ob man in einer Region arbeitet, wo dieser Brauch üblich ist und natürlich auf die Frohnatur des Chefs an sich. Wer als Mainzer oder Kölner an Weiberfastnacht mit Binder ins Büro geht, muss damit rechnen, dass dies als stillschweigende Einwilligung angesehen wird. Dann muss auch der humorloseste Vorgesetzte davon ausgehen, dass einer der Lohnabhängigen zur Schere greift. Aber Vorsicht in weniger karnevalistisch geprägten Regionen: in Essen wurde eine Arbeitnehmerin dazu verurteilt, für eine abgeschnittene Krawatte Schadenersatz zu zahlen.

Was nun, wenn man sich wegen ausufernder Feiertätigkeit am Aschermittwoch krankmelden muss? Wirklich ideal ist das verständlicherweise nicht. Arbeitsrechtlich sind Faasebooze aber tatsächlich geschützt. Erkältungskrankheiten sind auch nach Feiern in luftiger Verkleidung bei kalten Temperaturen als unverschuldete Arbeitsunfähigkeit anerkannt. Wenn man bei einem durch Wurfmaterial verletzt wird oder sich als Tanzmariechen den Fuß verstaucht, liegt ebenfalls kein Verschulden vor. Eigentlich gibt es kaum Fälle, in denen man bei einem fastnachtsbedingten Ausfall wirklich mit Ärger rechnen muss. Außer vielleicht man hat sich schon vorher krankgemeldet und wurde dann trotzdem beim Feiern erwischt. Abers selbst dann gibt es Tipps, nur die schreiben wir hier garantiert nicht hin, solange unsere Chefs mitlesen. In diesem Sinne: Allez Hopp!

Punktsieg fürs Nauwieser Viertel

Alexander Karle ist vielleicht nicht der bekannteste Saarbrücker Künstler, dafür aber seit seinen Liegestützen in der Basilika mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der umstrittenste. Sein neuestes Projekt allerdings kommt ganz ohne Provokation aus und bringt dafür reichlich Farbe und positive Energien ins Nauwieser Viertel.

Er malt, sprüht, fotografiert, schafft Skulpturen und entwirft Stadtpläne, aber der Stadtforscher sucht auch immer wieder die Kunst im öffentlichen Raum. Manche Saarbrücker haben den Namen Alexander Karle vielleicht schon im Zusammenhang mit seinem Eintopfkochen auf dem Landwehrplatz oder seiner preisgekrönten Skulptur „Karli“ vor der Europa-Galerie gehört. Der Durchbruch in Sachen Bekanntheit war aber zweifellos die Liegestütze-Performance in der St. Johanner Basilika nebst rechtlichem Nachspiel. Seitdem hat er unter anderem Schuh-Installationen im Stadtwald gemacht, einer Trinkhalle im sozialen Brennpunkt neues Leben eingehaucht, die Toiletten seiner Lieblingskneipe zum Kunstwerk gemacht.

Aktuell bemalte er eine Fläche von 100 Quadratmeter mit bunten Punkten und machte die Wand im Nauwieser Viertel damit zu einem echten Hingucker. Bei dem Projekt ging es Karli um Farbharmonien und warme Ausstrahlung, um ein positiv Signal in einer zunehmend verrohenden Gesellschaft zu sehen. Damit die Sprayer-Szene, die dort zuhauf ihre Tags hinterlassen hatte, nicht zu verstimmen, entschuldigte er sich vorab über eine saarländische Graffiti-Seite für das anstehende Übermalen. Mit dem Okay des Hausbesitzers und allen behördlichen Genehmigungen versehen, verbrachte er Ende September auf eigene Kosten sechs Tage zumeist auf Leitern und verschönte in fast 50 Arbeitsstunden eine Wand an der Ecke Grün- und Försterstraße mit geschätzten 5.000 Punkten. Irgendwann hat er das Mitzählen aufgegeben, aber wer will kann ja jederzeit nachzählen. Bemerkenswert ist, dass es dem Künstler gelang, durch ein riesiges Graffiti, genau das Gegenteil jener Provokation zu erreichen, die das Besprayen von Hauswänden sonst für die meisten Hausbesitzer darstellt.

Gemessen an deinen Liegestützen in Basilika ist die Punktewand ziemlich harmlos. Ein Zeichen der Reue?

Seit der Sache mit den Liegestützen, habe ich vier oder fünf sehr zeitaufwendige und intensive Sachen gemacht habe, die auch in der Presse wahrgenommen wurden. Klar ist es etwas Anderes, wenn auf einmal in der Süddeutschen von dir zu lesen ist. Seitdem arbeite ich viel mehr und auch präzise, weil die Aufmerksamkeit einfach da ist. Trotzdem wird das alles nicht so wahrgenommen, wie die Liegestütze, die immer noch über allem stehen. Man könnte also sagen, ich hab’ meine Buße getan. Das war halt alles sehr verkopft und da wollte ich jetzt mal ein Gegenstück machen, das ganz einfach zu verstehen ist.

Wie kam der Gedanke mit den Punkten zustande?

Im Grunde ist die Idee entstanden, weil ich seit zwei Jahren immer wieder Workshops mit Kindern und Jugendlichen mache, an Schulen oder an sozialen Einrichtungen, wo ich denen über einen gewissen Zeitraum vermittle, wie man mit der Dose malt. Da merkt man schon, dass es wahnsinnig schwer ist mit der Dose umzugehen oder auch ein Gefühl für Farben zu entwickeln, und entsprechend oft stößt man da an Grenzen, wo ich mich frage, ob das für die Kids wirklich Spaß bringt. Aber so eine einfache, runde Bewegung, die es für einen Kreis braucht, wenn man die nur ein bisschen übt, klappt das ziemlich schnell. Dann merkt man auch, dass wenn man Farben kombiniert, dass es Kontraste oder Harmonien ergibt und dass man nur mit Kreisen und Punkten etwas schaffen kann. Besonders spannend wurde es immer dann, wenn die sich auf der ja begrenzten Fläche in die Quere kamen und dann Lösungen finden mussten, sich zu arrangieren um gemeinsam ein Ganzes zu kreieren.

Der Hauseigentümer wusste diesmal also, was da mit seiner Wand passiert?

Ja natürlich. Ich hatte im Humpty gelesen, dass jemand gesucht wird, der diese Wand gestaltet. Allerdings hatte der Eigentümer die Vorstellung, dass Künstler in ihrer Arbeit derart aufgehen, dass sich schon jemand finden wird, der sich dort verwirklichen will, ohne jede Form der Entlohnung oder wenigstens Kostenerstattung zu erhalten. Deswegen passierte erstmal nix. Aber ich sitze oft vorm Schrill, bin oft da vorbeigegangen und finde diese sehr alte Kopfsteinpflastergasse an sich schön. Unheimlich ruhig mit einer sehr friedlichen Atmosphäre, die aber durch die Ästhetik dieser Wand sehr zerstört wurde, die eine sehr negative Aura verbreitet hat. Ich dachte mir schließlich, diese Ecke liegt im Herzen des Viertels und wir haben genug Probleme in der Gesellschaft im Moment, was Konflikte zwischen Menschen und Volksgruppen angeht, so dass es mir wahnsinnig wichtig war, dass dort eher positive Energie entsteht. Dann hab’ ich meine Gedanken geordnet, zwei Monate dran gebastelt, wie ich das vermittle und den Hausbesitzer angerufen und gefragt, ob ich darf.

Haben bei der Gestaltung auch Kinder oder Jugendlichen mitgemacht?

Nee, bei meinem letzten Workshop dachte ich mir schon, so was würde ich sehr gerne mal mit Erwachsenen machen. Es ging mir ja auch darum, so ein bisschen das eigene Ego zu überwinden, also nicht seinen Namen darunter zu schreiben oder seinen Tag, sondern in Absprache mit anderen ein Muster zu erzeugen, das eine gewisse Wirkung hat und jeden der daran beteiligt ist, froh macht und noch die drum herum außerdem. Tatsächlich haben dann in der Grünstraße ein paar Kinder mitgemacht, aber nur einfach so, nicht organisiert.

Also warst du bei der Realisierung auf dich alleine gestellt?

Ich hätte schon gerne gehabt, dass beispielsweise die Initiative Nauwieser Viertel ein bisschen mehr Teil des Ganzen wird und natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Stadt Saarbrücken etwas dazugibt. Deswegen hatte ich diesen „persönlichen Topf“ von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz angefragt wegen 300 Euro Sachkostenbeteiligung, für meine Arbeit wollte ich keinen Lohn. Die haben nach zwei Tagen abgesagt, weil sie das im Moment nicht stemmen könnten. Ich hab’ in den sauren Apfel gebissen und privat alles zusammengekratzt was ging. Außerdem hab’ ich über Social Media und die Innitiative Nauwieser Viertel kommuniziert, dass jeder vorbeikommen, mich unterstützen und mitmachen kann oder im Humptys Geld für Dosen einzahlen kann oder gleich welche vorbeibringen, in Farben, die ihnen gefallen. Letztlich kamen dadurch 120 Euro zusammen und ich hab’ halt die 180 draufgelegt. Aber es sind auch Leute da gewesen, die beispielsweise Leitern vorbeigebracht oder mich auf andere Art unterstützt haben. Leider ist dann in der Berichterstattung etwas schiefgelaufen und als viele Leute vorbeigekommen sind, um an einer noch „unbepunkteten“ Wand mitzumalen, war die schon dreiviertel fertig, was schon für Enttäuschung gesorgt hat. Unterm Strich habe ich 98 % der Punkte selbst gemalt und bis zuletzt Kinder mitmachen lassen, auch wenn ich dann hier und da hinter einiges noch mal ausbessern musste, weil das Ganze ja auch eine Wirkung haben sollte.

Bei diesem Projekt war dir Harmonie wichtig. Eine verfrühte Form von Altersmilde?

Ich versuche generell in meiner Arbeit immer eine Balance zu finden. Ich mache ja sehr verschiedene Sachen, die alle zusammen eine Verbindung ergeben, aber man kann ja auch mal was ganz anderes machen. Bürger zu motivieren, ihre eigene Stadt anzumalen, ist glaub’ ich auch nicht ganz so konservativ (lacht). Und es kann ja auch noch weitergehen. Der Idee war ja, der Hausbesitzer und die Stadt geben ihr okay, das Ganze spricht sich rum, in Saarbrücken, in Deutschland, in der Graffiti- und Kunstszene, dass da ein Muster ist, das sich ständig weiterentwickelt werden kann. Also irgendwelche Leute kommen dahin, gucken sich das an, gehen ins Humpty direkt nebenan, kaufen sich ein paar Dosen und fangen an. Machen hier drei Punkte und da zwei und gehen wieder. Dann kommt ein vielleicht ein anderer und denkt sich, das könnt man so und so machen – und so weiter halt.

Aber die kleine Spitze mit dem Namen konntest Du Dir nicht verkneifen?

Selbstverständlich bezieht sich der Name Nauwieser Artwalk 3.0 auf den Urban Artwalk, aber das soll keine Kritik sein. Ich stehe ja auch in Kontakt mit den Leuten die das organisiert haben und bin ja eh’ für Synergien zu haben. Das Einzige was mir vielleicht ein bisschen fehlt beim Artwalk, ist die fehlende Interaktion mit den Bürgern der Stadt. Ich finde es super, dass weltberühmte Leute hierhergebracht worden sind, die unter besten Bedingungen arbeiten konnten, aber bis auf zwei Sprayer ist die Region nicht vertreten. Das wollte ich einfach ein bisschen ergänzen. Und außerdem geht die Wand an der Stelle ja auch noch acht Meter hoch, da ist noch sehr viel freie Fläche. Da wäre also mehr als genug Platz weiter zu machen, zum Beispiel mit einer großen Figur, die dann irgendwann mit den Beinen in den Punkten steht. Nur das müsste man dann in einem anderen Rahmen realisieren.

Was glaubst Du wie lange die Punkte zu bewundern sein werden?

Was mich wundert ist, dass nach mittlerweile drei Wochen noch keiner rein getagt hat, was wirklich was Besonderes ist. Aber irgendwann wird das natürlich passieren. Es gibt da ein, zwei Jungs, die mich auf dem Kieker haben. Da werden auch ständig meine Bilder auf der Wall an der Saar übermalt. Oder es kommt ein Auswärtiger, der weder mich noch das Projekt kennt, der nur denkt, wow, was ein toller Hintergrund und loslegt. Aber das ist okay, das ist öffentlicher Raum und das gehört dazu. Es geht halt immer weiter.

Willst du noch was loswerden?

Ich danke allen Unterstützern, egal ob fürs Leihen von Kamera oder Leitern, fürs Mitmalen, Kaufen von Farbe, nächtliches Unterstellen meines Krams, Kritik und Resonanz – und die Schüssel voll Geheiradeter. Und natürlich der Graffiti-Szene für ihre Nerven!

KINGS OF KICKS & KLICKS

Mehr YouTube geht nicht! Über 1,7 Milliarden Views – da haben auch die allgegenwärtigen Lifestyle-Influencerinnen und Let’s-Player das Nachsehen. Die absolute Nummer Eins der deutschen YouTube-Channels ist mit 5,8 Millionen Abonnenten der Fußball-Kanal „freekickerz“ – und damit auch ein junger Mann aus dem saarländischem Fürth. Weiterlesen

Eine Melange aus HipHop und Rock

Mit der EP „Fast Unfassbar“, einer ausverkauften Release-Show, Auftritten beim heimischen „Halberg Open Air“ und der Kultshow „Circus HalliGalli“ sowie dem „New Music Award in Berlin“ legten Tiavo im letzten Jahr schon ordentlichen vor. Dieses Jahr kam dann die vorläufige Krönung mit einem Gig an der Seite von Genetikk auf der Main-Stage des legendären Splash-Festivals. Kein Wunder, dass für alle Homies die Single „Huckleberry Finn“ dank Heavy-Rotation-Airplay längst die heimliche Saarbrücken-Hymne ist. Diesen Herbst steht nun der erste Long-Player an. Grund genug für L!VE, die beiden „hottest kids in town“ zu treffen und dem Phänomen „Tiavo“ nachzuspüren. Das Interview führte Marisa Winter im gerade wieder eröffneten „Ubu le Roi“ im Nauwieser Viertel. Leandros und David kamen lässig gechillt und gänzlich allürenfrei daher, einzige Bitte „Lass uns doch draußen sitzen“. Weiterlesen

GUDD STUBB 2.0

Der St. Johanner Markt ist und bleibt Herz und Seele Saarbrückens. Jetzt, wo das Ende der Bauarbeiten in Sicht ist, kommt wieder richtig Bewegung in das Zentrum der Altstadt. Genau der richtige Zeitpunkt, um die Macher am Markt mal zu Wort kommen zu lassen. Weiterlesen

JETZT DREHEN ALLE DURCH!

Endlich haben Tamagotchi, Furby und Pokémon einen würdigen Nachfolger: Fidget Spinner! Die Finger-Kreisel erobern nach Kinderzimmern und Schulhöfen jetzt sogar die Büroetagen gestresster Manager und erleben seit einem knappen Vierteljahr einen echten Hype. Da mussten wir natürlich auch am Rad drehen! Weiterlesen