• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Mitten im Herbst

Irgendwann in grauer Vorzeit schuf das Universum, der liebe Gott oder eben der Zufall – je nachdem, wem man nun die Schuld an der Entstehung der Erde geben möchte – den Planeten, auf dem wir alle leben und Steuern zahlen dürfen. Mit ihm entstanden neben Ozeanen, Kontinenten und einer Ursuppe mit Einzellern, aus denen im Laufe der Evolution affenähnliche Lebewesen wurden, die intelligent genug sind, um Parkuhren zu erfinden und Tee in Beutel zu packen, auch Jahreszeiten. Seitdem darf sich jeder in unserem, wenn schon nicht politisch, dann zumindest klimatisch gemäßigten Land mit vierteljährlich wechselnden Jahreszeiten herumschlagen. Was wohl nur diejenigen wirklich freut, die ihr Geld mit Frühlings- und Herbstmode oder mit Sommer- und Winterreifen verdienen… Weiterlesen

Einfach Blogger bleiben

Wer ist beim Kramen in einem nahezu vergessenen Schrank nicht auch schon einmal auf ein paar alte Schulbücher gestoßen, die man einst mit der festen Überzeugung behalten hat, sie sicher irgendwann wieder brauchen zu können. Leider war in der Zeit, als bei mir Deutsch- und Erdkundebücher zuerst in Kisten und Kommoden und danach aus Augen und Sinn verschwanden, nicht absehbar, dass sich kurze Zeit später sowohl Rechtschreibung als auch Atlaskarten derart verändern würden, dass ich all das mühsam erlernte Wissen, welche Wörter und Länder zusammengehören und welche getrennt werden, nie mehr nutzen konnte. Ganz zu schweigen von den Schulunterlagen, die bis heute schwarz auf weiß behaupten, S und T wären nie getrennt, Berlin dafür aber schon…

Wer hätte Ende des 20. Jahrhunderts, als die Anzeige des Radioweckers das einzig Digitale im Alltag war, gedacht, dass bloß eine Generation später zwei Minuten vor dem Computer mehr Informationen liefern als zwei Stunden in der Bibliothek. Auch wenn Bücher gegenüber digitalen Dokumenten nach wie vor Vorteile haben, wenn Tischbeine zu kurz sind, hat die Schnelllebigkeit dazu geführt, dass Neuigkeiten mittlerweile so rasch altern, dass sie es gar nicht mehr aktuell aufs Papier schaffen. Wen interessiert noch den stundenalten Wetterbericht aus der Zeitung, wenn das Smartphone die Vorhersage minütlich aktualisiert? Die Welt dreht sich heutzutage so schnell, dass die Morgenzeitung bereits am selben Abend nur noch so aktuell ist wie das Geschichtsbuch aus der achten Klasse…

Wer über 30 ist, stellt fest, dass außer der Anzahl an Kontinenten und Weltkriegen nicht mehr viel von dem stimmt, was man einmal gelernt hat. Es interessiert heute niemanden mehr, dass dass daß hieß und man früher Albträume nur in Schwaben hatte. „Bitte“ und „Danke“ stehen längst auf der Liste der Worte, die aus dem Duden gestrichen werden können, da sie niemand mehr nutzt. Selbst Rechnen hat sich verändert. Kaufte Oma Elfriede früher 10 Kilo Äpfel für einen Euro das Kilo, war 10 Euro die einzig richtige Antwort auf die Frage, was sie zahlen muss. Heutzutage sind 9 Euro ebenso korrekt, da selbst Oma nicht mehr auf dem Markt einkauft, sondern im Internet Preise vergleicht und bestellt, wo es Rabatt gibt und sie dank Versand das Obst nicht mehr selbst heim schleppen muss….

Aus all dem kann man lernen, dass es zum einen nichts bringt, Schulsachen ewig aufzuheben, vor allem aber, dass man – wenn einem einmal Kram aus vergangenen Tagen in die Hände fällt – diesem keine allzu große Bedeutung mehr beimessen sollte. Das gilt für Opas Deutschlandkarte von 1935 ebenso wie für die Liebesbriefe aus der Mittelstufe. Vor allem aber gilt es für Notizen, in denen man während langweiliger sechster Stunden seinen Weltschmerz zu Papier brachte und sich darüber beklagte, dass die süße Sandra mit dem pickligen Thorsten zusammen ist. Seiner Zeit fand man es aus subjektiver Sicht eines Pubertierenden gut, Gefühle aufzuschreiben, heutzutage aus objektiver Sicht eines Erwachsenen allerdings besser, dass diese nie jemand zu lesen bekam…

Anders als früher, als man seine Gedanken einzig für sich selbst auf einen Block schrieb, schreibt man diese heute für die ganze Welt lesbar in einen Blog und philosophiert für die gesamte Menschheit einsehbar darüber, ob Rasenmähen Mord an Pflanzen und es moralisch noch vertretbar ist, einen Schokokuss wie früher Mohrenkopf zu nennen. War ein Tagebuch einst etwas Privates, was niemand lesen durfte, ist ein Weblog heutzutage etwas Öffentliches, was jeder lesen soll. Dieser Überzeugung sind zumindest Blogger, die glauben, die Welt besser zu machen, wenn sie über die Laune ihres Wellensittichs berichten, täglich den Bräunungsgrad ihres Frühstückstoasts posten oder zur Diskussion anregen, welcher Toilettenreinigersorte am besten riecht…

Eines der größten Probleme der digitalen Zeit ist die inflationäre Verbreitung für den Fortbestand der Menschheit völlig irrelevanter Meinungen im Internet, die dort auf ewig verbleiben wie ein Rotweinfleck auf einem weißen Hemd. Während in analoger Zeit peinliche Texte und Fotos irgendwann in Vergessenheit gerieten und in einem Schrank verschwanden, ist in digitaler Zeit an ein Vergessen und in einer Cloud verschwinden nicht zu denken. War man früher selbst Herr der Entscheidung, was im Papierkorb landet oder aus diesem wieder herausgeholt wird, hat man diese Kompetenz mittlerweile längst an Google und Co. abgegeben. Und die sind auch nicht besser als die eigene Mutter, die früher auch stets betonte, nichts mitzulesen, am Ende aber doch über alles Bescheid wusste…

Man gibt sich heute nicht mehr damit zufrieden, eine Meinung zu haben, man möchte auch, dass jeder diese Meinung kennt. Wer früher halbgare Parolen auf Toilettentüren schrieb, kommt heute nicht mehr ohne multimediales Massen-Stalking aus. War Influenza einst eine Krankheit, sind Influencer mittlerweile eine Plage. Beide sind lästig und verbreiten sich schneller als man etwas gegen sie tun kann. An die Stelle seriöser Textbeiträge sind Netzkolumnen und YouTube-Channels mit reißerischen Titeln getreten, die durch Clickbaiting Werbeeinnahmen generieren. So gibt es mittlerweile für alles Vorstellbare und noch viel mehr Unvorstellbares Blogs und Vlogs, bei denen um Likes gebettelt und sich multimedial prostituiert wird, um an Abonnenten zu kommen…

Die Gefahr der Meinungsbildung durch gefährliches Halbwissen ist dank des Internets heute größer als früher, als Blödsinn nur unter denen verbreitet wurde, die in der Schule voneinander abschrieben. Resultat sind immer mehr „urbane Legenden“, also Unwahrheiten, von denen viele glauben, sie seien wahr. Zum Beispiel dass Kühe innerlich ertrinken, wenn sie im seichten Wasser stehen, da sie keinen Schließmuskel besitzen und von hinten volllaufen. Oder dass Ostdeutschland kein Nazi-Problem hat. Verwerflich ist nicht, solche Fakes im Netz zu verfolgen, sondern, diese unbedacht weiterzuverbreiten. Wer im Internet bei der Suche nach dem 45. Präsidenten der USA neben Donald Trump auch Homer Simpson genannt bekommt, sollte zumindest skeptisch sein. Am besten bei beiden Antworten…

Die Hoffnung, bei Fragen von der vermeintlich allwissenden Internetgemeinde die richtigen Antworten zu bekommen, wird meist enttäuscht. Wie Religionen und Bedienungsanleitungen liefert auch das Internet kaum wirklich brauchbare Ratschläge fürs Leben. Anders als in der Schule, als sich nur derjenige meldete, der die Antwort auch wusste, ist es im weltweiten Netz üblich, zu kommentieren, dass das „eine gute Frage“ sei, die man sich „auch schon immer gestellt hat“, deren Antwort man aber „leider auch nicht weiß“. Es mangelt im Internet grundsätzlich nicht an Antworten, jedoch an Fragen, die zu den Antworten passen! Früher waren diejenigen still, die Antworten nicht kannten, um nicht aufzufallen. Heute kommentieren diejenigen, die Antworten nicht kennen, um aufzufallen…

 

Letztens suchte ich bei einem Problem mit dem Web-Browser Hilfe in einem Blog. „Bibi Blogsberg“ ließ mich wissen, dass sie lieber badet statt zu brausen und kein Patentrezept für die richtige Software, dafür aber für das richtige Softeis hat. „Sun Blogger“ fragte mich, ob ich nicht doch weiblich bin und Lust auf ein Treffen hätte und „Jenny from the Blog“ bot mir günstige Markensonnenbrillen an. Die Antwort von „Blogflöte“ war da noch am hilfreichsten, die vorschlug, ich solle mal googeln. Irgendwie ist das Internet nicht viel anders als meine alten Schulhefte: Voll mit Rechtschreibfehlern und Texten, die einem im Leben nicht weiterhelfen. Das muss man wohl akzeptieren und dabei einfach Blogger bleiben… gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

P.S. Gibt es im Internet eigentlich ein Schwangerschaftsverhütungsforum mit Namen „Spiralblog“?

Safariurlaub

Es ist doch irgendwie jedes Jahr dasselbe. Nichts bräuchte man dringender als einen erholsamen Urlaub mit etwas Abstand vom Alltag und von der längst überfälligen Steuererklärung. Doch beim Blick auf den Kontoauszug wird einem plötzlich klar, dass es auch diesen Sommer statt für kühlen Wein, Meeresfrüchte und Strand-Bekanntschaften mit Traummaßen wieder nur für lauwarmes Bier, Fischstäbchen und Freibad-Bekanntschaften mit Alptraummassen reicht. Irgendwie hatte man sich den Urlaub dieses Mal anders vorgestellt: Cocktails aus Kokosnusshälften, Bungalow am Meer mit Bad unter freiem Himmel und Blick aufs Wasser. Und jetzt soll es dann doch wieder nur Sangria aus Plastikbechern, Zelt am Moselufer mit Toilette im Gebüsch und Blick auf eine Kläranlage sein…? Weiterlesen

Ganz schön abgebrüht

Er gilt als bester Freund der Briten, die seinen guten Geschmack schätzen. In Boston stand er schon zur Kolonialzeit im Mittelpunkt einer ausladenden Hafenparty. Ein Mitglied des A-Teams benannte sich nach ihm und nicht zuletzt tragen ein Buchstabe und ein Shirt seinen Namen. Neben Roberto Blanco ist er wohl der einzige Schwarze, der allen ein Begriff ist und für den es bei Oma am Tisch stets ein Plätzchen gab. Er symbolisiert Ruhe, auch wenn er unter Dampf steht und gelegentlich überkocht. Bleibt er unbeachtet, reagiert er gelassen mit Kälte. Sauer wird er nie, außer mit Zitrone. Und er spaltet die Gesellschaft wie niemand sonst. Die einen mögen Kaffee, die anderen ihn: Tee… Weiterlesen

Kein Anhalter aus der Galaxis

Es gilt Menschen, die statt aufzuräumen oder Leergut wegzubringen, es in ihrer freien Zeit tatsächlich für erstrebenswerter halten, sich mit Teleskopen vor den Augen und Aluhüten auf dem Kopf die Frage zu stellen, ob es – wenn schon nicht hier bei uns auf der Erde – dann zumindest da draußen im endlosen Weltall irgendwo intelligentes Leben gibt. Als wäre es nicht schon nervenaufreibend genug, sich wegen des Klimawandels und der an Samstagen stets raren Parkplätze vor dem Supermarkt mit dem eigenen Planeten herumschlagen zu müssen, ist eine nicht geringe Zahl von uns Erdlingen der festen Überzeugung, dass es Außerirdische gibt und dass man sie kontaktieren müsse, um sich mit ihnen auszutauschen, von ihnen zu lernen oder zumindest Krieg gegen sie zu führen… Weiterlesen

Kein Entkommen

Wer nach einer Partynacht morgens in den Spiegel schaut oder beim Öffnen der Haustür plötzlich Zeugen Jehovas gegenübersteht, dem wird bewusst, dass es Momente im Leben gibt, auf die man lieber verzichten würde, bei denen es jedoch kein Entkommen gibt. Niemand möchte im Swingerclub den eigenen Eltern begegnen oder nach ein paar Monaten Besuch von einer Tinder-Bekannten mit dickem Bauch bekommen. Keiner mag im Urlaub seine Exfreundin mit neuem Partner oder seinen Chef treffen, geschweige seine Exfreundin im Urlaub mit seinem Chef als neuem Partner… Weiterlesen

Geschäftsgespräche

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Auf unserem Planeten leben rund 5.500 Arten von Säugetieren, von denen die meisten mittlerweile recht gut erforscht sind. Von Walen hat man gelernt, dass auch regelmäßiges Schwimmen nicht vor Fettleibigkeit schützt, und von kleinen Nagetieren, dass es nicht nur an Supermarktkassen Schlangen zu meiden gilt. Auch wurde geklärt, warum manche Arten einen Beutel am Bauch tragen, selbst wenn sie nie Turnen oder Einkaufen gehen. Diejenige Säugetierart, die jedoch noch immer die größten Rätsel birgt, ist die Art, die schon seit Menschengedenken beobachtet und studiert wird: die Frau… Weiterlesen

Allein unter Ja-Sagern

Wer sich als Mann mit knapp Vierzig noch immer wohl in Steuerklasse 1 fühlt und es genießt, Frauen zu treffen, von denen er weder die Lebensgeschichte noch den Namen kennt, der ist nur noch von wenigen Gleichgesinnten umgeben. Immer mehr Kumpel beschließen, von alltäglicher Langeweile oder der biologischen Uhr der Freundin getrieben, aus der kurzen Leine, an der sie in ihrer Beziehung gehalten werden, den Strick am Ehe-Galgen zu machen. Während man selbst den ersten Ehevertrag noch vor sich hat, haben andere bereits den zweiten Scheidungsvertrag hinter sich. Jeder kennt diese Art Paare, die mit ihrer Beziehung am Abgrund stehen, um dann den nächsten Schritt zu machen…

Als guter Freund erfährt man von einer Verlobung nicht, wie mittlerweile eigentlich üblich, über soziale Netzwerke während man gerade auf der Toilette sitzt, sondern an einem der nur jedes Schaltjahr von der zukünftigen Ehegattin noch geduldeten Männerabende, die nichts mehr mit den Treffen von früher zu tun haben, in deren Mittelpunkt kühle Drinks und heiße Mädels standen. Plauderte man damals bei einem Pils in bierseliger Vorfreude über das, was in nächster Zeit laufen wird, schwelgt man heute bei einem Mate-Tee nur noch in armseliger Erinnerung an das, was in vergangener Zeit einmal lief als Männer beim Feiern noch Ringe um die Augen statt Ringe um die Finger hatten…

Aus einst berauschenden Männerabenden sind beschämende Altherrenabende geworden, die in der Abenddämmerung beginnen statt im Morgengrauen zu enden. Niemand trinkt mehr Alkohol, da jeder noch fahren muss oder Magenprobleme hat, was früher egal oder erst tags darauf der Fall war. Was einem Straftäter auf Freigang die elektronische Fußfessel ist einem Ehemann in spe auf Freigang das Handy, über das er viertelstündlich nach Hause meldet, dass er anständig ist, sein Schatzimausi ganz doll lieb hat und zur Wiedergutmachung, da er nicht daheim ist, die nächsten zwei Jahre den Müll raus bringt. Da fühlt man sich selbst wie der letzte wilde Wolf im Rudel kastrierter Schoßhündchen…

Die Nachricht von der baldigen Hochzeit erhält man an solchen Abenden irgendwann beiläufig am Pissoir oder beim Stöbern in der Getränkekarte. Als wäre die Neuigkeit, bald den nächsten Gefährten zu Grabe tragen zu müssen etwas, was man nebenbei gesagt bekommen möchte, wenn eine Hirnhälfte dabei ist, sich zwischen Wodka oder Gin zu entscheiden, und die andere die Kellnerin begutachtet. Kann Mann keinen besseren Moment finden, um alten Freunden mitzuteilen, dass ihm nur noch ein paar Monate auf dieser Welt bleiben? Würde man bei einer schlimmen Krankheit etwa auch sagen: „Ich werde übrigens sterben. Einen Caipi bitte!“…

Am Tag nach solchen Treffen fragt man sich als jemand, der Frauenbekanntschaften lange Zeit wie Unterwäsche nach Lust und Laune wechselte und seine längste Beziehung im Kindergarten hatte, ob es für einen selbst nicht auch Zeit wird, sich für ein Leibgericht zu entscheiden statt überall nur an Häppchen zu naschen. Wer eine Auswahl an Obst gewohnt ist, dem fällt es jedoch schwer, sich für ein bestimmtes Früchtchen zu entscheiden. Schließlich wird aus jedem frischen Pfläumchen irgendwann eine alte Zwetschge, die nicht mehr recht schmecken mag, und aus jedem zarten Pfirsich, den man einmal süß fand, eine schrumpelige Orange, die nur noch sauer ist…

Aber wo findet sich die richtige Partnerin, die nicht nur bis zum Frühstück bleibt, sondern auch noch so lange, um danach das Geschirr zu spülen? Einige Jahre ohne feste Beziehung mit einsamen Winterabenden im Internet machen einen Mann nicht gerade beziehungstauglicher. Daher heißt es an sich selbst arbeiten, wenn Mann nicht mehr an sich selbst arbeiten will! Da ist es noch das Geringste, seine Ansichten dahingehend zu ändern, Chips und Bier nicht mehr als vollwertige Mahlzeit anzusehen. Neue Beziehungen wertet Mann im Alter anders. Da sind es weniger die Schmetterlinge im Bauch, die einen nicht mehr schlafen lassen, als vielmehr die Flöhe im Schritt…

Wer ein Inserat nach der Liebe seines Lebens neben Gesuchen nach Unfallfahrzeugen ab Baujahr 1980 in irgendeinem Stadtmagazin nicht für vielversprechend erachtet und sich nicht durchringen kann, am Kaffeenachmittag der Pfarrgemeinde teilzunehmen, bei dem nicht gerade schwer attraktive, dafür aber schwer übergewichtige Enkeltöchter an den Mann gebracht werden, dem bleiben wenig Möglichkeiten. Wie bei Staubsaugern sind auch bei Frauen vermeintliche attraktive Internetangebote aus China meist enttäuschend, da sie für richtig schmutzige Dinge doch ungeeignet sind und darüber hinaus nicht einmal vernünftig sauber machen…

Manch einer versucht sein Glück bei Partnerbörsen im Internet und läuft Gefahr, sich nach Erfolg versprechendem Chat-Kontakt auf ein Blinddate mit einem stark behaarten Metzger einzulassen, der sich als „Sandra 1978“ vorgestellt hatte und nach einer Schulter zum Ausweinen sucht. Oder man hofft, beim Mumienschieben in der Ü40-Disko jemanden zu treffen, der die Nadel im Heuhaufen ist. Wobei bei der dortigen Auswahl trotz schlechten Lichts meist allenfalls ein rostiger Nagel im Misthaufen zu finden ist. Aber ab einem gewissen Alter ist ein Mann zu allem bereit, damit er nicht endet wie Onkel Hartmut, der irgendwann aus lauter Verzweiflung eine Stehlampe heiratete…

Ein besserer Ansatz: Man leiht sich bei Freunden ein Baby, einen Hund oder am besten gleich beides und versucht, im Stadtpark ins Gespräch mit Frauen zu kommen. Selbst die mieseste Anmache wird verziehen, wenn man offenkundig verantwortungsvoller Papi und Tierfreund ist, der nur auf der Suche nach Unterhaltung ist. Bei dieser Masche gilt es jedoch darauf zu achten, Angaben zu Zwei- und Vierbeiner nicht irrtümlich zu verwechseln, wenn es Nachfragen zu Alter, Geschlecht und Rasse gibt. Die Tarnung fliegt dann auf, wenn man nicht mehr genau weiß, wer von beiden nun kastriert und wer getauft ist und ob das in der Kinderhand nun ein Froot-Loop oder ein Frolic ist…

Doch besser zum Speed-Dating? Zehn Frauen in zehn Minuten, etwas, was man sonst nur von Pornoseiten im Internet kennt. Warum ganze Abende, dutzende Dates und teures Geld in Restaurants verschwenden, wenn man schon nach einer Minute wissen kann, dass man nicht zusammen passt. Andere Männer schaffen das erst nach zig Ehejahren. Hier hat man sechzig Sekunden, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren: Vorlieben beim Sex, Abneigungen gegen Bananen und Füße und die Frage, wer schnarcht und pupst. Da weiß man was Mann hat! Dennoch ist Speed-Dating wie kurz vor Feierabend zur Frittenbude zu kommen, wo es nur noch armen Würstchen gibt, die niemand wollte…

Was nun aber tun, wenn Mann den Rest seines Lebens nicht alleine schweigend auf der Couch sitzen will, sondern jemand möchte, mit dem er das gemeinsam tut? Im Zweifelsfall bleibt wohl doch nur die gute alte Zeitungsannonce: „Einsamer sucht Einsame zum Einsamen“. Allein unter Ja-Sagern… gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

P.S. Angeblich kommt es Frauen über Dreißig bei der Suche nach einem Partner vor allem auf innere Werte an. Mein Blutdruck ist 120 zu 60.

Nicht ganz im Bilde

Saß man in früherer Zeit für ein Porträt von sich noch Ewigkeiten vor der Staffelei eines Malers, um am Ende ein unhandliches Gemälde in Händen zu halten, machen wir in heutiger Zeit Dank Smartphone und Digitalkamera an einem normalen Vormittag schon einmal mehr Selfies als ein Maler im ganzen Künstlerleben auf die Leinwand bringen kann. Nach sechzig Minuten hat man da schnell mehr Fotos auf dem Handy als der eigene Großvater nach sechzig Jahren auf der Kleinbildkamera. Zumindest was Fotos betrifft, haben jüngere Deutsche den älteren Generationen in Sachen Schießen etwas voraus…

Seitdem die digitale Fotografie Einzug in unseren Alltag gehalten hat, hat sich in vielen der Drang entwickelt, alles im Bild festhalten zu müssen, was ihnen zwischen Aufstehen und Zubettgehen passiert oder begegnet. Sei es Gemüse, die aussehen wie Geschlechtsteile, oder Geschlechtsteile, die aussehen wie Gemüse. Sobald etwas von dem abweicht, das jeder hat, sieht oder kennt, wird es fotografiert. Ob nun das morgendliche Frühstück im Bett, der (oder die) mittägliche Latte im Büro, der abendliche Shrimp-Cocktail auf dem Balkon oder das nächtliche Wiedersehen mit selbigem auf der Toilette, es wird geknipst und gepostet, was aufs Bild passt…

Man möchte seine Freunde in der digitalen Welt ja wissen lassen, was einem gerade ziemlich wichtig ist, auch wenn diesen das meist ziemlich egal ist. Abgelichtete Motive sind dabei selten besonders hässlich, besonders eklig oder besonders traurig, sondern eher besonders hübsch, besonders lecker oder besonders erfreulich. Man will schließlich beneidet werden, was kaum der Fall wäre, würde man immer nur Spuren von Hundehaufen an den neuen weißen Sneakers posten. Die Intention von Social-Media-Posts im Internet ist die gleiche wie diejenige von Push-up-BHs in Diskos: Es geht darum, trotz wenig eigenem Content mit leicht Konsumierbarem zu Traffic auf all seinen Kanälen zu kommen…

In den digitalen Anfängen, als Bildpixel noch so groß wie Ritter-Sport-Tafeln waren, endete es mit Post vom Staatanwalt, wenn Unbekannte einem folgten, um Fotos vom Sonnenbaden zu ergattern. Heutzutage liefert man seinen Followern, wie Stalker jetzt heißen, solche Fotos mit eigenem Post frei Haus. Mittlerweile besitzen Jugendliche Fotos von allen, mit denen sie ins Bett gehen würden, während man früher nicht einmal Fotos von allen besaß, mit denen man im Bett war. Woher rührt das Verlangen, Fotos von alltäglichen Banalitäten wie Essen, Tieren und bedrucktem Toilettenpapier zu machen und mit Weichfiltern aus sich selbst herauszuholen, was die Natur nicht hergibt…

Man möchte um sein vermeintlich perfektes Leben beneidet werden, das in Wahrheit meist genauso gewöhnlich ist, wie das aller anderen, die Pickel am Hintern und keine Lust auf ihre Steuererklärung haben. Die scheinbar spontanen Social-Media-Schnappschüsse könnten gefakter nicht sein: Niemand joggt ohne zu schwitzen, isst nur Gesundes aus einem Jamie-Oliver-Kochbuch und hat im Urlaub stets bestes Wetter. Diesen Eindruck vermitteln jedoch Instagram, Facebook und Co. bei denjenigen, die einen ganzen Kosmos an Fotos von sich und ihrem Hipster-Leben veröffentlichen, von denen jede einzelne Aufnahme so perfekt ist als wäre sie aus einer Photoshop-Galerie herauskopiert….

Würde ich Fotos vom Joggen posten – was erfordern würde, dass ich gleichzeitig Selfies machen und Laufen kann, aber auch, dass ich jogge – wäre die Reaktion im Netz sicherlich kein „Daumen hoch“, sondern eher ein Kommentar, in dem man fragt, ob ich einen Arzt brauche. Das jedoch ist die Realität. Alle Ü30er, die ihr Spiegelbild morgens nicht wiederkennen, können beruhigt sein, da sie ebenso wenig das morgendliche Spiegelbild ihrer Internet-Freunde erkennen würden. Wer samstags früh beim Bäcker neben sich die Mutter einer Bekannten zu erkennen glaubt, mit der er seit Jahren nur Kontakt über soziale Netzwerke hat, kann meist sicher sein, dass es nicht ihre Mutter ist…

Nachbearbeitete Fotos einer Hochzeit sind noch nachvollziehbar, schließlich ist der Tag der Hochzeit bei Frauen der schönste im Leben, sieht man einmal vom Tag der Scheidung einige Jahre später ab. Über nachbearbeitete Fotos von Kindern lässt sich dagegen streiten. Vor allem wenn Mami und Papi ihren elterlichen Stolz öffentlich im Internet dadurch bekunden, dass sie mit jeder neuen Windel auch ein neues Fotos ihres Nachwuchses verbreiten, nicht aber ohne das Gesicht des Wonneproppens durch einen Sticker oder Smiley unkenntlich zu machen. Mag das dem flüchtigen Betrachter bei chinesischen Eltern mit übergewichtigen Kindern nicht direkt auffallen, stört es in allen übrigen Fällen jedoch sehr dabei, die elterliche Freude über das Familienglück zu teilen…

Für den Betrachter ist unklar, ob das Kind nach der Mutter kommt und einfach nur hässlich ist oder ob dessen Ähnlichkeiten mit dem Postboten verborgen bleiben sollen. Manchmal liest man, es sei die Angst der Eltern, das Bekanntwerden des Gesichts ihres Kindes könnte Kidnapper auf den Plan rufen. Auch wenn offen bleibt, was bei Eltern, die keine Millionäre sind, dennoch aber Entführungsangst haben, erpresst werden kann außer einem 52-Zoll-TV mit Netflix-Abo. Sollte dies wirklich Grund sein, das echte Mondgesicht seines Kindes gegen eines aus der Emoji-Sammlung zu tauschen, sollten solche Eltern ihre Kinder auch nicht ohne Tüte über dem Kopf zum Spielen rauslassen…

Der wahre Grund für das Maskieren auch außerhalb des Karnevals ist ein anderer. Es sind die Rechte am eigenen Bild und die Tatsache, dass eine junge Österreicherin nach Erlangen der Volljährigkeit nichts Besseres zu tun hatte als ihre Eltern zu verklagen, da diese ungefragt Kinderfotos von ihr gepostet hatten. Für einen schlechten Kunstgeschmack und weitreichende Entscheidungen sind Österreicher ja seit den 1930ern bekannt. Da viele Eltern nun davon auszugehen scheinen, dass ihr Erziehungstalent nicht ausreicht, dem eigenen Nachwuchs in 18 Jahren beizubringen, wegen ein paar Kinderfotos niemanden vor Gericht zu zerren, bevorzugen sie nun eben Familienfotos mit Pac-Man…

Wie immer weiß das Internet Rat, was Eltern tun sollten, wenn sie auf Social-Media nicht verzichten wollen oder können. Der Tipp, dass sich ein Kind nicht identifizieren lässt, wenn dessen Kopf fehlt, mag bei einem Mord eine recht gute Idee sein, dürfte jedoch den Spaß am Stöbern im Familienalbum nehmen, wenn Klein-Johanna darin immer nur ab dem Hals abwärts zu sehen ist und man sich später nur darüber unterhalten kann, wie sich im Laufe der Zeit ihre Füße verändert haben. Andere Tipps empfehlen, Kinder von hinten abzulichten – so wie Papi Mutti am liebsten sieht – oder im Gegenlicht bzw. unscharf zu fotografieren. Für solche Fotos kann man dann getrost die alte analoge Kamera nehmen, bei der man Falschbelichtung und Unschärfe nicht erst noch einstellen muss…

Mal ehrlich: Wenn ich nicht möchte, dass jemand meinen Nachwuchs im Internet in voller Pracht sieht, verzichte ich darauf, Familienfotos zu posten und nehme stattdessen Bilder von mir mit einem frisch bepflanzten Basilikumtopf, wenn ich zeigen möchte, dass ich stolz auf meinen Sproß bin. Wenn ich mit dem irgendwann vor einem Gericht landen sollte, dann zumindest vor einem von Jamie Oliver. Nicht ganz im Bilde…  gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S. Um 100 Fotos einer 16 Megapixel-Kamera zu speichern, braucht es 400 Disketten.

Paradiesische Zeiten

Jeder hat schon vom Paradies gehört, ob nun als Creme, als Vogel oder als Ort, an den die kommen, die Kirchensteuer zahlen. Während Verkäufer beim TV-Shopping die Ansicht vertreten, dass schon der Kauf eines Staubsaugers genügt, um den Himmel auf Erden oder zumindest auf den Teppich zu bringen, sind die meisten anderen Menschen der Meinung, Glückseligkeit warte erst, wenn man das Irdische hinter sich hat und dem hellen Licht entgegentritt. Wer das Ende des Tunnels schon erblickt hat, sich dann aber doch noch einmal für den Rückweg entschlossen hat, widerspricht dieser Erwartung: Am Ende des Tunnels warten nicht Adam und Eva, sondern lediglich Perl und Cattenom…

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