• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Wer hat Angst vorm bösen Wolf

Es ist schon einige Zeit her, dass unsere Vorfahren die Entdeckung machten, dass Fingernägel am einfachsten durch aufrechtes Gehen sauber zu halten sind und es zum Schutz der Geschlechtsteile wie auch zum Schutz der Augen und des Appetits besser ist, bestimmte Körperstellen mit Fell zu bedecken. Damals kam der Mensch auch zu der Erkenntnis, dass sich sein Kopf nicht nur als Ziel für Keulenhiebe, sondern auch zum Denken eignet. Während daraufhin einige Homo sapiens begannen, Werkzeuge und Tupperware zu erfinden, um sich das Leben zu erleichtern, nutzten andere ihre Intelligenz dazu, um Ausreden zu erfinden. Ebenfalls um sich das Leben zu erleichtern… Weiterlesen

1 x 6 = 2

Eltern und Kinder verbindet bekanntlich einiges. Anfangs ist es die Nabelschnur, später dann das Kindergeld und am Ende schließlich das Erbe. In der Zeit dazwischen teilen Vater und Sohn oft die Liebe zum gleichen Sportler und Mutter und Tochter die Liebe zum gleichen Sportlehrer. Außerdem – so sagt man zumindest – würde eine Familie durch Liebe zusammengehalten. Wer schon einmal eine Reportage über Hyänen gesehen hat, die als Jungen gemeinsam herumtollen und sich als Erwachsene gegenseitig die Kehle durchbeißen, weiß, dass das mit Familie und Liebe aber so eine Sache ist. Der Grat zwischen dem Besten, was einem im Leben passiert ist, und dem, was einem im Leben am besten nicht passiert wäre, ist gerade in Sachen Nachwuchs manchmal wirklich schmal… Weiterlesen

Im Laufe der vergangenen knapp 200.000 Jahre, in denen wir Menschen unser Unwesen auf der Erde treiben und der irrigen Ansicht sind, dort die beherrschende Lebensform zu sein, haben wir wohl die meiste Zeit damit verbracht, uns selbst oder anderen Lebewesen den Garaus zu machen. Kämpfe, Fehden und Kriege lasteten unser menschliches Gehirn über Jahrtausende hinweg weitgehend aus und ließen kaum Raum für Dinge, die nichts mit irgendwelchem Gemetzel zu tun hatten. Erst im 20. Jahrhundert schaffte es der Homo sapiens endlich ein paar Erfindungen hervorzubringen, die keine Waffen waren, dennoch aber von jedem und allen täglich gebraucht und gerne genutzt wurden…

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Superspreader

Endlich ist dieses 2020 nun also vorbei. Ein Jahr, das nur denjenigen in guter Erinnerung bleiben dürfte, die Aktienanteile von Amazon besitzen oder in weiser Voraussicht ihr Erspartes frühzeitig in Unternehmen der Desinfektionsmittel- und Plexiglasindustrie gesteckt haben. Dank der zukünftig verfügbaren Impfstoffe gegen Covid-19 ist das Ende absehbar: Das der Pandemie oder das unsrige. Das Licht am Ende des Tunnels ist zu erkennen, auch wenn derzeit noch nicht ganz klar ist, ob dort dann das alte Leben aus der Vergangenheit oder das neue Leben in der Ewigkeit wartet… Weiterlesen

Big Brother is watching you

Wem wurde als Kind nicht auch eingeredet, dass wahlweise der liebe Gott oder das Christkind alles sieht und Konsequenzen zieht, wenn man den Spinat nicht aufisst oder die Spielsachen nicht wegräumt. Einschüchterungen waren und sind nach wie vor eine weit verbreitete wie auch wirksame Masche von Erwachsenen, den eigenen Willen durchzusetzen und den von Kindern zu brechen. Auch wenn die Drohung mit erhobenem Finger stets eine Lüge war und weder Gott noch Christkind jemals von halbvollen Tellern oder herumliegenden Bauklötzen in Kenntnis gesetzt wurden. Hätte man als Kind gewusst, dass man eigentlich erpresst wird und Opfer elterlicher Willkür ist, man hätte nie im Leben die eklig grüne Matschepampe gegessen und auch keinen einzigen Legostein vom Teppich geräumt, sondern absichtlich dort hingelegt, wo die Eltern immer barfuß laufen…

Folgen dieser Erpressung von damals sind bei uns Erwachsenen von heute neben einer tief sitzenden Angst, an schlechtem Wetter schuld zu sein, wenn man das Essen nicht aufisst, dass jeder von uns ab und an andere willkürlich oder unwillkürlich unter Druck bringt, um den eigenen Willen durchzusetzen. In der Schule droht man mit Aufkündigung der Freundschaft, wenn der Banknachbar verrät, dass man blau macht, im Büro mit Ankündigung einer Feindschaft, wenn der Büronachbar verrät, dass man blau ist. Dem Partner vertrauen, wenn dieser sich mit Freunden trifft, ist gut, ihm vorab bereits mit dem Ausquartieren aufs Sofa zu drohen, wenn er besoffen nach Hause kommen sollte, ist jedoch besser. Neben der Behaarung unanständiger Körperteile hat sich der Mensch damit noch etwas von seinen tierischen Vorfahren erhalten: Drohgebärden…

Was das angeht, gibt es in Deutschland ein Unternehmen, dessen alleiniger Name bereits für mehr Angstschweiß sorgt als angekündigte Schläge oder Fotos von der letzten Firmenweihnachtsfeier. Es ist das Unternehmen, das Willkür und Drohungen perfektioniert hat und sich die Aufgabe früherer Könige zu eigen gemacht hat, nach purer Lust und Laune darüber zu urteilen, über wem der Daumen gehoben oder gesenkt wird. Wie niemand sonst entscheidet dieses Unternehmen darüber, wer gut ist und wer böse war, wenn es um Geldfragen geht. Es ist damit der liebe Gott und das Christkind in Personalunion, auch wenn es von vielen eher als der Teufel in Person gesehen wird. Es ist die Institution, die über zwei Drittel aller Bundesbürger eine Akte führt und besser über uns Bescheid weiß als NSA, Google und die neugierige Nachbarin von gegenüber zusammen: Die Schufa…

Als „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ gegründet, hat sich das Unternehmen aus Wiesbaden im Laufe der Zeit zum Big Brother entwickelt, der unsere Finanzen besser kennt als wir selbst, um darauf zu achten, dass es uns gut geht und unseren Kreditgebern besser. Während wir noch nicht einmal wissen, was wir uns leisten sollen, weiß die Schufa bereits, dass wir es uns nicht leisten können. Sie hält ihr Urteil uns gegenüber jedoch fein zurück, um keinen zu desillusionieren, dessen Kreditwürdigkeit unter der eines Wellensittichs liegt. Die Schufa will uns nicht mit lästigen Fakten stören, die wir ohnehin nicht kennen möchten, gibt diese aber gerne an Dritte weiter. Sie konzentriert sich eben aufs Wesentliche und dazu gehört auch, kostbare Zeit von Hotline-Anrufern nicht unnötig mit Freundlichkeitsplattitüden oder Namensnennungen ihrer Mitarbeiter zu vergeuden…

Kritiker behaupten, die Schufa sei wie Hämorrhoiden: Beide wären für den Arsch und würde man nicht mehr los, wenn man einmal Probleme mit ihnen hatte. Dabei sollte jeder dankbar sein, dass finanzielle Verbindlichkeiten sicher archiviert sind. Man hätte glatt vergessen, dass noch 1 DM Milchgeld aus der vierten Klasse unbezahlt ist, wenn die Schufa-Abfrage beim geplanten Ratenkauf eines Toasters 25 Jahre später nicht ergeben hätte, dass wegen der offenen Zahlung von damals eine Finanzierung leider nicht möglich ist und man Weißbrot daher weiterhin labbrig essen muss. Der Schufa-Eintrag sagt mehr über Menschen aus als Führungszeugnis, Impfpass und Instagram-Seite zusammen. Die Flensburger Verkehrskartei weiß, wann jemand aus dem Straßenverkehr gezogen werden muss, die Wiesbadener Schufa-Kartei jedoch, wann jemand aus dem Finanzverkehr zu ziehen ist…

Anhand eines Scoring-Werts zur Bonität zwischen 0 und 100 % beurteilt die Schufa, wer beim Bäcker Brötchen anschreiben lassen darf und wer gefälligst direkt zu zahlen hat, noch bevor die Semmel in der Tüte ist. Leider wird immer wieder Kritik am Bewertungssystem der Schufa laut. Dabei sollte jedem klar sein, dass die Wertermittlung allein wegen des Betriebsgeheimnisses so aufgebaut sein muss, dass niemand sie nachvollziehen kann. Außerdem müsste jeder noch aus der Schule wissen, dass man Benotungen nicht verstehen soll, sondern einfach zu akzeptieren hat. Dreimal Hausaufgaben vergessen bedeutete in der Schule Punktabzüge bei der Endnote. Nicht anders ist das bei der Schufa, wenn man dreimal seine Rechnungen nicht zahlt…

Wer insolvent ist, hat zum Beispiel ein Schufa-Scoring von nur 5 %, wer sich nichts hat zuschulden kommen lassen einen Wert von über 80 %. 100 % ist ein rein theoretischer Wert, der nur von Mitarbeitern der Schufa selbst erreicht wird. In die Bewertung der Bonität fließen wissenschaftlich aufwändig ermittelte Daten ein wie Vorname, Adresse und Sternzeichen. Dass ein Roger oder eine Josie nicht mehr als 50 % erreichen können, dürfte für jeden nachvollziehbar sein. Carl und Marlene garantieren dagegen mindestens 85 %. Wenn diese dazu auch noch katholisch sind, gibt es weitere 5 % dazu. Außerdem ist klar, dass derjenige, der in einer „Hauptstraße“ wohnt, nicht die gleiche Kreditwürdigkeit besitzen kann wie jemand aus einer „Eichenallee“. Auch die Schuhgröße ist für den Scoring-Wert relevant: Über 46 belegt, dass man auf zu großem Fuß lebt…

Die Ermittlung des Scoring-Werts ist mittlerweile mehr als bloßes Würfeln. Zukünftig wird die Schufa mit sozialen Netzwerken zusammenarbeiten. Wer persönliche Daten auf seiner dortigen Profilseite frei einsehbar hat, belegt mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Resultat: 30 % Abzug beim Scoring. Wer ständig Selfies mit neuen Klamotten oder Urlaubsfotos auf Instagram postet, zeigt, dass er zu viel Geld ausgibt: Ebenfalls Minuspunkte. Wer dagegen Schnäppchenseiten gut findet, Oboe spielt und Fotos im selbstgestrickten Rollkragenpulli einstellt, ist seriös und sparsam und bekommt Bonuspunkte. Und wer auf der Facebook-Seite der Schufa auf „Gefällt mir“ klickt, dem sind 50 % extra sicher. Das macht die Nachvollziehbarkeit natürlich nicht einfacher. Aber manchmal ist es besser, wenn man das genaue Zustandekommen nicht kennt. Das ist beim Schufa-Scoring nicht anders als bei Teewurst…

Wer der Schufa nicht traut, kann dort übrigens eine Selbstauskunft einholen, muss sich nach einem solchen Vertrauensbruch jedoch nicht wundern, wenn das nächste Scoring weniger Prozentpunkte hat als Magermilch oder die FDP. Gottes Unfehlbarkeit darf bezweifelt werden, nicht aber die Unfehlbarkeit der Schufa! Diese Kolumne dürfte mein Scoring von 95 % auf 5 % gesenkt haben. Das Lesen wird sicher auch ein paar Prozent gekostet haben. Anders als bei Covid-19 schützt vor der Schufa leider auch kein Aluhut. Big Brother is watching you… gruenetomaten@live-magazin.de.

 

Patrik Wolf

  1. S. Die Facebook-Seite der Schufa hat 37 Likes, die Seite über Durchfall 169.

Ginny in a Bottle

Wer beim Aufräumen zufällig auf Fotos stößt, die anno dazumal in den 80ern, 90ern oder 2000ern auf vermeintlich legendären Familiengeburtstagen geschossen wurden, der ist meist ziemlich verwundert über den damaligen Frisuren- und Kleidergeschmack. Aber auch darüber, wie fit Oma im Vergleich zu heute aussah, als sie noch lebte. Ebenso seltsam wie die einst als modisch erachteten Tapeten- und Hemdenmuster mutet heute auch das an, was man seinen Gästen damals zu trinken anbot: Ob Persico, Edelkirschlikör, Schinkenhäger oder sauerster Riesling, den Opa nach dem Krieg günstig en gros bezog, was freiwillig ausgeschenkt und auch freiwillig getrunken wurde, war in Sachen Farbe, Geschmack und Magenfreundlichkeit nicht weit weg von dem, was heute nur noch Toilettenreiniger zu bieten haben… Weiterlesen

Zahlen bitte

Wer 2 und 2 zusammenzählen kann, weiß, dass der Alltag heutzutage ohne Zahlen 0 Bedeutung hätte. Das merkt man un2felhaft an 1000 Dingen: Im Job soll man stets 8 geben und versuchen 1. aber nicht 3st zu sein. Dazu kriecht man vor dem Chef am besten auf allen 4ren und vermeidet es, einen 3er mit der 9 Kollegin auf dem Rücksitz ihres 4t zu haben. Vor allem im Winter, wenn man sich dabei an den Füßen 15 abfriert und die 10e im Mund klappern. Das wäre nicht 1mal für einen 4beiner wie einen 100räglich. Zwar ist 1mal beim 6 k1mal, aber wenn 1 klar ist, dann, dass einem nicht mehr zu h11en ist, wenn es am Ende eine Ab3bung braucht. Das ist in 2brücken wie in M1 am Rhein…

Wenn es um Kontoguthaben, Urlaubstage und Penislängen geht, können Zahlen für die meisten gar nicht groß genug sein, während sie bei Körpergewicht, Überstunden und der Größe von Spinnen dagegen möglichst klein bleiben sollten. Bei Schuhen, Unterhosen oder Verwandtschaftsbesuchen gehen die Meinungen meist weit auseinander, wie groß ihre Zahl sein soll, muss oder darf. Vor allem zwischen Mann und Frau. Ohne Zahlen wäre im Leben das erste Mal wie jedes Mal und im Bett einfach keine flotte Nummer möglich. Man könnte nirgends auf Nummer sicher gehen oder erwarten, dass sich die eigenen Mühen einmal auszahlen…

Ob nun der Mathematikunterricht des Sohnemanns oder der Bordellbesuch seines Papis, alles hat mit Zahlen zu tun. Wenn auch mit dem Unterschied, dass nach einer Stunde Arbeit einer der beiden traurig und der andere glücklich nach Hause zu Mutti kommt, wenn das Ergebnis 6 war. Dabei hätte ein befriedigend beiden schon genügt. Irgendwann haben wir bei vielen Alltagsdingen Zahlen den Vorrang gegenüber Buchstaben gegeben. Außer bei Tütensuppen. Aber was soll es mir nun sagen, wenn die Körperwaage Ziffern wie 1 – 0 – 0 anzeigt? Wäre es da nicht hilfreicher, auf dem Display würden Buchstaben wie F – E – T – T erscheinen? Aber lassen wir 4 jetzt einfach einmal gerade sein…

Beim Einkaufen von Obst hat es sich z.B. als recht nützlich herausgestellt, Mengen mit Stück- oder Grammzahlen statt mit ungenauen Angaben wie „eine Hand voll“ zu bemessen, da diese durchaus zu relevanten Unterschieden führen, je nachdem ob man Äpfel oder Melonen möchte. Jeder weiß aus Kontaktanzeigen bei Singlebörsen, dass „eine Hand voll“ manchmal Unmengen, manchmal aber auch fast nichts bedeutet. Letzteres vor allem, wenn die Schale erst einmal entfernt ist und trockene Rosinen statt saftiger Früchte zum Vorschein kommen. Dass der Inhalt nicht halten kann, was die Hochglanzverpackung verspricht, trifft eben nicht nur auf Überraschungseier zu…

Zahl ist jedoch nicht gleich Zahl. Manche Zahlen sind böse wie die 666, andere unanständig wie die 69 oder knapp in der Zeit wie die 5 vor 12. Es gibt welche, die stehen für Unglück wie die 13, für Glück wie die 00 oder für Dummheit wie die 88. Manche Zahlen spielen Fußball wie die 11, riechen gut wie die 4711 oder kennen den Sinn des Lebens wie die 42. Wiederum andere gehören zu feinem Sand wie die 7 oder zu den Füßen wie die 10. Es gibt aber auch Zahlen, die sind nichts Besonderes wie die 0815 oder einfach nichts wert wie die 0, während wiederum andere die Lizenz zum Töten haben, wie die 007. Und dass 6 über 18 Spaß macht und 6 unter 16 Gefängnis bedeutet, weiß wohl auch jeder…

Es gab jedoch Zeiten, da kamen wir mit weit weniger Zahlen aus als heutzutage. Mit zwei um genau zu sein. Noah genügten zwei Tiere jeder Art, um seine Arche zu füllen, und uns Deutschen zwei Weltkriege, um den halben Kontinent zu verwüsten. Auch die Evolution entschied sich, dass zwei Geschlechter ausreichen, selbst wenn beim Menschen nur eines von beiden die Fähigkeit erhielt, Kinder zu gebären, das andere dafür jedoch Autofahren kann. Die Informatik kommt bis heute mit nur Einsen und Nullen aus. Zwei Möglichkeiten genügen, um bei etwas die Wahl, jedoch nicht die Qual zu haben. Weniger heißt nicht wählen zu können, mehr dagegen, dass Wählen zum Stress wird. …

Leider bevorzugen viele von uns statt eines klaren Jas oder Neins lieber ein Eventuell, das noch die Option zur Umentscheidung lässt. Jeder möchte bei allem wählen und wechseln können. Das ist beim Stromtarif nicht anders als beim Partner. Selbst Geruch und Farbe des Toilettensteins gilt es zu individualisieren. Dies erfordert ein größtmögliches Wahlangebot, egal ob es um Kleidung, Autos oder Brühwürfel geht. Wahrscheinlich würde selbst Noah heute von jedem Tier drei oder vier in verschiedenen Farben und Größen mit auf die Arche nehmen, um nach Lust und Laune wechseln zu können. Vielleicht gäbe es Zebras dann auch in einem schönen Blau-Grün oder Gelb-Rot…?

Früher war jeder beim Fernsehen mit Schwarz und Weiß und beim Kochen mit Salz und Pfeffer zufrieden. Heute wollen alle Millionen scharfe Farben und ebenso viele scharfe Gewürze. Lampen waren einst entweder an- oder ausgeschaltet und brauchten nicht stufenlos dimmbar zu sein. Wein wählte man nach rot oder weiß und manchmal einfach auch nach dem Geschmack aus und nicht nach einer von Hunderten Rebsorten und Anbaugebieten. Und wenn bei Omas Geburtstag jemand wissen wollte, woher der Kaffee stammt, wollte er nicht Brasilien, Kolumbien, Mexiko oder Indien als Antwort hören, sondern einfach Tchibo oder Eduscho…

Heutzutage geht aber einfach nichts mehr ohne möglichst viele Variationen. Mineralwasser gibt es nicht mehr nur mit oder ohne Kohlensäure, sondern in unzähligen Sprudelstärken und Mineralienzusammensetzungen. Was früher Rosa war, ist heute Malve, Flieder, Fuchsie oder Inkarnat. Selbst Parken ist nicht mehr einfach nur erlaubt oder verboten. Es gilt, sich uhrzeit- und tagesabhängig zwischen eingeschränktem und absolutem Halteverbot, Kurz- und Dauerparken, Frauen-, Mit-Kind-, Lieferanten- und Anwohnerstellplätzen zu entscheiden. Selbst Ampeln sind nicht mehr eindeutig rot oder grün, seitdem es den grünen Pfeil für Rechtsabbieger gibt…

Früher gab es auch nur zwei Arten von Kopfschmerzen; beide nach einer durchzechten Nacht: Eine wegen zu viel Bier in der Kneipe, die andere wegen dem Nudelholz zuhause. Heute muss man sich zwischen zwei Dutzend Kopfschmerzen entscheiden, gegen die es ebenso viele Tablettensorten gibt. Beeindruckend ist, wie viele Milchsorten mittlerweile angeboten werden, wenn man bedenkt, dass diese alle aus ein und demselben Euter stammen. Einkaufen ist schwieriger geworden als Scrabble ohne Vokale. Warum bloß so viel von allem? Man hat mit zweimal meist doch schon einmal Ersatz. Das ist mit Schlüpfern wie mit Lungenflügeln. Im Zweifelsfall kommt man mit nur einem aus…

War in meiner Kindheit Kleidung schmutzig, nahm Oma mehr oder weniger von dem immer gleichen weißen Universalpulver aus der Pappkiste und wusch so lange und heiß, bis das blaue Hemd sauber oder zumindest weiß war oder dem kleinen Bruder passte. Heutzutage soll und kann jeder zwischen unzähligen verschiedenfarbigen, unterschiedlich stoff- und temperaturgeeigneten Flüssig-, Gel- und Pulverwaschmitteln, Weich- und Hygienespülern wählen, die Kleidung, Haut und Waschmaschine gleichzeitig pflegen und ab und an sogar Flecken lösen, und hat ebenso viele Waschprogramme zu Verfügung. Als wenn es Socken interessieren würde, in welche Richtung sich die Trommel dreht…

Klar macht Weichspüler Sinn, um Handtücher nicht mit Schmirgelpapier zu verwechseln, aber muss man denn wirklich vor die Wahl zwischen April-, Sommer-, Blüten-, Meeres- und Halloweenfrische gestellt werden? Zahncreme muss farblich doch nicht zu den Fliesen passen? Das einzige, worauf ich farblich achte, ist Gemüse. Das mag ich grün. – Zahlen bitte… gruenetomaten@live-magazin.de.

Patrik Wolf

P.S.  Früher gab es auch beim Sex lediglich zwei Arten: Er oben oder sie unten.

 

Wo ist mein Laubsauger?

Hin und wieder wird es im Leben Zeit für Veränderungen. Das kann eine neue Frisur, neue Klamotten oder auch eine neue Beziehung bedeuten. Bei Frauen bedeutet es meist alles das zusammen. Aber auch bei uns Männern sind gelegentliche Veränderungen für die Weiterentwicklung wichtig. Hätten unsere Vorfahren nie Neues gewagt, wir würden an romantischen Abenden zu zweit heutzutage wohl noch immer in den Himmel starrend im Bärenfell neben dem Feuer sitzen statt aufs Handy glotzend im Unterhemd neben dem Fernseher. Spätestens wenn man beim Stöbern in alten Fotos feststellt, dass man schon vor zehn Jahren mit dem gleichen Haarschnitt, der gleichen Badehose und der gleichen Freundin in Urlaub war, gilt es Mut für Neues zu fassen. Auch wenn das heißen sollte, im zarten Alter um die Vierzig das Kinderzimmer bei den Eltern gegen eine eigene Wohnung einzutauschen…

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Ihr Kinderlein kommet

Irgendwann kommen Frauen zur leidvollen Erkenntnis, dass die Zeit vorbei ist, in der ihre Brüste den Bikini hielten und nicht umgekehrt. Wo einst knackige Äpfel darauf warteten, an den Mann gebracht zu werden, fallen nun matschige Birnen aus den Obstkörbchen. Ist die 35 einmal überschritten, sind die Pobacken einer Frau nicht mehr so hart wie Kokosnüsse, sondern nur noch so beharrt. Die Zeit hat aus Körpermaßen langsam Körpermassen werden lassen und tiefe Wunden in der weiblichen Seele und noch tiefere Löcher in den weiblichen Schenkeln hinterlassen. Die schönste Blume, aber auch die schönste Frau beginnt irgendwann zu welken. Es sei denn, sie ist aus Plastik. Wenn Frauen realisiert haben, dass sie länger zum Schminken ihres Gesichts als zum Streichen ihrer Wohnung brauchen und neue Schuhe als Trost nicht mehr ausreichen, beschließen sie, schwanger zu werden… Weiterlesen

Nur ein Katzenwurf entfernt

Was wäre die deutsche Sprache ohne ihre endlose Zahl an Doppeldeutigkeiten und geflügelten Worten, die uns tagtäglich begleiten und jeden Nichtmuttersprachler zur Verzweiflung bringen. Als gäbe es im Alltag nicht bereits genug Gelegenheiten, seinen Gegenüber falsch zu verstehen. Vor allem, wenn es sich beim Gegenüber um das andere Geschlecht handelt und es um die Frage geht, ob zum Angebot, spätabends noch mit auf einen Kaffee raufzukommen, neben Milch und Zucker auch noch das Frühstück am nächsten Morgen gehört. Fatal, wenn Sie beim romantischen Spaziergang ankündigt, dass der Abend mit Blasen enden wird, Er jedoch nicht ahnt, dass nicht etwa seine Attraktivität, sondern vielmehr ihre neuen Schuhe der Grund dafür sind… Weiterlesen