• Termine News und Wissenswertes aus Saarbrücken, dem Saarland und der Welt:

Hier geht´s um die Kohle!

Es wird spannend in der Modernen Galerie! Am 30. April beginnt die Ausstellung „Sensing the Unseen“ der international renommierten Künstlerin Helga Griffiths. Nicht nur die Optik spielt bei dieser Ausstellung eine Rolle, auch unser Geruchssinn wird einbezogen, von den überwältigenden Klangelementen ganz zu schweigen. Griffiths spielt mit den Grenzen menschlicher Wahrnehmung, lässt uns staunen, ruft Erinnerungen wach und versetzt uns in andere Welten.

Beim Betreten des abgedunkelten Ausstellungsraums empfängt uns eine deckenhohe Doppelhelix in fluoreszierendem Grün. Ein Fischernetz und über 2.000 Reagenzgläser formen den menschlichem DNA-Strang und bilden den ersten Erfahrungsraum, mit dem Griffiths uns in fremd scheinende und doch so alltägliche Welten entführt. Mikro- und Makrokosmos tauschen die Plätze, wir meinen, vor einem unendlichen Sternenhimmel zu stehen und doch ist es winziger Diamantenstaub, aus Kohle hergestellt und als Glitzer auf die Wand gestrichen.

Überhaupt ist Kohle ein zentrales Thema der unglaublich coolen Ausstellung. Der „brennende Berg“ bei Sulzbach, den schon Goethe vor über 250 Jahren besucht hat, inspirierte Griffiths zu einer Tafelrunde aus Petrischalen, in denen Bilder von brennenden Bergen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Über der interaktiven Installation schwebt der Saarbrücker Himmel in einer Liveübertragung und spiegelt sich in der geologischen Weltengemeinschaft. Diese Installation wurde von der sympathischen Schwäbin extra für Saarbrücken geschaffen, die laut eigener Aussage immer wieder gern in unserem schönen kleinen Bundesland ausstellt. Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an die beeindruckende Ausstellung „Crossing“ in der Stadtgalerie vor fünf Jahren, die ebenfalls von Dr. Andrea Jahn, der heutigen Direktorin der Modernen Galerie, kuratiert worden war.

Einige der aktuellen Installationen erinnern an den Blick durch ein Elektronenmikroskop, überhaupt wandern wir scheinbar durch verschiedenste Laborsituationen. Der Klangkünstler Johannes S. Sistermanns, mit dem Griffiths eine jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit verbindet, verschmolz das Grollen von Erdbeben mit dem verborgenen Sound des tiefsten noch existieren Lochs der Welt, einem über 9 Kilometer tiefen Bohrloch bei Nürnberg und erzeugt so Klänge, die mit unserer Fantasie spielen. Wir sehen dazu den mit einer Highspeedkamera aufgenommenen Prozess, die Essenz von Kohle herzustellen, aus der wiederum mit Hilfe eines Parfumeurs der Duft „L‘air du Charbon“ geschaffen wurde. In augenzwinkernder Anlehnung an Marcel Duchamps‘ „Air de Paris“ präsentiert sich in der Art einer Zeitkapsel ein aufwändig hergestellter Kolben mit der letzten Luft aus der Steinkohlemine Prosper-Haniel bei Bottrop, die 2018 als letzte ihrer Art endgültig geschlossen wurde.

Die nie gehörten Klänge und die nie gerochenen Düfte zusammen mit dem Licht und der Abstraktion der Installationen lösen unausweichlich Gefühle in uns aus und lassen uns gewohnte Blickwinkel hinterfragen. Das ist ganz im Sinne der Künstlerin, die unsere Wahrnehmung verschieben, umlenken, neu definieren möchte. Es gibt keine vorgegebene Interpretation der Werke, jeder Besuchende kann den verborgenen Welten nachspüren und sie ganz individuell empfinden und auf sich wirken lassen.

Die Ausstellung „Sensing the Unseen“ ist vom 30.04. bi 14.08.2022 in der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken zu sehen.

Fotos: VG Bild-Kunst, Bonn, Hannes Woidich, Vincius Ferreira

Zeit für Zusammenhalt

„Wir sind gerade jetzt für euch da”, sagt Jochen Strobel, Leiter Privat- und Gewerbekunden energis GmbH, am Ende der aktuellen Videobotschaft von „energis“ und richtet seine Worte an alle Menschen in der Region. Das Video ruft zu mehr Zusammenhalt auf – gerade in Zeiten wie diesen, in denen zahlreiche Krisen unser aller Leben bestimmen. Denn nur durch gegenseitige Unterstützung und aufeinander achten, bleibt in einer Gemeinschaft niemand auf der Strecke. Da sind es oft die kleinen, selbstverständlichen Dinge, die jetzt besonders wertvoll werden. Ein „Danke“ an all die Menschen in unserem Leben. Und deshalb fängt „energis“ damit an und sagt „Danke“. An die Saarländerinnen und Saarländer, die schon seit Jahren auf die Qualität und den Service des regionalen Energieversorgers setzen und die Region unterstützen. „energis“ verspricht auch weiterhin und „gerade jetzt“, wie Jochen Strobel im Video betont, für die Kunden da zu sein. Mit den Kundencentern vor Ort im Saarland, mit den Energieberatern bei den Kunden oder telefonisch. Persönlich und nah lassen sich viele Bedenken und Fragen gemeinsam klären.

Die Videobotschaft „Zeit für Zusammenhalt“ des regionalen Rundumversorgers finden sie auf energis.de

Quo vadis Osthafen?

Kein Projekt bewegt die Saarbrücker aktuell mehr als die Zukunft des Geländes am ehemaligen Osthafen. Diesen Monat fällt im Stadtrat die Entscheidung, welcher Bewerber den Zuschlag für den Erwerb des Rhenania-Gebäudes und damit die Entwicklung eines Saarbrücker Lieblingsortes erhält.

Durch die Revitalisierung und Erweiterung des bisherigen Konzeptes des Saarbrücker Osthafens als Ort der freien sowie alternativen Kunst- und Kulturszene soll der ursprungsgebende Punkt der Region nun für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich gemacht und erlebnisreich gestaltet werden.

Seit Monaten auf dem Tisch ist das Konzept „Kulturgut Ost“ der Partner Sektor Heimat e.V. und Greencells Group, einer Kooperation der bereits vor Ort angesiedelten Kulturschaffenden mit einem der größten europäischen Anbieter von Solarkraftwerken. Das Unternehmen mit Sitz in Saarbrücken und Tochtergesellschaften in Asien, dem Mittleren Osten und den USA, engagiert sich bereits seit Jahren im Osthafen ist bereits Eigentümer eines der beiden Gebäude auf dem Gelände. Sein integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) um die künftige City Ost wurde bereits letztes Jahr eingereicht, öffentlich gemacht und in unserer Januar-Ausgabe vorgestellt.

Jetzt hat auch der zweite Bewerber sein Konzept vorgelegt und seine Vorstellung von dem „Port Est“ publiziert. Das St. Ingberter Bauunternehmen Peter Groß will das bestehende Speichergebäude in seiner baulichen Hülle zukunftsfähig machen, aber gleichwohl den industriellen Charakter beibehalten. Damit soll Clubszene, Gastronomie, Kultur, freie Kunstformen, Kindertagesstätte, und Büronutzung am Osthafen möglich werden.

Das erklärte Ziel ist es, mit einem Investitionsvolumen von 38 Millionen Euro nicht nur eine Aufwertung des Areals zu schaffen, sondern einen überregional einzigartigen Anziehungspunkt zu schaffen, der für die Menschen ein Grund, die Stadt Saarbrücken zu besuchen.

Bis zum Jahr 2025 soll das heutige Rhenania-Gebäude zu einem Freihafen im Herzen Saarbrückens werden. Der Port Est soll im Kern aus zwei Gebäudeteilen bestehen: Einem revitalisierten Altbau und einem Holzhochhaus. Die Gebäude sollen sich sowohl funktional als auch gestalterisch eindrucksvoll in die Umgebung eingliedern. Im Osten zur Bahntrasse hin wird ein zentrales Parkhaus mit einer intensiv begrünten Fassade entstehen. Von dort aus führt der Weg entlang der Schutzbauten für die archäologischen Relikte des Römerkastells zum Osthafen an das künftige Ensemble aus Alt und Neu. An den Durchgängen im Osten und Westen gelangt man zum Pier, auf dem Bars und Restaurants angesiedelt und Ausstellungen stattfinden sollen. Ein Schubleichter auf der gegenüberliegenden Saarseite soll die Umgebung optisch und erlebnismäßig bereichern: Intensiv mit großen Bäumen begrünt, soll dort eine Holzbühne errichtet werden, auf der Konzerte, Aufführungen und Veranstaltungen stattfinden sollen. Vor dem Pier soll ein großer Pool geschaffen werden, so dass man quasi in der Saar baden kann. Ergänzt wird die neugedachte Erschließung der Wasseroberfläche durch eine Anlegestelle für Ausstellungs- und Restaurantschiffe.

Im Erdgeschoss des sanierten Altbaus soll eine Kindertagesstätte Platz finden, die auch eine Freifläche im Westen als Außenbereich nutzen können soll. Neben der Kita soll im Erdgeschoss des Bestandsgebäudes Raum für den bereits ansässigen Sektor Heimat e. V. geschaffen werden, der außerdem Zugang zum Untergeschoss erhalten soll, das als Club nutzbar ist und Zugang zum Außenbereich und demnach zu Holzdecks auf der Saar erhält.

Im Bereich des Neubaus unter den Holchsilos ist ein Raum für eine Craft Beer Brauerei mit integrierter Bar sowie eine daran angrenzende zweistöckige Eventlocation vorgesehen, die als Bindeglied zwischen Club und Veranstaltungshalle dienen soll. Die darüberliegenden Geschosse sollen offen für die freie Szene sein und insbesondere der kreativ- und kulturaffinen Nutzung vorbehalten sein. Hier könnten Proberäume für die Musikhochschule und Werkstätten Platz finden, die Freiraum für kreatives Arbeiten schaffen.

In den oberen Stockwerken sollen vor allem Flächen für loftartige Nutzungen, zum Beispiel für Start-ups, Coworking-Spaces und Agenturen bereitgehalten werden. Die obersten Geschosse will die Firma Peter Gross Bau selbst nutzen. Das Bauunternehmen hat für seine Mitarbeiter eine Aus- und Weiterbildungsakademie gegründet, die dort angesiedelt werden soll.

An der Westfassade des Altbaus werden schwebende kugelförmige Wintergärten das neue Erscheinungsbild prägen und als Shortcut zwischen zwei Ebenen dienen. Die Dachfläche als fünfte Fassade des Bestandsgebäudes soll in eine öffentliche und intensiv begrünte Dachterrasse mit transluzenten Photovoltaikmodulen verwandelt werden, die das Staffelgeschoss mit einer von lokalen Produzenten betriebenen Rooftop-Bar, integriert.

Weitere Infos zu den beiden Konzepten findet ihr unter www.kulturgut-ost.de sowie auf www.port-est.de

Illustrationen: Peter Gross Bau Holding GmbH, www.port-est.de

Jasmin, 19 Jahre, aus Saarbrücken

„Ich würde mir wünschen, dass es am Osthafen mal wieder ein bisschen schöner gemacht und renoviert wird.“

Gerry, 40 Jahre, aus Saarbrücken:

„Im Osthafen sollen auf jeden Fall weiter Events stattfinden. Das ist ein toller Standort und eine große Bereicherung für Saarbrücken.“

Nils, 25 Jahre, aus Homburg

„Der Charme des Gebäudes sollte unbedingt erhalten werden. Es ist ja schon ein bisschen älter und das kann man ruhig sehen“

Elmar aus Saarbrücken

„Ich bin froh, dass es sowas in Saarbrücken gibt. Alles was mit Liebe zu tun hat, sollte unbedingt erhalten bleiben.“

Rainer aus Saarbrücken:

„Ohne Szene geht da nix. Kein Industriegebiet, keine Zwei-Familien-Häuser, das muss szenig bleiben.“

Mirjam aus Güdingen:

„Meine Angst ist, dass durch die immer weiterführende touristische Erschließung das Naturschutzgebiet Daarler Wiesen in Mitleidenschaft gezogen wird. Schon jetzt bleibt das Gebiet durch den Ausbau der Fahrradwege nicht unberührt.“

Tomas aus Saarbrücken:

„Egal was da passieren wird, es soll einfach nur jung bleiben!“

Frisch, frech und farbecht

Unsere legendäre Kolumne „Grüne Tomaten schlafen wütend“ feiert (endlich) Geburtstag.

Die einzigen Tomaten, die auch nach 22 Jahren noch grün sind

L!VE-Redakteur und Gemüsekolumnist Patrik Wolf (Schuhgröße 44, Rechtshänder) im Interview mit sich selbst über die nicht reifer werdenden Tomaten, die auch nach über 250 Ausgaben noch zu schmecken scheinen.

Patrik Wolf, L!VE [räuspert sich] Hallo Patrik! Schön, dass ich mir Zeit genommen habe, um mit mir über mich und meine Kolumne zu sprechen. Zweiundzwanzig Jahre „Grüne Tomaten“, d.h. nach Inhaltsverzeichnis und Impressum die Rubrik im L!VE Magazin, die am längsten überlebt hat. Ich frage mich, spricht das für oder gegen die Qualität des Stadtmagazins?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [lacht] Das frage ich mich auch. Aber in Qualität steckt bekanntlich auch das Wort Qual. Ich freue mich natürlich, dass ich es so lange geschafft habe, nicht von Werbeanzeigen für Hundefrisöre oder Spielcasinos verdrängt worden zu sein. Das zeigt, dass die Kolumne entweder von vielen gelesen wird, oder aber, dass niemand sie liest und nicht einmal dem Anzeigenverkauf auffällt, dass es noch potenziellen Platz gibt, den man für Werbung nutzen könnte. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur genug kompromittierende Fotos von den L!VE-Weihnachtsfeiern der letzten 22 Jahre, bei denen leitende Redaktionsmitglieder in Saarbrücker Clubs die Hosen runterlassen…

Patrik Wolf, L!VE [scherzt] Müsste 22 Jahre altes Gemüse mittlerweile nicht eher braun statt grün sein?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [nachdenklich] Wenn man in Deutschlands Osten blickt, mag das dort sicherlich so sein. Bei uns hier im beschaulichen Saarland kann man nach 22 Jahren als Gemüse wie auch als Politiker durchaus noch grün sein, ohne rot, schwarz oder gar braun werden zu müssen. Wir sind hier weltoffener. Das mag vielleicht daran liegen, dass jeder von uns täglich mit einem Baguette und einer Flasche Rotwein unter dem Arm über die Trottoirs läuft und französische Chansons trällert…

Patrik Wolf, L!VE [grinst] Ich deute da auf die vielen Stereotype hin, die ich… also Du… also wir mit der Kolumne bedienen. Ist das denn alles wirklich immer meine echte eigene Meinung? Manche Anspielungen sind eindeutig nicht eindeutig!

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [lacht wieder] Natürlich ist das meine eigene Meinung. Das solltest Du am besten wissen! Sicherlich ist vieles so gemeint, wie es geschrieben ist, anderes auch. Manches stimmt und anderes ist ganz einfach die Wahrheit. Das ein oder andere ist natürlich überzogen oder absichtlich eindeutig zweideutig. Aber in heutiger Zeit mag man ja bekanntlich Extremes. Das ist das Schöne am Schreiben: Man kann vielschichtig sein. Das schafft man in unserer so bildaffin gewordenen Instagram-Gesellschaft sonst nur noch mit einem Daumenkino oder beim Lasagne machen…

Patrik Wolf, L!VE [interessiert] Wie bin ich eigentlich damals auf den Namen der Kolumne “Grüne Tomaten schlafen wütend“ gekommen?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [nickend] Ich wusste, dass ich mir diese Frage stelle. Offen gestanden gibt es da einige Theorien. Die meisten sind allerdings uninteressant und die anderen lohnen nicht, dass man sie erzählt. Vielleicht findet sich ja eine Psychologie-Studentin unter den Lesern, die zu dem Thema eine Bachelorarbeit schreiben will. Darf sich gerne melden…

Patrik Wolf, L!VE [nachhakend] Ich frage mich, wie ich immer auf die Themen komme?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [ernst] Das ist nicht sonderlich schwer. Das Alphabet hat bekanntlich nur 25 Buchstaben – ich lasse das X bewusst weg, da es im Deutschen eigentlich nur bei der Namensfindung für Medikamente oder Großkonzerne Bedeutung hat – und sonst fast nur dazu genutzt wird, auf Wahlzetteln an falschen Stellen einen Haken zu machen. Und so ein Haken-Kreuz hat noch nie dazu beigetragen, dass am Ende etwas herauskam, was für gute Laune sorgen konnte…

Patrik Wolf, L!VE [unterbricht] Ich schweife jetzt aber ab. Zurück zu meiner Frage: Wie komme ich auf die Ideen, auf die ich komme?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [zurücklehnend] Die Frage habe ich mir schon oft gestellt. Meistens bringen mich Erlebnisse aus dem alltäglichen Alltag auf die Themen, die ich in den Tomaten verarbeite. Es beschäftigt mich eben, wenn sich Rentner beim Samstagseinkauf neben mir an der Wursttheke bereitstehende Probierhäppchen händeweise in die Manteltasche stecken oder eine Oma an der Kasse eine Viertelstunde lang Kleingeld abzählt und dann doch nochmal zurück in den Markt muss, weil sie Knollensellerie vergessen hat. Früher hat mich so etwas genervt, heute finde ich es amüsant, da man nichts daran ändern kann. Aktive Sterbehilfe in Kaufhäusern ist ja bekanntlich verboten…

Patrik Wolf, L!VE [Markus-Lanz-Geste] Würde ich alle meine Kolumnen noch einmal genauso schreiben? Oder gibt es Ausgaben, die ich im Nachhinein lieber vergessen würde?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [amüsiert] Ja und ja. Vergessen ebenso wie noch einmal schreiben. Das Schöne an meinem Alter von mittlerweile über Vierzig ist, dass ich manchmal vergesse, das ich Themen schon einmal mit mehr oder minder gelungenem Ende abgearbeitet habe und dann plötzlich auf die Idee komme, dass ebendiese Idee doch eine tolle neue Idee wäre. Vielen meiner Freunde im gleichen Alter geht das so, wenn sie zum zweiten oder dritten Mal heiraten, mir, wenn ich zum zweiten oder dritten Mal über deren Heirat eine Kolumne schreibe…

Patrik Wolf, L!VE [nachfragend] Liest auch meine Familie die Kolumne?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grinsend] Nur der Teil, der noch lebt. Der andere schämt sich in Grund und Boden.

Patrik Wolf, L!VE [weiterfragend] Welche Kolumnenidee würde ich denn gerne einmal umsetzen, die schon lange in den Fingern juckt, an die ich mich aber noch nicht heran getraut habe?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grübelnd] Ich würde gerne einmal eine Kolumne schreiben, die nur aus einer Hand voll gleicher Sätze besteht, die sich unterschiedlich wiederholen und den Leser stutzig machen, so dass er sich fragt, ob er das nicht schon einmal gelesen hat. So ein Déjà-vu-Ding. Traue ich mich aber glaube ich nicht…

Patrik Wolf, L!VE [interessiert] Welches waren bislang die besten „Grünen Tomaten“?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [denkt nach] Am besten gefallen mir persönlich immer die Kolumnen, deren Honorarrechnung von der L!VE-Buchhaltung zeitnah gezahlt werden. Zurückliegend betrachtet, gefallen mir da dann wohl doch gar nicht so viele. Gut finde ich jedoch stets Ausgaben, für die es Feedback von Lesern gab. Früher gab es fast monatlich eindeutige Offerten per E-Mail. Das hat aber abgenommen, seitdem ich aus den Dreißigern raus bin und Frauen, die mir schreiben, in den Vierzigern sind. Deren Post landet unverständlicherweise meist im Spam-Ordner. Liegt wohl am Mailprogramm…

Patrik Wolf, L!VE [unterbricht] Ist bei mir nicht anders. Habe ich denn schon einmal darüber nachgedacht, die Kolumnen gesammelt als Buch herauszubringen? Damit soll man ja eine Menge Geld machen können. Vielleicht könnte man dann auch einen Film daraus machen, wenn man noch irgendwo ein Känguru als Sidekick einbaut?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [achselzuckend] Mit Büchern ist das in heutiger Zeit so eine Sache. Der Trend zum Zweitbuch ist vorbei und es gibt nur noch wenige Tischbeine, die zu kurz sind und ein Buch gebrauchen können. Wenigstens hierbei haben Hörbücher und E-Reader herkömmlichen Druckerzeugnissen noch nicht den Rang abgelaufen. Aber ein Buch? Man(n) sagt bekanntlich nie nie. Das mit dem Känguru schließe ich aber aus. So aus rechtlichen Gründen und weil es sowas glaube ich schon gibt. Wenn, dann eher etwas, was noch nie da war. Ein sprechendes Auto als Partner vielleicht…

Patrik Wolf, L!VE [fragend] Immer wieder taucht unser vermeintlicher Zwillingsbruder Ulf in der Kolumne auf. Gibt es Ulf wirklich? Oder sind wir schizophren?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [verwundert] Mit der Frage von mir hätte ich jetzt nicht gerechnet. Ich denke, die Antwort ist klar. Natürlich ist Ulf existent! Genauso wie Du und ich. Er ist meine Nachgeburt, die es geschafft hat, zehn Minuten nach mir auf die Welt zu kommen und es dort über vierzig Jahre auszuhalten, ohne jemandem zu nützen. Er ist all das, was ich nicht bin: Er ist dicklich, schlecht rasiert, hat dünnes Haar und mit Frauen nichts am Hut. Dafür lüge ich ab und zu. Er aber auch…

Patrik Wolf, L!VE [weiterfragend] Welche Kolumnenidee würde ich denn gerne einmal umsetzen, die schon lange in den Fingern juckt, an die ich mich aber noch nicht herangetraut habe?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [grübelnd] Ich würde gerne einmal eine Kolumne schreiben, die nur aus einer Hand voll gleicher Sätze besteht, die sich unterschiedlich wiederholen und den Leser stutzig machen, so dass er sich fragt, ob er das nicht schon einmal gelesen hat. So ein Déjà-vu-Ding. Traue ich mich aber glaube ich nicht…

Patrik Wolf, L!VE [abschließend] Letzte Frage: Glaube ich an Außerirdische?

Patrik Wolf, Tomatenzüchter [ohne nachzudenken] Wenn ich mir die Leute in der L!VE-Reaktion ansehe, kann ich nicht anders.

Leben in der Schublade, überragende Perspektiven und praktische Tipps

Neben dem Kleinkunstwettbewerb um die St. Ingberter Pfanne präsentiert die Reihe „Comedy & Kabarett“ im Laufe des Jahres besondere Höhepunkte der aktuellen Kleinkunstszene. Auch 2022 stehen fünf Abende auf dem Programm, zwei davon werden von Künstlern bestritten, die bereits einen der begehrten Preise der St. Ingberter Pfanne erhalten haben. So bringen die Künstlerinnen und Künstler in diesem Jahr einen wilden Mix aus kreativem Wahnsinn, authentisch-unaufgeregtem Klamauk, humoristischer Musikalität, überragenden Perspektiven und rasanter Musik-Performance auf die Bühne der St. Ingberter Stadthalle. Den Auftakt macht am Freitag, 22. April, Eva Eiselt mit ihrem Kabarett-Programm „Wenn Schubladen denken könnten“. Für die Pfannengewinnerin 2020 ist das Leben eine riesengroße Schrankwand, doch ein Brett vor dem Kopf hat Eva Eiselt ganz bestimmt nicht. Vielmehr krempelt sie einfach mal den handelsüblichen Laden auf links. Ausmisten, durchlüften und die Dinge des Lebens in die Freiheit entlassen. Erleben Sie Eva Eiselt, ein Universalgenie, eine Klasse für sich! Weiter geht es am Freitag, 20. Mai, mit dem Gewinner des Preises der Kultusministerin 2021 Jan van Weyde und „Große Klappe die Erste“. Er ist mit Leib und Seele Stand-Up Comedian, und das kann Jan – Ein Mann, ein Mikro. Er begeistert das Publikum authentisch-unaufgeregt mit seinem großartigen Slapstick-Talent! Zwischen Kunst und Kommerz, Kameras und Klamauk, Kinderbettchen und Kackastrophen – seine große Klappe ist seine größte Waffe. Und die verspricht einen sauwitzigen Abend! Danach kann sich das Publikum am Freitag, 10. Juni, erneut auf Musik-Comedy mit Carrington-Brown freuen. Das in Berlin lebende Künstlerpaar sorgt international für Furore mit Auftritten in den USA, Kanada, Südafrika, Russland und ganz Europa. Rebecca und Colin teilen mit ihrem Publikum ihre Höhepunkte, Meilensteine und natürlich ihre Liebe zur Musik und Comedy. Wie immer von den beiden brillant, charmant und witzig präsentiert. Freuen Sie sich auf ein einzigartiges „Best of“-Erlebnis! Am Freitag, 21. Oktober, tritt David Kebekus „überragend“ auf die Bühne der Stadthalle. Überraschend anders zeigt er, wie interessante Comedy funktionieren kann. In seiner angenehm ruhigen und doch schmerzfreien Art unterhält er sein Publikum über große Theorien bis hin zu den kleinen Kämpfen des Alltags. Hierbei gelingt es ihm immer, eine Verbindung zur Gesellschaft und aktuell diskutierten Problemen herzustellen. Handgemachtes Material, auf Open Mics erarbeitet, ausgefeilt und mit Selbstironie und Herzblut befüllt. Die reinste Form der Unterhaltung! Als krönender Abschluss sind am Donnerstag, 8. Dezember, Bidla Buh, drei ungleiche Brüder aus Hamburg, zu Gast. Mit „Advent, Advent, der Kaktus brennt…“ gerät die Adventszeit zu einer rasanten und aberwitzigen Schlittenfahrt durch das weihnachtliche Liedgut. Die Hamburger Jungs präsentieren sich als klassischer Knabenchor oder Blockflöten-Terzett, verblüffen mit einer spritzigen Stepp-Einlage und zelebrieren den weihnachtlichen Festschmaus als virtuose Performance auf Tellern und Töpfen. Zudem warten die patenten Kerle mit einigen praktischen Tipps für die Feiertage auf. Weihnachten mit Bidla Buh, was für eine Bescherung!

Alle Veranstaltungen finden in der Stadthalle St. Ingbert statt. Beginn jeweils um 19:30 Uhr bei freier Platzwahl.

Alle Infos unter kultur@st-ingbert.de, Tel. 06894-13 515 oder auf www.st-ingbert.de

Übergriffiges Sexualverhalten im schulischen Umfeld

Ein Krisenteam hat grundsätzlich vier Aufgaben. Erstens die Prävention, zweitens die Vorbereitung auf Krisen, drittens den Ernstfall managen und viertens die Nachsorge von Krisen. Das sind zum Beispiel allgemeine Krisen im Kontext Gewalt, Mobbing, der Umgang mit Tod und Trauer, Vandalismus, Graffitis. Seit sich die Schülerinnen und Schüler in den sozialen Medien bewegen, sind neue Krisen hinzugekommen – Stichwort: Cybermobbing. Der erste Kriminalhauptkommissar Hagen Berndt verrät im Interview mit dem Psychologen Martin Ernst vom Landesinstitut für Präventives Handeln welche Herausforderungen es zu bewältigen gilt. 

Martin Ernst: Du stehst als Koordinator des Arbeitsbereichs „schuleigene Krisenteams“ im Austausch mit den Lehrkräften. Gibt es ein Thema, das die Schulen derzeit vor besondere Herausforderungen stellt?

Hagen Bernd: „Wir haben speziell im letzten Jahr häufig Anfragen von Schulen als auch von Schulpsychologen bekommen, dass übergriffiges Sexualverhalten von Schülerinnen und Schülern beobachtet wird. Konkret sind das Fälle von Weitergabe pornografischer Filme oder Bilder, das sogenannte Sexting. Das sind die Krisen, die die Schulen derzeit beschäftigen.“

M.E.: Diese Phänomene sind ja an sich nicht neu. Hast du einen Erklärungsansatz?

HB: „Genau, diese Krisen sind nicht neu, sie haben aber eine neue Dimension erhalten durch die sozialen Medien. Durch die technischen Möglichkeiten der virtuellen Verbreitung hat das Verhalten zugenommen. Ich denke, eine der Ursachen ist zum einen das unreflektierte Handeln ohne ein Unrechtsbewusstsein der Täter, zum anderen aber auch eine niedrige Hemmschwelle, Inhalte unkompliziert – meist mit nur wenigen Klicks – ins Netz stellen zu können.“

M.E.: An wen können sich Betroffene wenden?

HB: „Zunächst ist das Krisenteam der eigenen Schule auch eine Beratungsstelle für Betroffene. Es hat auch eine Lotsenfunktion von der Schulsozialarbeit über die Schulpsychologie bis hin zur Polizei. Dazu kommen auch die Beratungsstellen in den jeweiligen Fachgebieten, das können zum Beispiel beim Thema Salafismus die Fachstelle „Yallah!“ oder beim Thema Sexualverhalten die Beratungsstellen „Nele“, „Phoenix“ oder der Kinderschutzbund sein.“

M.E.: Nun stehen wir den saarländischen Lehrkräften in Präventionsfragen als Ansprechpartner zur Seite. Welches Thema wird vermutlich Schwerpunkt der diesjährigen Fachtagung sein?

HB: „Wir fragen jedes Jahr bei den Krisenteams im Rahmen eines Netzwerktreffens ab, welche Themen die Schulen beschäftigen. Diese Themen fließen bei den Planungen unserer jährlich stattfindenden Fachtagung ein. Das machen wir schon seit sieben Jahren so und bei der letzten Abfrage wurde das Thema „übergriffiges Sexualverhalten im schulischen Umfeld“ als besonders häufig benannt. Wir wollen uns genau diesem schwierigen Thema bei unserer Fachtagung widmen, die in diesem Jahr am Donnerstag, dem 30.06.2022 online stattfindet. Es ist uns dabei erneut gelungen, Experten zum Thema zu gewinnen, um den Schulen im Saarland bei dem wichtigen Thema Handlungssicherheit zu geben. Sozusagen als Hilfe zur Selbsthilfe.“

Landesinstitut für Präventives Handeln – Hanspeter-Hellenthal-Straße 68, 66386 St. Ingbert, Tel: 0681-5013853

Nur Schnaps, keine Cocktails

Der „Nilles“ ist ein echtes und unverwechselbares Einzelstück der Saarbrücker Kneipenlandschaft. Das Motto „Erst tut es weh, dann ist es schön“ bringt den Charme des Nauwieser Juwels auf den Punkt. Jetzt wird Jubiläum gefeiert: das Zwanzigste!

Nur ganz wenige Etablissements der saarländischen Gastronomie-Szene haben es zu bundesweiter Bekanntheit gebracht. Neben den mit Michelin-Sternen gekrönten Restaurants gehört der „Nilles“ dazu. In der „Kneipe der Hoffnungslosigkeit“ im Saarbrücker Nauwieser-Viertel wird man per Handschlag begrüßt, soweit so ungewöhnlich. Der Laden hat derart viel Atmosphäre, dass das Wort Alleinstellungsmerkmal genau hier erfunden worden sein muss, obwohl gerade hier keiner lange alleine steht. Das alles macht den Nilles zum Kult im Nauwieser Viertel. Hier ist vieles anders, denn erst tut es weh, dann ist es schön und schließlich will man gar nicht mehr woanders hingehen. Das liegt neben den Spielautomaten, der Jukebox, den Darts und dem Billardtisch vor allem aber an der charismatischen Persönlichkeit von Wirt Frank Nilles. Er schafft ganz locker den Spagat zwischen Sportsbar mit Fußball-Liveübertragungen und regelmäßigen Konzerten – und manchmal sogar beides gleichzeitig. Selbst Renovierungen steckt der Laden ganz charmant weg, ohne auch nur eine Spur des ganz eigenen Nilles-Feelings zu verlieren. Kann man nicht beschreiben, muss man erleben! Nur eines gibt es hier nicht: Cocktails – und das ist auch gut so!

Wenn sich jetzt am 18. März die Eröffnung zum zwanzigsten Mal jährt ist Wirt Frank Nilles schon längst einer der dienstältesten Wirte im Studenten- und Party-Kiez, nur ganz knapp übertroffen von Marwan Amr mit seinem Bleistift. Das Lokal gibt es aber schon wesentlich länger, denn seit den 50er Jahren begrüßte Familie Schneider im gleichnamigen Gasthaus ihre Gäste. Frank Nilles allerdings erblickte erst gut ein Jahrzehnt später das Licht in Berlin, als Kind einer Saarbrücker Familie im Exil, die es dann auch bald zurück in die Heimat an der Saar zog. Er machte in jungen Jahren eine Kochausbildung im Schwarzwald, kochte ein paar Jahre beim Bund und versuchte sich als Betreiber eines Autohofs. Zwischendurch war er auch mal in einer Jugendherberge sieben Jahre Herbergsvater, also praktisch der gleiche Job, den er bis heute macht, nur dass die zu betreuenden Menschen etwas älter sind.

„Es war halt eine echte Notlösung, ohne Plan. Das Ganze hat sich dann so entwickelt.“

Die Übernahme der Kneipe war allerdings ein gutes Stück aus der Not heraus geboren. Nach dem Fehlschlag mit der Autobahnraststätte suche Frank nach einer Alternative. Vater Bubi, seines Zeichens mit der eigenen Kneipe eine echte Legende des ursprünglichen Chinesenviertels, hatte mitbekommen, dass das Gasthaus Schneider einen neuen Pächter suchte. Und da war klar, was Frank, der mit Ehefrau Monika einen starken Rückhalt an seiner Seite hatte, zu tun hatte. Natürlich sah der Nilles damals noch ganz anders aus, war sozusagen naggisch. An die ganzen Memorabilien, die sich über die Jahre angesammelt haben und die heute einen Großteil des Charmes ausmachen, war noch nicht zu denken. Die hölzerne Sitzgruppe stand noch im legendären Dr. HC in der Blumenstraße und die vielen großen Flatscreens waren noch nicht mal erfunden. Die hielten stückweise Einzug, umso mehr das Interesse an Fußball Live-Übertragungen wuchs. Außerdem kamen die Live-Konzerte hinzu, die heute schlichtweg nicht mehr wegzudenken sind. Das hängt natürlich auch mit der Veränderung des Publikums zusammen. Als der Nilles eröffnete, hatte das Viertel durchaus noch viel vom einstigen Arbeiter- und Rotlichtmillieu, eben dem Chinesenviertel. Mit der Übernahme des Viertel durch jüngere, studentische Bewohner, blieb das natürlich nicht ohne Einfluss auf die Gästestruktur im Nilles. Das hat sich bis heute erhalten, auch wenn einige der damaligen Stammgäste, die zwar bis heute zu den treuesten Seelen des Nilles gehören, das Studium nach dem 50. Semester haben gut sein lassen.

Überhaupt ist es dieses wunderbar haarsträubende Panoptikum an den besten Stammgästen der Welt, die die Einzigartigkeit dieses Kneipenbiotops ausmachen. Konzerte, Fußball, Billard und Darts gibt es in vielen Läden zwischen Großherzog Friedrich- und Schumannstraße, aber eben nicht diese besondere Mischung an Ausnahme-Charakteren vor und ehrlich gesagt auch hinter dem Tresen. Den Soundtrack dazu liefert dann die vielleicht letzte aktive Musicbox der Stadt, die mit einem grandios abgefahrenen Musikmix von Wirtschaftswunder-Schlager bis Hardcore. Da wundert es dann noch nicht mal groß, wenn plötzlich Rapper Moses „P“ Pelham vor der Theke auftaucht und gleich eine ganz Wanne voll mit Getränken kauft. Zum Glück bieten die hier ausgeschenkten 45 Sorten Bier reichlich Möglichkeiten zur Selbsterfahrung.

String-Tangas und 45 Sorten Bier

Nicht zu unterschätzen für den Erfolg des Lokals in der Blumenstraße ist auch sein vielseitiges soziales Engagement. Das beginnt, gemeinsam mit anderen Viertelkneipen, bei der klaren Positionierung gegen Rechts, und reicht bis zur Unterstützung lokaler Sportvereine per Trikotwerbung, wie beispielsweise aktuell beim FC St. Arnual. Aber natürlich gehören dazu auch ganz ausgefuchste Aktionen zur Kundenbindung, wie zum Beispiel, dass jeder Stammgast, der Geburtstag hat, umsonst trinken darf. Aber Vorsicht, die Betonung liegt auf Stammgast. Ähnliche Specials gibt es zu Weihnachten oder zum Tag der Arbeit – und besonders die Wahlpartys sind vielen in lebendiger Erinnerung, obwohl gerade hier eigentlich gelten müsste: wer sich erinnert, war nicht dabei! Zum Glück gibt es da ja aber auch noch die umfangreiche Kollektion von Merchandising-Artikeln, angesichts deren Umfang selbst namhafte Bands nicht mithalten können. Da gibt es wirklich alles von den üblichen T-Shirts und Caps bis hin zu Tassen, Badetüchern, Wolldecken, Jacken, Westen und String-Tangas.

Das I-Tüpfelchen auf der Cocktailkirsche über dem Sahnehäubchen auf dem Nilles-Gesamtkunstwerks-Kuchen sind die zahllosen Werbemittel, mit denen alle Räume ausdekoriert sind. Da kommt selbst bei Designmuffeln Neid auf und die Finger werden auch schon mal zu lang. Aktuelles, trauriges Beispiel ist das wunderbar antike Schloss-Bräu-Emaille-Werbeschild das „irgendwie“ abhandengekommen ist, aber immerhin erwartet den ehrlichen Zurückbringer eine Belohnung von stolzen 200,- Euro. Die Chancen, dass das gute Stück also wieder heimfindet, stehen übrigens tatsächlich ganz gut, denn ob man es glauben mag oder nicht: die große Bettlerfigur vom Fensterbrett wurde schon dreimal gestohlen – und jedes Mal wieder zurückgebracht. Im Nilles ist halt wirklich alles ein bisschen anders!

Das alles wäre natürlich undenkbar ohne einen Hausbesitzer, der hinter dem Laden steht, einem unfassbar treuen Stammpublikum und dem besten Team der Welt, dem Frank Nilles am liebsten die nächsten zwanzig Jahre danken würde für ihren unvergleichlichen Einsatz. Bleibt zum guten Schluss nur ein einziger Herzenswunsch vom Chef an alle, trotz 2jährigem: Geht wählen! Und dem ist nun wirklich rein gar nichts mehr hinzuzufügen!

Lenas Theke – Landtagswahl Spezial

Wer ist Anke Rehlinger? Was will Tobias Hans im Saarland besser machen? Wie kam Lisa Becker zur Politik? Diese Fragen beantwortet Lena Ziegler im Gespräch mit den Spitzenkandidatinnen und -kandidaten zur Landtagswahl im Saarland an der Theke im #UnionSquare im Haus der Union Stiftung.  „Lenas Theke“ heißt das Talk-Format der Union Stiftung, das regelmäßig auf dem YouTube Kanal der Union Stiftung erscheint. Vor der Landtagswahl im Saarland am 27. März hat Lena die Spitzenkandidaten der großen Parteien eingeladen, um mit ihr über Politik und die Zukunft des Saarlands zu sprechen. Zu Gast sind u.a. Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), Lisa Becker (Die Grünen), und Angelika Hießerich-Peter (FDP). Moderatorin und Gastgeberin ist Lena Ziegler. Sie macht seit Mai 2021 ihr Volontariat bei der Saarbrücker Zeitung.

Lenas Theke – alle 14 Tage auf dem YouTube Kanal der Union Stiftung #UnionSquareTV

Einfach mal abheben!

Der Sprungpark bietet Fun & Action für Jung und Alt, Groß oder Klein, Anfänger oder Profi, mit besonderen Attraktionen auf verschiedenen Trampolinflächen. Trampolinspringen hat nicht nur einen gesundheitlichen Aspekt, denn es fördert die Kondition und stabilisiert die Muskulatur, die vielseitige Sportart verspricht auch Faszination und Spaß für alle, die sie ausüben! Wer vom Springen und Toben erschöpft ist, kann anschließend im Bistro aus dem umfangreichen und kinderfreundlichen Angebot an Getränken und Snacks wählen. Das Highlight und der Bestseller ist hier der rechtzeitig reservierte Kindergeburtstag, der ab 6 Gästen buchbar ist. Jede Menge Spaß für die Kinder und Entspannung für die Begleitpersonen sind garantiert! Wer zur Aufsicht dabei ist, zahlt übrigens keinen Eintritt! Rechtzeitige Reservierungen sind sehr zu empfehlen und die beste Idee, um auch sicher am geplanten Tag die nötigen Plätze zu ergattern. Also am besten gleich online buchen – und nichts wie hin!

Sprungpark Saarbrücken – In der Galgendell 56, 66117 Saarbrücken, Tel: 0681-38751770, www.sprungpark.de

Die Augen werden Ohren machen

Musikvideos sind Zeichen unserer Zeit und integraler Bestandteil unserer Gegenwartskultur, weltweit abrufbar, weltweit produziert – ein Nukleus der globalen Unterhaltungsindustrie. Zugleich sind sie eine Welt für sich in ihrer einzigartigen Verschmelzung von Film, Musik, Kunst, Tanz und Zeitfragen. Diese Welt zu erkunden, ist das Ziel der Großausstellung zur Geschichte und Gegenwart des Musikvideos im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Denn die sind Gesamtkunstwerke im Minutentakt, eine besondere Kreativ-Plattform für Musiker, Filmregisseure, Künstler, Designer und Choreographen. „The World of Music Video“ im Weltkulturerbe Völklinger Hütte macht diese faszinierende und hybride Kulturform zum Thema – opulent und dezidiert zugleich.

Es geht nicht nur um musikalische und filmkünstlerische Qualität, sondern auch um brennende Inhalte: KI, Klimawandel, politische, psychische und physische Gewalt sowie Genderfragen aller Art. So entsteht ein in dieser Form noch nie realisiertes Panorama des Genres Musikvideo „Über achtzig der interessantesten Musikvideos der letzten Jahre und Jahrzehnte verdichten sich im Weltkulturerbe zu einem großartigen Parcours und Panoptikum der Kunstform. Wir wollen emotional wie intellektuell inspirieren, körperliche Erfahrung ist garantiert in diesem veritablen Musikvideo-Kosmos“, so Dr. Ralf Beil, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte und Kurator der Ausstellung: „Ihre Augen werden Ohren machen!“ Die präsentierten Künstler entstammen praktisch alle aus der Reihe absoluter Superstars, wie beispielsweise Laurie Anderson, Arctic Monkeys, The Art of Noise, Shirley Bassey, Joseph Beuys, Beyoncé, Björk, David Bowie, Nick Cave & The Bad Seeds, The Chemical Brothers, Daft Punk, Deichkind, Dr. Der, Billie Eilish, Eminem, Falco, Foo Fighters, Genesis, Genetikk, Grace Jones, Madonna, Nirvana, Placebo, Queen Red, Hot Chili Peppers, Britney Spears, Talking Heads, U2, Andy Warhol, The White Stripes, Yello und viele, viele andere.

Einmalig ist schon der Ausstellungsort

Die originalgetreu restaurierte Gebläsehalle samt Verdichterhalle, wird zum kongenialen Schauplatz der musikalischen Projektionen: Über sechzig Großleinwände mit bis zu sieben Metern Spannweite scheinen zwischen den riesigen Maschinen auf, Monitore leuchten in intimeren Nischen. Und wer Courage hat, blickt oder steigt hinab in die Unterwelt der wieder freigelegten Schächte, wo Filme mit drastischerem Inhalt laufen.

Zu sehen sind neben Videos wie „Stress“ von Romain Gavras zum Soundtrack von Justice, die durch ihre radikalen Bilder provozieren, auch zahlreiche ironische, verspielte und humorvolle Beiträge wie „Bad Guy“ von Billie Eilish. Im unmittelbaren Zusammenwirken der einzigartigen, historischen Aura der Gebläsehalle mit der zeitgemäßen Multimedia-Szenerie ist „The World of Music Video“ eine der ungewöhnlichsten Ausstellungen, die das Weltkulturerbe bis dato realisiert hat. Musikvideos sind weder reine Kunst, noch reiner Kommerz. Ausgerechnet mit der Antihymne „Smells Like Teen Spirit“ und einem Low-Budget-Video im Geiste des Punkrock wurden Nirvana zu Superstars. Schon diese bittersüße Pointe der Pop-Geschichte zeigt: Das Musikvideo ist untrennbar mit der Kulturindustrie und ihren weltweiten Erfolgen verwoben. Werbefilme werden zu Kunst wie beim „Mutant Brain“-Video von Spike Jonze für Kenzo World. Andererseits sind bedeutende Künstler:innen wie Laurie Anderson, Joseph Beuys („Sonne statt Reagan“), Yoko Ono oder Andy Warhol zugleich Pioniere des Crossover-Mediums. Und The Carters erobern als „Celebrities of Color“ den Louvre mit seinen Meisterwerken der Hochkultur. Ob Hieronymus Bosch, eine Mülldeponie in Afrika oder die One-Minute-Sculptures von Erwin Wurm, das Musikvideo kann in den besten Werken seines Genres jedes Material und Thema virtuos besetzen. Das Zusammenspiel unterschiedlichster Filme mit dem grandiosen Raumeindruck der Gebläsehalle führt zu immer neuen Assoziationen und Verbindungen. Dank eines Mediaguide-Systems mit Kopfhörern, das automatisch synchron die Soundtracks abspielt, sobald man sich einer Leinwand oder einem Monitor nähert, erfolgt der Gang durch die Schau quasi intuitiv. So wird die Gebläsehalle mit der Ausstellung „The World of Music Video“selbst zu einem Gesamtkunstwerk, das mit allen Sinnen erlebt werden kann.

Zum Schluss noch ein L!VE Tipp: Natürlich werden in der Ausstellung Kopfhörer mit Hygiene-Überzug werden gestellt. Wir empfehlen aber unbedingt für wirklich phatten Sound, eigene Kopfhörer mit Kabel (3,5 mm Klinkenstecker) mitzubringen. Zur Ausstellung erscheint im März 2022 das gleichnamige Katalogbuch, herausgegeben von Ralf Beil, gestaltet von KomaAmok, im HatjeCantz Verlag: 448 Seiten, 32 x 24 cm, Klappenbroschur, deutsche und englische Ausgabe. Mit Essays von Daniel Bauer, Ralf Beil, Henry Keazor, Swantje Lichtenstein und Heike Sperling sowie Texten zu jedem Musikvideo.

„The World of Music Video“ – seit 22.01. bis 16.10. im Weltkulturerbe Völklinger Hütte – bis 31. März: Täglich 10 bis 18 Uhr, ab 1. April: täglich 10 bis 19 Uhr