Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Marius Müller-Westernhagen

Von Klaus Bittermann


Müller-Westernhagen, Marius – Eigentlich ein erledigter Fall, seitdem er aufgrund heftigsten Antichambrierens das Bundesverdienstkreuz abgegriffen hat und tremolierte: »Das Ereignis war sehr bewegend.« Auch nicht besser wurde es, als es aus ihm raunte, »Kunst und Kultur geben dem Volk Identität«. Wenn Leute wie Westernhagen Platten verkaufen und Geld scheffeln wollen, wie z.Z. wieder, wo seine neue CD »In den Wahnsinn« erschienen ist, dann wird das Vokabular schnell wolkig und weihrauchig, dann wird es höchste Zeit, in Deckung zu gehen, wenn er wieder auftaucht. Im Fernsehen z.B. beim Topflappenhäkelkursleiter Reinhold Beckmann, vor dem kein Schließmuskel sicher ist. Man konnte Beckmann bei seiner obszönen Tätigkeit beobachten und weiß nun, wie Müller-Westernhagen ganz tief innen aussieht, und das ist nicht schön. Zwar liegt diese Sendung schon etwas zurück, aber wenn das antifaschistische Gesetz »Niemals vergessen!« einmal seine Berechtigung hat, dann in diesem Fall.

Beckmann hatte in seine Plauderstunde nicht nur Müller-Westernhagen eingeladen, sondern auch Noël Martin, einen britischen Bauunternehmer, der 1996 aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe im brandenburgischen Mahlow von rechtsextremen Jugendlichen verfolgt und mit seinem Auto abgedrängt wurde, an einen Autobahnpfeiler fuhr und seither vom Kopf abwärts querschnittsgelähmt ist. Noël Martin erzählte ruhig und sachlich von seinem Schicksal, und dass er durch seine Rückkehr nach Brandenburg gegen die Rechtsradikalen ein Zeichen setzen und zu verstehen geben wolle, dass er noch da sei und sie nicht gewonnen hätten. Nach diesem nüchternen und ziemlich niederschmetternden Bericht vom glibbrigen Beckmann nach seiner Meinung befragt, sagte Müller-Westernhagen: »Das erste, was man sagen muss, dass der Rassismus sicher nicht ein deutsches Problem, sondern ein globales Problem ist. Ich hab Rassismus erlebt, gerade mit meiner Frau Romney in New York, wo ein Taxifahrer, wo die Tür schon auf war, abfährt. Rassismus gibt es auch von der farbigen Seite, wo zwei Schwarze zu uns aus dem Auto heraus sagten: ›Sister, stay black!‹«

Eine interessante Reaktion. Da erzählt Noël Martin einfach nur, wie übel ihm mitgespielt wurde, ohne auch nur einen Ton darüber zu verlieren, dass er die Deutschen insgesamt für Rassisten hält, wozu er – wenn er es getan hätte – allen Grund hätte, und was fällt Müller-Westernhagen als erstes dazu ein? »Rassismus ist nicht ein deutsches Problem«, eine Feststellung, die so falsch (denn natürlich ist Rassismus auch ein deutsches Problem) wie in diesem Zusammenhang unsinnig ist, weil niemand das Gegenteil behauptet hat, weshalb die Antwort ein interessantes Licht auf diesen Mann wirft, dem genau das abgeht, was er sich ansonsten selbst gerne zugute hält, nämlich Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Selbstzweifel. Sein grüblerisches Heischen nach Verständnis entpuppte sich angesichts des Schicksals von Noël Martin als unangenehmes Herrenmenscheltum. Selten geschmacklos war zudem der Hinweis, auch er – Marius Müller-Westernhagen – hätte wegen seiner dunkelhäutigen Frau unter Rassismus zu leiden gehabt, nur weil ein Taxifahrer von seinem Recht Gebrauch gemacht hatte, einen Schmierlappen wie ihn nicht zu befördern, was man gut verstehen kann. Müller-Westernhagen verwechselt insofern Höflichkeit mit Rassismus, denn es mag nicht sehr nett sein, wenn einem Taxifahrer dein Gesicht nicht passt, diesen Verstoß im alltäglichen Umgang miteinander jedoch mit einem Mordanschlag zu vergleichen, auf diese abstruse Idee kommt man genau dann, wenn man sich mit dem deutschen Volkskörper identifiziert. Vielleicht wurmte dieses Verhalten Müller-Westernhagen deshalb besonders, weil ein kleiner, schlechtverdienender Taxifahrer sich die Freiheit nahm, ihn, den berühmten Rockmusiker einfach nicht zu befördern, ihn links, bzw. rechts liegen zu lassen, wozu der Taxichauffeur selbstverständlich jedes Recht hat, d.h. dieser behandelte ihn wie ein Arschloch, welches er ja auch offensichtlich gerne ist, denn er lässt selten eine Gelegenheit vorüberziehen, in der er nicht den präzisen Nachweis führt.

Eigentlich mag er ja keine Interviews, wie er beispielsweise der Zeitschrift Gala verrät, dafür kann man kaum eine Illustrierte durchblättern, denen er nicht die Gnade eines Interviews gewährt hat, worin er unablässig wiederholt, wie bescheiden, treu und scheu er in Wirklichkeit ist. Von seiner vornehmen Zurückhaltung zeugt vor allem folgende Geschichte: Anlässlich des Erscheinens seiner neuen CD »In den Wahnsinn« lud er zwei Spiegel-Redakteure in sein Haus, »ließ sie in einer Kammer unterm Dach vor zwei riesigen Boxen Platz nehmen, warf den CD-Player an – und verließ nicht etwa den Raum, sondern setzte sich den Spiegel-Leuten schräg gegenüber, um zwölf Songs lang deren Reaktionen zu beobachten... und das bei infernalischer Lautstärke.« Gar keine schlechte Idee, um Spiegel-Journalisten ein bisschen zu quälen, seine Absicht war das mit Sicherheit jedoch nicht, war er doch vielmehr davon überzeugt, sie damit zu beglücken. Insofern legte der sensible Müller-Westernhagen das gleiche stumpfe und dumpfe Selbstbewusstsein wie Dieter Bohlen an den Tag, als dessen Fan er sich inzwischen geoutet hat.



 


 

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