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Diekmann, Kai – Zum fünfzigjährigen
Jubiläum von Bild gratulierten die Kollegen von Stefan
Aust bis Frank Schirrmacher artig und veröffentlichten
nette Schmunzelartikel, in denen das Blut- und Samenschleuder-Blatt
mit den täglichen Möpsen und den unappetitlichen Schlagzeilen
augenzwinkernd belobhudelt wurde. Und als der verkniffene Unteroffizier
Müntefering gegen Bild juristisch vorging, nachdem die
Zeitung die Bonusmeilenaffäre für eine Kampagne gegen
die Regierung genutzt hatte, da warb der ölige und pfundweise
mit Pomade beschmierte Chefredakteur von Bild Kai Diekmann greinend
bei seinen Kollegen um Unterstützung und bekam sie auch.
Fast alle Zeitungschefs in der Bunzreblik traten unter dem Vorwand
der Pressefreiheit so was von tapfer für Bild ein, als
ob das eine ohne das andere gar nicht zu denken und pattexfest
miteinander verbunden wäre.
Es könnte
sein, dass die folgende Geschichte über Kai Diekmann, die
als »Penisverlängerungsaffäre« bekannt
wurde, nicht bis in die Provinz vorgedrungen ist, hat doch zum
Beispiel Frank Schirrmacher persönlich dafür gesorgt,
dass diese pikante Angelegenheit in seinem Blatt nicht behandelt
wurde, über die man sich in der Hauptstadt scheckig lachte
und über die ebenso dreckige wie schöne Witze gemacht
wurden. Und das kam so: Auf der »Wahrheit-Seite«
der taz hatte der Autor Gerhard Henschel geschrieben: »Sex-Schock!
Penis kaputt? Neue Sorgen um den Bild-Chef Kai Diekmann: Untenrum-Operation
misslungen.« Henschel bezog sich in seiner Satire auf
eine besonders unappetitliche Story, die in Bild über Wochen
hinweg breitgetreten wurde. Auf einem Foto war die weinende
Shawne Fielding-Borer zu sehen, die Frau des damaligen Schweizer
Botschafters, zusammen mit der Schlagzeile: »Sex-Schock.
Baby verloren. Sorge um Frau des Botschafters. Wird sie nie
wieder glücklich?« Henschel nahm diesen Aufmacher
zum Anlass, ohne sein Motiv zu verschweigen: »Zuletzt
hatte Diekmann anlässlich der bombastisch aufgemachten
Nachricht von einer Fehlgeburt der Schweizer Botschaftergattin
Shawne Fielding-Borer ein Vollbad in den eigenen Krokodilstränen
genommen: ›Sie weint um ihr verlorenes Baby. Ihre Ehe
wird weiter in den Schmutz gezogen...‹ Und zwar von Kai
Diekmann persönlich, für den ein Tag ohne Sex-Schocks,
Fehlgeburten und öffentlich in den Schmutz gezogene Ehen
ein verlorener Tag ist.« Es folgte eine Satire über
die Penisverlängerungsoperation, der sich Kai Diekmann
gerüchteweise in Florida unterzogen habe, die jedoch missglückt
sei, eine Geschichte, die auch in Bild hätte stehen können,
wenn der Protagonist nicht Kai Diekmann geheißen hätte.
Diekmann,
der in der Wahl der Waffen ansonsten nicht wählerisch ist
und Menschen erniedrigt und lächerlich macht, wo er nur
kann, zeigte sich gekränkt. Er verlangte von der taz ein
Schmerzensgeld von 30.000 Euro. Die taz ließ es darauf
ankommen und rief vor dem Prozess auf der »Wahrheit-Seite«
eine »Woche der Verlängerung« aus, in der alles
verlängert wurde, was verlängert werden kann, von
den Haaren bis zum Fußballspiel. Der Prozess endete mit
einer Pleite für Diekmann. Zwar wurde der taz untersagt,
den Artikel nachzudrucken, was die taz allerdings auch gar nicht
beabsichtigte, aber Diekmann erhält auch kein Schmerzensgeld.
Das Gericht erweist sich als überraschend weise, denn die
»Verletzung der Privatsphäre« ist ein Delikt,
das immer geahndet werden sollte, nur eben bei Kai Diekmann
nicht, da eine öffentliche Figur wie Kai Diekmann sich
mehr gefallen lassen muss und überhaupt die bürgerlichen
Rechte für einen wie Diekmann eigentlich nicht gelten sollten.
Statt Schmerzensgeld muss der gegelte Schmerzensmann nun mit
dem Spott leben. Sogar in seiner eigenen Zeitung erlaubte man
sich einen Scherz. Nur einen Tag ist Kai Diekmann mal nicht
anwesend (kann also keinen Einfluss auf den Inhalt der Zeitung
nehmen) und schon wird die Schwanzlänge des Chefredakteurs
unter der Überschrift »9 cm sind lang genug«
preisgegeben.
Es gibt
also doch noch eine Gerechtigkeit auf dieser Welt, auch wenn
diese noch lange nicht vollkommen ist, denn wäre sie das,
würde auch die Wunschphantasie Gerhard Henschels in Erfüllung
gehen, die er im letzten Jahrbuch des »Who’s who
peinlicher Personen« über Kai Diekmann preisgegeben
hat: »Sehr lustig wäre es doch, wenn Kai Diekmann
bei seinem nächsten Urlaub in Miami Beach oder auf Sylt
einmal selbst in die Fänge einer UFO-Sekte geriete. Oder
beim Badeausflug in eine messerscharfe, britzelbraune Schiffsschraube.
Oder wenigstens in Vergessenheit, für immer, am besten
in einem fünfzig Grad heißen Kult-Porsche, zusammen
mit einer auch perverse Chefredakteure tötenden Killer-Schlange,
und zwar im Kofferraum, nach mörderischem Fessel-Sex mit
einem netten Doktor, der den diekmanngefüllten Porsche
hinterher gut abschließt und den Kofferraumschlüssel
in Salzsäure auflöst.« |