Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Roland Koch

Von Klaus Bittermann

Koch, Roland – Statt in hohem Bogen aus seinem Amt zu fliegen, ging Roland Koch als großer Gewinner aus den Wahlen in Hessen hervor, und man fragt sich perplex: Sind die Hessen noch ganz dicht? Haben sie wirklich noch alle Schweine im Rennen? Dabei sind sie doch einer der wenigen deutschen Volksstämme, aus dessen Dialekt sich noch Funken schlagen lassen, wovon Jakob Arjouni und Simone Borowiak schöne und unvergessene Zeugnisse abgelegt haben. Dass die Hessen so einen gewählt haben, wirft kein gutes Licht auf sie. Wenn ein Kinderschänder sich für den Job als Erzieher besonders qualifiziert hält, wird man ihn höchstens mitleidig belächeln und ihm raten, besser nicht auf dieses extraordinäre Ansinnen zu bestehen, weil es sein könnte, dass man ihn aus guten Gründen in die Klapse steckt. Wenn ein Politiker, der nicht nur der Lüge überführt wurde, sondern auch des Betrugs, sich für das höchste Amt in einem Bundesland bewirbt, dann findet das offenbar niemand komisch, sondern vereinbar mit den demokratischen Gepflogenheiten des Landes. Auch wenn der Wahlsieg Roland Kochs hauptsächlich dem aus Protest gegen die Regierung Schröder fernbleibenden SPD-Wähler zu verdanken ist, auch wenn es also nicht etwa so ist, dass die Hessen in Scharen zu Koch übergelaufen wären, gibt es doch immer noch eine Mehrheit, die die Lüge und ein Schwarzgeldkonto in der Politik nicht für verwerflich halten, sondern für einen besonderen Befähigungsnachweis.

Aber abgesehen von der wohl kaum anders als pervers einzustufenden Haltung der Wähler, ist auch deren ästhetischer Geschmack erschütternd. Insofern haben sie den mit Hormonen dicklippig gespritzten Vorzeigearier durchaus verdient. Schön ist das nicht, und deshalb kommt Koch als »Schweinchen Babe«, wie ihn die Titanic dargestellt hat, noch viel zu gut weg, denn Schweinchen Babe war liebenswürdig, gutmütig, nett und hilfreich, also alles, was Roland Koch nicht ist. Keine Aussehenswitze, höre ich da von der Aussehenswitzeoberaufsicht, ich aber finde, bei diesem Mann sollte eine Ausnahme gemacht werden, denn einer, der sich durch einen gegen Ausländer und Einwanderung gerichteten hetzerischen Wahlkampf das Amt eines Ministerpräsidenten erschlichen hat, warum sollte der geschont werden? Die »brutalstmögliche Aufklärung«, durch die Roland Koch auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde, hat sich in sein Gesicht eingeschrieben. Wie auch immer, Roland Koch hätte auch schon unter Hitler eine große Karriere gemacht, nicht nur als zeugungsfleißiger und am Erhalt der deutschen Rasse unermüdlich arbeitender Arier, sondern auch als Politiker, womit wir bei den von Koch so beliebten Vergleichen sind.

Als Roland Koch die Geldschieberei von schwarzen Konten der hessischen CDU in die Schweiz als Vermächtnisse deutscher Juden im Ausland deklarierte, das hätte Adolf nicht besser machen können, und gut gefallen hätte Hitler auch, als Koch die Nennung einiger Namen von Reichen in der Vermögenssteuerdebatte erregt denunzierte und meinte, dies sei »eine neue Form von Stern auf der Brust«. Weniger gefallen hätte dem GröFaZ (Größter Führer aller Zeiten) allerdings, dass Roland Koch nach der aufwallenden Empörung einknickte und klein beigab. Er hätte sich, angesteckt von der emotionalen Debatte, »vergaloppiert«, und diese Wortwahl zeigt, wie Roland Koch seine Debatten führt, von oben herab, allerdings weniger feldherrenartig und von einem reinrassigen Ross, sondern mehr von einem lahmen Ackergaul. Denn abgesehen von einigen Ausfällen, mit denen er die Empörung der geschlossenen Gutmenschenriege auf sich zieht (mit Argumenten, die z.T. nicht minder schlau sind als die von Koch und in der Regel nur einen hohen Wallungswert besitzen), hat Roland Koch genauso wenig zu bieten wie die meisten anderen Politiker eben auch. Liest man seine Reden zur Außenpolitik, Sozialhilfe, Mittelstand oder Ausländer, dann unterscheiden sie sich nicht von denen Gerhard Schröders. Es ist darin viel von Konzepten und deren schnellstmögliche Umsetzung die Rede, von neuen Herausforderungen, Initiativen und Diskursen, viel Blabla also, aus dem die typische Politikerrede eben besteht. Roland Koch ist also auch nur ein armes Würstchen, das in der Provinz Autobahnabschnitte einweiht, Kurzentren besichtigt, Betriebsfeiern der Freiwilligen Feuerwehr beiwohnt und Kindergärten eröffnet. Man muss ihn deshalb nicht bemitleiden, denn schließlich hat ihn niemand gezwungen, die erbarmungslose Wiederholung und die außergewöhnliche Ödnis auf sich zu nehmen, aus denen seine Tätigkeit besteht. Ein Mitgefühl, das »Alkoholiker, Spieler und Skinheads« verdienen und deshalb auch für die Randgruppe der Politiker aufgebracht werden sollte, wie Enzensberger einmal meinte, ist bei Roland Koch jedoch unangebracht, selbst wenn man seine Existenz ungefähr als so schlimm bezeichnen würde, wie beide Arme in Gips, eine ständig laufende Nase und eine weit vorstehende Unterlippe zu haben. Die weit vorstehende Unterlippe hat Koch ja schon. Vielleicht erbarmt sich ja mal jemand für den Rest.

 


 

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