Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Stefan Effenberg

Von Klaus Bittermann

Effenberg, Stefan – Wer im deutschen Fußball eine große Nummer werden will, muss im Unterschied zu woanders sich vor allem als scheunentorgroßes Arschloch präsentieren, der immerzu und jederzeit allen und jedem mitteilt, dass er stolz darauf ist, ein scheunentorgroßes Arschloch zu sein. Die Liste deutscher Stars solcher Machart ist beeindruckend: Lothar Matthäus, Oliver Kahn und Stefan Effenberg bilden in dieser Hinsicht ein einzigartiges Triumphirat, und es ist kein Zufall, dass alle drei bei Bayern München beschäftigt waren, der Schule, wo man am besten lernt, ein Unsympath zu werden. Dass man als Fußballspieler genial, hochbezahlt und erfolgreich sein kann, ohne wie der letzte Proll aus dem Container den Affen für den Boulevard zu machen, beweisen wirkliche Stars wie Figo, Raul, Zinedin Zidane oder Del Piero, die nicht nur besser aussehen, sondern die auch besser spielen, besser bezahlt und erfolgreicher sind, und die trotz der weit gierigeren Boulevard-Presse in Italien und Spanien zurückhaltend sind und gelassen bleiben und nicht vor ungerechtfertigter Arroganz strotzen, die sich ausschließlich auf die eigene Dummheit stützt. Nun muss man nicht klug sein, um gut Fußball spielen zu können, aber wenn das aus der medialen Beachtung entstehende Selbstbewusstsein sich zu hundert Prozent aus Borniertheit zusammensetzt, dann entwickelt sich so eine Gestalt schnell zu einer restgeist- und vernunftzerschreddernden Nervensäge.

Dabei war Effenberg - sieht man von den letzten Jahren einmal ab - nie sonderlich erfolgreich. Als er nach München wechselte, landete Bayern das erste Mal seit Menschengedenken auf einen zweistelligen Tabellenplatz. Samdoria Genua beförderte er in die 2. Liga. Wieder zurück in Gladbach kreppelte der Verein im Mittelfeld herum und wäre am Ende sogar fast abgestiegen. Das hielt Effenberg selbstverständlich nicht davon ab, die Klappe bis weit über den Anschlag hinaus aufzureißen, um die Jahrzehnte lang andauernde Erfolglosigkeit zu kompensieren. Solche Leute, die sich dem von den Medien geförderten Missverständnis hingeben, wichtig genommen zu werden bedeute auch, es tatsächlich zu sein, gehen wie selbstverständlich davon aus, auch Wichtiges mitzuteilen zu haben. Überraschenderweise standen Effenberg beim Verfassen seiner »Abrechnung« nicht nur Karl Kraus Pate, sondern auch Adorno. Von Karl Kraus übernahm Effenberg die Methode, der zu Folge es nicht genügt, keinen Gedanken zu haben, man muss ihn auch nicht ausdrücken können. Dafür engagierte Effenberg extra einen Ghostwriter, einen auf diese Methode spezialisierten Redakteur von RTL, während Adorno das Motto lieferte: »Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.«

In der Presse wurde häufig die mangelnde literarische Qualität der Memoiren moniert, aber das ist nebensächlich, erstaunlich ist vielmehr, wie wenig Effenberg tatsächlich mitzuteilen hat und wie absolut dürftig und erbärmlich dieses Wenige obendrein noch ist. Effenbergs »Abrechnung« ist deshalb vor allem schonungslos mit sich selbst. Er beschreibt, wie er einmal eine Frau belästigt, sie sogar mit ein paar Bayern-Kumpels auf die Damentoilette verfolgt, wo er der dort Zuflucht Suchenden Angst zu machen versucht mit den Worten: »Warte, warte, gleich kommen wir und kriegen dich. Dann wirst du was erleben.« Interessant dabei ist nicht nur der offensichtliche sexuelle Notstand von Effenberg und seinen Freunden, die der Frau sogar bis auf die Toilette hinterher hecheln, auch die auf dem geistigen Niveau eines Sechsjährigen ausgestoßene Drohung deutet darauf hin, dass die Regressionsfähigkeit Effenbergs gewaltig ist, und das wiederum ist erstaunlich bei jemanden, der sich sonst gern als Freund von Sprüchen präsentiert, die gar nicht platt und prollig genug sein können.

Auch nicht schlecht war der Vorfall, als ihm eine Frau in der Nobel-Disco P1 Champagner ins Gesicht kippt. Schade zwar um den Champagner, aber dennoch sollte ihr dafür nachträglich noch ein Orden verliehen werden: »Ich versuchte noch meine Hände hochzureißen, um mich zu schützen. Der Champagner brannte wie Hölle. Ich hatte die Frau wahrscheinlich mit den Händen gestreift, während ich sie hoch riss.« Das muss Effenberg allerdings erst mal jemand nachmachen. Gäste haben den Vorfall etwas anders in Erinnerung, weshalb Effenberg angezeigt und verurteilt wurde. Seine tollen Bayern-Kumpels wollten plötzlich nicht mehr als Zeugen zur Verfügung stehen. Aber Effenberg hat noch andere »unglaublichste Dinge erlebt«. Er hat sogar mal einen älteren Mann in seiner Einfahrt gefunden, der offensichtlich aus Gründen der Trunkenheit dort lag. Das ist in der Tat unglaublichst. Wer kann schon behaupten, so etwas schon mal erlebt zu haben? Vor diesem Einfluss der Realität kriegte Effenberg den absoluten Ekel: »Schon vom Hingucken kriegte ich den absoluten Ekel. Den Kerl hätte ich mit der Kneifzange nicht angefasst. Vorsichtig berührte ich ihn mit dem Fuß. ›He, Meister, alles klar?‹ Ehrlich gesagt taten mir meine Schuhsohlen leid, so widerwärtig war der Kerl.« Aber offensichtlich taten ihm dann seine Schuhsohlen doch nicht leid genug, um den Mann nicht doch ein bisschen zusammenzutreten, wie eine Zeugin beobachtete.

Der Versuch jedoch, sich als bad guy zu stilisieren, misslingt, denn als solcher sollte man sich weder erwischen lassen noch anschließend derartig idiotische Rechtfertigungen vorbringen, die selbst zehn Meilen gegen den Wind nach fauligem Fisch riechen. Immerhin hatte er die Chance, in der Öffentlichkeit zumindest als Pornostar zu reüssieren, als Bild seine Bekenntnisse ankündigend ein Foto plakatieren ließ, auf dem Frau Strunz mit verbundenen Augen zu sehen war, wie sie anscheinend vor ihm knieend eine Praktikantinnenstellung einnimmt. Aber diese Chance ließ Effenberg verstreichen, indem er beteuerte, dass Frau Strunz nicht etwa vor ihm kniete, sondern dabei auf einem Bett gesessen sei, eine Enthüllung, auf die niemand gefasst war und die niemand so recht zu deuten wusste. Was wollte Effenberg uns mitteilen? Dass es sitzend nicht klappt? Dass es Frau Strunz mit der Kniescheibe hat? Oder wollte er sich als Mensch präsentieren, der in Wirklichkeit liebenswert und harmlos ist? Als solcher hat er jetzt angefangen zu malen: »Mit Staffelei, Leinwand und allem Drum und Dran. Abends schwinge ich oft den Pinsel. Mein erstes Bild war ein Riesen-Herz. Ich schenkte es Claudia Strunz.« Whow! Vor diesen Sätzen eines Einfaltspinsels kann man nur noch die Segel streichen, denn es stellt sich die Frage: Wie viel Dämlichkeit verträgt ein Mensch? Mehr offensichtlich als die Wissenschaft bislang für möglich gehalten hat.

 


 

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