Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Peter Zadek

Von Klaus Bittermann

Zadek, Peter – Wenn ein Kulturschaffender unbedingt glaubt, unter Beweis stellen zu müssen, dass »Mittelmaß und Wahn« als ein von Enzensberger diagnostizierter geistiger Zustand auf ihn voll zutrifft, dann kann es sich nur um Peter Zadek handeln. In einem Spiegel-Interview bekennt er sich offen und freizügig zum ebenso kitschigen wie klitschigen Klischee, zum Anti-Amerikanismus. Die Amerikaner, zitiert er übereinstimmend mit einem Antikriegsdichter, seien heute mit den Nazis zu vergleichen, wobei der ganze Unterschied darin bestünde, dass die Nazis nur Europa, die Amerikaner aber die ganze Welt besiegen wollten. Einen unsinnigen historischen Vergleich sollte man aus humoristischen Gründen nie verachten, aber bei dieser einfältigen Parallele kann man nur Bauklötze staunen, denn offensichtlich gehört für Zadek Afrika bereits zu Europa. Dort trieb sich bekanntlich der »Wüstenfuchs Rommel« herum, während in Asien die Wehrmacht nur deshalb keine größeren Verheerungen anrichten konnte, weil sie vorher in Stalingrad stecken blieb, und sie wäre auch in Amerika zugange gewesen, wäre die V2-Wunderwaffe rechtzeitig fertig geworden. Dank Zadek muss nicht nur die Geschichte neu geschrieben, sondern auch die Weltkarte neu gezeichnet werden. So verwunderlich ist das allerdings nicht, denn Zadek ist ein Nationalist der populistischen Sorte, der sich neuerdings »Europäer« nennt, was die Sache aber nicht besser macht, denn die wirre Denkungsart ist geblieben, und die ist nicht immer einfach nachzuvollziehen, wie man beim inzwischen abgedankten italienischen Staatssekretär Stefano Stefani beobachten konnte, dessen Schimpfkanonade auf die Deutschen für sich genommen und partiell durchaus nicht aus der Luft gegriffen ist, aber bestimmt nicht im nationalen Interesse Italiens liegt.

»Peinlich« findet Zadek den »Minderwertigkeitskomplex, den wir Europäer immer noch haben«, wobei der »Minderwertigkeitskomplex« offenbar darin besteht, dass »wir« im ständigen »Kulturkampf« mit den Amerikanern immer den kürzeren ziehen. Um in diesem »Kulturkampf« Punkte zu machen, würde Zadek »auch ein Schwein auf die Bühne holen«, aber vermutlich könnte er auch dann nicht gegen das von ihm verteufelte »schreckliche Zeug« aus Hollywood anstinken, wenn er selber auf der Bühne ginge und grunzte. Dummerweise ist Hollywood, was die Kritik des Irak-Kriegs angeht, partiell der gleichen Meinung wie Zadek. Nur ist sie weit besser inszeniert, wie z.B. die Warner-Bros.-Produktion »Three Kings«, in der gezeigt wird, wie Bush sen. 1991 die von ihm zum Aufstand gegen Saddam Hussein ermunterten schiitischen Iraker durch einen plötzlichen Waffenstillstand ins offene Messer rennen lässt, und auch das theatralische »Shame on you, Mr. President!« von Michael Moore kam direkt aus der Hochburg der »Schunds« und erhielt von der versammelten Hollywood-Elite Beifall.

Soviel Zustimmung ist Zadek eher peinlich, weswegen »diese Scheiße, die auch eine Kulturscheiße ist«, seiner Meinung nach »nur offene Türen einrennt«, wobei man sich fragt, was Zadek eigentlich anderes macht, denn auch er bedient natürlich den Mainstream, auch wenn er glaubt, eine fürchterlich gefährliche oppositionelle Meinung vom Stapel zu lassen, wenn er seinen antiamerikanischen Ressentiments freien Lauf lässt. Auch wenn man sich dabei immer wieder vor Augen führt, dass Zadek offensichtlich nicht zu jenen gehört, die ein vernünftiges Argument zustande bringen, ist es dennoch erstaunlich, dass er selbst die dümmsten Klischees in Anspruch nimmt, die höchstens noch Kabarettisten verwenden, um ein paar müde Lacher abzustauben. Nach dem antisemitischen Schema, »Ich habe nichts gegen Juden, einige meiner besten Freunde sind Juden«, sagt Zadek, der nie in Amerika war, ohne den Hauch von Ironie: »Mir ist Amerika zutiefst zuwider, auch wenn ich natürlich ein paar amerikanische Freunde habe.«

Als Anhänger der Appeasement-Politik ist Zadek selbst dann noch uneinsichtig, wenn es um den Zweiten Weltkrieg und die Beseitigung Hitlers geht, der jede ausgestreckte Hand gern genommen hat, um sie über den Tisch zu ziehen, und dessen Politik schlicht und ergreifend in der Eroberung anderer Länder und in der Vernichtung der Juden bestand, auch wenn Deutschland offiziell immer nur einen »Verteidigungskrieg« führte. Damals schon ziemlich plump, ist die Propaganda selbst heute noch nicht plump genug, als dass Zadek nicht darauf hereinfällt, und störrisch klebt er an der Devise: »Diesen Krieg so wenig wie jeden anderen«, wobei er sich durch die »60 Millionen Toten« nicht etwa widerlegt, sondern bestätigt fühlt. Die Frage, wie reagieren auf psychopathische Diktatoren, umgeht er mit dem originellen Gedanken, Kriege entstünden dadurch, »dass Leute nicht mehr im Stande sind, miteinander zu reden.«

Hätte man also auf Hitler nur lange genug eingequatscht, wäre er bestimmt irgendwann mal in die Knie gegangen, wobei in diesem Fall Zadek offensichtlich zu sehr von sich ausgeht. Tatsächlich kann man nicht ausschließen, dass Hitler vor dem auf ihn einredenden Zadek die Waffen gestreckt hätte. Zumindest hätte er anerkennen müssen, dass Zadeks Ansichten auch nicht weniger bizarr als seine eigenen sind. Und in dieser Hinsicht sind sich Hitler und Zadek doch wirklich ähnlich, um auch mal einen kleinen Vergleich anzubringen, der nicht weniger Plausibilität für sich in Anspruch nehmen kann als Zadeks Gleichsetzung von Amerikanern und Nazis. Hitler und Zadek jedenfalls haben überzeugend nachgewiesen, dass sich aus dem Mittelmaß, dem gewöhnlichen bürgerlichen Ressentiments, ein erstaunlicher Wahn wringen lässt, wenn man den Quatsch nur lange genug knetet. Der einzige Unterschied besteht darin, dass Hitler mit seinem Wahn erfolgreich war.

 

 


 

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