Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Dieter Bohlen

Von Klaus Bittermann

Bohlen, Dieter – Schon wieder der Holzkopf Bohlen, werden vielleicht einige denken, fällt dem Bittermann denn nix besseres ein? Ja, denke ich dann zerknirscht zurück, da haben Sie irgendwie recht. Der hat das nicht verdient, daß man auch nur einen müden Gedanken an ihn verschwendet, sagen Sie sich bestimmt, tief in der offenen Wunde bohrend, weil er der Mann mit dem höchsten Ekligkeitsfaktor ist. Und ich gebe Ihnen schon wieder recht. Auf der anderen Seite: Politiker, sagen wir wie Merz, Gysi oder Thierse sind extrem langweilig, quasi menschgewordene Schlaftabletten. Nur Verlautbarungsprosa, Gesinnungsjargon, Gutmenschengeschwalle. Daraus nur einen kleinen Witz herauszupressen ist nicht einfach. In dieser Hinsicht ist Bohlen eine Fundgrube. Bohlen macht den Mund auf, am nächsten Tag steht es in Bild, einen Tag später in den seriösen Blättern, zwei Tage später ist Bohlen dann bei Kerner oder Beckmann, und das Rad dreht sich. Es nennt sich bürgerliche Öffentlichkeit, und sie findet Bohlen irgendwie geil, weil der Erfolg bei den Blöden zum einzigen Kriterium wird, nach welcher Anerkennung bemessen wird. Dagegen anzuschreiben ist so sinnlos, wie zwischen CDU und SPD oder zwischen Schill und Schall zu unterscheiden, und dennoch wird es gemacht. In aufklärerischer Absicht zu schreiben wäre zudem antiquiert, weil Phänomene wie Bohlen grundsätzlich selbstentlarvend funktionieren. Wenn Sie ihm beispielsweise an den Kopf werfen würden, daß er ein Arschloch sei, dann würde er antworten, klar, aber ich bin ein Arschloch, das Erfolg hat. Man kann also nur konstatieren und staunen und sich auf Kosten Bohlens amüsieren, wenn das überhaupt geht.

Mit Unterstützung seines Hofberichterstattungsblattes arbeitete Bohlen zuletzt gezielt darauf hin, den Nachfolgeband seiner schmierseifigen Denunziationen durch eine einstweilige Verfügung richtig an den Start zu bringen, weil man selbst bei den größten Idioten nicht sicher sein konnte, ob sie sich den selben Quatsch noch mal kaufen würden. Nur als gerichtlich verfolgter Autor, als der er von Bild in Szene gesetzt wurde, als einer, der unbequeme Wahrheiten ausspricht und sich den Mund nicht verbieten lassen will, konnte der gleiche Gammelkäse nochmal über die Theke gehen. Mit allen Mitteln wollten Bild und Bohlen den schwarzen Balken, der immer ein Geheimnis zu bergen verspricht, der sich in diesem Fall jedoch als Gnade erwies, legte er doch den Schleier über Dinge von grenzenloser Banalität.

Bohlen ist aber nicht nur ein gewiefter Taktiker, der es dank seines persönlichen Avonberaters Bild sogar schafft, gequirlte Scheiße in großen Mengen und in kleinen Portionen an ganz viele Leute zu verkaufen, Bohlen ist neben seinen vielfältigen anderen Berufungen als Wohltäter von Armen und Waisenkindern, Hauptsache-Billig-Werbeschrat und Supertrottel-Entdecker auch ein echt positiver Typ, vom dem sich Deutschland noch ein Stück abschneiden kann. Und wenn seine Ghostwriterin mal gerade nicht aufpaßt, schreibt er auch selbst, und zwar über – na was wohl?, ja klar – über sich selbst, aber auch über andere wichtige Menschen, die er auf dem Bundespresseball getroffen hat: »Ich hatte eine so tolle Einladung, da konnte ich gar nicht ablehnen. Ich saß am besten Tisch des Abends, nämlich an dem von Springer-Vorstandschef Dr. Mathias Döpfner, Gabel an Gabel mit dem mächtigen Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, mit T-Online-Chef Thomas Holtrop, mit Schering-Boß Hubertus Erlen und Ministerpräsident Edmund Stoiber. Alles superkompetente Menschen. Und toll auch die Ehefrauen, die haben sich ganz rührend um mich gekümmert. Der Herr Ackermann ist übrigens ein sehr smarter und gut aussehender Typ. Und das hat mich natürlich schon beeindruckt... Wir haben über die Zins-Entwicklung gesprochen, über Steuern. Er wollte wissen, warum ich nicht an die Börse gegangen bin. Seine Frau ist übrigens supernett. Die hat erzählt, daß sie immer so gern die Superstars guckt. Das freut mich natürlich auch, so was zu hören. Herr Stoiber ist gleich auf mich zugekommen: Herr Bohlen, wann ziehen Sie denn nach Bayern, ich hab so viel von Ihnen gehört. Ich hätte gar nicht gedacht, daß der so positiv und offen ist. Und auch Frau Stoiber – sehr, sehr herzlich, muß ich sagen. Eine Ehre für mich: Johannes Rau hat mich an seinen Tisch gebeten und mich gefragt, was ich von der Gottschalk-Geschichte mit der geplanten Rede im Bundestag halte. Ich habe gesagt: Herr Bundespräsident, ich bin dafür, man sollte da auch immer etwas flexibler sein. Herr Rau meinte dann aber: Naja, der Gottschalk hätte ja wenigstens vorher mal fragen können. Gut, das hätte er vielleicht wirklich tun sollen. Estefania, die ja bald meine Ehefrau wird, hat sich total gefreut. Jemand hat fotografiert, wie Herr Rau ihr die Hand schüttelt. Ich glaube, das Foto stellt sie auf ihren Schreibtisch. Sie hat mir gleich gesagt: Mensch, Dieter, welche 24-jährige Frau darf schon dem ersten Mann im Staate die Hand geben. Joschka Fischer saß auch nebenan. Aber ich bin da nicht hin. Ich führe an einem Abend ja lieber fünf tolle Gespräche als 20 oberflächliche. Und an unserem Tisch war es so interessant, daß ich nicht ein einziges Mal getanzt habe. Herr Wowereit kam noch zu uns, Herr Westerwelle lief mir über den Weg. Und alle nicht oberflächlich. Nicht dieses: Haste mal n Hit huhu. Und gar nicht so steif, wie ich mir das immer vorgestellt hätte. Vielen Dank für diesen tollen Abend.«

Gern geschehen, Dieter.

 

 


copyright (c) 2004
E-Mail: live@live-magazin.de
Webmaster: SpaceXMedia