Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Günther Jauch

Von Klaus Bittermann

Jauch, Günther – Günther Jauch ist ein netter, sympathischer Mensch, der – obwohl auch nicht mehr der Jüngste – noch etwas schelmisches, lausbubenhaftes, jungenhaftes ausstrahlt, jedenfalls für alle diejenigen, die ihn gerne als Schwiegersohn neben sich auf den Sofa sitzen hätten, aber sich auch damit begnügen, wenn er im Fernsehen diese Rolle ausfüllt. Günther Jauch als ideeller Gesamtschwiegersohn der TV-Nation hat eine große Bürde und eine noch größere Verantwortung zu tragen. Er muss wie viele seiner Kollegen an der Moderationsfront, wie z.B. Thomas Gottschalk, um nur einen zu nennen, der allerdings eher auf die Rolle des verrückten Onkels aus Amerika abonniert ist, auf die Qualität des Fernsehens achten. Jawohl, Sie haben richtig gelesen: Auf die Qualität des Fernsehens, d.h. wenn schon Quark, dann bitte mit dem Gütesiegel »Günther Jauch«, denn, so raunt uns Jauch zu, es könnte schließlich noch viel schlimmer werden. Es gibt da z.B. eine Entwicklung, die Jauch sehr fürchtet: »Wir holen eine alte Krimiserie aus dem Keller oder produzieren zu absoluten Billigpreisen irgendein neues Schrottprogramm nach amerikanischem Vorbild. Selbst wenn wir damit nur eine schwache Quote schaffen, bleibt letztlich mehr in der Kasse, als wenn wir ein Qualitätsprogramm mit Quote produzieren.« Na, na, na, nichts gegen die guten alten Edgar-Wallace-Filme, die jedenfalls mehr Esprit verströmen als Jauchs Aufklärungs-TV mit dem Charme eines Test-Bildes. Es gibt erstaunlicherweise keinen öffentlich-rechtlichen Bedenkenträger in der Fernsehbranche und anderswo, der das anders sähe als Jauch, denn schon seit den Anfängen des Mediums hegte man die schlimmsten Befürchtungen gegenüber den verseuchenden Einfluss billiger amerikanischer Schrottprogramme. Selbst wenn man jedoch die Programme mit Jauchscher Beteiligung weg lässt gibt es auch in Deutschland genügend Käse, der auf Sendung geht. Wenn Caroline Reiber oder Carmen Nebel die Welt der Volksmusik erklingen lässt, wenn die ins Medienkraut schießenden Comedy-Formate mit dem Lachsack-Humor auf Sendung gehen oder wenn Sabine Christiansen uns die immergleichen dunklen Nadelstreifenanzüge vorführt, dann ist das nur ein kleiner Ausschnitt des Programms des Grauens, das einem blüht, wenn man zur Fernbedienung greift. Das lässt den Hinweis auf das amerikanische Vorbild ganz nach einem kleinen Ressentiment aussehen, denn warum in die Ferne schweifen, wenn man in Deutschland nicht minder darauf spezialisiert ist, Programme zu produzieren, die Guantanamo wie einen Erholungsurlaub aussehen lassen? In Wirklichkeit geht es natürlich um ökonomische Interessen und um Marktanteile. Günther Jauch vertritt dabei die nationalökonomische Seite, »Deutsche, guckt nicht beim Ausländer«, und das ist durchaus verständlich, denn auch Jauch ist ein freier Anbieter auf einem freien Markt, der für ausländische Erzeugnisse allerdings nicht ganz so frei sein sollte. Er muss also andere Produkte erstmal mies machen, er muss einen ideologischen Kreuzzug führen. Und das tut er auf dem Niveau eines Waschmittelverkäufers, nicht ohne dabei auch erstaunlich komisch zu sein: »Wenn keiner mehr den Ehrgeiz hat, Qualität zu machen oder Quote – oder Qualität mit Quote zu verbinden, was durchaus geht –, dann krieg ich als Journalist und Moderator, aber auch als Produzent ein Problem. Denn dann wird das Fernsehen richtig freudlos.« Diese selbstverständliche Annahme, er, Günther Jauch, würde gute Sendungen machen, weil die Quote stimmt, weil Millionen bedauernswerter Tröpfe, Eigenheimbesitzer und Rentner die von Jauch moderierten »Stern TV«, »Wer wird Millionär?«, die »SKL-Show«, die Uri-Geller-Show und die diversen Jahresrückblicke gucken, diese traurige Bestätigung, die Jauch aus der traurigen Tatsache zieht, dass traurigen Menschen aus Gründen der Langeweile nichts anderes einfällt, als ein Leben vor der Glotze zu führen, ist mehr als nur eine Illusion über sich selbst, es handelt sich um die instinktive Abwehr der Einsicht, dass man seine Selbstbestätigung aus diesen trüben Umstand zieht. Jauch unterscheidet sich in diesem Moment in nichts vom aufdringlichen, vor dumpfem Selbstbewusstsein strotzenden Dieter Bohlen, denn auch Bohlen leitet seinen Erfolg von der Qualität seiner Songs ab. Und letztlich behaupten das alle in diesem Gewerbe, die am Rattenrennen mit der Quote mitmachen, wie übrigens auch eine niedrige Quote häufig zu einem Kriterium für die Qualität einer Spartensendung missbraucht wird. Glaubt man Günther Jauch und seinen Kollegen, dann leben wir in der besten aller Fernsehwelten, die zwar bedroht ist von amerikanischen Billigproduktionen, aber solange Günther Jauch und ein tapferer Sendechef »dagegen halten« wird alles gut. Schön, dass es Günther Jauch gibt, der uns das mal wieder in Erinnerung gerufen hat.

 

 


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