Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Peter Boenisch

Von Klaus Bittermann

Boenisch, Peter - Deutschland ist Weltmeister. Im Spenden. Oder, um es mit Peter Boenisch zu sagen: „Weltmeister der Herzen“, weil bei uns „die Zufriedenheit wächst, dass die Welt unsere Spenden- und Opferbereitschaft bestaunt.“ Niemand auf der ganzen Welt rührte das Schicksal der Menschen in Asien mehr als die Deutschen, und das nicht nur, weil sich viele Landsleute, Mitmenschen und andere deutsche Sex-Touristen unter den Opfern befanden, sondern weil seit der Überschwemmung der Elbe niemand als die Deutschen besser weiß, was für verheerende Folgen ein Tsunami haben kann. 436 Millionen Dollar spendeten die Deutschen angesichts der 150.000 Toten. Wenn es die Erfindung der Spenden schon früher gegeben hätte, dann lässt sich kaum ausmalen, was die Deutschen angesichts der sechs Millionen toten Juden gespendet hätten, die ja in gewisser Weise auch einer Katastrophe zum Opfer gefallen sind.

Ich finde, angesichts dieser tollen Spendenbereitschaft der Deutschen, von der bislang jeder Politiker, Journalist, aber auch andere Menschen begeistert ist, und zwar zurecht, weshalb sie hier noch einmal erwähnt werden soll, denn jeder sollte das tun, der in dieser Debatte ernst genommen werden möchte, falls er überhaupt mitreden will, angesichts also dieser sensationellen Spendenbereitschaft, nehmen wir uns doch einmal kurz die Zeit, und gucken uns an, was die anderen Länder so gespendet haben, die uns immer noch als „Krauts“ verhöhnen und scheel auf uns herabgucken. Okay, Australien hat 760 Millionen Dollar abgedrückt, aber den Australier an sich, also den Einwohner von Australien, scheint die Katastrophe völlig kalt gelassen zu haben, denn er hat keinen müden Cent gespendet. Kein Wunder, bei Leuten, die ursprünglich aus einer Verbrecherkolonie hervorgegangen sind. Da bleibt immer was hängen. Der Australier hat alles an den Staat delegiert, während man in Berlin-Kreuzberg nicht mal mehr ein paar Meter zum nächsten Italiener gehen konnte, um in Ruhe zu lunchen, ohne von Vorschulkindern mitten auf der Straße wegen Spendengelder angegangen zu werden. Und jeder gab gerne, denn schließlich war dies das moralische Gebot der Stunde, und außerdem musste man dann keinen Überweisungsschein mehr ausfüllen. Und man wusste, dieses Geld würde einem guten Zweck zugeführt und nicht in Spirituosen angelegt werden, wie das bei den Pennern der Fall ist, die sonst in dieser Gegend die Oberhoheit im Betteln haben. Bei der Umstellung des Arbeitslosengeldes auf Hartz IV und durch den Tsunami waren sie die großen Verlierer dieser für alle schweren Wochen.

Aber von diesen Verlierern gab es noch mehr. Ich sage nur: USA. Bush, der in Krisenregionen wie Afghanistan und Irak ganz andere Summen hineinpumpte, obwohl es dort nicht mal ein richtiges Erdbeben gegeben hatte, bewilligte mal grade halb so viel wie der deutsche Staat, und auch die amerikanische Bevölkerung hielt sich mit Privatspenden ziemlich zurück. Gerade mal ein Drittel von dem, was die Deutschen gespendet haben, war ihnen ihr Mitleid wert, und das, obwohl sie doch durch die Hurrikanes Charley, Ivan, Frances und Jeanne allein in 2004 am eigenen Leib erfahren haben, was es heißt, wenn einem das Dach über den Kopf weggeschwemmt wird. Die Engländer, lächerliche 280 Millionen Dollar, die Froschfresser, peinliche 158 Millionen, die Käsköppe mit 148 Millionen auch nicht gerade berühmt, die Italiener hielten ihren Geldbeutel ebenfalls fest verschlossen und gaben gerade mal 145 Millionen. Alle anderen landeten weit abgeschlagen hinter den Deutschen, die mit 1096 Millionen Dollar fast so viel spendeten wie das gesamte Rest-Europa. Und nur gut, dass Österreich nicht mehr zu Deutschland gehört, denn mit den lumpigen 45 Millionen Dollars hätten sie den Deutschen ganz schön den Schnitt versaut.

Seit der Katastrophe hat Deutschland auch wieder neue Leitfiguren. Tessen von Heydebreck, von dem zuvor niemand etwas gehört hatte, tauchte als Deutsche Bank in der ZDF-Spendengala mit einem Riesenscheck auf, den keine Bank annähme, weil er gar nicht durch den Schlitz am Schalter passen würde, spendete 10 Millionen und schaffte es, mit Haarkranz als deutscher Siegfried zu strahlen. Und insgeheim fragte sich jeder, was die Deutsche Bank ausgefressen hatte, um so großzügig mit den Geldern ihrer Kontoinhaber umzugehen. Aber dennoch war es toll von der Deutschen Bank. Michael Schumacher, der Mann mit der unverwechselbaren Kinnlade, war schon vorher ein deutsches Markenzeichen, jetzt machte er sich nicht nur als Steuerflüchtling und Formel-Eins-Pilot, sondern auch als Spender einen Namen, und zwar einen, der genannt werden wollte im Unterschied zu den anonymen Spendern, die in eine Katastrophe investierten, an die sich heute kaum mehr jemand erinnert und die Helmut Kohl hieß.

 

 


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