Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Fritz Kuhn

Von Klaus Bittermann

Kuhn, Fritz – 2002 war gar kein so schlechtes Jahr. Fritz Kuhn gab damals sein Amt als Parteivorsitzender der Grünen ab. Okay, das war jetzt noch nicht der richtige Bringer, und ehrlich gesagt hat mich das auch gar nicht interessiert, aber das eigentlich Gute an diesem Jahr war, dass man in Folge dieser Mandatsniederlegung ihn nicht mehr so häufig im Fernsehen ertragen musste, denn ihn zu sehen und zu hören war immer eine harte Prüfung. Wenn er vor sich hin schwäbelte, ohne die Miene zu verziehen, gleicht er ein bisschen Frankenstein in einer Miniaturausgabe. Aber er verbreitet keinen Schrecken, sondern nur das Flair von »Wir könne alles, außer Hochdeutsch«, er besticht durch bräsige Behäbigkeit und bornierte Piefigkeit. Sein liebstes Motto ist »Wir gebe nix«, eine Sparschweinmentalität, die bestens harmoniert mit der Partei der Besserverdienenden, die die Grünen sind. Sein zweitliebstes Motto lautet »Mit grünen Ideen schwarze Zahlen schreiben«. Und damit ist die Kleinkariertheit der heilen Welt von Fritz Kuhn ganz gut getroffen.

Seit Juni ist er aus der Versenkung wieder aufgetaucht, in der er sich als normaler Bundestagsabgeordneter befand. Eine harte Prüfung, aber er hielt die Stellung, weil er eine Verpflichtung gegenüber dem Wähler spürte. Jetzt ist Fritz Kuhn Wahlmanager der Grünen, und als solcher verfolgt er eine Strategie, die so wenig originell, so bieder, altbacken und ranzig ist, so fade und abgestanden, dass sie genauso gut von jeder anderen Partei stammen könnte, von der sich Kuhns Grüne angeblich unterscheiden. Kuhn will die Wähler »mit klaren Argumenten« überzeugen. Potzblitz. Wer hätte das gedacht? Kuhn will Nähe zum Wähler schaffen. Auch dies ist eine tolle Idee, die von jedem Wahlkampfleiter jeder Partei schon tausendmal durchgenudelt wurde. Und schließlich plädiert Kuhn auch noch dafür – man glaubt es nicht –, dass es »sozial gerechter zugehen muss«. Und was auch niemand gedacht hätte: »Wir haben beim Thema gerechte Globalisierung, also Sicherheit, Armutsbekämpfung, Menschenrechte, sehr stark an Kompetenz zugelegt.« Hier kommt der »Professor für sprachliche Kommunikation« ganz zu sich, denn nur einem solchen gelingt es, beim Thema Menschenrechte an Kompetenz zuzulegen, d.h. präzise auf dem Punkt zu bringen, dass ihm selbige nicht weniger am Arsch vorbeigeht als – sagen wir mal – Stoiber oder irgendeinem anderen Kompetenzler, für den Menschenrechte nur dann von Bedeutung sind, wenn man mit ihnen als schaumsprachliches Beiwerk beim Wähler punkten kann.

In der »Wähl-Bar« der Grünen in Berlin, die sich aus guten Gründen auf »Quäl-Bar« reimt, stehen grüne Minister zum Anfassen zur Verfügung. »Dort kann man mit Verbraucherschutzministerin Renate Künast einkaufen gehen oder mit mir zum Bahnchef Hartmut Mehdorn gehen und ihm sagen, was man von der Bahn hält, oder mit Umweltminister Jürgen Trittin Solarboot fahren.«

Warum, bitte schön, sollte ich auf die absurde Idee verfallen, mit Renate Künast einkaufen zu gehen? Gehe ich schon mit mir nahestehenden Personen ungern einkaufen, warum also mit einer mir völlig Fremden? Um mir womöglich von ihr erzählen zu lassen, dass ich als erstes schon mal eine Tragetasche mitnehmen müsse, um nicht zur umweltschädigenden Produktion von Plastiktüten beizutragen? An solchen Wahlkampfaktionen sieht man, wie verzweifelt die Grünen ihrer Klientel hinterher sind. Denn auch für Renate Künast muss es doch der Horror sein, mit irgendwelchen klugscheißerischen Naturschützern und Körnerfressern unterwegs zu sein und sich darüber aufklären zu lassen, wo überall Giftstoffe drin sind. Nicht dass ich Mitleid mit Renate Künast hätte, wenn sie vom Fritz Wepper der Grünen zum Einkaufen mit Wahlvolk verdonnert wird, denn schließlich wollte sie es ja nicht anders, aber man bekommt eine Ahnung davon, wie das grüne Grauen aussieht.

Aber Fritz Kuhn ist manchmal auch sehr witzig, auch wenn er es nicht weiß. »Wir haben ein Programm«, sagt Kuhn kühn, »mit dem man regieren kann. Es ist aber auch ein Programm, mit dem man Opposition machen kann.« Okay, es gibt bessere Witze, aber für einen Schwaben ist er ganz beachtlich. Das Programm jedenfalls ist offensichtlich so vielseitig wie beliebig und wahrscheinlich würde Kuhn sogar seine Qualität als Klopapier preisen, wenn er damit ein paar Stimmen einsacken könnte, auch wenn es sich auf Hochglanzpapier gedruckt eben nicht dafür eignet. Oder ist es graues Umweltpapier? Dann nehme ich alles zurück.

Fritz Kuhn versucht alles als Erfolg für die Grünen zu verbuchen, selbst wenn sich die Sache als Rohrkrepierer erwiesen hat, wie im Falle Angelika Merkel und der Frauenfrage: »Bei uns sind in der Bundestagsfraktion mehr Frauen als Männer, und wir haben es den Frauen in den anderen Parteien leichter gemacht. Mal zugespitzt gesagt«, sagt Kuhn von einem plötzlichen Wagemut überwältigt, den man sonst gar nicht von dem vorsichtigen Schwaben kennt, »dass in Deutschland jetzt eine Frau Kanzlerkandidatin sein kann, ist auch ein Erfolg von uns.« Na Klasse: Toller Erfolg! Vielen Dank, ihr Grünen, dass ihr uns die eingebrockt habt! An diesem großartigen Argument sieht man, dass es Kuhn auf Inhalte wenig ankommt, auch wenn von ihnen permanent die Rede ist. Einem Hartz IV-Empfänger ist es nämlich reichlich egal, ob ihm unter einem weiblichen oder männlichen Regierungschef die Zuwendung gekürzt wird, ob sich seine Situation unter einer als Kohl-Liebchen Karriere machenden Zonen-Tussi nicht ändert oder unter einem Schröder, der es sich Milliarden kosten ließ, um den Sozialstaat kaputt zu sanieren, und über den Funny van Dannen mal gedichtet hat: »Wir dachten schon die Welt ist schlecht und die Menschen würden immer blöder / aber jetzt sieht alles anders aus, danke, Gerhard Schröder.«

 

 


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