Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Gerhard Schröder

Von Klaus Bittermann

Schröder, Gerhard – Mit der größten sozialen Umstrukturierungsmaßnahme in der Geschichte Deutschlands, mit Hartz IV, hat sich Gerhard Schröder unsterblich gemacht, denn diese Maßnahme hat den Steuerzahler mehr gekostet als in absehbarer Zeit durch sie eingespart wird, was, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, das eigentliche Ziel war. Da es aber nur um ein paar läppische Milliarden geht, hat dieser Fehlschlag Schröder für höhere Aufgaben qualifiziert, denn das ist eine Grundregel im Wirtschaftsleben: Je mehr man in den Sand setzt, desto besser für die Karriere. Nur bei der Hinterziehung von ein paar hundert Euro oder beim Klauen einer Schokolade für zwei Euro sollte man sich nicht erwischen lassen, denn das kann übel enden, da wird schon mal die ganze Härte des Rechtsstaats in Anwendung gebracht, um solchem kriminellen Treiben eine schnelles Ende zu bereiten. Das, was Schröder den als „Sozialstaatsschmarotzern“ von ihm und his masters voice Clement beschimpften Arbeitslosen vorwarf, nämlich abzugreifen, was abzugreifen geht, macht Schröder nun selber. Und wie es aussieht, hat Schröder zu keinem anderen Zweck den Kanzler gegeben, denn als Kanzler hat er die Beziehungen geknüpft, die ihm jetzt finanziell zugute kommen.

Unter den westlichen Regierungschefs hat Schröder mit dem drittklassigen Showmaster Berlusconi, der für die Moderation einer Sendung wie „Tuttifrutti“ hervorragend geeignet gewesen wäre, kräftig die Trommel für Putin gerührt. Putins Politik der Tabula rasa in Tschetschenien wurde von Schröder als das Vorgehen eines vorbildlichen Demokraten gerühmt, und auch gegen die widerrechtliche staatliche Aneignung des auf 40 Milliarden US-Dollar geschätzten Ölkonzerns Yukos ohne jegliche Kompensation, als Putin seinen Gegner und Regimekritiker Michail Chodorkowskij einfach verhaften und verurteilen ließ, hatte Schröder nichts einzuwenden. Schröder soll sogar deutsche Banken aufgefordert haben, Gelder für die Zerschlagung des Yukos-Konzerns locker zu machen. Kann sein, dass Schröder Putin dafür bewunderte, wie er missliebige Unternehmer einfach ins Gefängnis steckte und wie er sich lukrative Betriebe unter den Nagel riss. Aber die Sache hatte noch eine andere Seite: Die Zerschlagung von Yukos hatte einen enormen Imageschaden zur Folge bei allen Investoren, die mit dem erfolgreichsten russischen privaten Ölkonzern zu tun hatten. Klar, dass man in der freien Marktwirtschaft solche Dinge nicht gerne sieht. Schröder ist jetzt genau der richtige Mann, um im Aufsichtsrat des staatlichen Gasprom-Konsortiums das Image wieder aufzuwerten. Gegen eine entsprechende Entlohnung, versteht sich. Bis zu einer Million reichen die Schätzungen. Dafür hat es sich gelohnt, Putin die Stange gehalten zu haben, auch wenn Putin einem Saddam Hussein, Henry Kissinger oder Richard Nixon nicht wirklich nachsteht. Schröder behauptet, es für einen guten Zweck zu tun und über Geld sei gar nicht gesprochen worden. Der gute Zweck, nämlich der Bau einer rund 5 Milliarden teuren Pipeline, die durch die Ostsee bis nach Mecklenburg-Vorpommern verlegt werden soll, ist fraglich, weil man sich in der wichtigen Energiefrage zu sehr von jemanden abhängig macht, für den keine demokratischen Kontrollen gelten und dessen diktatorische Anwandlungen offenkundig sind. Und warum sollte man über Geld sprechen, wenn es in absehbarer Zeit aufs Konto fließen wird?

Noch im August 2005, mitten im Wahlkampf, dementierte Schröders Sprecher Bela Anda Gerüchte, der Bundeskanzler spekuliere auf einen Job bei Gasprom. „Das ist absurd“, sagte er, und zwar genauso absurd, wie davon auszugehen, dass ein Politiker sich von einem ethischen Prinzip leiten ließe und nach seinem Ausscheiden aus der Politik seine Beziehungen nicht in bare Münze umsetzen würde. Warum sollte er das tun? Weil die Niete Westerwelle von einem „Ehrenkodex“ quakelt? Weil ausgerechnet die FDP einen „Hauch von Korruption“ wittert? Als ob man nicht selber schon einige Korruptionsaffären überstehen musste. Nur ist dabei nie soviel herausgesprungen wie jetzt bei Schröder. Das macht die Leute neidisch, und deshalb schwingen sie die Moralkeule und behaupten, Schröder verstoße gegen ein sittliches Gebot. Aber Geld ist nicht der Punkt bei Schröders neuem Lebensabschnitt, denn er tut jetzt als Privatmann, wofür er sich auch als Staatschef stark gemacht hat. Der Punkt ist, mit wem er sich eingelassen hat. Nämlich mit Putin. Und niemand der jetzt moralisch schwer empörten Politiker fand das besonders anstößig. Schröder gewann 2002 die Wahlen, weil er die antiamerikanische Stimmung im Lande ausnutzte. Wegen seiner Affäre mit Putin musste er nie damit rechnen, auch nur eine Stimme zu verlieren.

„Dieser neue Job ist doch nichts anderes als eine Bezahlung für die Dienste für Putin, für die Loyalität und das Augen-Zumachen, etwa gegenüber dem blutigen Krieg in Tschetschenien“, sagt der russische Bürgerrechtler Leonid Sedow. Man mag das beklagen, dieser Vorgang gehört jedoch in der Politik zum System und funktioniert nicht anders als bei der Mafia, wo man für seine Verdienste auch irgendwann mit einem lukrativen Pöstchen belohnt wird, weil man weiß, dass die Beziehungen dieses Mannes dem Unternehmen noch wertvolle Dienste leisten werden. Schröders Beraterposten beim Schweizer Verleger Michael Ringier ist dabei noch ein kleiner Fisch. Schröder soll dort künftig den russischen Medien-Markt erobern, den sein Kumpel Putin gleichgeschaltet hat. Und im Gasprom-Deal sorgt sein ehemaliger Kanzleramtschef Steinmeier für Kontinuität, der als guter Freund des Vize-Premierministers Dimitij Medwedew gilt. Der wiederum ist nebenher Aufsichtsratschef bei Gasprom. Das ist wie im wirklichen Leben, wo nicht Qualifizierung einen weiterbringt, sondern Vitamin B. Die Frage ist nur, ob man sich auf alles und jeden einlässt, und wo die Grenze verläuft. Putin jedenfalls ist nichts anderes als Mafia, ein durch geknallter Gangster und übler Schurke, von dem sich Bush noch ein paar Scheiben abschneiden könnte. Sag mir also, wer deine Freunde sind und ich sage dir, wer du bist.

 

 


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