Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Peter Hahne

Von Klaus Bittermann

Hahne, Peter – Das Flaschenpfand Gottes wurde an dieser Stelle zwar schon im letzten August gewürdigt, aber manchmal drängen sich die VIPIs, die „Very Important Persons Indeed“, so aufdringlich auf, dass man ihnen den Wunsch einfach nicht abschlagen kann, auf sie aufmerksam zu machen, wenigstens mal hinzuweisen, und sei es auch nur an einer entlegenen Stelle. Man ist schließlich kein Unmensch. Man hilft ja auch gerne, vor allem älteren Menschen, die die Tinte nicht mehr halten können und denen aus der Gehirnschale suppt, was sich als Intellekt beim besten Willen nicht bezeichnen lässt.

Peter Hahne kommt aus der Gesellschaft für Warnen und Mahnen und ist Mitglied im Verein Lall und Lüll. Man kann ihm nicht nachsagen, daß er schon mal eine breitgetretene Meinung links liegen gelassen und nicht noch mutig und tapfer verteidigt hätte. Aufrecht steht er ganze vorne an der Front der Labertaschen und Erbauungsfritzen und schützt die Grundwerte der Gesellschaft. Dabei macht er sich ständig Gedanken, wenn man das denn so nennen will, was anschließend als Resultat auf Bild-Zeitungspapier gedruckt ist, Gedanken über den Zustand Deutschlands im allgemeinen, aber auch und nicht zuletzt im besonderen. Hahne ist so etwas wie der Kummerkastenonkel Deutschlands, der die Deutschen wieder auf den Pfad der Tugend, des Fleißes und des Anstands zurückführen möchte. Er ist die gesamtdeutsche Instanz für Moral und Sitte. Ganze Wälder werden abgeholzt, um seine Moral-Traktätchen zu drucken und unter die Leute zu bringen.

Auch Hahne schaltete sich in die Debatte um die Mohammed-Karikaturen ein. Als christlicher Fundamentalist weiß er, wie die Moslems, seine Brüder im Geiste fühlen. Er ist selber ein bißchen ein Moslem. Die regen sich wenigstens noch auf und fackeln dafür auch mal eine Botschaft ab, konzediert er anerkennend, wenngleich das »selbstverständlich« etwas übertrieben ist, aber der Moslem läßt sich eben nicht auf seinen religiösen Gefühlen herumtrampeln, und das bewundert Hahne an ihnen.

»Meint ihr, ich finde es witzig, wenn das Kreuz von Jesus Christi als Klopapierhalter verhöhnt wird?« ließ Hahne den unbekannten Soldaten unter seinen Kollegen rein rhetorisch fragen. »Das Kreuz als Kernsymbol christlichen Glaubens so in den Dreck zu ziehen, wie das vor Jahren ein deutsches Satiremagazin machte – verglichen damit seien die dänischen Zeitungen geradezu harmlos.« Hahne hätte deshalb viel mehr Grund als die Moslems, zur Fatwa gegen die Ungläubigen in Deutschland aufzurufen, schlittert aber schnell wieder in die journalistische Schleimspur zurück und erklärt, daß »natürlich«, denn »natürlich« ist die Selbstverständnisvokabel des Nichtssagenden, daß »natürlich« »Presse- und Meinungsfreiheit hohe Grundwerte sind«. Die Presse- und Meinungsfreiheit jedoch, für die Hahne eintritt, ist nicht nur eine Meinungsfreiheit, der gegenüber die Meinungsfreiheit in der DDR im nachhinein geradezu pluralistisch anmutet, es kann mit ihr auch nicht weit her sein, wenn sich Leute ihrer annehmen, die noch nie etwas anderes hatten als eine Allerweltsmeinung. Ganz abgesehen davon, dass die Meinungsfreiheit auch ihre Grenzen hat: »Was ist uns denn eigentlich noch heilig? Achselzuckend gehen Christen trotz Spott und Hohn für Gott und seinen Sohn zur Tagesordnung über, während Moslems sich gegen die Verhöhnung ihres Religionsgründers wehren.«

Hier spricht der blanke Neid aus Hahne. Muss man sich den Moslem nicht als glücklichen Menschen vorstellen, wenn er den Ungläubigen einfach einheizt, wenn ihm danach ist? Hahne würde selbst gern ein Mullah sein, der eine blökende Herde von Fanatikern aufhetzen und dirigieren könnte, die sich willig lenken ließe, um jene zu strafen, die sich nach Meinung Hahnes der Gotteslästerung schuldig gemacht haben. Meinungsfreiheit hört für den Mullah vor dem Berliner Reichstag bei Blasphemie auf, also genau da, wo sie erst anfängt und sich beweisen könnte. Aber soweit geht die Liebe zur Meinungsfreiheit dann auch wieder nicht, dass sie sogar für den Abschaum der Menschheit gelte, oder für Künstler oder Kabarettisten, es sei denn sie haben »konstruktive Kritik« zu bieten. Das genau ist die Voraussetzung, von der Adorno sagte, dass sie für die »Identifikation mit der Macht« konstituierend sei, zu der Hahne mit aller Macht drängt.

Fett gedruckt wettert Hahne weiter: »Wenn uns nichts mehr heilig ist, was soll unsere Gesellschaft dann noch zusammenhalten?« Tja, was wohl? Kaffeekränzchen und Hahnes Erbauungspredigten, schätze ich. »Quellen kultureller Orientierung sind zu kostbar, um dem hemmungslosen Klamauk ausgeliefert werden zu dürfen. Dazu brauche ich keine Gesetze, sondern Verstand«. Verstand? Ist das nicht ein klein wenig zu hoch gegriffen bei Hahne und seiner Klientel? »Es geht nicht um Recht, sondern um Respekt«, denn Respekt fordern vor allem Schnulzensänger und Billigmeinungsmacher, bei denen einem Respekt zuletzt einfällt, wenn es um die Frage geht, was sie verdient haben könnten.

»Oder, um es ganz deutlich zu sagen: Wer seine Religion lebt und liebt, muß sich nicht verspotten lassen.« Wer jedoch wie Peter Hahne andere damit belästigt, Propaganda betreibt und missionarisch seinen Glaubenswahn in aller Öffentlichkeit ausbreitet, ja sogar anderen damit droht, bei einem solchen olivenöligen Mann ist es sogar Bürgerpflicht, ihn zu verspotten, vor allem, weil er sein Unwesen ganz offen treibt, statt seiner gläubischen Neigung in aller Stille nachzugehen, ohne andere damit zu belästigen, denn das wäre die Voraussetzung, um an ihm das Interesse zu verlieren und ihn in Ruhe zu lassen. Solange das aber nicht so ist, sind solche Karikaturen über Jesus als Klorollenhalter, als Türstopper und Flaschenöffner vom genialen Zeichner Wolfgang Herrndorf, die 1995 in der Titanic erschienen, immer noch vorbildhaft.

 

 


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