| Herman,
Eva – Auf die arme Eva Herman ist schon viel
Kritik niedergeprasselt, von Kritikerinnen, die gerne das Offensichtliche
kritisieren und mit großem Eifer offene Scheunentore einrennen,
den sie gerne als Courage und Engagement ausgeben. Claudia Roth,
selber ja ganz vorne in der Hitparade der peinlichen Personen,
erklärte merkwürdigerweise mal ohne Betroffenheitstremolo
in der Stimme: »Wir brauchen keine Rücknahme der
Emanzipation, keine Stimmungsmache gegen berufstätige Frauen,
sondern einen Schritt vorwärts.« Ein Schritt vorwärts
ist immer gut, egal wohin. Zwei Schritte zurück ging es
dann mit der quäkenden TV-Moderatorin Margarethe Schreinemakers:
»Ich empfinde es so, als würde sie sich und ihr gewiss
nicht ganz einfaches Leben nun öffentlich selbst therapieren.
Doch dafür muss sie ja nicht gleich alle Frauen treten.«
Wenn die sanfte Eva Herman alle Frauen tritt, dann möchte
man nicht wissen, was eine Margarethe Schreinemakers mit den
Frauen anstellt. Und Alice Schwarzer, die ekligste Betriebsnudel
in der an Betriebsnudeln nicht armen Fernsehlandschaft, krawallte
»Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule«,
und machte das Denunziantenschwein, indem sie einen Newsletter
verschickte, auf dem die Telefonnummer, Fax und E-Mail des Chefredakteurs
von Eva Herman angegeben war mit dem Hinweis, die Entlassung
des Muttchens zu fordern. Es gibt eben keine von Bild durchs
Dorf gejagte Sau, an deren Hatz Alice Schwarzer sich nicht beteiligen
würde.
In dieser allgemeinen
Empörungsstimmung gegen die arme Eva Herman, der man offensichtlich
zutraut, die Errungenschaften der Emanzipation ganz allein wieder
abzuschaffen, übersah man jedoch das Naheliegende, nämlich
dass es sich bei Eva Herman vor allem um eine humoristische
Autorin handelt. Daran lässt sie schon in ihrem »Prolog«
keinen Zweifel: »Wir marschieren im Stechschritt durch
einen anstrengenden Alltag voller Widersprüche.«
Als eine mit Stechschritt durch einen anstrengenden Alltag voller
Widersprüche marschierende Autorin macht sie sich auch
noch Sorgen um unsere globale Zukunft: »Denn es geht um
unsere Zukunft, um die Zukunft unserer Kinder, um den Fortbestand
unserer Gesellschaft. Werden wir aussterben, wird unser Land
in wenigen hundert Jahren brachliegen?« Uiui, das sind
so Fragen, die sich seit Schirrmacher heute jeder stellen muss,
der in der um ihren Fortbestand besorgten Gesellschaft ernst
genommen werden will. Eva Herman und ihre Kritikerinnen sind
jedenfalls gute Gründe dafür, dass es besser ist auszusterben.
Aber Eva Herman gibt so leicht nicht auf: »Gerade als
Journalistin werde ich ständig mit den Missständen
unserer Gesellschaft konfrontiert...« Dass Eva Herman
sich als Journalistin bezeichnet ist sehr lustig, but why the
hell not in Zeiten, wo sich jeder als Journalist bezeichnen
kann, der keinen geraden Satz zustande bringt. Als Tagesschausprecherin,
die sich für ihre Zuschauer extra fein macht, guckt sie
nämlich in die vielen angeschlossenen Haushalte und was
muss sie sehen? Statt nette adrette Menschen, die sich so wie
früher auch extra fein machten für Herrn Karl-Heinz
Köpcke, sieht Eva Herman »Vereinsamung und Vernachlässigung«,
»zerrüttete Familien und überforderte Frauen.«
Das sind schlimme Erfahrungen, die sie ihrem Beruf als Journalistin
verdankt. »Dem privaten Teil meines Lebens, als Partnerin
eines Mannes, verdanke ich ebenfalls wichtige Erfahrungen, die
keineswegs nur aus Friede, Freude, Eierkuchen bestanden.«
Okay, man muss schon
mit dem richtigen Fuß aufgestanden sein, damit einem solche
Sätze noch ein Schmunzeln entlocken. Und meistens steht
man eben doch mit dem falschen Fuß auf und dann wird der
Humor von Eva Herman schnell schal und unerträglich, weshalb
man ihr Buch »Das Eva Prinzip« nicht am Stück
lesen kann, ohne anschließend aus dem Mund zu riechen.
Eva Herman ist eine Fließbandproduzentin von gestanzten
Tagesschausätzen, die sich an Banalität schwer überbieten
lassen, ein in Scheiße gemeißeltes Worthülsen-Monument
der Sinnlosigkeit reiht sich an das andere und verbreitet schlechtes
Karma. Es geht erbarmungslos immer weiter: »Es ist höchste
Zeit, Bilanz zu ziehen. Ich tue das nicht als Wissenschaftlerin,
die Theorien sammelt und vergleicht, sondern aus der praktischen,
persönlichen Erfahrung und Beobachtung heraus.« Der
Hinweis darauf, dass sie keine Theorien sammelnde Wissenschaftlerin
ist, um bloß keine Missverständnisse aufkommen zu
lassen, weil sonst alle möglichen Leute auf die Idee kommen
könnten: Ooch, die Herman, die ist doch bestimmt Wissenschaftlerin,
die Theorien sammelt, also dieser Hinweis ist schon wieder ganz
nett, aber was hat sie wirklich mitzuteilen? Ja genau, schwer
zu sagen. Was sie zu sagen hat, tut sie aus ihrer Erfahrung
heraus, denn mit Erfahrung, gern auch der »eigenen«
oder »persönlichen« Erfahrung, täuscht
man Glaubwürdigkeit vor. Man gibt vor, nur über Dinge
zu urteilen, die man aus eigener Anschauung kennt. Das genaue
Gegenteil ist der Fall: Man hat sich nicht mit dem Gegenstand
beschäftigt, schwadroniert aber darüber wie es Eva
Herman in ihrer Talkshow ausgiebig tut.
Aber dieser Artikel
soll nicht analytisch enden. Das wäre Eva Herman nicht
angemessen und schließlich soll man auch nicht mit Kanonen
auf Eva Hermann schießen, und deshalb werfen wir noch
einen Blick darauf, was uns Eva Herman über »Die
Krise der Sexualität« zu sagen hat und zwar aus ihrer
»persönlichen Erfahrung« heraus: »Mit
der Existenz zweier Geschlechter und dem Prinzip der Fortpflanzung
wurden Instrumente geschaffen, um das Überleben sicherzustellen.
Der Sexualtrieb sorgte für die andauernde Erneuerung unserer
Welt, ganz gleich, welche kulturellen Einflüsse wirksam
wurden und welche geschichtlichen Entwicklungen sich ereigneten.«
Soso, gut, dass es Eva Herman uns gesagt hat. Aber Probleme
dräuen: »Sollten wir momentan tatsächlich im
Begriff sein, uns von unserem Reproduktionsprogramm zu lösen?«
Auweia! Lösen Sie sich niemals von Ihrem Reproduktionsprogramm!
Die ideale Eröffnung, um die Bekanntschaft einer Frau zu
machen. Aber weiter: »Wir sollten zunächst einmal
klären, was der Begriff ‚Sexualität‘ bedeutet.«
Okay, denken wir, jetzt geht’s mal endlich zur Sache.
Aber dann schlägt Eva Herman im Lexikon nach, das Sexualität
als »die Geschlechtlichkeit, die Gesamtheit der im Sexus
begründeten Lebensäußerungen« definiert.
Tja, das kommt davon, wenn man im Lexikon nachschlägt.
Und was folgt daraus: »Vieles spricht dafür, dass
die Sexualität zwar eine Naturgewalt ist, dass die Spielarten
gelebter Sexualität aber großen Schwankungen unterliegen.«
Was soll man da noch sagen? Eigene Erfahrung eben. Da kann unsereiner
nicht mitreden.
Auf
der Titelseite der BamS wurde Eva Herman mit dem Satz zitiert:
»Frauen sollten öfter mal den Mund halten.«
Sie hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Eine contradictio
in adjecto und eben deshalb eine Kunst.
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