| Würdig,
Paul – Paul Würdig? »Wer issn das?«,
werden Sie fragen, und das zu Recht. »Das ist der Typ,
der echt scheiße aussieht«, sage ich. Daraufhin
Sie: »Das ist doch unterste Gürtellinie. Keine Witze
über Namen und übers Aussehen.« Und schon wieder
haben Sie recht. Normalerweise jedenfalls. Aber es gibt Ausnahmen.
Und diese Ausnahme heißt mit Künstlernamen, unter
dem Ihnen der Typ wahrscheinlich ein Begriff ist und unter dem
er zur mentalen Umweltverschmutzung beiträgt, Sido. Früher
verbarg er seine fies-feiste Fresse mit Fotzenbart, um mal im
Rapper-Jargon zu bleiben, hinter einer lächerlichen silbernen
Totenkopfäffchenmaske. Und das war gut so. »Hey,
nicht schon wieder in diesem Ton«, werden Sie denken.
Aber wie soll man über Leute schreiben, die außer
Entengrütze nichts im Kopf haben und damit einen Haufen
Schotter verdienen?
Sido ist
ein Kürzel und stand für »Scheiße In Dein
Ohr«. Irgendwann fand der Künstler das nicht mehr
so toll, obwohl es inhaltlich voll korrekt war, wenn es um die
Musik von Sido ging. Lieber nannte er sich dann »Super-intelligentes
Drogenopfer«, und diese Bezeichnung enthält mindestens
fünf Lügen und zehn Widersprüche, aber auch eine
Hoffnung, denn Sido wäre ein Drogenopfer, dem man keine
Träne nachweinen müsste. Weil man aber kein Opfer
ist, nur weil man ein paar Drogen ausprobiert hat, hört
man hier nur das Mitleidheischende eines kleinen Arschlochs
heraus. Huhu, ich bin ein armes Drogenopfer, plärrt er
und ist bloß eine Karikatur derjenigen, die wirklich zerlumpt
und zugedröhnt auf der Straße sitzen und tatsächlich
kurz davor stehen, den Löffel abzugeben.
Das Super-intelligente
Drogenopfer fing schon früh an: »Es fing an mit 13
und ner Tube Gleitcreme. Da braucht man nicht erst lockern,
sondern kann ihn gleich reinschieben. Kathrin hat geschrien
vor Schmerzen, mir hats gefallen (...) ihr Arsch hat geblutet,
und ich bin gekommen. Seit diesem Tag singe ich den Arschficksong.«
Mit dieser schwyrigen Lyrik wurde Sido mit dem Index ausgezeichnet,
den er sich seither wie einen Verdienstorden an die Brust heftet.
Nein, den Index hat dieser Stummeltext nicht verdient, weil
man ihn erst durch ein Verbot interessant macht. Man schützt
auch keine Jugendlichen davor, die längst wissen, wie man
an indizierte Scheiße rankommt, wenn sie sie unbedingt
wollen, und die naiv genug sind, Paul Würdigs wirres Gebrabbel
ernst zu nehmen. Auf seinem neuen Video behauptet er: »Ich
bin kein Gangster, kein Killer, ich bin kein Dieb, ich bin nur
ein Junge von der Straße.« Wie süß. Hört
sich irgendwie an wie Freddie Quinn.
Der stern
wollte mal wissen, ob Sido ein »Problem mit Frauen«
hat. Dazu Herr Würdig: »Ich schere nicht alle Frauen
über einen Kamm, weißt du«, und irgendwie,
weißt du, weiß man sofort, das Gegenteil ist wahr
und wörtlich zu nehmen. Aber hey Alter, egal. Lassen wir
den Künstler weiterreden: »weißt du, aber mit
dem größten Teil der Frauenheit gibt es krasse Konflikte:
mit meinem Wunschdenken von der perfekten Frau auf der Welt
und so. Weißt du, die meisten Frauen, die ich gerade treffe,
bei denen läuft es so: Treffen. – Ficken. –
Mal hier und da telefonieren. – Ficken. – Telefonieren.
– Ficken. – Nie wieder sehen!« Weshalb so
fragt man sich, telefonieren die zwischen dem Ficken? Und mit
wem? Mit Mama? Weil alles Nutten sind außer Mama? Und
woran mag es wohl liegen, wenn es keine Frau bei ihm aushält?
Weil das Super-intelligente Drogenopfer ihnen auf zärtliche
Weise den Arschficksong vorsingt? »Leider gibt es viele
Frauen, die haben keine Würde und keinen Respekt«,
wundert sich Paul Würdig. Wie aber sollte das auch gehen,
wenn man sich auf einen wie Paul Würdig einlässt?
Da könnte man sein Gesicht auch gleich in einen Haufen
Hundescheiße stecken. Nirgendwo auf der Welt dürften
Begriffe wie Respekt und Würde weiter entfernt sein als
im Universum, in dem sich Paul Würdig aufhält, weshalb
Leute wie er sie auch ständig in den Mund nehmen. Es ist
kein Widerspruch, sondern logisch, dass es Arschgesichter wie
Paul Würdig sind, die Respekt von anderen einfordern, selber
aber ein Verhalten an den Tag legen, demzufolge Respekt nur
ein schlimmer, nässender Furunkel sein kann. Dabei geht
es nicht darum, die Respektlosigkeit Jugendlicher zu verdammen,
aber sie sollten sich anschließend nicht darüber
beschweren, wenn sie dafür eine aufs Maul kriegen. Das
wäre fair und sportlich. Wie der letzte stinkende Waschlappen
jedoch darüber zu lamentieren, jemand würde einem
»lächerlichen Plastikfurz« wie Sido den Respekt
verweigern, verrät nur, was man für ein armseliges
Würstchen vor sich hat, das nicht mal in Senf getunkt zu
werden verdient.
Diese miese
Tour, sich vor der Eigenverantwortung zu drücken und alles
auf die Gesellschaft zu schieben, weil man selber nicht in der
Lage ist, auch nur einen klaren oder rudimentär logischen
Gedanken zu fassen, ist das fürchterliche an solchen schleimigen
Kotzbrocken wie Paul Würdig, nicht nur weil sie jede halbwegs
berechtigte Gesellschaftskritik lächerlich machen, sondern
weil sie sich dahinter verstecken. »Ich bin dafür
nicht verantwortlich. Die ganze Gesellschaft heutzutage ist
so, weißt du. Das bin ja nicht nur ich. Ich spiegele das
nur wider. Ich mache nur darauf aufmerksam, weißt du.«
Oder wie es in einem Songtext heißt: »Die Welt ist
ein Haufen Scheiße«, und Paul Würdig spiegelt
sie wider. Toll. Was kann so ein Mensch wohl für ein Ziel
vor Augen haben? »Weißt du, Wetten dass...? ist
immer noch meine Sendung aller Sendungen. Spielen bei Gottschalk
reicht auch.« Da würde er gerne hin, und es wird
nicht mehr allzulange dauern, bis ihn der Minipli der Nation
Gottschalk einlädt, dem er dann ein Ohr abkauen kann, wie
schlimm das damals war, als »wir Weihnachten bankrott
waren und Mama weinte.« Dann hat er es geschafft, den
Haufen Scheiße nicht nur zu spiegeln, sondern selber zu
sein.
Oder wie
es der von mir hoch verehrte Herr Off weit besser auf den Punkt
gebracht hat: »Uns ehemaligen Berufsjugendlichen, die
wir dem heimischen Sprechgesang spätestens seit dem Auftauchen
der Hotzenplotz-Darsteller um den Mummenschanzfetischisten Sido
(Meine Wohnung, mein Block, meine Bettnässer-Selbsthilfegruppe)
einen kräftigen Tritt in die übervolle Blase verabreicht
haben, treibt diese neue Metastase im Fäulnisbeschleuniger
Showgeschäft natürlich nur ein altermildes Lächeln
ins Gesicht, bevor wir den geistesschwachen Irrlichtern gemeinsam
mit dem größten aller lebenden Freestyler, mit Herbert
Wehner also, zurufen: „Deutschland von der Karte streichen,
Frankreich muss bis Polen reichen!“«
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