Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Paul Würdig

Von Klaus Bittermann

Würdig, Paul – Paul Würdig? »Wer issn das?«, werden Sie fragen, und das zu Recht. »Das ist der Typ, der echt scheiße aussieht«, sage ich. Daraufhin Sie: »Das ist doch unterste Gürtellinie. Keine Witze über Namen und übers Aussehen.« Und schon wieder haben Sie recht. Normalerweise jedenfalls. Aber es gibt Ausnahmen. Und diese Ausnahme heißt mit Künstlernamen, unter dem Ihnen der Typ wahrscheinlich ein Begriff ist und unter dem er zur mentalen Umweltverschmutzung beiträgt, Sido. Früher verbarg er seine fies-feiste Fresse mit Fotzenbart, um mal im Rapper-Jargon zu bleiben, hinter einer lächerlichen silbernen Totenkopfäffchenmaske. Und das war gut so. »Hey, nicht schon wieder in diesem Ton«, werden Sie denken. Aber wie soll man über Leute schreiben, die außer Entengrütze nichts im Kopf haben und damit einen Haufen Schotter verdienen?

Sido ist ein Kürzel und stand für »Scheiße In Dein Ohr«. Irgendwann fand der Künstler das nicht mehr so toll, obwohl es inhaltlich voll korrekt war, wenn es um die Musik von Sido ging. Lieber nannte er sich dann »Super-intelligentes Drogenopfer«, und diese Bezeichnung enthält mindestens fünf Lügen und zehn Widersprüche, aber auch eine Hoffnung, denn Sido wäre ein Drogenopfer, dem man keine Träne nachweinen müsste. Weil man aber kein Opfer ist, nur weil man ein paar Drogen ausprobiert hat, hört man hier nur das Mitleidheischende eines kleinen Arschlochs heraus. Huhu, ich bin ein armes Drogenopfer, plärrt er und ist bloß eine Karikatur derjenigen, die wirklich zerlumpt und zugedröhnt auf der Straße sitzen und tatsächlich kurz davor stehen, den Löffel abzugeben.

Das Super-intelligente Drogenopfer fing schon früh an: »Es fing an mit 13 und ner Tube Gleitcreme. Da braucht man nicht erst lockern, sondern kann ihn gleich reinschieben. Kathrin hat geschrien vor Schmerzen, mir hats gefallen (...) ihr Arsch hat geblutet, und ich bin gekommen. Seit diesem Tag singe ich den Arschficksong.« Mit dieser schwyrigen Lyrik wurde Sido mit dem Index ausgezeichnet, den er sich seither wie einen Verdienstorden an die Brust heftet. Nein, den Index hat dieser Stummeltext nicht verdient, weil man ihn erst durch ein Verbot interessant macht. Man schützt auch keine Jugendlichen davor, die längst wissen, wie man an indizierte Scheiße rankommt, wenn sie sie unbedingt wollen, und die naiv genug sind, Paul Würdigs wirres Gebrabbel ernst zu nehmen. Auf seinem neuen Video behauptet er: »Ich bin kein Gangster, kein Killer, ich bin kein Dieb, ich bin nur ein Junge von der Straße.« Wie süß. Hört sich irgendwie an wie Freddie Quinn.

Der stern wollte mal wissen, ob Sido ein »Problem mit Frauen« hat. Dazu Herr Würdig: »Ich schere nicht alle Frauen über einen Kamm, weißt du«, und irgendwie, weißt du, weiß man sofort, das Gegenteil ist wahr und wörtlich zu nehmen. Aber hey Alter, egal. Lassen wir den Künstler weiterreden: »weißt du, aber mit dem größten Teil der Frauenheit gibt es krasse Konflikte: mit meinem Wunschdenken von der perfekten Frau auf der Welt und so. Weißt du, die meisten Frauen, die ich gerade treffe, bei denen läuft es so: Treffen. – Ficken. – Mal hier und da telefonieren. – Ficken. – Telefonieren. – Ficken. – Nie wieder sehen!« Weshalb so fragt man sich, telefonieren die zwischen dem Ficken? Und mit wem? Mit Mama? Weil alles Nutten sind außer Mama? Und woran mag es wohl liegen, wenn es keine Frau bei ihm aushält? Weil das Super-intelligente Drogenopfer ihnen auf zärtliche Weise den Arschficksong vorsingt? »Leider gibt es viele Frauen, die haben keine Würde und keinen Respekt«, wundert sich Paul Würdig. Wie aber sollte das auch gehen, wenn man sich auf einen wie Paul Würdig einlässt? Da könnte man sein Gesicht auch gleich in einen Haufen Hundescheiße stecken. Nirgendwo auf der Welt dürften Begriffe wie Respekt und Würde weiter entfernt sein als im Universum, in dem sich Paul Würdig aufhält, weshalb Leute wie er sie auch ständig in den Mund nehmen. Es ist kein Widerspruch, sondern logisch, dass es Arschgesichter wie Paul Würdig sind, die Respekt von anderen einfordern, selber aber ein Verhalten an den Tag legen, demzufolge Respekt nur ein schlimmer, nässender Furunkel sein kann. Dabei geht es nicht darum, die Respektlosigkeit Jugendlicher zu verdammen, aber sie sollten sich anschließend nicht darüber beschweren, wenn sie dafür eine aufs Maul kriegen. Das wäre fair und sportlich. Wie der letzte stinkende Waschlappen jedoch darüber zu lamentieren, jemand würde einem »lächerlichen Plastikfurz« wie Sido den Respekt verweigern, verrät nur, was man für ein armseliges Würstchen vor sich hat, das nicht mal in Senf getunkt zu werden verdient.

Diese miese Tour, sich vor der Eigenverantwortung zu drücken und alles auf die Gesellschaft zu schieben, weil man selber nicht in der Lage ist, auch nur einen klaren oder rudimentär logischen Gedanken zu fassen, ist das fürchterliche an solchen schleimigen Kotzbrocken wie Paul Würdig, nicht nur weil sie jede halbwegs berechtigte Gesellschaftskritik lächerlich machen, sondern weil sie sich dahinter verstecken. »Ich bin dafür nicht verantwortlich. Die ganze Gesellschaft heutzutage ist so, weißt du. Das bin ja nicht nur ich. Ich spiegele das nur wider. Ich mache nur darauf aufmerksam, weißt du.« Oder wie es in einem Songtext heißt: »Die Welt ist ein Haufen Scheiße«, und Paul Würdig spiegelt sie wider. Toll. Was kann so ein Mensch wohl für ein Ziel vor Augen haben? »Weißt du, Wetten dass...? ist immer noch meine Sendung aller Sendungen. Spielen bei Gottschalk reicht auch.« Da würde er gerne hin, und es wird nicht mehr allzulange dauern, bis ihn der Minipli der Nation Gottschalk einlädt, dem er dann ein Ohr abkauen kann, wie schlimm das damals war, als »wir Weihnachten bankrott waren und Mama weinte.« Dann hat er es geschafft, den Haufen Scheiße nicht nur zu spiegeln, sondern selber zu sein.

Oder wie es der von mir hoch verehrte Herr Off weit besser auf den Punkt gebracht hat: »Uns ehemaligen Berufsjugendlichen, die wir dem heimischen Sprechgesang spätestens seit dem Auftauchen der Hotzenplotz-Darsteller um den Mummenschanzfetischisten Sido (Meine Wohnung, mein Block, meine Bettnässer-Selbsthilfegruppe) einen kräftigen Tritt in die übervolle Blase verabreicht haben, treibt diese neue Metastase im Fäulnisbeschleuniger Showgeschäft natürlich nur ein altermildes Lächeln ins Gesicht, bevor wir den geistesschwachen Irrlichtern gemeinsam mit dem größten aller lebenden Freestyler, mit Herbert Wehner also, zurufen: „Deutschland von der Karte streichen, Frankreich muss bis Polen reichen!“«


 

 


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