| Riemann,
Katja – Manche halten sie für eine Schauspielerin.
Schließlich seien die Filme, in denen sie mitspielt, sehr
erfolgreich, argumentieren sie und folgen dabei der Logik: Fresst
Scheiße! Millionen Fliegen können nicht irren. Okay,
war jetzt vielleicht ein wenig menschenverachtend, aber sind
es nicht gerade die Filme mit Katja Riemann, die man sich wegen
ihr dann lieber doch nicht anguckt? Menschen mit ein wenig Geschmack
sagen aus diesem Grund: Sie kann es zwar nicht, schauspielert
aber trotzdem. Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich
mich zu den anderen zähle. Aber darum soll es diesmal nicht
gehen. Ist ja jetzt auch nichts besonderes, wenn Leute ihren
Job nicht können, aber trotzdem erfolgreich sind. Manchmal
erscheint dies sogar als conditio sine qua non, um mal einen
der wenigen Sprüche auszukramen, die von meinem kleinen
Latinum geblieben sind.
Nein, um
die Schauspielkunst der Katja Riemann soll es nicht gehen. Eigentlich
muss man sie sogar in Schutz nehmen, seitdem sie auf die üblich
widerliche Weise von Bild und BZ durch den Dreck der moralischen
Empörung gezogen wird. Ihr neuer Freund hat früher
mal in einigen Porno-Filmen mitgespielt. Auch ein Schauspieler
also, aber im Unterschied zu Katja Riemann hat er rechtzeitig
umgesattelt und wurde Bildhauer. Peinlich nur, dass der Freund
sie offenbar nicht über seine Karriere vor der Kamera aufgeklärt
hat, aber auch das geht niemanden etwas an. Dieses Unterhosenmilieu
ist jedoch genau das Lebenselixier dieser Zeitungen. Damit kriegen
sie die Leute, die wiederum die Filme von Katja Riemann gut
finden. Womit sich ein ganzer Wirtschaftskreislauf schließt,
denn jeder profitiert von jedem, egal, ob man gut Freund ist
oder nicht.
Über
diese Symbiose klärt ein nicht zustande gekommenes Interview
auf, das im »Personality Magazin« Park Avenue veröffentlicht
wurde und für das Marc Fischer verantwortlich zeichnet.
Vermutlich hält sich Marc Fischer für einen Journalisten,
eine berufliche Fehleinschätzung, die er mit Katja Riemann
gemein hat. Er schreibt in großen Publikumszeitschriften,
und wenn man das als Kriterium für Erfolg ansieht, dann
ist er sicherlich erfolgreich, indem er nachweist, dass Bild
mit ihrem abstoßenden und ekligen Schnüffeljournalismus
noch locker in den Schatten gestellt werden kann. Und zwar durch
Marc Fischer. Insofern müsste diese Kolumne eigentlich
über Marc Fischer gehen. Aber wer kennt schon Marc Fischer?
Einigen Kollegen wird er jetzt immerhin als der Mann bekannt
sein, der gerne was mit Katja Riemann gehabt hätte und
das in einem bemüht ironischen Ton versucht, an den Mann
zu bringen. »Wie aus Katja Riemann und mir mal nichts
wurde.« Dabei hatte er sein bestes Hemd angezogen, »mein
dunkelblaues, offenes kubanisches, Guayabera genannt, das ich
nur zu besonderen Anlässen trage«.
Mit heraushängendem
Brusthaar und ebensolcher Zunge tritt Marc Fischer hechelnd
im »lichtdurchfluteten Innenhof des Borchardt« auf
Katja Riemann zu und sagt tatsächlich: »Frau Riemann,
Sie sehen wunderbar aus.« Dass Frau Riemann auf einen
solchen Schleimbeutel keine Lust hat, kann man sogar bei Frau
Riemann verstehen, denn was Marc Fischer vor allem an Katja
Riemann interessiert ist das schwarze Kleid mit dem »scharfen
Ausschnitt«, in den er gerne hüpfen würde. Pervers
ist dabei nicht der Wunsch an sich, sondern dies für eine
interessante mitteilenswerte Angelegenheit zu halten, und das
noch dazu bei Katja Riemann, die ungefähr soviel Erotik
versprüht wie eine mit Muskelaufbaupräparaten vollgepumpte
russische Hammerwerferin. »Glücksgefühle durchströmen
mich. Jesus Christus, warum hat noch nie einer geschrieben,
wie sexy sie ist (...) Ich hatte gute Lust, ihr den Heiratsantrag
zu präsentieren (...) Ihren Ex Peter Sattmann hatte sie
ja zum Glück schon vor Jahren verlassen«, wie das
Ex-Männer eben so an sich haben. Und was sagt dieser mit
offenem Hosenlatz herumlaufende Journalist, dabei mit den Wimpern
klimpernd (»für einen Mann sind meine recht lang«):
»Was trinkt die Dame? Weinchen? Der Sancerre soll hier
ja ganz hervorragend sein.«
Was man
Katja Riemann in diesem Fall wirklich vorwerfen muss, ist, dass
sie diesem Vollidioten nicht einfach eine gescheuert hat. Aber
gut, ich gestehe, das muss man erstmal bringen. Auf der anderen
Seite: Katja Riemann ist ja angeblich Schauspielerin. Da sollte
man sowas schon können. Von Katja Riemann wird behauptet,
so munkelt jedenfalls Marc Fischer, sie glaube, mit der Presse
in Deutschland würde es seit 1933 immer schlimmer werden.
Marc Fischer hat dieser Behauptung eine Menge Plausibilität
verliehen, die vorher nur eine Obsession von Katja Riemann gewesen
wäre, denn nur weil die Presse nicht schreibt, was Riemann
gerne hätte, muss sie noch nicht schlecht sein. Aber das
ist nur ein Gedankenspiel, denn faktisch ist sie noch schlechter
als man es sich in seinen abartigsten Träumen vorstellt,
und Marc Fischer hat sein Scherflein dazu beigetragen.
Dabei kann
man sich Katja Riemann durchaus auch anders nähern als
in sexueller Absicht. Zum Beispiel veröffentlicht sie auf
ihrer Homepage ein Tagebuch, in dem sie kein Löschpapier
vor dem Mund nimmt und ihre Betroffenheit von der Leine lässt.
Am 03.06.2007 teilt sie der Öffentlichkeit mit: »Sonntag
in Deutschland. Der Countdown läuft – noch drei Tage
bis zum Treffen der Großen, bis zum G8. (...auch die politische
Berichterstattung läuft auf Hochtouren, siehe gestrigen
Titel der Zeitung mit den großen Buchstaben...) Was wirds
bringen; wirds was bringen. Zum Kotzen die Prügeleien jetzt,
vorab. Prügeln für den Frieden, verletzen für
eine bessere Welt, Aufspaltung in Feindbilder, um die Welt zu
einen... eine Scheiße das. Gewalt bringt NICHTS!!! Zeigt
nur die Dummheit der Menschen auf. (...) und das noch zu unserem
Stück Sex.Stadt.Beziehung: ›Ich hab immer so Träume
… kann man das sehen?‹«
Ja ja, alles
ganz schlimm das. Und hirnverbrannt. Und Scheiße. Bringt
NICHTS!!! Allerdings: Der Gewalt ging zumindest ein Gedanke
voraus, nämlich Öffentlichkeit zu schaffen. Einen
Gedanken wird man in Katja Riemanns Geschreibsel vergeblich
suchen, außer dass es vollkommen Bild-kompatibel ist.
Es könnte sich auch um einen dieser gagaistischen Kommentare
von Franz Josef Wagner handeln. Und insofern liegen Marc Fischer
und Katja Riemann gar nicht so weit auseinander. Das Dumme war
nur, dass Fischer mit ihr ins Bett wollte und sie nicht. Aber
sonst hätten sie ein schönes Paar abgegeben, und zwar
eins, bei dem die Bescheuertheit sich zu ungeahnten Höhen
aufgeschwungen hätte. So ist es bei diesem Intermezzo geblieben.
Ist ja vielleicht auch besser so.
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