Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Diesen Monat: Katja Riemann

Von Klaus Bittermann

Riemann, Katja – Manche halten sie für eine Schauspielerin. Schließlich seien die Filme, in denen sie mitspielt, sehr erfolgreich, argumentieren sie und folgen dabei der Logik: Fresst Scheiße! Millionen Fliegen können nicht irren. Okay, war jetzt vielleicht ein wenig menschenverachtend, aber sind es nicht gerade die Filme mit Katja Riemann, die man sich wegen ihr dann lieber doch nicht anguckt? Menschen mit ein wenig Geschmack sagen aus diesem Grund: Sie kann es zwar nicht, schauspielert aber trotzdem. Es wird Sie nicht überraschen, wenn ich mich zu den anderen zähle. Aber darum soll es diesmal nicht gehen. Ist ja jetzt auch nichts besonderes, wenn Leute ihren Job nicht können, aber trotzdem erfolgreich sind. Manchmal erscheint dies sogar als conditio sine qua non, um mal einen der wenigen Sprüche auszukramen, die von meinem kleinen Latinum geblieben sind.

Nein, um die Schauspielkunst der Katja Riemann soll es nicht gehen. Eigentlich muss man sie sogar in Schutz nehmen, seitdem sie auf die üblich widerliche Weise von Bild und BZ durch den Dreck der moralischen Empörung gezogen wird. Ihr neuer Freund hat früher mal in einigen Porno-Filmen mitgespielt. Auch ein Schauspieler also, aber im Unterschied zu Katja Riemann hat er rechtzeitig umgesattelt und wurde Bildhauer. Peinlich nur, dass der Freund sie offenbar nicht über seine Karriere vor der Kamera aufgeklärt hat, aber auch das geht niemanden etwas an. Dieses Unterhosenmilieu ist jedoch genau das Lebenselixier dieser Zeitungen. Damit kriegen sie die Leute, die wiederum die Filme von Katja Riemann gut finden. Womit sich ein ganzer Wirtschaftskreislauf schließt, denn jeder profitiert von jedem, egal, ob man gut Freund ist oder nicht.

Über diese Symbiose klärt ein nicht zustande gekommenes Interview auf, das im »Personality Magazin« Park Avenue veröffentlicht wurde und für das Marc Fischer verantwortlich zeichnet. Vermutlich hält sich Marc Fischer für einen Journalisten, eine berufliche Fehleinschätzung, die er mit Katja Riemann gemein hat. Er schreibt in großen Publikumszeitschriften, und wenn man das als Kriterium für Erfolg ansieht, dann ist er sicherlich erfolgreich, indem er nachweist, dass Bild mit ihrem abstoßenden und ekligen Schnüffeljournalismus noch locker in den Schatten gestellt werden kann. Und zwar durch Marc Fischer. Insofern müsste diese Kolumne eigentlich über Marc Fischer gehen. Aber wer kennt schon Marc Fischer? Einigen Kollegen wird er jetzt immerhin als der Mann bekannt sein, der gerne was mit Katja Riemann gehabt hätte und das in einem bemüht ironischen Ton versucht, an den Mann zu bringen. »Wie aus Katja Riemann und mir mal nichts wurde.« Dabei hatte er sein bestes Hemd angezogen, »mein dunkelblaues, offenes kubanisches, Guayabera genannt, das ich nur zu besonderen Anlässen trage«.

Mit heraushängendem Brusthaar und ebensolcher Zunge tritt Marc Fischer hechelnd im »lichtdurchfluteten Innenhof des Borchardt« auf Katja Riemann zu und sagt tatsächlich: »Frau Riemann, Sie sehen wunderbar aus.« Dass Frau Riemann auf einen solchen Schleimbeutel keine Lust hat, kann man sogar bei Frau Riemann verstehen, denn was Marc Fischer vor allem an Katja Riemann interessiert ist das schwarze Kleid mit dem »scharfen Ausschnitt«, in den er gerne hüpfen würde. Pervers ist dabei nicht der Wunsch an sich, sondern dies für eine interessante mitteilenswerte Angelegenheit zu halten, und das noch dazu bei Katja Riemann, die ungefähr soviel Erotik versprüht wie eine mit Muskelaufbaupräparaten vollgepumpte russische Hammerwerferin. »Glücksgefühle durchströmen mich. Jesus Christus, warum hat noch nie einer geschrieben, wie sexy sie ist (...) Ich hatte gute Lust, ihr den Heiratsantrag zu präsentieren (...) Ihren Ex Peter Sattmann hatte sie ja zum Glück schon vor Jahren verlassen«, wie das Ex-Männer eben so an sich haben. Und was sagt dieser mit offenem Hosenlatz herumlaufende Journalist, dabei mit den Wimpern klimpernd (»für einen Mann sind meine recht lang«): »Was trinkt die Dame? Weinchen? Der Sancerre soll hier ja ganz hervorragend sein.«

Was man Katja Riemann in diesem Fall wirklich vorwerfen muss, ist, dass sie diesem Vollidioten nicht einfach eine gescheuert hat. Aber gut, ich gestehe, das muss man erstmal bringen. Auf der anderen Seite: Katja Riemann ist ja angeblich Schauspielerin. Da sollte man sowas schon können. Von Katja Riemann wird behauptet, so munkelt jedenfalls Marc Fischer, sie glaube, mit der Presse in Deutschland würde es seit 1933 immer schlimmer werden. Marc Fischer hat dieser Behauptung eine Menge Plausibilität verliehen, die vorher nur eine Obsession von Katja Riemann gewesen wäre, denn nur weil die Presse nicht schreibt, was Riemann gerne hätte, muss sie noch nicht schlecht sein. Aber das ist nur ein Gedankenspiel, denn faktisch ist sie noch schlechter als man es sich in seinen abartigsten Träumen vorstellt, und Marc Fischer hat sein Scherflein dazu beigetragen.

Dabei kann man sich Katja Riemann durchaus auch anders nähern als in sexueller Absicht. Zum Beispiel veröffentlicht sie auf ihrer Homepage ein Tagebuch, in dem sie kein Löschpapier vor dem Mund nimmt und ihre Betroffenheit von der Leine lässt. Am 03.06.2007 teilt sie der Öffentlichkeit mit: »Sonntag in Deutschland. Der Countdown läuft – noch drei Tage bis zum Treffen der Großen, bis zum G8. (...auch die politische Berichterstattung läuft auf Hochtouren, siehe gestrigen Titel der Zeitung mit den großen Buchstaben...) Was wirds bringen; wirds was bringen. Zum Kotzen die Prügeleien jetzt, vorab. Prügeln für den Frieden, verletzen für eine bessere Welt, Aufspaltung in Feindbilder, um die Welt zu einen... eine Scheiße das. Gewalt bringt NICHTS!!! Zeigt nur die Dummheit der Menschen auf. (...) und das noch zu unserem Stück Sex.Stadt.Beziehung: ›Ich hab immer so Träume … kann man das sehen?‹«

Ja ja, alles ganz schlimm das. Und hirnverbrannt. Und Scheiße. Bringt NICHTS!!! Allerdings: Der Gewalt ging zumindest ein Gedanke voraus, nämlich Öffentlichkeit zu schaffen. Einen Gedanken wird man in Katja Riemanns Geschreibsel vergeblich suchen, außer dass es vollkommen Bild-kompatibel ist. Es könnte sich auch um einen dieser gagaistischen Kommentare von Franz Josef Wagner handeln. Und insofern liegen Marc Fischer und Katja Riemann gar nicht so weit auseinander. Das Dumme war nur, dass Fischer mit ihr ins Bett wollte und sie nicht. Aber sonst hätten sie ein schönes Paar abgegeben, und zwar eins, bei dem die Bescheuertheit sich zu ungeahnten Höhen aufgeschwungen hätte. So ist es bei diesem Intermezzo geblieben. Ist ja vielleicht auch besser so.

 

 

 


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