| Fischer,
Joschka, von der Leyen, Ursula und Herman, Eva –
Heute mal im Dreierpack, quasi im Angebot. Bietet sich ja an
im Zeitalter von »Geiz ist geil!« Da wäre zunächst
Joschka Fischer. Der hat seine Autobiographie vorgelegt. »Was,
jetzt schon?«, werden Sie fragen. Ja, denn die Zeit ist
schnelllebig. Wer da nicht schon mit 50, spätestens 60
ein Lebensresümee verfasst hat, der kann einpacken. Betrachtet
man die Autobiographie aber als Alterswerk, als Rückblick,
dann scheint das Leben nicht nur bei Fischer, sondern auch bei
Klaus Wowereit, Kai Diekmann und anderen, die mit ihren Autobiographien
auf den Markt drängen, in frühen Jahren bereits aus
und vorbei zu sein, falls es überhaupt mal stattgefunden
hat. Das allerdings zu beurteilen will ich mir nicht anmaßen.
Bei Joschka Fischer lohnt sich eine Auseinandersetzung mit seinen
Erinnerungen nicht wirklich, weil der Mann kaum etwas zu berichten
hat (deshalb auch nur Platz drei in der aktuellen internen Rangliste
der peinlichen Prominenz), was nicht schon tausend Mal von der
Presse wiedergekäut worden wäre, weshalb sein Buch
in Teilauszügen ja auch im Spiegel vorab gedruckt wurde,
der sich bei solchen Gelegenheiten gerne als Wiederaufbereitungsanlage
für Alteisenideen betätigt. Nur zweimal wurde ich
bei der Spiegel-Lektüre stutzig. Zunächst als Fischer
schrieb, wie sich ein »Zeitfenster« aufgetan hätte,
in dem er dann gejoggt sei. Wie muss man sich das vorstellen?
Ist das »Zeitfenster« geschlossen oder offen? Und
wenn es aufmacht wird, was verbirgt sich dahinter? Die Leere
im Kopf des joggenden Fischer? Stroh? Joggen ist an sich schon
bescheuert genug, aber dann auch noch in einem »Zeitfenster«
joggen? Was immer das jedenfalls sein soll im anschwellenden
Neusprech, schade, dass Joschka Fischer nicht darin verschwinden
kann. Beim zweiten Mal glänzte Fischer mit einer grandiosen
Erkenntnis: »Da saß ich nun, führte Krieg und
hatte Geburtstag.« Der Arme, kriegt man direkt Mitleid.
Auf Platz zwei folgt
Ursula von der Leyen, die von den Nazis mit dem Mutterschaftsverdienstorden
mit Eichenlaub ausgezeichnet worden wäre, wofür sie
selbstverständlich nichts kann, nein, nein, auf keinen
Fall, die Nazis sind einfach so hinterhältig und gemein...
also Ursula von der Leyen hat sich im Auftrag von Cicero eine
Seite lang Gedanken aus sich herausgepresst, was sie tun würde,
wenn sie noch 24 Stunden lang zu leben hätte. 24 Stunden?
Die können sich ganz schön ziehen, vor allem, wenn
man plötzlich keine Kinder mehr in die Welt setzen oder
Kindergärten besuchen muss. Was macht Ursula von der Leyen
dann? Gute Frage. Na ja, erstmal die Sache langsam angehen lassen:
»Zwei Schalen mit Milchkaffee würde ich zubereiten,
die ich mit meinem Mann im Bett genießen würde.«
Und dann? »Dann kommt das eigentliche Frühstück...
Ich würde wohl Milchkaffee trinken, dazu ein Brötchen
mit Beerenmarmelade essen.« Aha, ich sehe schon, das zieht
sich. Aber bitte schön, was weiter? »Mein Mann soll
sich noch ans Klavier setzen und mich beim Singen begleiten.«
Ursula von der Leyen singt? Das wird was sein. Gut, dass ich
da nicht dabei sein muss. Aber es sind immer noch geschätzte
15 Stunden. Jetzt vielleicht Mittagessen? »Mittagessen
würde ausfallen. Wir haben spät und ausgiebig gefrühstückt.
Anschließend gehen wir raus in die Natur.« Danach
gibt es »Schwarztee mit Milch. Dazu selbst gebackener
Marmorkuchen.« Und dann wird »die Zeit langsam sehr
knapp. Wir würden gemeinsam essen. Käse und Salat
muss dabei sein.« Wir rekapitulieren den Speisezettel
von Ursula von der Leyen an ihrem letzten Tag, bevor sie den
Löffel abgibt: Milchkaffee, nochmals Milchkaffee mit Marmeladenbrötchen,
Tee mit Marmorkuchen und abends Käse und Salat. Es sieht
nicht so aus, als hätte die Frau bei dieser protestantischen
Ernährung viel Freude in ihrem Leben gehabt. Manchen würde
die Nachricht von ihrem baldigen Ableben (ihrem eigenen, nicht
dem von Ursula von der Leyen) den Appetit verderben, was verständlich
wäre. Andere würden noch mal richtig reinhauen. Nicht
umsonst darf der zum Tode Verurteilte vor den Hinrichtung noch
eine Henkersmahlzeit verputzen. Ursula von der Leyen aber hält
bis zum Schluss spartanisch ihre Trenndiät ein: Das hat
uns von der Leyen voraus / Leiden und Sterben im Reihenhaus.
Äh, schon gut, war ja nur ein Versuch, aber so ein Zweizeiler
ist ja schnell weg gelesen.
Jetzt aber fix zum
Fall Nummer drei. Platz eins für Mutti nazionale Eva Herman,
die ihr neues Traktätchen »Das Prinzip Arche Noah.
Warum wir die Familie retten müssen« auf einer Pressekonferenz
vorstellte. Und um die Familie zu retten, äußerte
Eva Herman auch Verständnis für die Nazis. Nicht alles
wäre schlecht gewesen, sie hätten auch gutes getan,
z.B. die Autobahn... nein, stopp, nicht die Autobahn, aber so
was ähnliches, nämlich – richtig, genau! –
die Familie. Aber die wäre von der Nachfolgeorganisation
der Nazis, den 68ern, wieder abgeschafft worden. Und das war
ja wohl total gemein gewesen. Um sich wiederum gegen üble
Entstellungen wie den hier vorgebrachten zu wehren, bemühte
sich Eva Herman um das eigene Originalzitat, d.h. um einen Mitschnitt
der Pressekonferenz, welchen man sich auf ihrer Homepage auch
anhören kann, wenn Sie möchten. Hier das Gegurke in
transkribierter Form: »Wir müssen den Familien Entlastung
und nicht Belastung zumuten und müssen auch ne Gerechtigkeit
schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und
wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland
auch wieder wertschätzen lernen [man beachte: das »Bild«,
nicht die »Mutter« selbst! Wieso eigentlich?, Anm.
des Übersetzers], das leider ja mit dem Nationalsozialismus
und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde [sehr
witzig!]. Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles,
was wir an Werten hatten, es war ne grausame Zeit, das war ein
völlig durch geknallter, hochgefährlicher Politiker,
der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen
wir alle [Jau, das wissen wir alle. Total durchgeknallt, dieser
... Wer jetzt eigentlich?], aber es ist damals eben auch das,
was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter,
das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft.
Es durfte nichts mehr stehen bleiben...« Trotz dieser
»Richtigstellung« wurde die Kündigung des Norddeutschen
Rundfunks, der sie jahrelang mit durchgeschleppt hatte, nicht
zurückgenommen. Da hat sie sich ständig von rechtsradikalen
Gruppierungen wie den Nationalsozialisten mit dem durch geknallten
Hitler als Anführer und von den 68ern ja sowieso distanziert,
und dann rückt man sie in die rechte Ecke. Übel das.
Dabei will sie doch nur »für die menschlichen Grundwerte«
eintreten. Schön. Aber »für«? Wieso »für«?
Ich glaube, das hat Eva Herman nicht wirklich so gemeint.
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