Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Das Who´s Who peinlicher Personen.
Diesen Monat: Jürgen Klopp

Von Klaus Bittermann

Klopp, Jürgen – Ich gebe es zu, ja, ich habe gebetet, dass der Quacksalber Jürgen Klopp nicht bei der Borussia Dortmund landen, der Kelch an den Schwarzgelben vorbei gehen möge. Es hat wie immer nix genutzt. Jetzt muss ich mich mit dem Gröfatz (Größter Fatzke, wenn auch nicht aller Zeiten) arrangieren. Das fällt nicht leicht, denn das meiste spricht nicht für ihn. Schon gar nicht seine Herumkumpelei mit Bubi Kerner im ZDF, der zwar bei älteren Damen echten Schlag hat, aber sonst ein eitles Arschloch ist, der glaubt, mit penetrantem Grinsen allein ließe sich Qualitätsfernsehen machen, das es doch gar nicht gibt, schon gar nicht, wenn er seine Rübe ins Bild hält. Leider muss man sagen, dass Kerner auch ein wenig auf Klopp abgefärbt hat, denn irgendwie hat man das Gefühl, als würde auch er seitdem ständig grinsen. Während der EM tat Klopp mit der größten Selbstverständlichkeit so, als ob er für jeden Spielzug eine plausible Erklärung hätte, dabei weiß man doch, dass im Fußball, jedenfalls auf BVB-Niveau, der Zufall mit satten 60 Prozent veranschlagt werden kann (großzügige Schätzung von mir). Dass Klopp auf Anhieb in Dortmund gut ankommt, zeugt nicht nur von der großen Sehnsucht nach einem Messias, sondern vor allem davon, dass heute im Trainergeschäft weniger der Sachverstand zählt, sondern die Fähigkeit als Kommunikator, d.h. worauf es ankommt, ist die Produktion von Luftblasen, und zwar möglichst großen. Klopp gilt als Motivator, und vielleicht ist er ja auch einer. Aber was ist das für eine Welt, in der merkwürdige und zweifelhafte Methoden zum Erfolg führen und gesellschaftliche Anerkennung finden. Den Mainzern spielte er den »Haka-Tanz« vor, den Kriegstanz der neuseeländischen Ureinwohner Maori, um die Kampfbereitschaft seiner Spieler zu erhöhen. Er verteilte so genannte »Motivationsbackpfeifen« und machte »Überlebenstraining«, eine Art Abenteuerurlaub, in dem man ohne Handy Kanu fahren und selber das Klo putzen muss. Die armen Spieler. Nicht weil die selber das Klo putzen mussten, sondern weil man sie als Personen nicht besonders ernst nimmt, wenn man sie einem solchen Hokuspokus aussetzt, und vielleicht darf man das auch nicht, was aber noch nicht für die Methoden spricht, denn selbst wenn sie Erfolg haben, müssen sie nicht toll sein, denn wie wir alle wissen, heiligt der Erfolg noch lange nicht alle Mittel. Aber es kommt noch schlimmer: »Wenn ich sage, die müssen mit dem Kopf gegen die Wand laufen, müssten sie das tun.« Und das riecht schon verdammt nach völliger Ich-Aufgabe, mit der in der Psychoanalyse gerne Menschen zugerichtet werden. Das aber ist gerade der Grund, warum in Deutschland kein wirklich guter Fußball zustande kommt und geniale Spieler Mangelware sind. Die Spieler sollen funktionieren wie Rädchen in einem Getriebe aus deutscher Wertarbeit, womit man vielleicht mit Mühe Rasenschach hinbekommt, aber noch lange keinen Zauber, der sich nur dann in einem Stadion nieder lässt, wenn Leute am Ball sind, für die das Leder eine Zauberkugel ist, die nur sie beherrschen. Der Traum vom magischen Fußball handelt von Maradonna, Zidane, Ronaldinho, Messi, Diego… Die Liste ließe sich ohne Probleme verlängern, aber einen deutschen Spieler wird man da vergeblich suchen. Nein, diese auch von der alten Koksnase und in die Bundesliga zurückgekehrten Christoph Daum favorisierte Methode, die Spieler »Gras fressen« zu lassen, ist nicht sehr einfallsreich und reicht immer nur für Kampf und Krampf, und für ein Umpflügen des Rasens. Dazu passen im Übrigen, wenn ich mal für einen Moment abschweifen darf, was ich ja sowieso schon dauernd tue, dazu passen die Ressentiments, die Daum für Schwule hegt, die im deutschen Fußball nichts verloren hätten, weil Fußball, wie Daum versuchte zu präzisieren, nachdem ihm der Wind ins Gesicht blies, schließlich eine »Vorbildfunktion für die Jugend« hätte, als ob sich die Schwulen als Spieler tarnen würden, um heimlich in den Umkleidekabinen kleine Jungs unter der Dusche vernaschen zu können, was eine so hirnverkokste Vorstellung ist, dass sie eben nur von Daum stammen kann, denn jeder Schwule wäre ziemlich bekloppt, sich freiwillig in diese Welt der Machos und Eierherzeiger zu begeben, es sei denn, er ist ein Masochist. Die Vorstellung vom »sauberen Sport«, die bei Daum da zum Vorschein kommt, ist allein deshalb schon sehr lustig, weil Daum seine Nase ziemlich tief ins Koksdöschen steckte und das offensichtlich nicht besonders verwerflich fand, jedenfalls nicht so, dass es ihn davon abgehalten hätte, den Job des Bundestrainers für sich zu reklamieren. Überführt zu werden und sich anschließend wieder zurück ins »operative Geschäft« zu wühlen folgt dabei der Logik, der zu Folge gerade Kinderschänder besonders qualifiziert bei der Erziehung des Nachwuchs seien. Aber um auf Jürgen Klopp zurückzukommen, der es keinesfalls verdient hat, mit Christoph Daum in einen Topf geworfen zu werden: Wenn das die modernen Trainingsmethoden sind, dann gute Nacht Borussia Dortmund, dann ist pünktlich zum 100. Geburtstag im nächsten Jahr der Tiefpunkt erreicht, denn wenn etwas feststeht, dann die Erkenntnis, dass Motivationsheinis meist schnell ihr Pulver verschießen.
Dortmunds Manager Zorc hält Klopp für eine Idealbesetzung. In Dortmund munkelte man, dass die Sponsoren einen seriösen Trainer bevorzugt hätten, und das ist das erste Mal, dass ich mit den Geldgebern übereinstimme, denn ich mag Trainer nicht, die in albernen Sportklamotten unwürdig an der Seitenauslinie herumhampeln, als ob sie sich gleich selber einwechseln wollen oder als ob sie auf irgendeinem Bolzplatz den Schreihals und Kraftmeier heraushängen lassen müssten. Ich mag Trainer nicht, die sich von Spielern bespringen lassen, wenn sie mal ein Tor geschossen haben, ich mag diese Inszenierung hemmungsloser Begeisterung nicht, weil das nur davon zeugt, dass der Zufall der Faktor ist, auf den man sich verlässt und auf den man hofft. »Wir wünschen ihm, dass es ihm gelingt, seine Vorstellungen von ›Vollgasveranstaltungen‹ im Signal Iduna Park umzusetzen. Dazu kloppen wir auf Holz«, kalauerte der Hauptsponsor Evonik, und ich fürchte, dass die Verpflichtung Klopps ein ähnlicher Kalauer wird wie die »Vollgasveranstaltungen«: Auf dass nie wieder eine »Vollgasveranstaltung« auf deutschem Boden zu Ende gehen möge. Aber wer weiß, vielleicht ist Klopp ja doch der richtige für »Doatmund« und das hier alles Makulatur, aber das Format, den Verein wieder an die europäische Spitze zurückzuführen, hat er nicht, wenngleich mit ihm im alten Westfalenstadion wieder ein gewisser Unterhaltungswert zurückgekehrt ist, und das ist ja schon mal mehr, als die meisten Trainer vor ihm geschafft haben.

 

 


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