| Gottschalk,
Thomas & Reich-Ranicki, Marcel – Ein Duo
des Grauens, das den Modern Talking durchaus Konkurrenz machen
könnte, wenn es die beiden in Schmalz gemeißelten
Grinsedödel noch gäbe. Glauben Sie nicht? Können
Sie aber. Alles fing mit der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises
durch das ZDF an, als Reich-Ranicki für sein »Lebenswerk«
ausgezeichnet werden sollte. Der lehnte den Preis ab und bezeichnete
die ganze Veranstaltung als »Blödsinn«, weil
er nicht wusste, was er zwischen Atze Schröder (»Proll-Komiker«)
und dem RTL-Team von »Deutschland sucht den Superstar«
zu suchen hatte. Eigentlich ist das eine schöne Sache,
an der es nichts zu meckern gibt, auch wenn das Spektakel im
Sinne Guy Debords hier seine rekuperative Fähigkeit selbst
in diesem Fall unter Beweis stellt, denn nur durch diesen Eklat
wurde man bundesweit auf die Sendung überhaupt aufmerksam,
wurde sie wahrgenommen und versendete sich nicht einfach. Dass
überhaupt mal jemand sagt, welcher Schwachsinn hier am
Werke ist, dafür ist man ja schon dankbar, auch wenn es
inhaltlich keine neue Erkenntnis ist, aber wenn die Einsicht
jemanden kommt, der selber schon einen »Bambi« angenommen
hat und eine »Goldene Kamera«, dann beobachtet man
den Eklat doch mit einer gewissen Genugtuung, nicht zuletzt
weil es in der Folge einige hübsche Verwerfungen im Medien-Betrieb
gab. Die weichgekochte Betriebsnudel Thomas Gottschalk ist von
einer »Bruderschaft im Geiste« überzeugt, vielleicht
weil ihm Reich-Ranicki, der sehr schnell den Überblick
verloren hatte, ihm noch auf der Fernsehpreis-Bühne das
Du anbot. Gottschalk fand zwar, dass Reich-Ranicki »die
Sicherung durchgebrannt war«, aber einer medial inszenierten
Umarmung stand das nicht im Weg. Unterhaltung und Ernstes versöhnten
sich und haben bewiesen, dass die Blöden auf beiden Seiten
der oft als inkompatibel geltenden Fronten besser miteinander
können als bislang angenommen. Gottschalk glaubt tatsächlich
noch an einen höheren Auftrag. Zwischen »arroganten
Eliten« und TV-Machern von Dreck, fühlt sich Gottschalk
als »ein Mensch«, was selbstverständlich eine
Lüge ist, »der immer strebend sich bemüht –
und dabei andere mitnehmen möchte«. Fragt sich nur
wohin? Er beklagt, dass »die da oben« ihn verstoßen
haben und in ihm nur einen »wandelnden Altherrenwitz«
sehen. Es kommen einem fast die Tränen, wie diese arroganten
Eliten mit dem Menschen Gottschalk umspringen, der doch nur
das beste will, auch wenn er nur Scheiße macht, was er
rundweg auch gar nicht abstreitet, nur dass seine Scheiße
eben nicht ganz so scheiße ist wie andere Scheiße.
Mit der Kritik an ihm aber beleidigt man nicht nur ihn als Menschen,
sondern auch die elf Millionen Zuschauer, die ihm dabei zusehen,
wie er sich in einen Topf mit Senf tunken lässt oder Stars
mit üppigem Dekolleté einlädt, um in selbiges
hinein zu klitschen. Penibel rechnet er vor, wie er 2 Prozent
Zuschauer, die sonst Volksmusik hören würden, abgreift,
wenn er die Senfnummer ankündigt, und würde der Senf
auch noch brennen, dann gewänne er auch noch die ProSieben-Action-Idioten,
und eine nackte Frau würde ihm auch noch das halbe RTL
II-Publikum einbringen, aber dennoch findet er es überheblich,
»wenn mir und den Leuten so was madig gemacht wird«,
weil sein Fernsehen »mitunter albernes, aber schmerzfreies
Unterhaltungsfernsehen ist, zynismusfrei und generationsübergreifend.«
Aber ist das wirklich mehr als ein gradueller Unterschied? Seine
Show als albern zu bezeichnen wäre eine Beleidigung für
wirklich Komisches, wie es die Monty Pythons hervorgebracht
haben, seine Sendung ist höchstens deshalb »schmerzfrei«,
weil auch sein Publikum schmerzfrei ist, während sie bei
Leuten, die noch alle Schweine im Rennen haben, nachweislich
Übelkeit und Erbrechen hervorruft, und auch der Glaube,
seine Sendung wäre zynismusfrei, ist eine nette Selbsttäuschung,
denn allein die Tatsache, den Zuschauern diesen Quark als Abendunterhaltung
zu verkaufen, ist zynisch, ganz abgesehen davon, dass die Stars
der internationalen Unterhaltungsbranche natürlich hofiert
werden wollen und Gottschalk gar nicht das Format hätte,
sie fertigzumachen, was ja Heldenmut erfordern würde, einen
Heldenmut, wie ihn Elke Heidenreich bewiesen hat, als sie Thomas
Gottschalk als »überschätzten, müden alten
Mann« bezeichnete und die Preisverleihung als »Mist«,
und darauf hinwies, wie »jämmerlich unser Fernsehen
ist, wie arm, wie verblödet, wie kulturlos, wie lächerlich«.
Bewusst nahm sie dabei ihre Kündigung durch das ZDF in
Kauf, was ja dann auch prompt geschah. Egal, ob sie diese Kündigung
provozieren wollte, Elke Heidenreich hatte einfach recht, und
sie nahm sich dabei kein Blatt vor den Mund, und das ist über
die Maßen zu loben, vor allem weil ihre Kritik an den
ZDF-Bossen ja die Richtigen trifft. Für Gottschalk war
das ebenso einfache wie klare und keinen Zweifel lassende Statement
von Heidenreich nur ein »polternder Ausbruch gekränkter
Eitelkeit«, zu der Gottschalk allerdings schon lange nicht
mehr fähig ist, weil er ja die Menschen in den Mainstream
»mitnehmen« möchte. Und dass auch Reich-Ranicki,
für den Elke Heidenreich eine Lanze gebrochen hat, nur
einfiel, dass sie die Kündigung wollte, ist ein wenig arm
und passt zu seiner anwanzerischen Verbrüderung mit Gottschalk.
Immerhin hat Elke Heidenreich Konsequenzen gezogen, und das
ist etwas, was in der Branche nicht gerade üblich ist,
wo sich selbst Großverdiener wie Gottschalk wie arme Würstchen
benehmen und sich an ihrem Job klammern, weil sie sonst nichts
haben. Wenn Schleimern wie Gottschalk dann mal vorgeführt
wird, was aufrechtes Handeln bedeutet, dann reagieren sie schnell
beleidigt, weil sie insgeheim wissen, dass da jemand ist, der
mit seinem Tun einem die eigene Armseligkeit vorführt,
und das hat ja niemand besonders gern, weshalb sich Gottschalk
in dem Irrglauben wiegt, dass von seinem Käse »die
Welt nicht schlechter geworden ist«. Doch, ist sie, aber
diese Einsicht wird ihn nie erreichen, denn er ist viel zu resistent,
um überhaupt noch etwas zu merken. Um aber hier nicht mit
diesem pessimistischen Ausblick zu enden, zum Schluss noch was
wirklich Lustiges aus dem Hause ZDF. Die »Wetten dass«-Redaktion
lehnte in einem Brief einen Wetten-Vorschlag eines gewissen
Christoph Hofrichter aus Stuttgart ab: »Sehr geehrter
Herr Hofrichter, die von Ihnen angebotene Wette, Sie könnten
bei sieben starken Raucherinnen die von denselben benutzten
Zigarettenmarken durch Cunnilingus herausschmecken, können
wir leider nicht annehmen.« Schade eigentlich.
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