| Benedikt
XVI. alias Joseph Ratzinger – Noch vor vier Jahren
schlagzeilte es wie nix Gutes aus Bild heraus: »Wir sind
alle Papst!« Es gibt eben keine blasphemischere Zeitung
als das deutsche Hausblatt des Papstes, der sich von Mister
Schmierlapp Numero Uno Kai Diekmann höchstpersönlich
eine »Gold-Bibel« überreichen und sich mit
ihm zusammen ablichten ließ. »Seine warme Hand packt
greifend zu. Sie hält fest. Das Herz dockt an. Sein Haupt
nickt ... Die Zeit steht still. Ich schaudere vor Ergriffenheit
... Der Papst betrachtet und befühlt die Bild-Bibel ...
Der Abschied. Das Ende. Ein Sekretär flüstert: ›Er
weiß, dass Sie auf der Seite der Armen, Kranken und Schwachen
sind‹...« »Bild liebt den Papst«, hieß
es dann auch, und wenn der Papst diesen Schmonzes gelesen hat,
dann bin ich sicher: der Papst liebt Bild. Jedenfalls hat der
Papst keine Berührungsängste, auch Jesus hat sich
schließlich mit Sündern eingelassen. Da passt es
doch prima, dass zwischen telefonischen Bumskontakten mit Abspritzgarantie
und gehenkten Kinderschändern der Papst mit senilem Lächeln
die Leser bezaubert.
Jetzt aber wurde
in der BamS schwer gestöhnt und geächzt und es erhob
sich ein großes Wehgeschrei. »Wer die Fotos des
Papstes in diesen Tagen sieht, der sieht einen geschwächten
Mann. Die dunkel umschatteten Augen liegen tief in den Höhlen,
das schmale Gesicht ist gerötet, die Haut zeigt Anspannung.
Benedikt XVI. (81) erlebt die schwerste Krise seines vierjährigen
Pontifikats. Er hat sie wohl nicht selbst verschuldet. Aber
er trägt die Verantwortung. Und er trägt schwer daran.«
Der Papst, eine arme Sau. Was war passiert? Während »die
Alpträume dieser Welt jeden Morgen auf den Papst warten«,
haben üble Berater den Papst übel beraten. Haben ihm
einfach einen Wisch untergeschoben und ihm gesagt, dass er mit
seiner Unterschrift ein paar verirrte Schäfchen heim ins
Reich holen würde. Wer würde das nicht tun? Haben
ja schon die Nazis gemacht, und mit denen hat man sich immer
gut verstanden. Papst Pius XII. hat sogar extra eine Art Verkehrslinie
einrichten lassen, um von ungläubigen Juden und Amerikanern
verfolgte Nazis zur Flucht zu verhelfen. Dem Vatikan übel
gesinnte amerikanische Militärs und Historiker nannten
sie die »Rattenlinie«. Dabei waren es doch höchstens
verirrte Schafe, und auf die ist der Papst ja quasi spezialisiert.
Und dieser Holocaust und dieses Auschwitz! Mein Gott, was ist
das schon gegen die Höllenqualen, auf die sich die Juden
im Jenseits sowieso schon mal einstellen können? Die können
sich schon mal warm anziehen. Würde aber auch nicht helfen.
Warum da groß was dazu sagen? War doch viel zu unwichtig!
Dachte sich Pius XII. Und schwieg. So kann man schließlich
auch zum Ausdruck bringen, dass Auschwitz nicht existiert hat.
Vielleicht dachte sich das auch der fiese Berater und ließ
den armen Papst »ins offene Messer« der Öffentlichkeit
laufen. Und irgendwie ist die Öffentlichkeit als offenes
Messer ja auch ganz schön gemein. Wartet nur darauf, dass
der Papst von üblen Hintermännern hinters Licht geführt
wird, um dann über ihn herzufallen, der doch eigentlich
nur »ein Arbeiter im Weinberg des Herrn« sein will,
als den sich Kardinal Ratzinger immer bezeichnet hat. Womöglich
hat er im Weinberg aber zu viel getrunken und dann besoffen
wie eine Strandhaubitze rumgegröhlt: »Her mit dem
Wisch! Isch unterschreibe alles. Williamson? Ist das nicht dieser
Auschwitz-Leugner? Na, is ja eh wurscht! Das Haus der Herrn
ist schließlich für alle offen. Arschoffen. Ich musses
wissen, ich bin der Häuptling von dem Haufen, hahaha. Und
so ein Auschwitz-Leugner fehlt uns noch. Die sind uns doch schon
fast ausgegangen, oder?« Aber das ist schon wieder so
eine Verleumdung, denn in Wirklichkeit hat Benedikt XVI. gar
nix gewusst. Als einfacher »Arbeiter im Weinberg des Herrn«,
was weiß man da schon? Und warum regen sich die Leute
denn bei dem Piusbruder Williamson eigentlich plötzlich
so auf? Hat Benedikt XVI. nicht erst kürzlich einen Weihbischof
berufen, der glaubt, Hurrikan Katrina, der New Orleans zerstörte,
sei eine gerechte Strafe Gottes gewesen für eine sündige
Stadt? Nicht, dass der Papst davon was gewusst hätte, aber
fand das irgendjemand vielleicht komisch? Oder dass derselbe
Weihbischof Harry Potter für Satanismus hält? Und
Harry Potter ist ja wohl ein bisschen was anderes als Auschwitz.
Wer kennt denn heutzutage noch Auschwitz? Da denken die meisten
an Sauna, sich mal so richtig ausschwitzen. Aber Harry Potter
kennt jedes Kind. Hat da vielleicht irgendein Zeitungsfritze
gesagt, hey, ist vielleicht nicht so ne gute Idee, die beliebteste
Kindergeschichte der Welt als Machwerk des Bösen abzutun?
Nicht dass der Papst wüsste. Aber er hat ja sowieso nichts
gewusst. Und zwar von Anfang an. Schon beim Unterschreiben.
Nichts gewusst. Man kann ja auch nicht alles wissen.
Und jetzt? »Der
Papst ist sehr betroffen. Er leidet«, sagt der Freiburger
Erzbischof Zollitsch. Und Walter Kardinal Kasper, ein enger
Freund des Papstes, sagt entsetzt: »Die Umgebung des Papstes
hat versagt«, während der Vatikan-Sprecher Lombardi
prüfte und recherchierte, dann aber zu der Überzeugung
kam: »Alles war ein schrecklicher Zufall.« Und was
sagt eigentlich Georg Gänswein, der persönliche Sekretär
des Papstes? »Wie eine Lawine sei die Katastrophe über
den Vatikan hinweg gerollt, sagt er.« Und BamS weiß
noch mehr: »In der vergangenen Woche hätte der Prälat
aus Freiburg eigentlich ins Bett gehört. Trotz Schutzimpfung
hatte ihn die Grippe erwischt, so richtig mit Fieber, schmerzenden
Gliedern, dröhnendem Kopf. Doch jetzt war nicht die Zeit,
sich auszuruhen. Sein Papst war in Gefahr. Und die Schutzmauer
um ihn schien seltsam durchlässig.« Oh Gott, womöglich
kamen dem Papst Informationen jenseits des seltsam durchlässigen
Schutzwalls zu Ohren! Das wäre fatal. Dann könnte
er am Ende doch was gewusst haben. Vielleicht sind sogar die
Antworten von Piusbruder Williamson, die er dem Spiegel gegeben
hat, bis zum Papst durchgedrungen!
Über die allerdings
dürfte sich der Papst köstlich amüsiert haben.
Ich fand sie jedenfalls lustig. Williamson wollte erst mal »Beweise
finden«, dass es überhaupt Gaskammern in Auschwitz
gab, dann, falls sich herausstellen sollte, dass dem so ist,
»werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen.«
Williamson hat mal den Leuchter-Report gelesen, »er schien
mir plausibel. Nun sagt man mir, dieser sei wissenschaftlich
widerlegt. Damit werde ich mich jetzt auseinandersetzen.«
Fred A. Leuchter behauptet in diesem Report, daß in den
Gaskammern gar kein Massenmord habe stattfinden können.
In Deutschland befindet sich diese Schrift wegen Volksverhetzung
auf dem Index. Nun hat sich der Piusbruder »das Buch von
Jean-Claude Pressac bestellt, auf Englisch heißt das ›Auschwitz.
Technique and operation of the gas chambers‹. Es ist zu
mir als Ausdruck unterwegs. Ich werde es lesen und studieren.«
Als Ausdruck? Kann er sich das Buch nicht leisten? Bei seriösen
Historikern ist Pressac nicht sehr angesehen. Er war nämlich
früher auch ein Holocaust-Leugner. Dann aber überkam
ihm irgendwann die Erleuchtung, dass sich in den Gaskammern
tatsächlich Menschen umbringen ließen. Whow! Da wird
Williamson aber Augen machen. Und Benedikt XVI. auch. Wenn er
die Antworten Williamsons gelesen hätte. Hat er aber nicht,
denn immer noch lautet das oberste Prinzip: Der Papst weiß
nichts! Das aber gründlich.
P.S. Ich dachte schon,
Benedikt XVI. würde in der Tradition Pius XII. das Problem
einfach wegschweigen, aber dann sprach er doch noch ein Machtwort,
das so butterweich und konsensschmusig war, dass es auf jedem
Allgemeinplatz eine hervorragende Figur abgegeben hätte:
»Der Hass und die Verachtung für Männer, Frauen
und Kinder, die sich in der Shoah manifestiert haben, waren
ein Verbrechen gegen die Menschheit. Das sollte allen klar sein,
insbesondere denen, die in der Tradition der Heiligen Schrift
stehen«, sagte der deutsche Papst. Das hätte Williamson
nicht besser ausdrücken können.
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