| Parteienlandschaft
– Es gibt kaum etwas langweiligeres als die »Parteienlandschaft«,
bei der jeder sofort große Leere und Wüste Gobi assoziiert,
oder so etwas wie das Merkel. Verlässlich taucht sie bei
Wahlen auf, und dann stellt sich heraus, die »Parteienlandschaft«
ist gar keine Wüste, sondern eine Tortengraphik. So jedenfalls
wird sie uns im Fernsehen gezeigt. Die Parteienlandschaft besteht
immer aus CDU/CSU, SPD, FDP, Die Grünen, Die Linke und
eine Partei, die »Andere« heißt. Gar kein
schlechter Name für eine Partei, aber merkwürdigerweise
kommt sie nie ins Parlament, obwohl sie häufig über
5 Prozent liegt, was darauf hinweist, dass es in Deutschland
mit der Demokratie doch nicht besonders weit her ist.
Zu Recht interessiert
sich kaum jemand für das, was in der »Parteienlandschaft«
so passiert. Und wenn ein Parteienlandschaftsforscher irgendwelche
Entwicklungen und Veränderungen in der Parteienlandschaft
kommentiert, dann stellt sich schlagartig ein Gähnkrampf
ein, der leicht chronisch werden kann, wenn man lange auf die
Tortenpraphiken guckt. Es gab auch schon Fälle, in denen
der Gähnkrampf sich zu einem richtigen Starrkrampf auswuchs.
Das ist häufig nach den Wahlsendungen in der ARD und im
ZDF der Fall, jedenfalls hat das eine total abhängige Untersuchungskommission
herausgefunden. Die Krankenhäuser verzeichnen dann angeblich
eine merklich steigende Einlieferung von Patienten, die den
Mund nicht mehr schließen können, und die mit leichten
Elektroschocks behandelt werden, damit sich der Kiefer wieder
einrenkt und die Nahrungszufuhr wieder reibungslos funktioniert.
Bislang ist noch
unklar, wie diese Symptome ausgelöst werden, man weiß
nur, dass sie in Zusammenhang mit den Parteienlandschaftssendungen
stehen. Vielleicht vermelden bislang der Hirnforschung unbekannte
Synapsen, dass eine Partei immer auch das Spiegelbild seiner
Wähler ist und dass Merkel in gewisser Weise so etwas ist
wie eine ideelle Gesamtdeutsche, und vielleicht weckt dieser
Erkenntnisschock ungewollt den Wunsch, sich ein weiteres Leben
in einer Parteienlandschaft zu ersparen.
Gegen diese durch
die Parteienlandschaft ausgelöste Starre gibt es jetzt
aber auch noch ein anderes Mittel als die selbst in der Schulmedizin
nicht unumstrittenen Elektroschocks. Dieses Mittel kostet nur
8.95 Euro, liegt gut in der Hand, und wenn man darin blättert,
wird man feststellen, dass es sich um ein Buch handelt. Es hat
den etwas verwirrenden, wenn nicht sogar unpassenden Titel »Das
PARTEI-Buch«, und in ihm kann man nachlesen, »Wie
man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt«.
Dass dieses Buch gegen die Depressionen hilft, die durch die
immer gleichen Parteienlandschaften ausgelöst werden, wurde
durch zahlreiche Experimente wissenschaftlich, aber auch empirisch
nachgewiesen. Martin Sonneborn, der Verfasser des Buches, ist
ein Fachmann, und das gibt er bereits auf dem Titel unmissverständlich
zu verstehen: »Der Autor kennt sich aus!« Sonneborn
ist nämlich Mitglied aller Parteien, die ihn aufgenommen
haben. Außerdem ist er ein ehemaliger Chefredakteur der
Zeitschrift Titanic. Wer jetzt allerdings denkt, ach ja, die
Titanic hat sich mal wieder einen Scherz erlaubt, der liegt
gründlich daneben, denn Sonneborn macht sich nicht wie
irgendein Comedian einfach lustig über Politiker und ihre
Landschaften, er bedient nicht ein Merkel-wählendes Publikum,
das mal ablachen will und sich deshalb ordentlich auf die Schippe
nehmen lässt, nein, Sonneborn ist zu dieser Systemfunktion
inkompatibel. Indem er nicht nur wie die erkennbare Karikatur
eines Politikers auftritt, sondern wie ein echter Politiker,
wirkt er auch so irritierend und verstörend für seine
Kollegen und das Publikum.
Die Idee ist dabei
so einfach wie genial. Die PARTEI sei eben keine Spaßpartei
wie die FDP, »sondern eine ernsthafte Partei. Wir nennen
uns ›Die PARTEI‹ und zeigen damit, dass wir sämtliche
anderen Parteien überflüssig zu machen gedenken. Außerdem
wird Die PARTEI ein sehr wirksamer Hebel sein, um unseren Auftrag
zu erfüllen: die endgültige Teilung Deutschlands.«
Genial auch das dazugehörige Wahlplakat, auf dem der gute
alte antifaschistische Schutzwall abgebildet ist mit dem historischen
Versprechen Ulbrichts (oder war es doch nur ein Versprecher?):
»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!«
und dem Zusatz: »Außer uns. Die PARTEI«. Und
wer dann empört auf den Schießbefehl hinweist, dem
nimmt Sonneborn den Wind aus den Segeln mit dem nicht minder
historischen Versprechen: »Ich geben Ihnen mein Ehrenwort
– ich wiederhole: mein Ehrenwort! –, dass mit uns
an der neuen Mauer, die wir errichten werden, kein Schießbefehl
zu machen ist.« Immerhin wünschen sich 21 Prozent
der Wähler die Mauer zurück, ein solide Basis, auf
der sich aufbauen lässt.
Zwei gut platzierte
geflügelte Worte machen deutlicher als jede Anklage, was
es mit der Glaubwürdigkeit der Politik auf sich hat. Und
je absurder die Monströsitäten der Politik sind, desto
mehr reklamiert die PARTEI sie und erhebt sie zu ihrem Programm.
Der schmutzige Wahlkampf, von dem die anderen Parteien nur reden,
die PARTEI verspricht ihn, nämlich besonders schmierig
vorzugehen, sich auf billigsten Populismus und beliebige Inhalte
zu konzentrieren, die schließlich eine demokratische Mehrheit
garantieren. Um das zu erreichen, ist es Sonneborn egal, wer
die PARTEI wählt: »Wir nehmen jeden Schwachkopf.
Das macht schließlich jede Partei so. Aber wir sind die
einzigen, die das auch offen sagen.« Wenn sich spätestens
an dieser Stelle der Krampf noch nicht gelöst haben sollte,
bei dem handelt es sich zweifellos um einen schweren Fall von
Humorresistenz, denn bislang bereitete jedem Probanden die Lektüre
ungeheures Vergnügen, weil die ganze Lächerlichkeit
zum Vorschein kommt, in der die Parteien untergehen würden,
wenn man ganz einfache Maßstäbe der Vernunft und
Logik anlegte.
Als Ihr Vertrauensarzt
kann ich Ihnen nur empfehlen: Lesen Sie »Das PARTEI-Buch«,
werden Sie Mitglied, machen Sie den ganz anderen Wahlkampf mit
dem Ziel der Lächerlichmachung herrschender Konventionen,
wählen Sie Martin Sonneborn, der unermüdlich darauf
hinarbeitet, von den Bürgern dieses Landes beauftragt zu
werden, das Demokratieprinzip ad absurdum zu führen. Und
sämtlich Parteienlandschaftsbeschwerden sind wie weggeblasen.
Darauf gibt Ihnen sein Ehrenwort, Ihr Doktor med. Klaus Bittermann
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