Who`s who peinlicher Personen
Warum sachlich, wenn´s auch persönlich geht

Das Who´s Who peinlicher Personen.
Diesen Monat: Die Parteienlandschaft

Von Klaus Bittermann

Parteienlandschaft – Es gibt kaum etwas langweiligeres als die »Parteienlandschaft«, bei der jeder sofort große Leere und Wüste Gobi assoziiert, oder so etwas wie das Merkel. Verlässlich taucht sie bei Wahlen auf, und dann stellt sich heraus, die »Parteienlandschaft« ist gar keine Wüste, sondern eine Tortengraphik. So jedenfalls wird sie uns im Fernsehen gezeigt. Die Parteienlandschaft besteht immer aus CDU/CSU, SPD, FDP, Die Grünen, Die Linke und eine Partei, die »Andere« heißt. Gar kein schlechter Name für eine Partei, aber merkwürdigerweise kommt sie nie ins Parlament, obwohl sie häufig über 5 Prozent liegt, was darauf hinweist, dass es in Deutschland mit der Demokratie doch nicht besonders weit her ist.

Zu Recht interessiert sich kaum jemand für das, was in der »Parteienlandschaft« so passiert. Und wenn ein Parteienlandschaftsforscher irgendwelche Entwicklungen und Veränderungen in der Parteienlandschaft kommentiert, dann stellt sich schlagartig ein Gähnkrampf ein, der leicht chronisch werden kann, wenn man lange auf die Tortenpraphiken guckt. Es gab auch schon Fälle, in denen der Gähnkrampf sich zu einem richtigen Starrkrampf auswuchs. Das ist häufig nach den Wahlsendungen in der ARD und im ZDF der Fall, jedenfalls hat das eine total abhängige Untersuchungskommission herausgefunden. Die Krankenhäuser verzeichnen dann angeblich eine merklich steigende Einlieferung von Patienten, die den Mund nicht mehr schließen können, und die mit leichten Elektroschocks behandelt werden, damit sich der Kiefer wieder einrenkt und die Nahrungszufuhr wieder reibungslos funktioniert.

Bislang ist noch unklar, wie diese Symptome ausgelöst werden, man weiß nur, dass sie in Zusammenhang mit den Parteienlandschaftssendungen stehen. Vielleicht vermelden bislang der Hirnforschung unbekannte Synapsen, dass eine Partei immer auch das Spiegelbild seiner Wähler ist und dass Merkel in gewisser Weise so etwas ist wie eine ideelle Gesamtdeutsche, und vielleicht weckt dieser Erkenntnisschock ungewollt den Wunsch, sich ein weiteres Leben in einer Parteienlandschaft zu ersparen.

Gegen diese durch die Parteienlandschaft ausgelöste Starre gibt es jetzt aber auch noch ein anderes Mittel als die selbst in der Schulmedizin nicht unumstrittenen Elektroschocks. Dieses Mittel kostet nur 8.95 Euro, liegt gut in der Hand, und wenn man darin blättert, wird man feststellen, dass es sich um ein Buch handelt. Es hat den etwas verwirrenden, wenn nicht sogar unpassenden Titel »Das PARTEI-Buch«, und in ihm kann man nachlesen, »Wie man in Deutschland eine Partei gründet und die Macht übernimmt«. Dass dieses Buch gegen die Depressionen hilft, die durch die immer gleichen Parteienlandschaften ausgelöst werden, wurde durch zahlreiche Experimente wissenschaftlich, aber auch empirisch nachgewiesen. Martin Sonneborn, der Verfasser des Buches, ist ein Fachmann, und das gibt er bereits auf dem Titel unmissverständlich zu verstehen: »Der Autor kennt sich aus!« Sonneborn ist nämlich Mitglied aller Parteien, die ihn aufgenommen haben. Außerdem ist er ein ehemaliger Chefredakteur der Zeitschrift Titanic. Wer jetzt allerdings denkt, ach ja, die Titanic hat sich mal wieder einen Scherz erlaubt, der liegt gründlich daneben, denn Sonneborn macht sich nicht wie irgendein Comedian einfach lustig über Politiker und ihre Landschaften, er bedient nicht ein Merkel-wählendes Publikum, das mal ablachen will und sich deshalb ordentlich auf die Schippe nehmen lässt, nein, Sonneborn ist zu dieser Systemfunktion inkompatibel. Indem er nicht nur wie die erkennbare Karikatur eines Politikers auftritt, sondern wie ein echter Politiker, wirkt er auch so irritierend und verstörend für seine Kollegen und das Publikum.

Die Idee ist dabei so einfach wie genial. Die PARTEI sei eben keine Spaßpartei wie die FDP, »sondern eine ernsthafte Partei. Wir nennen uns ›Die PARTEI‹ und zeigen damit, dass wir sämtliche anderen Parteien überflüssig zu machen gedenken. Außerdem wird Die PARTEI ein sehr wirksamer Hebel sein, um unseren Auftrag zu erfüllen: die endgültige Teilung Deutschlands.« Genial auch das dazugehörige Wahlplakat, auf dem der gute alte antifaschistische Schutzwall abgebildet ist mit dem historischen Versprechen Ulbrichts (oder war es doch nur ein Versprecher?): »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen!« und dem Zusatz: »Außer uns. Die PARTEI«. Und wer dann empört auf den Schießbefehl hinweist, dem nimmt Sonneborn den Wind aus den Segeln mit dem nicht minder historischen Versprechen: »Ich geben Ihnen mein Ehrenwort – ich wiederhole: mein Ehrenwort! –, dass mit uns an der neuen Mauer, die wir errichten werden, kein Schießbefehl zu machen ist.« Immerhin wünschen sich 21 Prozent der Wähler die Mauer zurück, ein solide Basis, auf der sich aufbauen lässt.

Zwei gut platzierte geflügelte Worte machen deutlicher als jede Anklage, was es mit der Glaubwürdigkeit der Politik auf sich hat. Und je absurder die Monströsitäten der Politik sind, desto mehr reklamiert die PARTEI sie und erhebt sie zu ihrem Programm. Der schmutzige Wahlkampf, von dem die anderen Parteien nur reden, die PARTEI verspricht ihn, nämlich besonders schmierig vorzugehen, sich auf billigsten Populismus und beliebige Inhalte zu konzentrieren, die schließlich eine demokratische Mehrheit garantieren. Um das zu erreichen, ist es Sonneborn egal, wer die PARTEI wählt: »Wir nehmen jeden Schwachkopf. Das macht schließlich jede Partei so. Aber wir sind die einzigen, die das auch offen sagen.« Wenn sich spätestens an dieser Stelle der Krampf noch nicht gelöst haben sollte, bei dem handelt es sich zweifellos um einen schweren Fall von Humorresistenz, denn bislang bereitete jedem Probanden die Lektüre ungeheures Vergnügen, weil die ganze Lächerlichkeit zum Vorschein kommt, in der die Parteien untergehen würden, wenn man ganz einfache Maßstäbe der Vernunft und Logik anlegte.

Als Ihr Vertrauensarzt kann ich Ihnen nur empfehlen: Lesen Sie »Das PARTEI-Buch«, werden Sie Mitglied, machen Sie den ganz anderen Wahlkampf mit dem Ziel der Lächerlichmachung herrschender Konventionen, wählen Sie Martin Sonneborn, der unermüdlich darauf hinarbeitet, von den Bürgern dieses Landes beauftragt zu werden, das Demokratieprinzip ad absurdum zu führen. Und sämtlich Parteienlandschaftsbeschwerden sind wie weggeblasen. Darauf gibt Ihnen sein Ehrenwort, Ihr Doktor med. Klaus Bittermann

 

 


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